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Die Stimme · 1930-08-07 · Heft 137 (7.8.1930) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 137 (7.8.1930)
Date
1930-08-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ab 5690) Nummer 137 Hb " Interview in der „Stimme“ Herr Mohammed 131 Tawlil, Rechtsanwalt in Tiberias und Führer der judentreundlichen Bewegung unter den paliistüicnsischen Arabern, der größte Gegner des Jerusalemer Multi, erschien gestern nach RedaRtiönsschluß in unserer Redaktion und teilte uns in einem längeren Gesprach sensationelle Einzelheiten über die Lage in Palästina, über die Stimmung unter den Arabern und die Rolle der palästinensischen Regierung mit. Wir werden das Interview in. der nächsten Nummer unseres Blattes veröffentlichen, worauf wir schon heute unsere Leser aufmerksam machen. ’ Pogromland Rumänien Neue Ueberfälle auf Juden r ^u.k a,r e.s’t- ,(J./,;T." A.) Aus Beltz .'■Werden der J.rTi A. neue, von . Studenten . ausgehende. Attacken gegen Juden gemeldet. Zwei Juden, erlitten; durch Schläge, schwere Verletziingenv ÄuchVin dejn ,Städtchen Nirnere^ bei kisdiiriew ist es zu Straßenins-uiten gegifiv Jeden 4$ekoiminen.' Aus4 gdmelidfef,. daß Studenten jüdische IfaSsanteir, .auf: den Straßen attackierten. \ Die 'Polizei verhielt ■; sich dabei' aiiffafteiid’ zurückhaltend. Panik in Orhei Bukarest.. (J. T. A.) ...Auf telephonische Anfrage erfuhr die. J. T. A. von den'führenden Juden der bessarabisclten Stadt Orhei, in der sich' der Antisemiten-, mord an dem Juden Scfoulim Landau ereignete, daß die Juden wegen der weiteren Entwicklung der billige in der Stadt Bhfürohtünigen hegen. ' ■ . i Soliderberatung des -Kabinetts . Btt ka r e s t (J. T. A.) Am 30. Juli fand unter dem Vorsitz: des Ministerpräsidenten Maniu, der seinen Urlaub abermals unterbrochen hat, neuerdings eine ,Sonderbenrfung des Kabinetts statt, in der beschlossen wurde, zur Vermeidung eines neuerlichen Ausbruches von Unruhen die schärfsten Maßnabhteti zu, ergreifen. Die Lage in Borscha B'U kares t. (J. T. A.) Einem aus! 'Bukarest ein-,, treffenden Bericht ist zu entnehmen, daßiir Borscha ' Ruhe herrscht; dje Lage jedoch sehr bedrohlich iit, da j die Badern infolge der Wirtschaftskrise, der Arbclfs-; losigkeit und des durch 'den' Brand entstandenen. Elends; außerordentlich verbittert sind. Beim Leiter der;Örtspolizei .erscheinen . täglich Abordnungen der Bauernschaft, die-Rettung vor dem Hungertode. fordern. Ein" amtliches UntWsui hungskomHee hat l^ach Bukarest be- . richteti 1 dal? die anfijüu«schen Ausschreitungen, in . Borscha -eine Folge des Bauernelends seien. und daß dTC gegenwärtige Lage dringende Hilfsmaßnahmen er- : fordere/wenn eine Wiederholung der Ausschreitungen vermieden werden soll. •' Unruhen in Bercschti Bukarest,. 1. August. (J. T. A.) «Adeverul» meldet'zu den von den rumänischen offiziellen'‘Stellen in Abrede gestellten antisemitischen Ausschreitungen in Bereschti, .daß an diesen Unruhen ,’einc Gruppe von etwa 600, Studenten und ,anderen Personen beteiligt war. Eine jüdische Kriegswitwe wurde angespien.. Der. Präsident der' jüdischen Gemeinde, Markus Kleiji, und ein Mann in seiner Gesellschaft wurden verprügelt. Pie «Kisengardisten» riefen: Nieder mit den Juden! Roch Se. Majestät Zelea C^reanu! Das Blatt behauptet, daß sich die Behörden passiv verhielten, ja sogar für Speise und Trank der «Elsengardteten» sorgten. Furoht vor neuen Unruhen im Herbst Bti k ä r e s tt 1. August. (J. T. A.) Alle jüdhs61iei? Führer-Rumäniens, vom Präsidenten der Union rumänischer Juden, Fildermann, der ein Gegner des Kabinetts Maniu ist, bis zu deni Führer des Jüdischen*Pariäme'ntsklubs, Senator Dr. Ebner, d£r die Regierung Maniu, unterstützte, sind übereinstimmend der Meinung, daß .die .Regierung wohl .imstande gewesen:wäre*, .den anp-, sefnitisc^ien„ AusschreitüdgeiV elmEhdW-itt machen-, daß sie es* aber nicht wollte. IDic&e jüdischen Führer sind jetzt,- nachdem Inrmnminister-Väiäa in• seiitem ,'£*$:• A.- ' Interview--die Einsetzung hlilifärischef Kräfte zur Verhütung von AüssChfeit-ungen;. zu gesichert '-hat; nach der Amtsenthebung. Tazlaöanüs’ imd der Verhaftung Codreamus’, der Meinung, daß die Ausschreitungen nun Wohl .eine Zeitlang unterbleiben, sich aber w'a h rs che i n 1 i c li. i m H e r.b s.t *w j c d e r h o 1 e n - w e rden..,.' ' ' ' . Die antisemitische Geheimdruekerei entdeckt Bukarest, 1. August. (J. T. A.) Es ist der Polizei endlich gelungen, die Geheimdruekerei der antisemitischen «Eisernen Garde» zu entdecken, in der alle in der letzten Zeit1 veröffentlichten anttsemitischeis Flugblätter udd Plakate hergestellt worden sind. Rumänische Juden in Tel Aviv protestieren - Tel Aviv.' (J.T.A.) ln Tel Aviv fandeine von1 den rumänischen' Juden einberufede ‘ Mässenvcrsamnilung ■zum Protest gegen die judei'i'feihd!ioh';en .Ausschrcituhger«!in’- Rumänien -statt. ES'-wurde ein Protesttelegramm an;den .Völkerbund-in Genf gerichtet. > Die Versanijiilung beschloß ferner, an die zionistischen Stellen in Rumä- .'nien.dle dringende. Aufforderung zu. richten, sich für eine stärkere. Auswanderung, rumämscher . Juden nach .Palä- . •stina-icinzusetzen.'.! , \ Ausländische Juden untersuchen die Vörgängc in Rumäpifen , •" Bukarest, 3. August (J. T. A.),' Mehrere Vertreter ausländischer jüdischer Organisationen, und zwar Morris Waldmann vom Amerjcan Jewjsh Committce. Zwi Aperson vom jüdischen Mihoritätenbüro beim Völkerbund, der Vizepräsident der Föderation bessarablscher Juden in Argentinien, Moses Helman, Philip. Bernstein vom Amerikanischen jüdischen. Kongreß, und der Sonderkorrespondent der J. T. A., Smolar, werden sieh dieser Tage, zusammen-mit einigen jüdischen Deputierten Rumäniens, in die von den judenfeindlichen Ausschreitungen betroffenen Gebiete begeben, uüi die Lage an Ort und Stelle zu untersuche- ' : Cuziston werfen Bomben Bukarest, 3. August (J., T-'Ä.). ln die .Wohnung des, jüdischen Bürgers Menachenv Rubinger in Dorna-Candreni wurde in der Nacht eine mit Ekr^it gefüllte Bombe durch das geschlossene Fenster geschleudert, die aber nicht zur Expjösion.' kam, weil die Zündschnur,- infolge des Regens, der. gerade niederging, durchnäßt v^ar. ' Dje .Täter. wurden gefaßt, aber gleich darauf freigel{issen. Es. handelt sich um die antisemitischen- Rädelsführer Tofu;'Danila/ Cirsa, Irihiia und Gova gus Dorna-Vatra. ln Tdtu$ Gepäck, das er bei seiner1 Flucht zurückgelässen hatte, wurde eine französische Händgränate neuesten Stils vorgehinden; ’ ' j Die Juden von Trushcny aus Angst vor Pogromen geflüchtet Bukarest, 3. August (J. T. A.). Die gesamte jüdische Bevölkerung dfes Städtchens Trusheny ist nach Kischinew geflüchtet, als 25 antisemitische Studenten in das Städtchen kamen und unter den Bauern eine Pogromagitation entfalteten. Terror der rumänischen Htudentcnorganisation Bukarest, 3. August (J. T. A.). Das Exekutivkomitee der Zentralorganisation rumänischer Studenten hat in einem Beschluß die sofortige Freilassung Codreanus verlangt und gedroht, andernfalls die studentischen Provinzorganisationen dahin zu instruieren, daß sie der Regierung offen obstruieren. Damit kann nichts anderes gemeint sein als die Aufforderung zu Demonstrationen und Ausschreitungen. Der Sonderberichterstatter der; j, T. A. in Rumänien Die Regierung bei eitet ihm große Schwierigkeiten. — Inter- I views» m?t Yaida-Voevod und Cadare. - ■ j Dje- Jüdisch^ -. Telegraplicn-Agentür hat. vor kurzem Herrn Smolar als Sonderberichterstatter nach Rumänien entsendet.' Smolar 'Hatte’ zuhltiliät’' hiiF 'gfpßen Schwierigkeiten.', zu känipfeii, seine "tcIegMpliisßheii Berichte über die Läge in "Rumänien würdk/i züffi<^gehalten;ruhdves;ivmrfiQ;ilim sogar;mit einer AusiY|isung - .aus 'dem 'L'au.^. gedro^f,.?Erst dank 4eiiic-r.*lhterji*ehti6hv beiim Minister LüguzhahuVgtilang es ilrni, das Schlimmste abzuwehren.. Bei dieser Gelegenheit betonte; jedoch der Minister, daß. die Regierung gezwungen sei, eine Zensur.auszüüben. . , : ,Der .rumänische. Innenminister Vaidar.yoevpd, der vom . Kabinett, .diktatorische Vollmachten zur Bekämpfung der Un- ruhen'erhielt, empfing; den Sonderberichterstatter der J., T- A. in dreistündiger-,Audienz. : Der Innenminister sagte, daß er, entschlossen sei, mit schärfsten Maßnahmen die antisenii- : tische Bewegung einzudämnien und die Drahtzieher strengstens zu bestrafen.. Jeder, der sich antisemitischer Propa-. gan'da schuldig macht, .wird: verhaftet .werden. Der Minister versprach auch, nach dem Abschluß der Untersuchungen alle: durch die Unruhen betroffenen Juden zu entschädigen. Zum Schluß seiner: Unterredung hob der Innenminister hervor, daß' der Antisemitismus in Rumänien sich immer dann bedrphlich verschärft, wenn das Land unter einer .wirtschaftlichen Krise leidet. Die Juden im Auslande könnten durch Unterstützung der rumänischen Anleihebemühungen zur Behebung der Wirtschaftskrise in Rumänien und damit auch zur Besi serung der Lage der rumänischen Juden beitragen. Viktor Ca d e r e, der als Sonderbevollmächtigtcr dei Regierung nach 'Süczawa entsandt wurde, gab im'Gespräch , mit Herrn Smolar offen' zu, daß die Lage der Juden in der Bukowina außerordentlich bedrohlich war. Jedoch hofft er, daß eine künftige Wiederholung der Exzesse dank seiner ' energischen Maßnahmen unmöglich ist. Die Ursa.^e;-<ier.v antisemitischen Bewegung, sägte Cadere, ist in der allgemeinen wirtschaftlichen' Krisis des Landes zu suchen. Die rumänische Presse glossiert das Interview des Herrn Smolar mit dem Innenminister und nennt es ein sensationelles Ereignis. Nach der dem. König nahestehenden Zeitung «Currentub ist besonders -bemerkenswert die Erklärung des Innenministers,^ daß er, w.eiin es nötig sein wird, auch militärische Kräfte' zur’Unterdrückung antijifdischer Ausschreitungen heranzuziehen entschlossen sei. Bezeichnend ist die Stimme der einflußreichen Zeitung «Djmineata». Sie schreibt: «Die Erklärung des Innenministers Vaida-Voevod bedeutet faktisch: wenn die ausländischen Juden uns Geld gepen, dann werden wir judenfreundlich, geben s& uns äper keines, dann sind wir weiter Antisemiten und fahren fort, ln KJausenburg Fenster einzuwerfen, legen in Borscha Feuer und plündern in Suczawa.» Aehnlich schreibt «Adeverul»: «Vaidas Aeußerung könne po verstanden werden, als wollte er sagen, daß weitere antijüdische Ausschreitungen um den Preis ausländischen jiidischeif Geldes abgestellt werden können.' i.

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