Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 136 (31.7.1930)
- Date
- 1930-07-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Söite 6 DIE STIMME Nr. 186 man Zusammen mit Millionen unserer Brüder lehnen wir ein Jüdisches Nationalheim ab, in dem es den Juden nicht gestattet sein soll, ihr eigenes Haus zn bauen, in dem es keine Sicherheit von leben und Eigentum gibt und in dem die Juden, angegriffen, sich nicht selbst verteidigen dürfen sollen. Ein solches Nationalheim erfüllt nicht die legitimen Hoffnungen, die Großbritannien zu erfüllen auf sich genommen hat, als ihm auf seinen Wunsch Jas Mandat für Palästina aus den Händen des Völkerbundes übertragen wurde. Ein solches National*» heim Würde Großbritannien des Wortbruchs und des Betruges am jüdischen Volk schuldig machen. Welche Antwort haben wir zu geben? McDonald hat sie vor sieben Jahren gegeben, als er aus Palästina zurückkehrte. Er sagte: «Palästina und die Juden können nicht voneinander getrennt werden. Keine Macht der Erde kann diesem Land seine magische Anziehungskraft auf sein Volk nehmen. Ich habe sie gesehen, wie sie leben, jene Jungen und Gläubigen, die die wüsten Stätten bepflanzen und ihr Land schmücken, wie eine Braut von ihrem Bräutigam mit Gabe» geschmückt wird. Zehn Jahre solcher Arbeit, wie ich sie gesehen habe, wird die Wohlfahrt Palästinas hundertfach steigern.» Nachher sprachen noch Prof. Dr. Brodetzky und Colonel Kish. (J. T. A.) Kleine Nachrichten ausPalästina - ffl einem Hause der Jerusalemer Altstadt wurden zwei Bomben entdeckt. Der arabische Hausbesitzer wurde verhaftet. Die arabische Oppositionspresse berichtet, daß in ' Hedjas nicht mehr als 134 Pfund als Hilfsgelder für die Palästinaaraber aufgebracht wurden, Der Wiederaufbau der im August zerstörten Kolonie Arfüff wurde mit einem Aufwand von 20.000 Pfund aus den Mitteln des Palästina Emergency-Found in Angriff genommen. . . Der Direktor des KKL Ussisehkin, der Direktor des KH Häntke und der Schriftsteller Rabbi Öinjamih haben sich: auf eine Reise nach Europa begeben. in dem Dorf Kolonieh bei Mozah wurde eine Urrje gefunden, von der angenommen wurde, daß sie der aitisraefitiSchen Periode .angehött. Die Steuerlast in Palästina i$tr wie der <fDawar> berichtet; dreimal höher als itl Transjordanien. Die Regierung hat den von der Winterernte zu erhebenden Zehent um 50 Prozent herabgesetzt. (Die Steuerermäßigung ist auf die Feldmäuseplage zurückfcufühffen.) •D.e'r arabische Polizist an der Klagemauer verhinderte am . -vergangenen Sabbathausgang die Entzündung der Häwöälahkerzen und motivierte qtes mit Beschwerden der. in der Nachbarschaft wohnenden Moslems, die sieh darüber beklagten, daß die Juden an der Kiagemauer Wein trinken. .; Von 26 jungen Juden, die sich, um Aufnahme in die Polizei bewarben, wurden 23 äbgewiesen. Die Epidemie typhoider Erkrankungen!m Emek ist im Abklingen. . Der Redaktionsstab der Tageszeitung «Doar Hajöm* ist. Jo. den Streik getreten. .• ■ Rabbi Meir Berlin, und der Maler Hermann Struck wurden von Simpson empfangen, dem sie den Standpunkt der zionistischen Orthodoxie zur Einwanderungsfrage darlegten. . ■ . .Ah Bord des sowjetrussischen Dampfers «Tschitschferin» kanten In Palästina 2Ö Fischer aus Saloniki urtd 11 ausgöwiesene Zionisten aus Rußland an. Das Budget der Stadt Tel-Aviv im Betrage von 95.1Ö0; Pfund wurde von der Regierung bestätigt. Die Hadässah-Subventloti von 250Ö Pfund würde bewilligt Gegen Dr. Blank, den Herausgeber der Zeitung «JeruscnoläJim* (Ersatz für den verbotenen «Doar Hajötm) wurde ein preßpöllzeiliches Verfahren eingeleitet. fn Tel-Aviv wurde der Grundstein zu einem POstgebäude gelegt, das auf Kosten der Regierung errichtet wird. Vom September 1928 bis September 1920 wurden in Tel-Aviv 1909 Kinder geboren und 623 Personen sind gestorben. (Im Vorjahre: 1740 Geburten und 580 Todesfälle.) In der Vorstadt von Tel-Aviv Machneh jehuda ist die Errichtung eines neuen Gemüsemarktes mit 81 Läden in Angriff genommen worden, Aus Rußland Scharfe Kritik der Özet-Exekutivörgane Wegen Biro-Bidschan Dfe Plenarversammlung der allgemeinen Verwaltung vöti Ozet, die seit dem 13. Juli in Moskau tagt, hat gleich am ersten Tage zu schweren Angriffen gegen die Ozet-Organe wegen ihrer Behandlung der Birö-Bidschan-Frage geführt Deft stärksten Eindruck machten die Kritik des aktiven Qzet- Führets Sudarsky. Er führte aus, daß die jüdischen Immigranten in Birö-öidsehan auseinanderlaufen und daß keine Aussicht besteht, sie dort zu halten. Das sei nicht etwa auf schlechte wirtschaftliche Aussichten in Biro-Bidschan zurückzuführen, sondern auf die schlechte Arbeit der lokalen Ozet- Insfitutiötten, deren Fehler Sudafsky im einzelnen scharf kritisierte. Die Süwjetregierung gestattet einer Anzahl von Chaluzim die Ausweise nach Palästina Die Sowjetregierung hat 36 Chaluzim die Ausreiseerlaubnis nach Palästina erteilt. Die Chaluzim sind Mitglieder der beiden Hechaluz-Organisationen (der linken und der rechten) in Rußland. 18 von ihnen werden gleich nach Palästina. eüireisen können, weil für sie die Einreiseerlaubnis bereits vofliegt. Für die übrigen 18 Chaluzim, die durchwegs deni rechten Hechaluz angehören, sind Einreisevisa nach Palästina nicht vorhanden, so daß sie Rußland trotz der erteilten. Ausreiseerlaubnis noch nicht verlassen können. Die Wiener Freunde kondolieren Herrn Dr. Fritz Ull* menn, Karlsbad, anläßlich des schweren Verlustes, den er durch den Tod seiner Muiter erlitten hat. AAAAAAAAAAAAAAAAAAA Die Wodke London: Der Prinz von Wales besuchte den jüdischen Segelflieger Krönfeld und zeigte sich über seine Flüge sehr begeistert, Bukarest: Die zionistische Organisation Altrutfänien* veranstaltet in diesem Jahre eine Ferienkolonie hebräischer Lehrer und Lehrerinnen in Palästina- Altona: Hier starb der langjährige öbeffäbBiner von Schleswig-Holstein, Dr. Meir Urner. dleiwlts: Hier wurde ein Denkmal für die im Weltkriege gefallenen jüdischen Soldaten auf dein jildiiöhen Friedhof enthüllt Bern: Prof. Dr. Samuel Singer, Ordinarius an der-Berner Universität für germanische Philologie, vollendete Min 7Ö. Lebensjahr. Prot Singer ist ein geborener Wiener. Breslau» Samstag, den 19, Juli, wurde der Gpttesdienit in der Synagoge von einigen jungen Leuten gestört. Das üeberfaliskommandö mußte gerufen werden. ■ Güsten: Im «Anhalter Kurier» wird bakanntgemacht, daß am 15. September die Synagoge und der jüdische Friedhof versteigert Werden sollen. Budapest: Das orthodoxe Rabblnat hat Herrn Alexander Eppier mit der Verleihung des Ehrentitels «Mörenu» ausgezeichnet. Brünn: Das rituelle Bad in Trebitsch (Mähren) wurde niedergebrannt. , . New Yorks Hier starb dar Richter am Obersten uttkhfl» hot Natan Bijur. Er war einer der Treuhänder der Barön- HlfSch-Stiftung und Mitglied der Cöngregation «Bnei JesChurun». ‘ Prägt Am 17. August wird in Marienbad ein Denkmal für Prof, von Basch enthüllt, Ir war Leibarzt des mexikanischen Kaisers Maximilian. Paria: Bei der dieser Tage abgehaltenen Jahresversammlung von Hias-Ica-Emikdirekt wies Dr. Blau darauf hin, daß trotz aller Einwanderungsbeschränkungen die jüdische Emigration aus Osteuropa beständig wächst. Mähnsch-Östrau: Hier wurde eine Ortsgruppe der Schomrei Schabbos gegründet. Neustadt an der Aischr In eitler der letzten Nächte wurde der jüdische Friedhof bei Diespfeck durch Beschädigungen von Grabsteinen geschändet Warschau: Der Rabbiner von Kowal veröffentlicht ln der jüdischen Presse folgende Erklärung, die sich auf die antisemitischen Unruhen in KOWSl bezieht: «Ich erkläre, daß alle Berichte über feindliche Akte gegen Juden,. die elften spezifisch antijüdischen Charakter getragen haben sollen, unrichtig sind. Die öffentliche Qewalt hat ihre Pflicht in angemessener Weise erfüllt.» Der Vertreter des Außenministers Dr. Wysöckj erklärte einer Delegation der Agudah, daß der polnische Delegierte beim Völkerbund, Sökal, den Standpunkt der orthodoxen Juden gegen die Kalenderreform vertreten wird. Das Finanzministerium hat als Llquidatiönstermm für die den Juden entzogenen Schankkonzessionen den 31. Dezember 1930 bestimmt. Eine Feuersbrurtat zerstörte das jüdische Städtchen Blaszki bei Kalisz. 1ÖÖ jüdische Familien sittd Obdachlos. Ebenso verheerte eine große Feuerspfunst das Städtchen Ruzankö. In der Panik smd 10 Juden wahnsinnig geworden. Der jüdische Nationairat hat bei dem Innenminister Wegen der antisemitischen Unruhen in Pösen Und Kowel interveniert. , Berlin: Am 18. Juli fand .die Bestattung de© Kemptergerichtsrates Jacques Stern statt. .. Rabbiner Schneursohn (der berühmte Lubawiczer Rebbe) i$t hier eingetroffen. Am 21. Juli starb Prof. Dr. Carl LeWin, Mitglied des Deutschen Kiren-Hajessod-Direktöriums. -• Die vierte allgemeine Konferenz das Ört-Vortjandes, die ih Berlin im August d. J. stattfinden sollte, Wurde bds Dezember 1Ö3Ö verlegt. wvvwvvvvvvvvvvvvv Die Klagemaiiei,,k6öiinis8ioü laaöen hat Palästina ver- Jerusalem. (J, T, A.) Die Klagemauerkoonnission hat am 19. Juli Jerusalem vorlascen. Vertreter der Regierung sowie Vertreter der Juden und Araber hatten sich zur Abreise der Kommission eingefunden. Beim Abschluß der Verhandlungen der Klage* mauerkömmission gab der Vorsitzende Loefgren in seiner Schlußrede die Anregung, daß der Kommis* sion bis zum 1. September Vorschläge gemacht werden, die geeignet sind, eine arabisch^jtidische Verständigung in der Klagemauerfrage herbeizu* führen. Die revisionistisch© Partei sagt sieh von »Doar Üayom“ los Jerusalem, 23. Juli, (J. T. A.) Die Partei der Zionlsten-Revislöiiisten in Palästina erklärt, daß Wladimir Jäbotfnsky nicht mehr Chefredakteur d©r Jerusalemer hebräischen Tageszeitung «Doar Hayom» ist und daß sie auch sondt mit der Zeitung keine Beziehungen mehr hat. Der frühere Chefredakteur des «Doar Hayom*, Ittaniar Ben Avi/Iit vorübergehend Wieder In die Redaktion der Zeitung eingetreten. Di© Arbeiterzertifikat© bei der Jewtah Agency erschöpft Jerusalem, 24. Juli. 0- T* A.) Mit dem Dampfer «Adria» trafen in Palästina 175 Passagiere, darunter 30 Chaluzim, ein.. Damit sind, wie verlautet, die der jewlsh Agency gewährten 950 Zertifikate erschöpft Der neue Chefsekretär der Palästinaregierung London. (J, T. A.) üas englische Kolonialamt teilt mit,, daß Mark Aitphison Y o u n g, Colonial Secretary in Sierra Leone, als Nachfolger von H. C, Luke zum Chefsekretär der Palästiitaregierung ernannt worden ist Glossen Stevolvar gegen Englands Siopf Paßfielä hat angefangen, das Sprachrohr des britischen. Kolonialamles «Afear Bast and india» setzt fort: «Was wollen die Jaden vom armen England?* In einer der letzten Nummern dieser einflußreichen Zeitschrift finden wir einen Aufsatz, dessen Verfasser ach bitter darüber beklagt, daß die Juden England keine Pu he geben wollen» Ja noch mehr: er ist darüber entrüstet, daß Jaden England mit einem Revolver bedrohen! Öer Revolver ist allerdings nicht geladen, fügt der Autor zu, nichtsdestoweniger ist er empört, daß man das britische Reich dieser Gefahr (von einem nicht geladenen Revolver, bedroht zu werden) äussetzt... ln demselben Artikel meint «Near Bäü and Ind'm, daß, wenn die Juden im Jahre lötf sich so schlecht benommen hätten wie Jetzt, sie me die Batfour* Öektaräilon erhielten* Riese Drohung, die, wenn auch ins Vergangene gerichtet, dennoch die Absichten der Netten vom Downing Street durchschauen läßt, ist für die ganze Politik des britischen Notoniatamtes kennzeichnend. Bür uns ist es nichts Neues: wir wissen ganz gut, wfä Lord Paßfielä dem Zionismus nge wogen* ist; es klingt uns noch in den Öhren sein interview mH dem «Vorwärts*, in dem er sich dagegen verwahrt, als ob England den Juden je einen Judehstäät versprochen hätte. Aber was sich die von Paßfielä inspirierte Zeit* schrift leistet, Ist dennoch ein bißchen zu stärk. Kann man sich ein groteskeres, die Tatsachen und die Wahr-, heit mehr verhöhnendes Bild vorstellen als folgendes: \ die mächtigen Juden, denen es überall so wunderbar geht, deren Aufbauarbeit in Palästina von der britischen Regierung in jeder Hinsicht gefördert ist, die unbeschränkt zu Hunderttäusenden nach Palästina einwandem, richten gegen das arme, unglückliche, kraftlose, uns vollständig unterworfene England einen Revolver! Wenn es nicht zum weinenwäre, müßte man tacken. *.. 3)ie SHätfäg Wir gtatibän nicht' zu Übertreiben, ivenfi wir be« häupien, daß die österreichischen Juden einen Sehr großen Teil der RäVäg-Abonnenieri bildenf Wir glauben, daß es auch die Räväg weißi' Aber sie mäejit davon keinen Gebrauch., Denn Sie hat ein Prinzip: die Juden und, die kaltürell&n Bedüff* nisäe der jüdischen Radlöabonnentert zfi ignorieren, ln allen europäischen, Kulturzentren *+* in Amerika erst recht w finden von Zeit .,zu Zeit Radtovorträge über jüdische Themen, statt. In Berlin, wurde anläßlich der letzten, jüdischen Herbstfel$rtäge sogar ein Gottesdienst gesendet. In der heutigen Nummer .der «ßtimme» finden unsere Leser die Nßthfltht, daß im Breslauer Rundfunk ein Vortrag über ädk jüdische Theater gehalten wurde. Äehnliche Vorträge fanden, ßt War* schauer Radio statt. C Nur für die wiener Rävag existieren kaute jüdischen Themen. Sollte Herr Generaldirektor Czeija doch nicht etwas mehr Rücksicht auf -einen großen (jüdischen) Teil der Ravag*Abonnenten nehmen? Wäre es nicht gerecht, denen, Von denen mm Geld nimmt, auch etwas in ihrem Sinne zu geben? * ' ■ ■ Jficht ttyorwärts“, sonderh itMorgenjournalH Wir müssen sowohl den New Yorker «Vorwärts*, als auch unsere Leser am Entschuldigung bitten» Dem «Vorwärts» ist ein Unrecht geschahen und unsere Lesär wurden irregeführt: Wir haben in unserer letzten Nummer eine Glosse unter dem Titel «Auch eine BC> richtetstättang» veröffentlicht, in der wir Mm Bericht* des Wiener Korrespondenten des «MorgenßUrndli über den österreichischen Delegiertentag Stellung gtt> nommen haben. Wir dächten an däs «Morgenfötitnal», haben aber irrtümlich «Vorwärts» geschrieben> wat wir hiermit richtigstellen. . S. HatikwAh in dB© neue amerikanisch© Roformgebotbuoh aufgenommen New York. (J. T. A.) Die Ze^itraikonfärenz der amerikäniäflhön Rabbiner (Reformrabbiner) hat mit 84 gegen 58 Stimmen beschlossen, das Kol Niäre in des neue Reform* gebetbüch wieder aufzunehmen. Ferner ist beeehloesen worden, die Hatikwah neu herainzunehmeii. Der Vorschlag, die Hatlkwäh in das neue Reformgebetbuch auteunehmen, wurd« von Räbßi Stephen S. Wise gemacht, mit der Begründung, daß die Hatikwah von Juden in der ganzen Welt mit Begeisterung und Ergriffenheit gesungen wird und ihr Streben nach netiem jüdischen Leben ausdrllckt Harry Snell wird zum amerikanisch-jüdischen Kongreß sprechen New York. (J. T. A.) Am 18. Oktober wird in Washington die achte Session des amerikanisch-jüdischen Kongresses eröffnet werden. An ihr wird als Ehrengast und Hauptredner das englische Unterhausmitgüed Harry önell teilnehmen. Harry Snell ist der jüdischen Öeffentlichkeit durch seine Tätigkeit in der britischen Palästina-Untersuchungskommission und als Verfasser des Mihorltätsvotuihs j zum ßhaw-Bericht bekannt.