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Die Stimme · 1930-07-31 · Heft 136 (31.7.1930) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 136 (31.7.1930)
Date
1930-07-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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DIE STOWE Nr. 136 Sefce 4 Wenn es wirklich die Furcht um ihre Heiligtümer ist, weiche die Araber zur Opposition bestimmt, dann ist dieses Oespenst jetzt gebannt. Die Heiligkeit der Mauer allein schon hält uns davor zurück, Eigentumsanspriiche zu erheben. Wir fordern nur das Recht, daß die Mauer unverletzlich und keinen Veränderungen unterworfen sein soll. Dr. Eliash sagte: Ich wafne und bitte unsere Gegenseite, nicht mit dem religiösen Fanatismus zu spielen. Wenn palästinensische Moslems in Transjordanien und anderen moslemischen Ländern das Gerücht ausstfeuen, daß die Juden den Bau einer Syna-r goge am Burak beabsichtigen, während die Juden doch bloß in einiger Entfernung vom Burak stehen, dann bedienen säe sich der gefährlichsten Waffe. Wenn unsere Gegenseite auf diese Weise Haß schüren will, dann ist sie dazu imstande, das weiß ich. Aber sie sollte es nicht tun, denn sie würde sich damit einer Unwahrheit bedienen. Dr. Eliash schloß seine Rede mit dem Appell an die Kommission, eine Losung zustande zu bringen, die sowohl die Moslems wie auch die Juden befriedigt Die Schlußreden der arabischen Vertreter Ahmed Zaki Pascha, der beansprucht, für Hunderte von Millionen Moslems, vom Pazifischen bis zum Atlantischen Ozean und von Polen bis zum Kap der guten Hoffnung, zu sprechen, sagte, daß alle Moslems entschlossen sind, ihre Rechte an den moslemischen Heiligtümern zu verteidigen. Er brachte dann die folgende Einspruchserklärung vor: Die überwiegende Mehrheit der.. palästinensischen Bewohnerschaft erklärt offiziell, daß sie das Mandat unter keinen Umständen anerkennt und sich daher auch durch keine gesetzliche Entscheidung gebunden fühlt die aus dem Mandat abgeleitet wird, noch erkennt sie' das Jüdische Nationalheim an. Die palästinensische Nation allein hat das Recht, über die das eigene. Land betreffenden Bestimmungen zu entscheiden. Ein Streit um das - Eigentumsrecht an gottesdienstlichen Stätten kann nur den kompetenten Stellen zur Entscheidung übergeben werden. Niemand anderer aber ist zur Behandlung solcher Fragen kompetent als die palästinensische Nation selbst. Eine geschlossene Sitzung jüdischer und arabischer Vertreter mit der Klagemauerkommission Entgegen dem ursprünglichen Plan der Klagemauerkommission, die Verhandlungen Freitag, den 18. Juli, zu Ende zu bringen, mußten die Sitzungen noch bis Samstag ausgedehnt werden. Dafür war eine Zusammenkunft von Vertretern der Juden und Arabern maßgebend, die auf Anregung und unter Leitung des Vorsitzenden der Klagemauerkommission Loefgren noch am Freitag morgen stattfand. In; dieser Zusammenkunft wurde ein Uebereinkommen im ■ Klagemauerstreit vor Abreise der Kommission angestrebt. Die Unterredung verlief jedoch vollständig fruchtlos, da dii Moslems, besonders hinsichtlich des Rechts der Juden, an der Mauer zu beten, in; nichts nachgeben wollten. Sie wollten den Juden nur das Recht auf Besuch der Mauer zugestehen. Der Vorsitzende Loefgren soll den unversöhnlichen Geist auf :seiten-derMoslems -tief bedauert haben. Pie Konferenz •wurde im Regierungsgebäude und auf Wunsch des Vorsitzenden vollständig vertraulich abgehalten. Das Plädoyer Mohammed Ali Paschas Um halb 4 Uhr nachmittags begann mit einstühdiger ■Verspätung die öffentliche Sitzung am Freitag. Der Sitzungsra tim war mit Gästen überfüllt. Die arabische Exekutive war fast' vollzählig erschienen, ebenso zahlreiche jüdische Zu. hörer. Die Sitzung war mit der Rede Mohammed Ali Paischas, eines Aegypters, der die moslemische Sache vor Cer : Kommission vertrat, ausgefüllt. Mohammed Ali Paschas Rede war außerordentlich hitzig upd veraniaßte den jödi- ,sehen Dr. Eliash häufig ihn zu unterbrechen. Er sagte u. a.: «Die Befürchtungen der Moslems, -daß die Juden bestrebt sind, ihre Rechte an der Mauer zu beeinträchtigen, sind nicht grundlos. Die Zukunft'wird früher oder später zeigen, daß unsere Befürchtungen wohl begründet sind.» Er wies dann auf die Gefahr der zionistischen Bestrebungen, die auf Wiedereinrichtung des Königtums Juda hinausliefen, hin. Die Zionisten erstreben nach wie vor den Besitz der Aksa- Moschde und der Omar-Moschee. Solche Bestrebungen müssen alle Araber vom Antizionismus zum Antisemitismus führen und zu schlimmeren Gewalttätigkeiten, als sie die Juden in Europa erduldet Haben- Als Mohammed Ali Pascha aus der Luft gegriffene Zitate über Lord Melchetts angebliche Absicht, den jüdischen Tempel wieder zu errichten, vorbrachte, machte Dr. Eliash vergebliche Versuche, ihn zu unterbrechen. Er verlas weiter einen Passus aus Norman Bentwichs Buch über den Zionismus und legte der Kommission als Beweisstücke mehrere «Mii$rach»-Blätter und andere Bilder, darunter einen Karton ostjüdischer Volkskunst vor, um seine Behauptung zu . Stützen, daß es den Juden nicht nur um die Mauer gehe, sondern darum, die Moslems von ihren heiligsten Stätten zu verdränge«. Er verlas noch die Erklärung von General Bois und erwähnte, den von Rabbi Kook unterstützten Vorscmag Ussischkins, den Platz vor der Klagemauer zu erwe/oen. In scharfen Worten greift er das der Klagemauerkommission unterbreitete Memorandum an, das im Auftrag der.Jewish Agency Qr. Cyrus Adler verfaßt hat und sagte, er hätte wie * gedacht, daß jemand unter den obwaltenden Umständen au unvernünftige Forderungen stellen könnte wie Dr. Adler sie stellt. Die Schlußrede Loefgrens In der Schlußsitzung der Klagemauerkommission am Samstag führte der Vorsitzende der Kommission Loefgren in seiner abschließenden Rede aus: «Die Untersuchungskommission hat nun dep ersten Teil ihrer Arbeit beendet und dank der Mitarbeit der beiden Parteien glauben wir jetzt ausreichendes Material zu besitzen, um über die Rechte und Ansprüche im Zusammenhang mit der Klagemauer berichten und eine Entscheidung fällen zu können. Es ist unser Bestreben, die Voraussetzungen für frieden und Verständigung zwischen den verschiedenen Teilen der palästinensischen Bevölkerung günstiger zu gestalten. Wir erklären, daß wirklicher Friede nur auf der Grundlage der Gerechtigkeit bestehen kann. Seine Früchte können nur in einer Atmosphäre gegenseitiger Berücksichtigung der in Betracht kommenden Partner reifen. Die Interessen der verschiedenen Parteien scheinen einander oft zu widersprachen, obwohl ihnen in Wirklichkeit gemeinsam gedient werden kann. Unsere Pflicht als Kommissäre des Völkerbundes ist es, unsere Entscheidung darauf zu basieren, wovon wir durchaus überzeugt sind, daß es zu Recht besteht. Wir sind entschlossen, unsere Pflicht zu tun, ohne uns von den widerstreitenden politischen Interessen beeinflussen zu lassen, und wir appellieren an die Vertreter beider Parteien, dem großen Werk des Friedens ihre Hilfe zu leihen und unseren Bericht ohne Vorurteil abzuwarten und entgegenzunehmen. So verwickelt die Streitfrage auch ist, d« mit Wieners trei- ■ ' —Kl Ein Attentat auf den rumänischen Staatssekretär Angelescu Bukarest. (J. T. A-) Am 20. Juli wurde auf den stellvertretenden Innenminister Angelescu ein Revolverattentat verübt Der Attentäter, ein mazedonischer Student namens Georg Beza, erschien mit einigen anderen Studenten, die Angelescu eine Petition der «Gesellschaft der erwachten rumänischen Jugend» überreichten, in dessen Zimmer und schoß auf den lesenden Unterstaatssekretär. Es kam zu einem Handgemenge zwischen Beza und seinem Opfer, in dessen Verlauf der Attentäter noch weitere Schüsse abgab. Angelescu wurde ins Krankenhaus gebracht, wo ihm drei Kugeln entfernt wurden. Sein Zustand ist bedenklich. Der Attentäter wurde verhaftet. Wie Budapester Blätter melden, hat der Attentäter an der Spitze der rumänischen Vertretung des Vereins mazedonischer Studenten gestanden, und den Anschlag aus politischer Rache mit der Begründung begangen, aaß Staatssekretär Angelescudurch seine Maßnahmen gegen die Antisemiten zu einem Verräter an der nationalen Sache Rumäniens geworden sei. ■ ' Eine antisemitisch-faschistische Terrororganisation in Rumänien aufgedeckt B u k a r e s t, 24. Juli. (J. T. Ä.) Die Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Attentat.auf den Unterstaatssekretär Angelescu.ergaben die Existenz einer antisemitisch-faschistischen Terrororganisation. Der Untersuchungsrichter hat den Führer der «Eisernen Garde», Codreanu, eirtem scharfen Verhör unterzogen. Gleichzeitig wurde bei der antisemitischen Union eine Haussuchung yorgenommen, die verschiedenes Material zutage förderte. Eine Sondersitzung des Ministerrates faßte Beschlüsse’ über, neue Maßnahmen in Anbetracht der entstandenen Lage, darunter solche gegen politische Vereinigungen mit antisemitischem Programm. Antisemitische Ausschreitungen in Jassy Budapest, 23. Juli. (J. T. A.) Dem «Pester Lloyd» wird aus Jassy gemeldet: Gestern gab es in Jassy wieder antisemitische Ausschreitungen. Die Demonstranten marschierten erst geschlossen auf den Straßen, bildeten dann kleinere Gruppen, die sich über Auslagen und Fenster jüdischer Stadtbewohner hermachten und zahlreiche Juden verprügelten. Schließlich verhaftete die Gendarmerie 20 Missetäter. Alle gaben in ihrem Verhör an, daß sie auf Weisung Codreanus und seiner Bevollmächtigten gehandelt haben. Gefahr neuer judenjfeiiidlicher Ausschreitungen Bukarest, 24. Juli. (j. T. A.) Die jüdische Bevölkerung des rumänischen Städtchens Bererefiti bei Galatz ist durch das Eintreffen von Banden der «Eisernen Garde» in größten Schrecken versetzt, da die Polizeikräfte des Städtchens, einige Gendarmen, idem befürchteten A^hfdch von Unrunen bei weitem nicht gewachsen wären. Kommuniquee des Ministerrats Bukarest, 24. Juli. (J. T. A.) Über die bereits gemeldete, unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Maniu stattgefundene Sitzung des Ministerrates, tenden religiösen Gefühlen und Ueberlieferungen verwoben ist, so waren die Vernehmungen vor der Kommission doch zur FeststeHungder Tatsachen nützlich, die freimütig mitgs teilt und gehörig zur Kenntnis genommen worden sind. Und das wird auf die erregten Gemüter einen beruhigenden Einfluß ausüben. Sollte es für die beteiligten Parteien, die iv unserer Zeit und für die Zukunft verantwortlich sind, nicht möglich sein, zu einer freundschaftlichen Einigung zu kommen, ohne Rücksicht auf Empfindlichkeiten, politische Agitation und Gefühlserregung, in einem Geist gegenseitigen Verständnisses und gegenseitiger Achtung? Die Kommission würde fehle Lösung auf der Grundlage freier Vereinbarung eirtem Machtspruch bei weitem vor* ziehen. Die Kommission wird mit großer Befriedigung jeden Vorschlag und jede Abmachung zur Kenntnis nehmen, auf die rieh dfe beteiligten Parteien bis mm 1. September einigen würden. Wir werden unseren Bericht ohne jede Verzögerung vorbereiten und erstatten. Aber es muß klar sein, däß in der Zwischenzeit die von der Regierung erlassene Regelung der Verhältnisse und Verhaltungsweisen an der Klagemauer in Kraft bleiben, solange sie nicht endgültig abgeändert, außet Kraft gesetzt oder durch eine andere ersetzt worden ist; ferner, daß keinerlei Neuerungen Platz greifen dürfen und von keiner der beiden Parteien irgend etwas unternommen werden darf’ was dpn Anschein einer Veränderung der gegenwärtigen Verhältnisse an der Klageraauer erwecken könnte.» (J. T. A.) der sich mit der Beschlußfassung über Maßnahmen im Zusammenhang mit den Exzessen in Rumänien beschäftigte, wurde das folgende offizielle Kommuniqüee verbreitet: Der am 23. Juli zusammengetretene MJujsterrat nahm die Ausführungen des inrieöihimsters Vaida über die letzten Vorfälle antisemitschep Charakters entgegen und ordijete die strengsten Maßnahmen gegen die Ruhestörer an. Es werden Strafen verhängt und das AJarzescugesetz (ein Ausnahmegesetz gegen Aufruhr und aufrührerische Propaganda) voll und ganz in Anwendung gebracht werden. Die Regierung wird es für keinen Fall dulden, daß solche Ereignisse noch Vorkommen. Die Ruhe und Ordnung muß um jeden Preis aufrecht erhalten werden, dies, mögen alle wissen, die die Machinationen gewisser Drahtzieher ausnützen wollen. Codreanu ve^hnftet Budapest, 25. Juli. (J. T* A.) Die rumänische Regierung hat sich nunmehr entschlossen, ernste Maßnahmen gegen den Führer der «Eisernen Garde», Zelea Codreanu,,zu unternehmen. Codreanu gilt als der Anstifter der letzten hauptsäph-: lieh antisemitischen Ausschreitungen und ist auch in die .Attentatsaffäre gegen den Staatssekretär Anghelescu. verwickelt. Codreanu, der bereits, vor einigen Tagen, vom Untersuchungsrichter-vernommen wor-;. den ist, war über die ihm drohende Gefahr unterrichtet und vor zwei Tagen spurlos aus Bukarest verschwunden. Die PöHzef erließ mm eineg Steckbrief, und es gelang, Codreanu heute morgen hi Jassy zu ermitteln und festzunehmen. Er wird nach Bukarest transportiert und dort wegen reiner aufreizenden Tätigkeit vor Gericht gestellt werden. Ein antisemitischer Professor ermordet, einen Juden;. Bukarest, 28. Juli. (J. T. 4) Die Bukarests Tageszeitung „Advörul“ bringt eine telegraphische Meldung aus Orhei, däß dort der bekannte antisemitische Prof. Macedon einen Juden namens Schulim Landau durch fünf Re-. vol Vorschüsse ermordet hat. Der schwerverletzte Jude wurde in hoffnungslosem Zustand ins Spital überführt. Der ftförder wurde verhaftet. Di© Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet. Neue drohende Flugblätter der «Eisernen Garde». B u k a r e s t, 25. Juli. (J. T. A.). Die Verteilung antisemitischer Flugblätter in den Straßen Bukarests, auf Bahnstationen und Haltestellen apderer Verkehrsmittel wird fortgesetzt. In den Straßen Bukarests erschienen neue Anschlag© der antisemitischen «Eisernen Garde», worin dipse Organisation ihre Solidarität mit dem Angheje$cu-Attent|ter Beza erklärt. Die gleichen Anschläge enthalten Drohungen, gegen die Redakteure jener Zeitungen, die gegen die Antisemiten und Exzedenten scharfe Maßnahmen verlangt, haben,,besonders gegen 'die Redakteure der Zeitungen «Adevarul», «Dimrneatza» und «Lupta». c-n 3 » i > M Gedenket während Eures fommeraufenthaltes l das Karen Kalamefh S Pogromland Rumänien

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