Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 138 (14.8.1930)
- Date
- 1930-08-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seife 4 DIE STIMME Nf. 186 Fortdauer der antisemitischen Agitation in Rumänien. «Strenge Maßnahmen". — Die Regierung kompromittiert. Bücher, an denen Blut und Fluch klebt Wiener Kasdmith and russischer Buchhandel. — Wiener Agudah und der fromme Generalagent der Sowjets. — Handele, Handele! Zu allen Zelten hat es Nutznießer der verfolgten jüdischen Religion gegeben. Wie die einen aus ihr Kraft und Hoffnung schöpften, so machten die anderen mit ihren Leiden ein Geschäft. Die Geschichte des jüdischen Martyriums weiß davon ein Lied zu singen. Jüdische Tränen und jüdisches Blut wurden oft zum Gegenstand eines guten, frommen Geschäftes. Bei einer Judenvertreibung, bei einem Fogrom, immer wußten sie dabei zu sein. Auch die Pseudoirommen, die sich in ihrem Klerikalismus und in ihrer Scharfmacherei nicht genug tun konnten. In ihrem Munde führen sie mit Vorliebe den jüdischen Gott. Sic geben sich als seine Vertreter auf Erden aus, als Pächter seiner Lehre. Sie gebär* den sich wie Inhaber eines Alleinvertriebes, eines religiösen Monopols. Niemand ist ihnen fromm genug und nichts ist ihnen koscher genug. Niemand weiß, was der liebe jüdische Hergott von seinen Juden verlangt. Nur sie, die Besserwisser, welche mit einer heuchlerischen Frömmelei sich großtun und in Gottes Namen sich in die jüdische Gasse erschleichen. So versorgen sie die armen, gebrochenen, gottesfürchtigen Juden, welche für alles zu haben sind, mit allem möglichen, was politisch brauchbar und materiell gewinnbringend ist. Mit frömmelnd ausgeklügeltem Kaschruth und mit frommen Religionsbüchern — an denen Blut und Huch klebt. Handele! Handele! — Der berüchtigte Motel Hornstein, der schon alle Aletamorphosen im jüdisch-politischen Leben durchgemacht hat, ist der Generalagent der Sowjets für den Verschleiß der in Rußland geraubten Bücher. Er, der sich froijimtuende Kaschruthkrakeeler, hat den Alleinvertrieb für Oesterreich; Ja, den Alleinverkauf der frommen Bücher, an denen Blut und Fluch klebt. Als er nach dem Umsturz in Rußland auf dem Wiener Platz auftauchte, hat er als Misrachist angefangen. Später bildete er einen national-religiös-koschcren .Verein «Achduth», welcher anläßlich der Kultusgemeindewahlen im Jahre 1924 als antizionistisch entlarvt wurde. Das politische Geschäft dieses zionistischen Renegaten ging schief. Da taufte er den Verein in einen ausschließlichen Kaschruthverein: «Hithachduth-Jereims. (Verband der Frommen) um. Kaschruth ist ein gutes Geschäft. Da kann man was bieten, und, was wichtiger ist, überbieten. Das öffnet auch Tür und Tor bei der Kultusgemeinde. Kaschruth ist eine gute Sache. Das hat Sinn und Gewinn. Aber auch diese marktschreierische Kaschruthmacherei wurde endlich den Herren von der Kultusgemeinde zu bunt. Die Position schien wieder bedroht. Da errichtete sich Motel Hornstein nebenbei ein zweites Geschäft. Er landete bei der Wiener «Agudah» und ließ sich neben Herrn Pappenheim zum ersten Vizepräsidenten wählen. Sicher ist sicher. Zwei Geschäfte sind jedenfalls besser als eines. Eine Rabbinerkonferenz in Wilna, unter Vorsitz von Chofez Ghaim, der berühmtesten rabbinischen Größe der Gegenwart, des Ehrenpräsidenten der Agudah und von Rabbi Ch. O. Grodzensky, des Präsidenten des Rabbinischen Rates der Agudah, hat einen schweren «Iasur» (Verbot) gegen den Ankauf der russischen Bücher erlassen. Herr Hornstein kümmert sich darum wenig. Daß aber die Wiener Agudah es duldet, daß ihr Vizepräsident die frommen Bücher, an denen Blut und Fluch klebt, für die Sowjets auf den Markt bringt, ist höchst bemerkens- und verdammehswert Ebenso bezeichnend ist es, daß die Sowjets, welche mit Gott Krieg führen, ausgerechnet den Führer des Kaschruthvereines «Hitachduth-Jereim* (Verband der Frommen) und den Vizepräsidenten der Wiener Agudah zu ihrem Generalagenten für den Vertrieb der geraubten Bücher bestellt haben. Die Extreme berühren sich. Die frommtuenden Käschruthmacher und die unerbittlichen Gotteslästerer finden sich, zusammen im: Handele! Handele! — Aber auch die Wiener Kultusgemeinde, welche dem internationalen Hilfskomitee für die russischen Juden. beigetreten ist und aus ihren Mitteln zur Linderung der russischen Judennot beisteuert, sollte sich folgerichtig diesen Kaschruthkrakeeler merken und wissen, daß sie einem Partner gegenübersteht, der als Generalagent der Sowjets Bücher verschleißt, die wenig koscher sind, weil an ihnen Blut und Fluch klebt. R. D. 454 Araber und 19 Jaden im Zusammenhang mit den August-Unruhen verurteilt. Jerusalem, 8. August (J. T, A.). «Palestiqe Bulletin* veröffentlicht eine Statistik, aus der hervorgeht, daß von den Im Zusammenhang mit den Palästinaunruhen im August 1929 angeklagten 724 Arabern 55 wegen Mordes, 50 wegen versuchten Mordes, 130 wegen Hetze und Plünderung, 7 wegen Aufhetzung und 212 wegen verschiedener anderer Vergehen während der Unruhen verurteilt wurden. Demgegenüber wurden von den im Zusammenhang mit den Unruhen angcklagt gewesenen 161 Juden hur 19 verurteilt, und zwar zwei wegen Mordes, einer wegen versuchten Mordes, 7 wegen Plünderung und Brandstiftung und 9 wegen verschiedener anderer Vergehen. Somit wurden von den angeklagten Arabern 58 Prozent, von den allgeklagten Juden hingegen nur 12 Prozent für schuldig befunden und verurteilt. Kollektivgeldbußen wurden Hebron und einer Anzahl Dörfer in der Gesamthöhe von 14.000 Pfund auferlegt.. Die Dörfer, die sich an der Plünderung der Kolonie Beer Tuwjah beteiligt haben, wurden mit einer Geldbuße von 4700 Pfund, die Bewohner der Dörfer, die Artuff zerstörten, mit einer Geldbuße von 2800 Pfund und die Zerstörer von Moza mit einer Geldbuße von 1500 Pfund belegt. König Caröl und Manin. Bukarest. (J. T, A.) Es verlautet, daß König Caröl den Ministerpräsidenten Maniu empfangen und ihn bei dieser Gelegenheit für alle weiteren Ausschreitungen des Antisemitismus verantwortlich gemacht hat. Man sieht in dieser Haltung des Königs eine Garantie dafür, daß nunmehr durchgreifende Maßnahmen im Interesse der Sicherheit der jüdischen Bevölkerung durchgeführt werden würden. Die Cuzisten halten eine Konferenz ab. Bukarest. (J. T. A.) Unter dom Vorsitz Cuzas fand in Jassy eine Konferenz der Leitung der antisemitischen Liga statt, in der beschlossen wurde, beim König und bei der Regierung gegen die Unterdrückung der antisemitischen Bewegung zu protestieren. Es wurde ferner beschlossen, in jedem Bezirk Kongresse zur Verbreitung der antisemitischen Lehre abzuhalten. Cuza telegraphiert an den König. Bukarest. (J. T. A.) Professor Cuza hat aus Jassy, wo die von ihm geschaffene christliche Liga eine Konferenz abhält, ein Telegramm an König Carol gesandt, in dem gegen die Unterdrückung der antisemitischen Bewegung protestiert und Versammlungssdwie Aktionsfreiheit für die Antisemiten gefordert wird. Das antisemitische Organ «Universub betreibt weiter antisemitische Propaganda und behauptet, die Juden von Suczawa rauben die Bauern aus und nehmen ihnen sogar ihre letzten Kleider für unbezahlte Schulden weg. Die einflußreiche Zeitung «Dimineatza» hingegen warnt das rumänische Volk vor dem Antisemitismus, der die jetzige Wirtschaftskrise verschuldet hat. Die schuldigen Beamten von Beresehti entlassen Bukarest (J. T. A.) Die von der Regierung gegen die Behörden von Beresehti wegen Duldung der antisemitischen Exzesse eingeleitete Untersuchung ist nunmehr abgeschlossen. Es wurde festgestellt, daß die Ortsbehörden ihre Pflicht nicht getan haben; die schuldigen Beamten sollen alle ihres Amtes enthoben werden. Fortdauer der antisemitischen Agitation. Bukarest. (J. T. A.) Die rumänische Nachrichten* Agentur «Radon» verbreitet die folgende Mitteilung: Dem Innenministerium sind Informationen zugegangen des Inhalts, daß ungeachtet der von der Regierung Ungeordneten scharfen Maßnahmen die antisemitische Agitation in vielen Städten der Bukowina fortdauert. Die Regierung hat deswegen spezielle Beamte in die Bukowina entsandt, die die strikte . Weisung erhalten haben» alle notwendigen Maßnahmn zu ergreifen, um solchen Agitationen ejn Ende zu bereiten. Dag Innenministerium ermahnt alle Beamten, ihre Pflicht zu tun und erklärt, daß Jeder Beamte, der dieser Weisung nicht Folge leistet, seines Amtes enthoben werden soll. . Die ,,Union*' interveniert. Bukarest. (J. T; A.) Die Union rumänischer Juden unterbreitete dem Staatssekretär im Innenministerium Victor Caderc eine Beschwerdeschrift, in der darauf hjngcwiesen wird, daß gegenwärtig in Cuvurlui, Alt-Rumänien, die antisemitische Hetze in einer gefährlichen Form überhand nimmt, ohne daß die Ortspolizei irgendetwas zur Bekämpfung der Hetze unternimmt. Cadere entsandte $ofort den Sigurantza-Inspektor Stefanescu nach Cuvului mit', dem Auftrag, alle Maßnahmen zur Verhütung von Unruhen zu ergreifen und die Ortspolizei wegen ihrer Passivität gegenüber der antisemitischen Agitation zu maßregeln. Weitere schwere Anklagen gegen Vaida-Voevod Die angesehene Tageszeitung «Vfitörül» erhebt gegen den Innenminister Vaida-Voevod, der gegenwärtig ln Abwesenheit des Außenministers auch das Außenministerium (eitet, die schwere Anklage, daß er aus den Fonds des Außenministeriums be* deutende Geldsummen zur Unterstützung der antt* semitischen Bewegung ausgebe. Bel jeder Gelegenheit, schrejbt «Vütörul», verteile der Minister unter antisemitische Agitatoren, dje ihn besuchen, größere Geldbeträge, damit sie die antisemitische Agitation intensiver betreiben können. Der Prozeß Oodreanu verschoben. Bukarest. (J. T. A.) Der Prozeß gegen den Führer der «Eisernen Garde» Zelea Codreanu und sieben seiner Anhänger, der am kommenden Donnerstag hätte beginnen sollen, ist verschoben worden. Diese Maßnahme hat Enttäuschung hervorgerufen, da man allgemein annshm, daß die Justizbehörden entschlossen sind, gegen die «Eiserne Garde», deren Verschwörung sich nicht allein gegen die Juden, sondern auch gegen die Regierung richtet, schnell durchzugreifen. Löst die Regierung die antisemitiSchim Studcnten-Örgaiiiisationeii auf? Die rumänischen Zeitungen veröffentlichen dje sensationelle Mitteilung, daß die Regierung beschlossen hat, die antisemitischen Studentenorganisationen «Eiserne Garde» und «Erzengel Michael», aufzulösen. Der Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur wandte sich an die zuständigen Stellen, um zu erfahren, ob diese Mitteilung richtig ist. Er wurde dahin informiert, daß die Regierung einen Beschluß, die antisemitischen Studentenorganisationen aufzulösen, bis jetzt noch nicht gefaßt hat, daß aber Justizminister Unian gemeinsam mit Staatssekretär des Innern Cadere eine Konfereh2 aller Chefs der politischen Polizei (Sigurantza) einberufen hat, ln der die Frage der Auflösung der «Eisernen Garde» und des «Erzengel Michael», Organisationen, die eine das öffentliche Leben störende Tätigkeit entfalten, erörtert worden Ist. Die Konferenz kam zu däm Schlüsse, daß beide Organisationen keine legale Erlaubnis für ihre Tätigkeiten haben, es braucht also keines formalen Auflösungsbeschlusses, sondern es genügt, diese Organisationen als illegal zu erklären. Das Unterrichsministerium veröffentlicht eine Bekanntmachung, wonach jeder Student, der an politischen Demonstrationen teilnimmt, aus der Universität ausgeschlossen wird. Helfen die Liberalen den Antisemiten? Bukarest. (J. T. A.) Es wurde festgestellt, daß das von Cödreapu Unterzeichnete antisemitische Manifest der «Eisernen Garde» in der Druckerei der Bukarester antisemitischen Tageszeitung «Universal» hergestellt worden ist, deren Chefredakteur, Popescu, dem letzten liberalen Kabinett Bratianu a|s Justizminister angehört hat. Vor dem Allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina. Der Kongreß wird am Samstag, den 27. September, in Berlin eröffnet werden. Bis jetzt hat das Zentralbureau des Kongresses in folgenden Ländern Karten verschickt: Polen 120.000, Rumänien 20.000, Tschechoslowakei 5500, Deutschland 5000, Litauen 5000, Bulgarien 4000, Lettland 4000, Argentinien 2000, Belgien 1500, Frankreich 1500, Oesterreich 1300, außerdem noch an England, Mexiko, Südafrika u. a. Zigaretten wöchentlich weniger geraucht und Sie haben das Abonnement für die „Stimme“ bezahlt X *.vV Im Namen des amerikanischen Nationalen Arbeiterkomitees für die organisierten jüdischen Arbeiter Palästinas wird sich eine sehr repräsentative Delegation am Kongreß beteiligen. Die amerikanische Delegation wird noch vor dem Kongreß Palästina besuchen. In Anbetracht des außerordentlichen Interesses für den allweltlichen Kongreß ist von den Freunden des arbeitenden Palästina in Argentinien diesmal die Frage der Entsendung einer direkten Delegation zum Kongreß zur Erörterung gestellt worden. Die Entscheidung war positiv. Die Liga für das arbeitende Palästina in Polen hat die Vorbereitungsarbeiten für den Kongreß in Angriff genommen. Das Zentralkomitee der Liga hat die Losung einer Verbreitung von 1Ü0.00Q Kongreßkarten in Polen herausgegeben. Der Kongreß des Weltverbandeg der Jüdischen Jugend. Genf, 6. August. (J. T. A.) Am 4. August vormittags begann die erste Arbeitssitzung des Kongresses des Weltverbandes der Jüdischen Jugend. Folgendes Bureau wurde gewählt: Präsident: Dr. Mantcfoik (Schweiz), Vizepräsidenten: Sehramek (Straßburg) und Dr. Bloom (Buenos Aires), Sekretäre: Mllc. Feldmann (Kairo) und Setbon (Sfax). Es wurden verschiedene Kommissionen eingesetzt, woraufhin der Präsident des Verbandes, Palliere, den Geschäftsbericht erstattete. Referate erstatteten sodann der Generalsekretär der Union Nehama, der Chefredakteur der Zeitschrift «Chaloiii», der Schatzmeister und der Vertreter der Palästina-Kommission. Es folgte eine allgemeine Aussprache. Irl der Nachmittagssitzung erstatteten die Delegierten der Sektionen Alexandria, Port-Sald, Kairo, Teheran, ifax, Paris, Straöburg, Genf usw. die Länderberichte, denen sielt ebenfalls eine Aussprache anschlöß. •M) ■ mmMMm a m gggBSZM ■ ■- » »w i ■ »■'«■■■■—■* ■ 4——rmm aä gpr I SBRPapi 18068381 SBSflBSa ■ BSSSB ■ ISS2SS ■ SBBBSSI nl jjj Hand gestickte üi I Gobelins j || HiRZL-Gobelins 9 | erzeugt Atelier Zahradnik - 1 Wien, V., Anzengrubergasse Nr. 30 w Telephon U-4Q-9-17 ia a S5S9B a bsshb asssssi isssss a bsbbbs a zsbsbi a bbbeb