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Die Stimme · 1930-08-07 · Heft 137 (7.8.1930) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 137 (7.8.1930)
Date
1930-08-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME Nr. 1B7 4 Engländer klagen England an Das Britische Palästina-Komitee Aber die Hinausschiebung der Palästina-Debatte im Unterhaus Ein Jahr verging fn; diesen Tagfen jährt sich zum ersten Halts vielleicht der schrecklichste Tag, den wir ifl der neuzeitlichen Geschichte des jüdischen Volkes iit verzeichnen haben: der Ausbruch des barbarischen Angriffes äuf das jüdische Palästina. Ein Jahr verging seit jenen Tagen, in denen iurchtbare Ereignisse Sich überstürzten und das Judentum der ganzen Welt in Angst versetzten und in Hefe Trauer hüllten,* ein Jahr seit jener Katastrophe! die unser junges Werk im Lande in einen "Trümmer- Saufen zu verwandeln dföhte; ein Jahr seit den gräßlichen Massakers in Hebron und S>äfed; and ein fahr seit der heldqsmiütigen Verteidigung jüdischer Kolonien. jij Es war ein trauriges Jahr. Durch all die Wochen and Monate lastete über uns wie ein Alp das tragische Augustgeschehen. Die politischen Konsequenzen der blutigen Kämpfe bildeten eine Reihe von Niederlagen für unsere Bewegung. Man gab uns keinen Moment Zeit zur Erholung. Man erlaubte uns nicht, vergessen zu wollen und zu können. Man tat alles mögliche, um das Unglück gegen uns bis zum äußersten auszunützen. Man gab sich an vielen Stellen Mühe, dem Zionismus den Todesschlag zu versetzen. Dies ist mißlungen und dies mußte mißlingen. Eine lebendige Idee, die in Millionen von Herzen pfljftnt, kann weder durch vielfachen Mörd, noch durch perfide Politik getötet werden. Nach einem fahr steht unsere nationale Frönt: der Jischuw in Palästina und das große Galuth-Hinterland, fester und einiger als je. Wenn irgend eine Aenderung zu verzeichnen ist, dann ist es eine Aenderung zum Guten: der Wille wurde gestärkt, die Anstrengungen vervielfacht, die Energie vergrößert. Warum soll auch ein Positivum nicht festgestellt werden? Wir haben gar keinen Grund, an der (Verwirklichung der zionistischen Idee zu zweifeln. Erst recht nicht, wenn wir uns vergegenwärtigen, mit welchen Mächten wir seit dem August 1929 zu kämpfen hatten und welchen Gefahren und katastrophalen Ereignissen wir seit dieser Zeit ausgesetzt waren. Der Zionismus lebt und verbreitet sich. Palästina ist eine uneinnehmbare Festung. An dieser Festung und an der ehernen moralischen Kraft des bewußten Weltjudentums werden alle Angriffe aller unserer Feinde zerschellen, wie sie bis jetzt zerschellten. Und doch ist es ein schwerer nationaler;Trauerlag. Die Ironie des Schicksalswollte, daß er einige Tage nach dem anderen größeti geschichtlichen [Trauertage fällt, nach Tiseha b’Aw. Die Ironie des. geschichtlichen Geschehens brachte es zustande, jem Volk, das im Monat Aw um seine Unabhängigkeit und den vor 2000 Jahren verwüsteten Tempel trauert, in eine doppelte Trauer zu hüllen. Noch sind uns die danteischen Szenen in der Abrahamstadt Hebron: und der KabbaUestätte, Safed in Erinnerung. Noch steigt uns das Haar zu Berge, wenn wir uns an die Abschlachtiingen erinnern, an all das, was Verhetzter Mob in diesen beiden Städten an der friedlichen jüdischen Bevölkerung verübte. Noch äange haben wir den Verlust an so viel Blut und Gut nicht verschmerzt. Ein Jahr verging, ohne daß wir aufatmen konnten. Ein Jahr nervöser Spannung, ein Jahr der Trauer und — contra spem speramus r-~ ein Jahr fder Hoffnung. Wenn ein Volk unsterblich ist, dann steigt, der Phönix immer aus der Asche. Das jüdische Volk ist unsterblich. Mit rotem, heißem Blute erkauft es ZoV. für Zoll seine Freiheit wk 04r 9. Aw in Palästina Unorhdrte Maßnahmen der Palästina-Regierung — 10.000 Juden pilgern zur Klagemauer ' Jerusalem, 4. August (L T. A.) Am Vorabetul des Tiseha b’Aw wurde das Atizünden der Kerzen bei der Klagemauer verboten. Es würde auch itfdhtgestattet, auf Matten utid Säcken zum Zeichen der Trauer Platz zu nehmen, Wie es die Tradition verlangt Die Behörden verständigten außerdem die Vertreter des Waad Leumi lind der Agudah, daß Sie nicht erlauben werden, die Gebete anläßlich des Neumondes zu veranstalten. Diese Beschränkungen des Gottesdienstes bei der Klagemauer sind heuer zum ersten Male von der Regierung erlassen. Das palästinensische Judentum feierte den Tiseha b'Aw wie noch nie bisher. Im Laufe des gestrigen Tages kamen zur Klagemauer 10.0Ü0 Juden aus Jerusalem und anderen Orten Palästinas, um an den Gebeten teilzunebmen. Bis 12 Uhr mittags zogen in einem fort die Massen zur Klagemauer. Es herrschte ein großes Gedränge. Die Rupe wurde nicht gestört Die Rabbiner erlaubten nicht, daß man sich in den engen Gäßchen per Altstadt, die zur Klagemauer führen, länger aufhalte. Tel-Awiw stand im Zeichen der nationalen Trauer. Die elektrischen Lampen auf den Straßen brannten nicht. Alle Vergnügungslokale waren geschlossen. Die Synagogen waren überfüllt. London, 1. August. (J. T. A.) Eine Kundgebung des aus Parlamentariern aller Parteien bestehenden Britischen Palästinaköfflitees nimmt anläßlich des Abschlusses der Päfkmentssession am 1. AugUSt durch die föigeflde Erklärung zu der Hinausschiebung der PaiSstinadebäfte im Unterhaus Stellung: Am i. August wurde das Parlament geschlossen,, ohne daß eine Debatte über Palästina stattgefunden hat; dies, obwohl seit den Un- KXXXXXXXXXXXXXXXXXXX)OOOOOgXX>OOOOOeOOOO Ijl TrM der MM || II Catt „Ritas Maas" II (Cafätfer Leo Lßwy) 1 j| Größere and kleine Kloblokala II 1« Bez., Wippliagerstrafie 24 9 Bl Tel. U 27-4-Ö4, U 26-2-74 | ocxxxxxxxxxxaopocxsogxxxxxaoooooooooooooO --.1-»;.-y ~ ^..lauest* ruhen fast ein Jahr verflossen ist. Palästina ist aber nicht ein Punkt, über den ein Minister mit Leichtigkeit hinweggehen darf. Schweigt das Parlament, dann herrschen die' Beamten, denn die Minister sind bei nöch sö guten Absichten ohne Hilfe des Parlaments nicht stark genug, um ihrem Willen das Uebergewicht zu verschaffen. Die Regierung Palästinas leidet in diesem Augenblick unter zu viel Verwaltung und zu wenig Inspiration. Das Parlament war Palästina gegenüber hinsichtlich der aufgewandten Zeit nicht sehr großzügig. Es hatte schon seit Jahren nicht einen ganzen Tag für eine Palästinadebatte übrig. Aber die Schwierigkeiten, mit denen wir es hier zu tun haben sind solcher Art, daß sie nur durch eine erschöpfende Parlamentsdebatte beleuchtet werden können.. Wir haben es nicht mehr mit dem offenen Frontalangriff gegen das Mandatsprinzip zu tun, und die Forderung,^ Palästina im Interesse der Wirtschaft, zu räumen, erledigt sich VÖürßb' ihre eigene' Absurdität. \;;Y ’ ' : / Die Schwierigkeit beginnt erst, wenn wir uns fragen, was düe Palästinaregierung faktisch geleistet hat, um das Nationalheimfür die Juden vorwärts zu bringen. Gnadengesuch für Orphali Jerusalem. (J. T. A.) Der einzige im Zusammenhang mit den Augustereignissen des vorigen Jahres in Palästina zum Tode verurteilte Jude Joseph Orphali hat, nachdem seine Verurteilung auch in der Zweiten Instanz bestätigt wurde,. beim Privy Council, der obersten Appellationsbehörde des britischen Reiches, Berufung gegen das Urteil eingelegt. Der Privy Council erklärte-sich für unzuständig, da er kein AppeUaiibnsgericht für Strafsachen sei. Er könne ein Urteil nur. dann aufhebdn, wenn der Gang des ordentlichen Gerichtsverfahrens verletzt worden-ist Dies träte aber in diesem Falle nicht zu. Nach Ablehnung der Appellation hat Sir Boyd Mcrriraan es übernommen, ein Gnadengesuch an iden High Commlssioner zu verfassen, dam nun die letzte Entscheidung zuSteht. Wie die J. T. A, erfährt, hat das Gericht zweiter Instanz, als es das Todesurteil gegen Orphali bestätigte, einen Gnadenakt empföhlen. Die hebräische Presse Palästinas nimmt Zu dOr Forderung nach Begnadigung Orphalis Stellung. Die Arbeiter- Tageszeitung «Dawar*, schreibt: «Sollte Orphali hingerichtet werden, so wird die Exekution nicht einen Mörder treffen, sondern einen vollkommen Unschuldigen, an dem der Staat ein Justizverbrechen begangen hat.» Jabotinsky klagt Lord Paßfield und d*n Bdgb- Coiwnissioner Jabotinsky berät, wie die J. T. A. erfährt, mit Jurist^ sehen Sachverständigen die Möglichkeit, den britischen Kolonienministcr Lord Paßfield und den High Commissioner für Palästina, Sir John Chancellor, gerichtlich zu belangen, da in dem gegen Jabotinsky erlassenen Einreiseverbot nach Palästina, für welches die Genannten verantwortlich sind, eine willkürliche Verletzung persönlicher Interessen zu erblicken sei. Jabotinsky ist von seiner Stelle als Vizepräsident der Versicherungsgesellschaft «Judea Insurance» zurückgetreten, nachdem er unterrichtet worden war, daß das Einreiseverbot für-'in endgültig ist. Die KlagejnauerkommJgsion gebt nach Lenden (ienf. (J, T. A.) Wie der J. T. A.-Vertretef aus zuyer- Lässiger Quelle erfährt, wird die Klagemauerkonimission,; die Palästina vor einigen Tagen verlassen hat, nicht gleich nach Genf kommen, sondern sich vorerst nach London begeben. Gerade in der letzten Zeit hat sich die flßgat i v e Haltung der Regierung in eine gegnerische verwandelt. Die Administration scheint es als ihre Aufgabe ämmeehen, nicht das Ziel der nationalen Heimstätte für die Juden zu fördern, sondern dieses Ziel so weit zu begrenzen uhd zu hemmen, bis es ftfch&ftiehr tu bedeuten hätte, als was schon unter türkischer Herrschaft faktisch bestand. DäS Ansehen Englands leidet. Das nach der Balfour-Dekiaration England zugewandte Vertrauen ist nun, infolge des Zauderns der bisherigen Palästinaverwaltunaen, im Schwinden begriffen. Man beschuldigt uns des Vertragsbruches, die Massen in Amerika und Osteuropa, die uns früher zu jubelten, klagen uns jetzt an. Haben wir denn so viele andere Freunde in der Weit, daß . wir es uns erlauben können, auf diese Freunde zu verzichten? Sind denn die Juden irgend ein obskurer afrikanischer Stamm, daß Wir gefahrlos die Erfüllung feierlicher Verspre* dhnttgen an sie allein davon abhängig machen könnten, was für uns im Augenblick bequem ist? Gibt nicht die Tatsache zu denken, daß England von der Penhanenten Mandatskommis* sion in deren letztem Bericht formal gerügt worden ist? Sind wir nun Anhänger der Lehre vop dem «Fetzen Papier» geworden, einer Lehre, die wir früher mit dem Preis von Hunderten und Tausenden unserer besten jungen Menschen entrüstet bekämpften? ' .. * .... i||-i.. BÜCHERSTUBE M. RATN Buchhandlung, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, II., Täborstraße 20 a, Tel. R*43-1-Q8 M. RATH’S Moderne Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, b*w. geschmackvollen. Bibliothekseinband.. . Außer den deutschen Büchern auch englische, hebräische,Jiddische u. Deutsch-Judaic« , in reicher Auswahl. 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Delegat tlon hat der arabischen Exekutive einen ausgearbeiteten Bericht übermittelt. . In dem Bericht werden Ausmaß und Methödcn der zionistischen Propaganda in Europa darge^ stellt und die Errichtung eines arabischen politischen Bureaus in London gefordert. . Geh^imverhandlung gegen einen jüdischen Kommunisten in Palästina Jaffa, 3Ö. Juli. (J. T. A;) Hinter verschlossenen Türen fand in Jaffa die Verhandlung gegen den jüdischen Kommunisten JerachmieLLokatscher statt. LökatsCher ist angekiagt, zur Zeit der Unruhen die Beduinen im Distrikt von Tiberias aufgfewifegelt und eine kommunistische Versammlung von Arabern organisiert zu haben. 250 Pfund Entschädigung für den Tod de» Sohnes Warschau. (J. t. A.) Die Mutter des während der palästinensischen Unruhen im August vorigen Jahres tödlich verletzten jüdischen Bahnarbeiters Chalm Birnbaum in Radom, erhielt nach längeren Bemühungen von der Palästirtaregäerung den Betrag von 250 Pfund als Entschädigung für den Verlust ihres Sohnes ausgezahlt. 25.000 Dollar für die jüdische Arbeiterorganisation in Palästina New York. (j. T. A.) Die kürzlich in Deutschland verstorbene amerikanische Jüdin Mirjam Gold schlag hat, wie jetzt bekannt wird, der jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina ietztwillig einen Betrag von 25.000 Dollar zur Errichtung einer Kooperative für Arbeiterinnen in Palästina hintcriassen.

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