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Die Stimme · 1930-08-14 · Heft 138 (14.8.1930) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 138 (14.8.1930)
Date
1930-08-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Me 3 Nr. 188. ' .. . . ME STBMK Kaufhaus. gegründet 1899 Inhaber: . . Paul Weinstock Wien, ll., Untere Augartenstraße Nr. 13 Leopoldstätter Warenhaus der* Zukunft Der Konflikt um die Infiat-Böden entschieden Haifa. (J. T. A.) Der vor zwei Jahren zwischen den Kolonisten von Chedera und Beduinen entstandene Konflikt um den Besitz der sogenannten Infiat-Böden ist jetzt zur Entscheidung gebracht worden. Der Eigentumsteil der Kolonisten von Chedera auf diese Böden wurde daher bestätigt, mit der einen Ausnahme, daß 2500 Dunam Dünen, die als Regierungseigentum festgestellt wurden, den Beduinen weiter zur Weide überlassen werden. Die Beduinen hatten ein Areal von mehr als 10.000 Dunam als ihr Eigentum reklamiert. Die Weltkonferenz der Zionisten- Revisionisten in Prag Sonntag, den 10. August, wurde die Weltkonferenz der Zipnisten-Revisionisten. in Prag eröffnet. 180 Delegierte und viele Gäste aus Polen, Amerika, England, Oesterreich, Rtiraänien usw. nehmen an ihr teil. Merkwürdigerweise wurde die Konferenz weder von der Regierung noch von der Stadtverwaltung begrüßt. Auch die Vertreter der jüdischen Gemeinde in Prag waren bei der Eröffnung nicht anwesend. Wladimir Jabotinsky hielt ein dreistündiges Referat über die Lage im Zionismus. Er hat die Politik der britischen, Regierung einer heftigen Kritik unterzogen. Vor allem griff er Macdonald an, der jetzt die im Jahre 1922 den Juden gegebene Versprechung rückgängig macht. Jabotinsky führte im besonderen aus: „Der Zionismus bedeutet die Errichtung eines Judenstaates, eine jüdische Mehrheit auf beiden Seiten des Jordanflusses. Die Judennot im Osten ist heute so groß, daß zwei bis drei Millionen Juden werden auswandern müssen. Wohin sollen sie gehen, wenn nicht nach Palästina, das von der britischen Mandatsregierung ausdrücklich zum Zwecke der Errichtung eines jüdischnationalen Heimes übernommen wurde. Das jüdische Volk hat unter den größten Opfern seine Pflicht erfüllt. Die englische Regierung aber hat ihr Versprechen ‘nicht gehalten, im Gegenteil, sie hat der jüdischen Arbeit, der jüdischen Aufbautätigkeit viele Schwierigkeiten bereitet. Es gibt 40 Millionen Araber, welche ein Gebiet besitzen, das so groß ist, wie halb Europa. Palästina bildet nur den 170. Teil dieses großen arabischen Gebietes. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker könne unmöglich darin bestehen, daß ein Volk so viel Boden besitzt, hingegen ein anderes landlos bleiben soll. Die Revisionisten sind für ein friedliches Zusammenleben mit den Arabern, sofern diese die Balfour-Deklaration anerkennen. Die heutige Stellungnahme der Londoner Regierung gegenüber den jüdischen Forderungen ist perfid.. Was Kischinew in der Geschichte des zaristischen Regimes ist, das wird für ewi^e Zeiten Hebron und Saffcd in der Geschichte des britischen Herrscliens in Palästina verbleiben. Wir sind nicht für die Uebergabc des Mandats an einen anderen Staat, aber wir wollen jetzt den letzten Versuch machen, ob England entschlossen ist, mitzutun und mitzuhelfen, damit Palästina eine jüdische Mehrheit habe oder nicht.“ Zum Schhiß seiner Rede kam Jabotinsky auf die Politik,der Exekutive zu sprechen, di« er kritisierte. Die Exekutive hat die zionistischen Interessen nicht genügend vor der Mandatsregierung vertreten. Jabotinskys Rede wurde von den Delegierten und Gälten mit großem Beifall aufgenommen. In der, Sonntagnachmittagsitzung wurde ein elfgiiedriges Präsidium aus den folgenden Herren gewählt: Dr. Soskin, Dr. Brutzkus, M. Danzis, B. Weinstein, J. Kahan, Hans Löw, A. Recanati, Dr. Lachmann, Lubitzky, Dubifczky udn Rotmann. Dr. Soskin, der den Vorsatz übernahm, teilte mit, daß etwa 260 Delegierte der revisionistischen. Ortsgruppen anwesend sind, so daß man von einem Kongreß der revisionistischen Partei sprechen dürfe. Nach Wahl von Ausschüssen, darunter eines Ausschusses zur endgültigen Formulierung dos revisionistischen Programms, erstattete Herr Meer G r o ß m a n (London) sein Referat über Rekonstruktion der z i ö n i s t is c h e u p.o 1 i t i U. Die Kraft des Herzischen Zionismus, so führte er aus, habe darin bestanden, daß er unerschrocken die Wunden des neue Wege vorgezeichnet, ein Ziel aufgcstellt und die Methoden aufgezeigt, mit denen dieses Ziel erreicht werden kann. Diese Tradition hat der Revisionismus übernommen. Der gegenwärtigen Konferenz, die in einer Zeit schwerer politischer Krise stattfindet, obliegt es, nicht nur zu formulieren, was schon seit 1925 und, vielleicht schon seit 1920 gesagt wurde, sondern auch die Gründe der Krise und eine Revision der zionistischen Politik darzulegen, Line Rekonstruktion der Zionistischen Politik jüdischen Galuthlebens aufgedeckt hat. Er hat könne erreicht werden durch eine Erschütterung der gewohnten Denk- und Kampfesweise. Aber sie ist unvermeidlich und vollzieht sich schon seit geraumer Zeit nicht allein in den revisionistischen Reihen, sondern im Zionismus überhaupt. Seit einer, gewissen Zeit sei die innerzionistische Auseinandersetzung charakterisiert durch den Versuch, nicht nur die Methoden, sondern auch das Endziel des Zionismus zu revidieren. In das gegenwärtige Chaos müsse der Revisionismus das richtige Wort tragen, Ordnung und Disziplin wiederherstellen. Wir sprechen von Rekonstruktion der Methoden, aber nicht des Zieles, denn das Endziel bleibt unverändert. Dieses Endziel ist die völlige Befreiung des jüdischen Volkes, seine politische und kulturelle Unabhängigkeit, die Schaffung eines eigenen Staates. Die Politik Dr. Weizmanns ging nicht den Geschehnissen voraus, sondern ließ sich von ihnen ins Schlepptau nehmen. Eine Folge dieser Politik war die Umwandlung des aktiven englischen Interesses in eine „Neutralität“; sie hat zum englischen Achafch Haamismus, wie wir ihn heute kennen, geführt. Dieser Zionismus hat nichts mit dem staatlichen Herzischen Zionismus, dessen Träger die Revisionisten sind, zu tun. Man hat es unterlassen, die strittigen Begriffe, wie „Nationalheim“, rechtzeitig zu definierend Wir haben keine Achtung vor dieser Exekutive und wir fühlen es schmerzlich, daß auch die englische Oeffentlichkeit keine Achtung vor ihr hat. Auf der letzten Aktdoöskomiteesitzung habe Weizinann gesagt: das Mandat und seine Durchführung stünden in Frage. Moralisch und yaktisch stehen wir heute dort, wo wir vor an Remo standen. Die politischen Aufgaben der nächsten Jahre sieht Großman in Zwei Richtungen: In einem System politischer Arbeiten, Verhandlungen mit politischen Faktoren, um ihnen klarzmtfachep, was der Zionismus wblle und was er für England bedeut«?. Ferner die Erzielung einer klaren Antwort, ob England die Gründung eineg jüdischen National hfeiriis in Palästina will oder, nicht. Darin müsse eine frcundliohe, aber entschiedene Warnung eingeschlossen sein, daß wir kein Interesse an England hätten, wenn es nicht unser Partner sein wolle. Die Alternative sei: Das Weltjudentum oder die Araber Palästinas. Großman glaubt nicht, daß eine Aenderung der Orientierung gegen England notwendig sein wird. Wir müssen der Welt klarmachen, daß die Araber Palästinas ein Vorposten des arabischen Imperialismus sindj der mehr Boden will als er bearbeiten kann. Die Entscheidung müsse zwischen Europa und Asipn getroffen werden. Der Revisionismus hat als einzige zionistische Partei in seinem Agrarprogramm die Befriedigung der arabischen Forderungen auf gestellt. Er sei auch für Erweiterung der lokalen Verwaltung im Lande. Erst bei Ausschluß der politischen Fragen werde eine wirtschaftliche Kooperation mit den Arabern möglich sein. JÜDISCHE ELTERNI Kauft SchulbUchar für Eure Kinder nur in der IBdliclicii Buchhandlung Hermann TUCllltGF Wian, II., Gr. Stadtgutg. 7 (Ecke Taborstraße 5Ö) Tel. R-41-4-20 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen. Verzeichnisse kostenlos! Wir wollen, schloß Großman, eine gemeinsame Front. Der Revisionismus habe das Vertrauen in die alten Kräfte verloren. Deshalb baue er eine neue Organisation mit neuem Menschenmatcriai. Aus Gesprächen, mit Delegierten der revisionistischen Weltkonferenz gewann der J. T. A.-Vertreter den Eindruck, daß der Wunsch nach Trennung der revisionistischen Bewegung von der Zionistischen Organisation stark überhand nimmt und vielleicht die Mehrheit auf der Konferenz haben wird. Andere revisionistische Führer versicherten dem J. T. A.-Vertreter, daß die Konferenz einmütig gegen die Jewish Agency stimmen wird, es sei denn, daß eine Jewish Agency auf rein demokratischer. Grundlage gewählt wird. Was hat Passfield den Arabern ahgeboten? Jerusalem. (J. T. A.) Die arabische Exekutive Palästinas hielt eine Sitzung ab, in der die Mitglieder der arabischen Delegation für London über ihre Verhandlungen mit dem Kolonienminister Lord Passfield Bericht erstatteten. Als Erster berichtete das Mitglied der London-Delegation Auni Bey Abdul Hadi über die Aufnahme der Delegation durch Lord Passfield. Lord Passfield, teilte Auni Bey mit, hat die von der arabischen Delegation vorgetragene Forderung nach Errichtung eines Parlaments in Palästina zurückgewiesen, dafür aber den Arabern als Aequivalent für die jewish Agency eine Art Arab Agency oder eine legislative Körperschaft mit beschränkten Rechten angeboren. Wir bettelten nicht, schloß Auni Bey, sondern wir vertraten energisch unsere Forderungen, und Lord Passfield gab uns die Versicherung, daß er uns ein neues Angebot machen wird, welches unsere Hoffnungen nicht enttäuschen wird. Der Delegierte Alfred Roch gab eine Darstellung der Verhandlungen mit der englischen Regierung, die wesentlich von der Auni Beys abwich. In Passfields Statement, sagte Roch, war eine Institution vorgesehen, die von den arabischen Forderungen sich nicht sehr weit unterschied. Auni Bey griff später nochmals in die Diskussion ein und zitierte Clemenceaus Ausruf: «Wehe der Nation, die das Schweigen wählt!> Das Zögern Großbritanniens, sagte Auni Bey weiter, ist auf die Furcht vor der zionistischen Propaganda zurückzuführen. Auch Frankreich fürchtet den Zorn der Zionisten. Das Mitglied der arabischen Exekutive Azat Darvizah forderte die sofortige Einberufung des achten palästinensisch-arabischen Kongresses und führte hiefür das folgende Argument ins Treffen: Der siebente Kongreß hat die jetzige Exekutive gewählt und ihr den Auftrag gegeben, ein Parlament durchzusetzen. Darin habe die Exekutive versagt. Darvizah verlangte auch, daß die Nichtzusammenarbeit mitder Regierung und der bürgerliche Ungehorsam nach dem Muster der anderen Orientländer proklamiert werden. Beamte der Exekutive bemühen sich, die Extremisten zu beschwichtigen, und erklärten, der High Commissioner, der demnächst ins Land zurückkehren wird, werde eine befriedigende Lösung mit sich bringen. Ein anderes Mitglied der Exekutive, Boulous Shehada, sprach sich entschieden gegen die Einrichtung einSs ständigen arabischen Propagandabureaus in London aus und forderte die Einrichtung eines ständigen politischen Bureaus für die östlichen Länder, da England durch die Unzufriedenheit im Orient empfindlicher getroffen wird als durch irgendwelche Klagen europäischer Mächte. Das Programm des Großmufti. Jerusalem. (J. T. A.) Auf der letzten Tagung der arabischen Exekutive hat der Großmufti von Jerusalem, Haj Amin el Husseini, sein Programm entwickelt, das in den Worten gipfelte: . Engere Zusammenarbeit mit den übrigen islamischen Ländern auf pan-islamischen Linien, ferner ein Pakt mit den christlichen Nationen gegen die Juden. Aus arabischen Quellen verlautet, daß der nationalistische Führer Moghanan Elias Effendi Moghanan nach der Rede des Mufti seiner tiefsten Unzufriedenheit darüber Ausdruck gegeben hat, daß, statt den Plan der Bodenerwerbsgesellschaft zu fördern, der Plan einer islamisch-christlichen Allianz gegen die Juden erwogen werde. In äußerstem Zorn verließ Moghanan die Sitzung. 4114

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