Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 136 (31.7.1930)
- Date
- 1930-07-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3053752-3053859-3053889--1846-3057229- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
flJl-lflMMl Stimmen der Presse WiederausgAbe dar Zertifikate? Der parlamentarische Korrespondent dis «JewiehChronlcle» will erfahren haben, daß die Regierung beschlossen hat, die Suspension der 2er* tifik&tseinw&ndenmg rückgängig tu machen« Dia Zertifikate sollen in zwei Raten wieder auiwfölgt werden, und zwar sofort» nachdem die Parlament in die sömmerterien gegangen ist« Be Ui ailerdlftg* zu berücksichtigen, daß inzwischen Sir John Chan» cellor in London eingetroffen fit und wahrscheinlich in dieser Sache befragt werden wird, «jewi$h Chrö» nicle» berichtet weiter, daß der Premien^lnUUr Macdonald eich bemühen wird, die beabsichtigte Demission Chancellors m verhindern und ihn im Bleiben tu überreden. Andererseits nimmt man an, daß Chancellor die Regierung veranlassen wird, in dieser Session keine Unterhausdebatte.über Palästina mehr zuzulassen, sondern diese Debatte auf den Herbst pi verschieben. Dfef Söhn des Premier* mintetm, Mr. Malcolm Macdonald, setzt seine eifrigen Bemühungen zur Unterstützung de* Zionis* '#«* fort Er fungiert, wie «Jewfoh Chronlcle» sagt, in haiboffisfeller Weise als Vertreter seines Vaters, da der Premierminister gegenwärtig zu sehr mit an» deren Dingen in Anspruch genommen ist, JMew-Vork Times* über ela Palästina- Projekt der englischen Regierung im Jahre 1910 Im Zusammenhang mit der neuen Aktion des syrisohtpaläptipensischsn Komitees beim Völkerbund, die sich auf einen Brief Lord Balfours aus dem Jahre 1017 stützt, ln dem dieser die Unabhgn* Mgkejtsversprechungen Mac Mahöns an die Araber ESStätigt,. berichtet der Genfer Korrespondent der «New York Times», daß der Erfolg der Petition selbst in araberfreundlichen Völkerbundkreisen skeptisch beurteilt wird. Man wisse in Völkerbund- . «eisen*, daß sich das UnabhängigHrntevefSprecte : Mac Mahons auf Palästina nicht erstreckt#.. Der Korrespondent teilt weiter mit, daß die Efntühruhg eines besonderen Regimes in Palästina durch die britische Regierung bereits im Jahre 1915 geplant Wurde, Obwohl . die britische Regierung ilicn ZU gleicher Zeit schon mit' d#r Frage unabhängiger arabischer Staaten beschäftigte. 1916 hat der da* malige englische Außenminister Lord Qrey der russtechen Regierung den Plan ejnes auf internationaler ISsis iegründaian s^ndaftegiihÜi für iirbwet. das Projekt tw'Öreyr. sal für die Juden das Recht |ur Kblonteteruhg 4ös Landet uiid, ijach. Ablauf einiger Zeit, auch die ijebernahme der jnnären Administration Palästinas vpr. Dieses Projekt soll von den damaligen Regierungen Rußland?» Frankreichs und Italiens gebilligt worden sein- Kommt es zu einem Kongreß? pas «J s r a e 11118 ö ft # W 0 c h # ft b i A t t m die Schweiz» zweifelt, ob der Zionistische; Kongreß einberufen w#rdön Wird: ... Die Revisionisten knüpfen an diese Änderungen (in der Leitung dftr amerikatlischaä »iönietischen Organisation) große Stwafturtgen, Der foktiSöhä Leiter dftr Brandeisgruppe ist Jacob de Haas, der der revisjonisti* sehen Fraktion eneehöit. Die anderen gehören nicht sh den Revisionisten, aber mit ihnen ist dööh eine guiätfiinfttfa/beit eher möglich als bisher- Hur der Kongreß könnte diese Möglichkeit in eine Tatsache yerwatideTm aber die Aussichten dazu sind sehr gering. Weder Motzkin noch die anderen zionistischen Führer hkbefl Lust, sich jetzt einem Kongreß auszu&fttZfth. in der Exekutive selbst ist mÄflflijtiit fcjnig, nur Weizmann beharrt auf der Einberufung. Wenn nicht ganz wichtige Ereignisse eintreten, dürfte der Kongreß sehr wahrscHeiiiHch rtiöht einberufen werden. „Dawar" Aber Bähms Artikel in dar „Stimme* und den Bfith-SchAlom Die palästinensische Arbeitertages?eitung «rp a w a r» schreibt; Adolf Böhm hat in der Wiener «Stimme» einen A«f- Satz Über palästinensische Agrarverhältnisse geeCnriöben und damit der Rationalisierung der arabischen Wirtschaft (zwecks einer Landreserve für jüdische Kolonisation) und der wirtschaftlichen jüdisch-arabischen Kooperation dos Wort geredet. Darin, in diesen Gedanken fanden die Revisionisten Brith-Schalom-Tendenzen urid liefen dilf dem Österreichischen Parteitag gegftft Böhm und die «Stimm«» Sturm. Eine größere Ö«griffiv<fw!rrunfi kamt man sich keufn vomeHen, Dar oedankengang van Böhm f*t nicht neu. Br erwachet natürlich aus pAitotinensiechen Agrarverhältnissen: ein Uebareehüß an Beden in der arabischen Wirtschaft, der den Fellachen erstickt und für ihn efn wahres Unglück bedeutet, upd der große — fast nur durch Verkleinerung dar arabischen. BöflftnflSciie. das heißt durch Rationalisierung der arabischen Wirtschaft epöare — Hunger des jüdischen PaUednawerkes nach Boden. Dieser Gedank« bildet aalt Jahren einen Teil der Kelenitaflonspläne Kttpßine, upd wurde nach den Augustunfuhan vor allem vor* «pawif» und «Buernai» verfochten, beiden Organe, di« dem Bfith Sehaimh durehau* nicht wohlwollend gegenüberstehen. Und das ist verständlich: der Gedanke, mag er auch vdn einzelnen Anhängern de* Brith-Schaiom oder sogar von dar ganzen gruppe akzeptiert werden, lat ihrer orundmmassimg wisensfremd, man könnte sagen: wesen«, feindlich, und wenn er dach innerhalb dieser Gruppe Anhänger htt, to ist das wiederum nur durch Begriffsverwirrung öder durch mangelhafte Könsäduirti: zu erkflrep, Pie Brifo-ächaiom-Grupp* sieht da« ganz« Palästina-Problem vor aljem unter dem poutisch-natron^en Aspekt, sie ruft: «Ruhe und Frieden um jeden Preis», und verlangt dementsprechend die Anerkennung der jetzigen Führer und ein UCbereinkornmen mit ihnen» Diese politische Linie bedeutet tatsächlich, unter den heutigen palästinensischen Verhältnissen, ejne Stärkung der arabischen reaktionären wirts$haftlich«tt und «oflaicn Kräfte, Diese Kräfte sind an der Rationaiisierting der Fetiachanwirtschaft, die potentiell sowohl wirtschaftlich wie. politisch dje Befreiung der Fellachen aus der Herrschaft der Großgrundbesitzer und Wucherer in Sich birgt, absolut nicht interessiert und werden sich ihr sicher mit alten Kräften widersetzen, wie sje es bi« heute, .jahrhundertelang, getan haben, per Gedanke 4$r Rationalisierung steht also im inneren Widerspruch Zu der ganzen politischen Konzeption des Bfith Schalem. Er wird dagegen natürlicher- und kOnseäuenterwcise von den Kreisen verfochten, di# die jüdisch-arabische Verständigung auf anderen Wegen, suchen, als im einem politischen Uebereinkömmen mit dem arabischen Feudalismus, da? — innerarabjsch gesehen ■*- nichts anderes sein kann, als eine weitere Versklavung, der arabischen Fellachen und Atftaffer» Befchidsct upd befychet die 4bi» 7. der I I Tr^nsjordanlen ImWarschauer «Hia j ft"t* spricht Sejrö deputierte Dr. Öslas Thon pessimistisch über die zu erwartend*# Rg#uliäte von Simpsons Mission aus. Auf die Frage» WÄ* wir infärigeh sollen, wenn dieser Bericht Uftß.ßift Minimalprogramm in bezug auf Bodenkättf üfld I|ftjffti|rftiißft äkferlegen wird, antwortet Dr. Thön: Wenn man kommen und sagen wird, daß für uns kein lod«h upd 4«mzufoige äudh IfAfn« Mögiichkftif größer immi>idh vofhänden ist, d#mi müssen wir auf Trane» jpraätiien zeigen. Dprt ist hoch genug Boden, und zwar guteri^en,mehrÄttwlrftdtlghabeft «• .Träojjdräartiafi ist ein Teil Palästinas. Wenn es Sich üftt die Restitution des historischen Rechtes handelt, haben wir jn der Bibel da wichtige* Dokument, um zu bzweiien, daß Tranäjoraantett unser ist. , , . Wäre es nicht möglich, daß Transjordanien eine Reserve for bald« feile wäre? Nicht nur für.im«, söndem auch für die arabischen Fellachen, die ein gutes Entgelt für lhr«a Boden in Palästina bateöramen? Für dieses Geld könnten sie mehr und besseren Böden in TrähsJordanien kaufen und dabei wären sie nicht aus ihrem Milieu, ihrer Kylttif upd Religion, ihrer Spräche und Gebräuchen her- » . . Ich glaube, daß das keinesfalls ein Unrecht für die Araber wäre. Schlecht ist, wenn unser lieber Mufti Banden aus Transjordanien herbeiruft, damit sie bei Mora und Raub behilflich seien» Schlecht ist, wenn Mörder und Banditen aua Palästina naoh Transjordanien flüchten, wo Sie straflos sind. Dagegen sollte sich der Völkerbund; in seh&ffsteit Worten äußern, Aber bessere Bedingungen sich spnäffen in einem NachBäriande’,' aüs einem Pächter ein Eigentümer Warden, warum nicht? Dieser Konzeption sollte der Völkerbund seine tatkräftigste ünterstützung gewähren. Die Wirkung Cer jüdischen Protestbewegung In einem längeren Pärisei1 Bfief über die Wirkung der Protestbewegung, die nach der Einwandertitigzsperrg In der ganzen jßdteßhen Welt elnaatete, An unsere Abonnenten! Wir ersuchen unsere Abönnönten h 1 iM I unverzüglich an uns gu überweisen. Abonnenten, die trota die«er Aufforderung ihre Beiträge an un* nicht abführen, wird üie„Stimme“nlcht mehr zugestelltwerden. Bei Adressenänderungen bitten wir, Jeweils immer die alte Adresse ansugeben. AdrohÜBtration *Dje stimme“ JSeffe 7 sihrßibt der Berichterstatter des Warschauer «Häjnt»: . .. E$ fst kein Geheimnis, daß die Regierung ein Gttfttzefcprojekt 2ur Beschränkung des jüdischen Land- Kaufes in Palästina bereit« in Vorbereitung hatte und daß die jüdische Protestbewegung sein Inkrafttreten verhinderte. Man nimmt auch hier mit Sicherheit än, daß die Chaluzim- Zertifikate wieder ausgegeben werden, sofort nachdem die parlamentarische Seasion geschlossen werden wird. Man ist auch überzeugt, daß die Versetzung Lukes nach Malta ein Rteultat der jüdischen Proteste gewesen ist Jedenfalls, ohne Rücksicht darauf, ob all diese Vcrmu* foinigen richtig sind oder nicht, dst es dennoch sicher, daß je Protestbewegung die Aufmerksamkeit der britischen .tegi*rung und der englischen Presse auf die Jüdische F.nt« füslung wegen der englischen Politik gelenkt hat und dies brachte bestimmt einen Nutzen f. * unsere Sache. Herzl-Gedenkfeiem in aller Welt Anlaß zu Protesten gegen das Einwanderungsverbot Au* vielen Städten der ganzen Welt laufen unausgesetzt Nachrichten über die dort abgejiältene größe HerzMjedenkfeier ein. Das Andenken des zionistischen Führers war überall, in allen jüdischen Zentren, heuer auf diese Weise gefeiert, daß man sieh nicht mit Reden begnügte, Tn denan man die Persönlichkeit Herzls würdigte, Sondern man trug auch dem Gebote der Stunde Rechnung, indem man gegen die gegenwärtige Palästinapolltik der britischen Regierung, in erster Reihe gegen die noch immer in Kraft stehende Chaluzimeinwanderungssperre, einen scharfen Protest erhob» So war e$ in Warschau, wo eine Protestresolution gegen die Suspendierung der Chaluzimeinwanderung angenommen wurde. So war es auch' in Berlin, wo man eine ähnliche Resolution in einer Massenversammlung annahm. Äehnliche Beschlüsse wurden auch in vielen Orten in Rumänien, ln Belgrad usw. gefaßt. Zionistenkongreß ln Prag? Das «jüdische Heim», Zürich, meldet: Wie wit von einem hervorragenden Mitglied des Aktionskomitees erfahren, trägt sich die Exekutive mit dem Gedanken, den nächsten Kongreß nach Prag ein» zuberufen. Die endgültige Entscheidung untersteht jedoch dem Ende August zusammentretendeft Aktionskomitee. Kommunique des Zentralbureaus der Vereint* gung radikaler Zionisten 17. Juli (J. T. A.). Das Zentrajbureäu der Vöfefojgujjg Radikälfr Zionisten versendet folgendes CojniöUnfou«: 1. Das neugewählte Zentralkomitee bat keine Vorsitzenden; es besteht atis den Vertretern 4«r Landesgruppen und es gehören ihtii .11« a. die Herren J. Grünbäum, R. Stricket, Öf. N. öoidmann, Ör. M. Söloweitschik, Dr, Stephen S. Wif«, Dr» E» Margulies, Dr, E, Krärnör, Dr. Insler, Dr. Stern, Dr. Abetsött und Dr. j. Wilmwky an* 2. Dr. Goldmann betonte, daß die Protestbewegung gegen die Politik der englischen Regierung keinen Kampf gegen das englische Volk bedeute, und daß auch Griinbaüm* Förderung nach Intensivierung der Protestbewegung nicht im Sinne eines Bruches mit England verstanden werden darf. Im Streit der Meinungen um die Stellung zu Dr. WeizmAflti und zur Exekutive vertrat Grüdbäum den Standpunkt, daß dftr Schwerpunkt im Augenblick auf den außenpolitischem Kampf zu lägftn ist und daß der Rücktritt der Exekutive Id erster Reihe .ebenfali« als Mittel de« außenpolitischen Kampfes zu fordern sei.' — Dr. Soloweitschik und Dr. GoIdmättU vertraten einen ähnlichen Standpunkt und betonten, daß eine gewisse Wandlung der gegenwärtigen Politik der Exekutive im Sinn« der jahrelangen Förderungen der Opposition zu konstatieren ist, daß dies aber eine grundsätzlich veränderte Einstellung der radikalen Gruppe zum politischen System, da« in all dön letzten Jahren die offizielle zionistische Politik bestimmt hat, nicht zur Folge haben .kann. Die Juden haben keinen Grund zur Verzweiflung, sagt Lord Plüüier London. (J. T. A.) Bei einem Empfang, den Götteräi Bü$t der lettischen Delegation zur gegenwärtig in London tagenden Sitzung der Interparlamentarischen Union, sägte der früher High Commissioner für Palästina, General Plumer, zu dem anwesenden jüdischen Abgeordneten des lettischen Parlaments und bekannten zionistischen Politiker Dr. Nurök; Die Juden haben keinen Grund zur Verzweiflung. Sie müssen nur Geduld haben. Dr. Weizmann versteht sehr gut, daß dies notwendig ist. Ich glaube, daß die Juden ihr Ziel erreichen werden* auch wenn’ der FGrtschritt nur langsam vor sich gehen wifd. Die arabische Opposition in Palästina organisiert sich J 6 r u s a I ö m. (j. T. A.) Die gegen den 'Großmufti von Jerusalem und die offizielle Führung der palästinensischen Araber gerichtete Opposition läßt seit einiger Zeit ein Memorandum zirkulieren, für das sie Unterschriften sammelt und in dem hauptsächlich gefordert wird; Neuwahl des Obersten Moslemischen Rates, vollständige Rechnungslegung Über alle beim Rat eingegangenen Geldmittel, Abänderung des Reglements für die Wahl zum Rat. Ferner wird dagegen protestiert, daß der Rat die Sache der Klagemauer in seinen Händen konzentriert hat I i i