Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1930-07-31 · Heft 136 (31.7.1930) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 136 (31.7.1930)
Date
1930-07-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3053859-3053889--1842-3057225
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr, 186 DTE STIMME Seit« 3 gegründet 1609 Inhaber: Paul Weinstock Wien, II., Untere Augartenetraße Nr. )3 Leopoldststter Waranhau» der Zukunft per 9. Aw Damals hat sie ihren Ausgang genommen — die größte Katastrophe, die je ein Volk traf: am 9. Aw des Jahres 70 itach Chr. wurde der Tempel in Jerusalem in einen Trümmerhaufen verwandelt utid ein Volk, das bis dahin auf eigener, heißgeliebter Scholle lebte, in alle vier Windesrichtungen und in «in finsteres Dasein hinausgejagt. Katastrophen erlebt in seiner Geschichte jedes Volk. Aber was ist eine. Schlacht auf dem Amselfelde, was eine Schlacht auf dem Weißen Berg, gegenüber jener Tragödie? Was eine Jahrhunderte währende Unterjochung eines Volkes, das in seiner Heimat bleiben darf und Hoffnung auf Befreiung von der Knechtschaft hat, gegenüber dem Heraüsreißen eines in seinem Boden verwurzelten Volkes, gegenüber dem Befehle, in die weite, fremde Welt zu gehen, um dort jahrtau sende lang ruhelos zu wandern, von Ort zu Ort gejagt und immer verfolgt zu sein ... Fast 2000 Jahre sind seit jenem schwarzen Tage vergangen;. 2000 Jahre des finstersten aller Schicksale. 200Ö Jahre dner übermenschlichen Pein. Und 2000 Jahre der nie geschwächten Hoffnung auf Freiheit. Heute befinden, wdr uns an einem Wendepunkte der Geschichte. Heute schauen wir nicht mehr zurück, heute Bind unsere Augen auch in die Zukunft gerichtet. Heute lebt in uns eine Hofffnung, die nicht nur in der Vergangenheit wurzelt, sondern ifi unseren Taten und In unserem Willen zum neuen Leben ihre stärkste Stütze hat, - Seat 2000 Jahren richten die Juden der ganzen Welt beim Beten ihr Gesicht nach Jerusalem. In Jerusalem ist der Berg Moriah. Und. auf dem Berge Moriah stand einst der Tempel. Heute ist von ihm nur ein Ueberrest geblieben, eine Wand, ein'Teil der Westmauer. Und Juden aus der ganzen Weit pilgern nach Jerusalem, um die kalten, trokkenen Steine, traurige Reste einer verflossenen Herrlichkeit, mit ihren Tränen warm und feucht zu machen. Das ist die Klagemauer, die berühmte Klagematier, die jetzt zu einem Politikum gemacht wurde; die jetzt ein Streit-, Objekt zwischen mohammedanischen und jüdischen Interessen ist. Die Klagemauer/auf die Eigentumsrechte seitens der Araber-geltend gemacht werden. Ejn Denkmal der ein-* stigen Pracht ist *u einem Agitationsmittel und. zum Objekte einer Grundbuchseintragung geworden. .Am: .0- Aw des Jahres 70 n. Chr. gab es no.ch keine Grundbüehaf, Am 9. Aw des Jahres 70 n. Chr. gab es auch keine Araber. In Palästina. Dagegen gab es Krieg, Brand, verzweifelte Abwehr gegen die römische Weltmacht und eine, katastrophale Niederlage. Der 9, .Aw iet. ein Trauertag. Aber er ist auch einer der stärksten Bande, die uns. damit, was vor dem 9. Aw war, verbinden. Und wenn Wir im Jahre 1930 an diesem Tage, des Tempels, der Stadt Jerusalem und Palästinas gedenken, dann ist es nicht nur eine traurige Erinnerung, nicht nur ein Weinen um die Vergangheit, nicht nur die Klage, weil der Tempel zerstört wurde. Heute wird im jüdischen Palästina ein neuer großer Tempel gebaut. Die Araber brauchen keine Angst zu haben: nicht auf dem Berge Moriah ersteht er. In den im ganten Lande zerstreuten Kolonien und Siedlungen wird unser neuer Gottesdienst abgehalten. Die Klagemauer ist nur ein Symbol, aber ein teures Symbol. Der 9. Aw — der größte Trauertag eines Volkes, dessen’Schicksal von Tragik erfüllt ist. W. Elin Schiedsgericht soll über die Tote-Meer- Konzession entscheiden London. (]. T. A.) ln Beantwortung einer Anfrage von Ben Tillet sagte der englische Außenminister Henderson im Unterbau*: Der französische Botschafter ist dahin informiert worden, daß die britische Regierung bereit ist, den Streit wegen der Konzession zur Ausbeutung der Tote-Meer-Satee einem Schiedsgericht zu übertragen. Um eine jüdische Stadtverwaltung in Jerusalem Jerusalem. (I. T. A.) In Jerusalem hat eich aus Vertretern aller jüdischen Wohnviertel der Stadt eine Vereinigung «Hatoschaw* (Der Bürger) gebildet. Die Vereinigung hat den Schutt der jüdischen Interessen in Jerusalem tum Zwecke, die seit dem Rücktritt der jüdischen Mitglieder des Stadtrates unvertreten sind. Es wurde beschlossen, gesetzliche Schritte tu unternehmen, um die Errichtung einer gesonderten jüdischen Stadtverwaltung In Jerusalem zu erwirken, in der Art, wie ea neben der Stadtverwaltung von Jaffa die gesonderte Stadtverwaltung Tel-Aviv gibt. Der Shaw^Boricht Im Hebräischen und Arabischen Der Bericht der Shaw-Kommission ist jetzt durch die Palästinaregierung in hebräischer und arabischer Uebersetzung herausgegeben worden. Sir John Hope Simpson wird seihen Bericht in Griechenland beenden. Wie verlautet, verläßt Sir John Ende Juli Palästina. Er wird seinen Bericht in Griechenland ausarbeiten, wo er seine Arbeit iiti Zusammenhang mit der Ansiedlung der griechischen Flüchtlinge aus der Türkei zu beenden hat. Sir John wird bei der Ausarbeitung des Berichtes von Herrn Bennett unterstützt werden. Herr Bennett fungierte während der Anwesenheit Sir Johns in Palästina als dessen Sekretär. JÜDISCHE ELTERN! Kauft SchulbUchar für Eure Kinder nur in der IQcllscIttii Buchhandlung Hermann TuctlVier Wien, II., Br. Statflfiutg. 7 (Ecke TabofBtrafle 52) Tel. R-41-4-20 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen - auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen. Verzeichnisse kostenlos 1 Keine Einigung erzielt Die Arbeiten der Klagemauerft-Koimnlsslon beendet Neuentdeckte türkische Dokumente In der Sitzung der Klagemauerkommission am 14. Jtm wurden von jüdischer Seite neue wichtige Dokumente vorgelegtj die bei der Durchforschung türkischer Archive in Konstantinopel von einem Beauftragten der Jewish Agency, Lebanon, entdeckt wurden. Es handelt sich um kaiserliche Verordnungen aus den Jahren 1841, 1889 und 1893. In dem Firmen von 1841 verbietet der Sultan den türkischen Soldaten, die Juden bei der Ausübung ihrer Religion zu belästigen und verfügt, daß die Juden das Recht haben sollen, in ihren Synagogen oder an anderen Bet- oder Pilgerstätten ihren Gottesdienst frei abzuhalten und ihr Ritual auf ihre Weise zu erfüllen. Der Erlaß wurde bei der Bestellung, der nachfolgenden Qberrabbiner, zuletzt im Jahre 1 $93, erneuert. Arabische Warnung an die Kommission Dce Aussage des arabischen Zeugen lsmael Abdul gipfelte in einer Verherrlichung der Heiligkeit der Aksa- Moschee und der sie umgebenden Mauern. Die Zeugenaussage enthielt eine verschleierte Warnung an die Kommission, sich auf den im jüdischen Memorandum enthaltenen Vorschlag einzulassen, demzufolge die 35 wird mit S 10.000 bi$ 15.000 m Sj einem in Betrieb befindlichen Re- 5 klameunternehmen gesucht. Die S Unternehmung ist nachweisbar rentabel. Anträge unter „Daß S Geld dreht sich" an die Expedi- S tion dieses Blattes. SS. ijiiiiEiiiiiiiiiiiiiis iniiia ■ 't"»1" IW'«——I— —— .— 1 ' l'f* I " '■> .■ jetzt dem Mughrabi-Wakf gehörigen Grundstücke geräumt und die Wakf-Behörden als Ersatz ein neues Gebäude an einer änderen passenden Stelle in Jerusalem erhalten sollen. Jcmal Husseini sagt aus Nachher wurde Je mal Husseini, der Sekretär der arabischen Delegation in London vernommen. Jemal Husseini sagte, daß er an der . Klagemauer Gegenstände von der An, wie die Juden sie dort benutzt zu haben behaupten, nicht gesehen habe. Die von der Palästina-Regierung im vergangenen Jahre verfügten provisorischen Regelungen haben die arabische Exekutive so sehr aufgebracht, daß sie den transjordanischen Arabern Mitteilung machte, die Juden wollen den Platz vor der Klagemauer in eine Synagoge umwandeln. Es wurde dann der Proteststreik in Palästina und Transjordahien gegen die provisorischen Regelungen veranstaltet An dieser Stelle unterbrach der Vorsitzende der Kommission, Loefgren, den Zeugen und sagte: Die Shaw-Kommission wa> sorgfältig darauf bedacht, alles was mit den Rechten und Ansprüchen an der Klagemauer zUSammenhängt, von ihren Verhandlungen auszuschließen. Unsere Pflicht ist es, unter Ausschluß aller politischen Fragen allein diese Rechte zu untersuchen. Es ist bedauerlich, daß die arabische Exekutive sich der gesetzlichen Verordnung der Palästina-Regierung, in der der jüdische Gottesdienst an der Wagemauer provisorisch geregelt wurde, widersetzt hat. Die Kommission aber kann «Ich davon picht beeinflussen lassem Sie hat dTe Klagemauerfrage als eine Rechtsfrage zur Beurteilung übernommen und wird steh durch Drohungen nicht beeinflussen lassen. Die Aussage des Distriktsgouveroeurs Kejtb Roach Am 16. Juli wurde der Distriktgouverneur von Jerusalem Keith Roach vernommen. Keith Roach. war es bekanntlich, der am Jom Kippur 1928 die Beseitigung der Scheidewand und der Bänke anordnete. Er sagte, das Wachstum der jüdischen Bevölkerung seit der britischen Okkupation Palästinas sei 4le eigentliche Ursache des Klagemauerstreites. Er bestätigte, an der Klägemauer früher Feldsessel gesehen zu haben, ln Beantwortung einer Frage des jüdischen Anwalts Dr. Elfash sagte Keith Roach, daß die von den Moslems neu eröffnet« Tür an der Mauerpassage vielleicht eine Neuerung darstelle. Loefgren um eine gütliche Einigung bemüht Der Vorsitzende de; Kommission, Loefgren, bemühte sich, zwischen Juden und Arabern im Klagemauerstreit eine friedliche Einigung zustande 2U bringen, oder doch wenigstens eine Einigung mit den Moslems in der Richtung zu erzielen, daß sie die Entscheidung der Kommission anerkennen. Doch sollen die Aussichten auf eine Einigung mit den Moslems gering sein, da der Mufti sich vom Anfang der Kommissionssitzungen an unzugänglich zeigte. -Von jüdischer Seite werden die Bemühungen der KommissionsmitglÄeder nach Erzielung einer Einigung unterstützt und sowohl David Yellin als auch Dr. Blau, die vor dem Plaidoyer Dr. Eliashs Ansprachen vor der Kommission hielten, traten in warmen Worten für Einigung und Toleranz ein. David Yellins Ansprache In seiner einstündigen Ansprache vor der Kommission wies David Yellin auf den intoleranten Fanatismus der moslemischen Agitatoren hin und pries die im Gegensatz dazu Stehende Toleranz ihrer Vorfahren. Dr. Yellin rühmte die Hingebung der Kommissionsmitglieder. Zu den Moslems hingewandt sagte er: es ist wahr, daß die islamische Welt entflammt ist, aber ihr seid es, die sie entflammt haben. Dr. YelKn fegte noch einmal Nachdruck darauf, daß keine einzige moslemische Autorität die Identität des Burak mit der Klagemauer stützt, und daß die moslemischen Theologen niemals gegen das Beten der Juden an der Klagemauer Einwendungen erhoben haben. Die uralten jüdischen Rechte an der Mauer sind nicht auf bestimmte moslemische. Herrscher beschränkt, entsprechen vielmehr dem Brauch, der seit Jahrhunderten gilt. Dr. Yellin beschloß seine Rede mit der folgenden feierlichen Erklärung: «Wir erklären vor der ganzen zivilisierten und vor der ganzen islamischen Welt, daß wir nicht beabsichtigen, das Gebiet des Haram oder irgendeine seiner Moscheen anzüt&sten. Und daß wir auch nicht danach streben, den Platz vor der Klagemaüer in eine Synagoge umzuwandeln oder gegen die Rechte des Wakf zu verstoßen.» Das Plädoyer des jüdischen Vertreters Doktor Eliash Der jüdische Vertreter Dr. Eliash verstärkte noch David Yellins Appell an die Moslems, die jüdische Position an der Klagemaüer von einem menschlichen Gesichtspunkt .aus zu betrachten. Die Juden sind fern davon, die Frage mit Politik zu vermengen. Die Mauer ist den Juden das ewige Symbol ihrer eigenen Erhaltung und der erhofften Zukunft. Was kann bei dieser Einstellung den Arabern Anlaß zu Beschwerden, geben? Dr. Blau von der Agudath Jisrael schloß sich der Erklärung Dr. Yellins an. An unsere verehrten Leser und Leserinnen Analleunsere Freunde. „Die Stimme“ ist das offizielle Organ der österreichischen Zionistischen Örganisaton. „Die Stimme“ bringt Nachrichten aus der ganzen jüdischen Welt. „Die Stimme“ bemüht sich, eine allen zionistischen Gruppen dienende Zeitung zu sein. „Die Stimme4* wendet sich an alle ihre Dieser, Freude und Anhänger mit dem Ersuchen, sie in ihrem Kampfe zu unterstützen. Verlangen Sie in jedem Gasthaus, in jedem Kaffeehaus„DieStimme“! Beeinflussen Sie Ihre Freunde und Bekannten, daß sie „Die Stimme“ abonnieren! mmmmmmmam Trachten Sie den Kreis unserer Anhänger zu vergrößern! Werben Sie für „Die Stimme* bei jeder Gelegenheit!!! ^684

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.