Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 135 (17.7.1930)
- Date
- 1930-07-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 185 Alt ftniiit Seite 5 Kaufhaus Weinstock gegründet 1899 Inheber: Paul Weinstock Wien, II., Untere AugartenstraDe Nr. 13 Leopoldstfltter Warenhaus dar Zukunft Glossen Armtr Paßfieldi Nach langer, langer Zeit, hot Seine Lördschaft, in deren Hand augenblicklich das Schicksal Palästinas lügt* geruht, zu sprechen* ln der Form eines Interviews im New-Yorker «Vorwärts* beklagt sich der britische Kolonialminister, daß die Juden in der ganzen Welt einen lärm machen, und daß Weizmann nervös ist und es nicht für notwendig gefunden hat, «unverantwortliche Gerüchte» zu dementieren. Er, Paßfleld, hatte nach wie vor an dem Mandat; er, Paßfleld, sei sicher, daß Großbritannien sein Wort nicht brechen .werde; er, Paßfleld, wundere sich, daß die Juden protestieren, da doch — höret und staunetl —« «keine einzige bereits erteilte Einwanderungserlaubnis zurückgezogen .worden ist»; .er, .Paßfleld, habe Weizmann nicht versprochen, Ihn mit Simpson zusammenzubringen, ledlgtich eine Aeußerang gemacht, daß er eine Besprechung für zulässig halte. Mit einem Wort: ihm, Paßfield, sei seitens der Juden ein Unrecht geschehen. Was kann man dazu sagen? Höchstens: Armer Paßfield! sic Auch eine. Berichterstattung Was alles auf dem österreichischen Delegiertentag geschah . Und wir, die wir ihm beigewohnt haben, hatten keirie Ahnung. Wir mußten erst im New-Yorker «Vorwärts» nachlesen, um zu erfahren, daß es «faßt za einer Schlägerei wegen Pr. Weizmann» kam. Am Schlüsse des Kabelberichtes des Wiener Berichterstatters des «Vorwärts» finden wir folgenden Pd$sus: «Dr. Ehrlich verteidigte Professor Weizmann, es entstand ein Wortgefecht zwischen diesen beiden (Stricker und Ehrlich), das Gefecht griff auf die Dele- , gierten über, die so aufgeregt wurden, daß Me sich aneinander warfen, um sich zu schlagen. Aber zu elfter wirklichen Schlägerei, ist cs dach nicht gekommen.* Na, Gatt sei Panty •Ja Ein neuer König alte Methoden Sie wollen kein Ende nehmen, die Greuelnachrichten, die täglich aus Rumänien zu uns gelangen. Eine neue Hochkonjunktur für antisemitische Verhetzung scheint dort entstanden zu sein. Die Verhetzung führt zu regelrechten Pogromen nach altbewährtem Muster. .Allerdings .können die Cuzisten auch .einen Anspruch auf Erfindungsgeist erheben: sie begnügen sich nicht mit Mord und Plünderung; sie können auch andere Heldentaten vollbringen, wie zum Beispiel ein ganzes Städtchen in Brand stecken und in Flammen auf gehen lassen. Börse ha heißt ihre neueste Heldentat. Bor sc ha — das ist der Schrei der jetzt durch ganz Rumänien und weit darüber hinaus in die ganze jüdische Welt geht. B o rs c h a: die von Cuzisten verhetzten Bauern haben gebrandschatzt — die Behörden schauten zu. Der König, der neue König ist weit, in Bukarest. Er hat viel zu tun. Er sitzt ja erst seit kurzem auf dem Throne seiner Väter. Vor einigen Tagen hat er die Vertreter der jüdischen Bevölkerung, die ihn um Hilfe baten, ersucht, man möge ihm Zeit lassen. Man läßt ihm die Zeit — was bleibt da anderes zu tun? Und in dieser Zeit erreicht die Pogromwelle ihren Höhepunkt. Ein neuer König ist gekommen, aber die alten Methoden sind geblieben und wurden sogar ausgebaut. * Lukas Abschied ln Jeru$atem fand ein Abschiedsbankett für Frau Lake statt, die demnächst nach Malta ihrem Gemahl folgen wird. Bei diesem Fest nahmen die offiziellen arabischen Persönlichkeiten teil. Die Juden dagegen vergaß man einzuladen. Und wir glauben: die palästinensischst Juden sind darüber nicht ungehalten. De mortuis nil nist bene — Toten soll man nur Gutes nachsagent — sagt ein altes Sprichwort. Herr Luke ist Gott sei Dank für Palästina tot. Deshalb tat man gut, daß man die jüdischen Persönlichkeiten zum Abschiedsbankett für Frau Luke nicht eingeladen hatte» Es wäre wirklich schwer gewesen über den Mittchul? digen an den Augustereignissen etwas Gutes zu sage. * Die Haßgebete Tricks und die Ausschreitungen im Rheinland Der Reichsoerichtshof in Leipzig hat sein Urteil gesprochen: Die antisemitischen Haßgebete Fricks sind abzuschaffen. Auf diese Weise hat die thüringische Kulturschande ein unfreiwilliges Ende genommen. Es gereicht der deutschen Nation zur Ehre, daß ihre t betätigen bfe gtänawriw« befolge etm Ötabiöflktinfctt bei Äbernberfeifung unß beten öWleitotEftbeimmgen, tote fteftcmmsnfcü, Äöbffämeraen, ®#Iaf« teftgfeft, £&tenf<mfen, tftaMum* Mtfgee, freioetföufttdle* fltaMefnstifi tetetrö Sßecbiumung be£ föluieg, fötberi bie 95IutjitMö±tön in n SJhtläabßm, ber&iitbezi ®aIEaBlaeeruttgen, fyiBi get« fttge uitb 2örj>ern#fi 9£r&ßii4fä#tg*eit. 9tabtumg«ljali cunilid) ii&erfctiifi S)ebot: 2lbotl!)efc fÖaber, I., 3Mjstle 13. fjhofreft* gratis iutb frofilo. oberste Qerichtsinstmz den mutigen. Qerechtigkeässtnn ln diesen verhetzten, von Menschen A kt Fmk beherrschten Zeiten, zum unzweideutigen Ausdruck bringen konnte. Gleichzeitig kommen aber aus dem Rheinlande Nachrichten, die diesen befreiten Gegenden keineswegs zum Ruhm gereichen können, Bs wurden darf bekannt? lieh Ausschreitungen gegen die sogenannten Separatisten inszeniert, und 4te$ war sowohl für den verheizten Pöbel, wie auch für die Drahtzieher dieser nationalistischen «Aktion* ein Anlaß, um auch gegen die Jüdische Bevölkerung zu heizen. Scheinbär muß ein Gleichgewicht in den Geschehnissen herrschen. ln Leipzig wird ein Urteil gegen die thüringischen Haßgebete gesprochen. Dafür erhebt im Rheinlande die Hydra des Antisemitismus ihren Kopf. ~S. Hohen Gewinn bei unbedingter Konkurrenzfähigkeit alohern Sie eloh, wenn Sie Ihren Bedarf durah gOnetlgen Einkauf auf der Leipziger Herbstmesse 1930 decken. Sie beginnt am 31. Augustl 1600 Warengruppen, 9600 Fabrikanten und Gro&ha dler aus 24 Ländern; außerdem stsh'ausländlschen Einkäufern eine große Anzahl fachmännisch organisierter Exporthäuser zur Verfügung, deren Vertreter durch das Verbandsbüro in Leipzig zu erreichen sind« AysVOnfta «itaOt dl« Amtsetelle des Leipziger Messamts f. Oesterreich, Wien, I., Seilenrtätte 7 Tal. R 5UU7Z 'fte. Kleine Nachrichten ausPalästina Eriuchcn der P4äftin*-Regi«rong die ägyprif&e Regierung, für Güter den Befördenujgstarif *ui den igyptifche» Estegbehnsp um 33 Prozent dürfte, wie es verlautet, entlprcdten werdet. Cneim Nachmen $iaj& hat eiqe Buropzjreife angethetjRn- Oas Colonial Office hat befchlöffen, die BewlIHgjung für ein« Anleihe der Stadt Tel Aviv zwecks Errichtung eines eigenen Sdüachthaufes zu erteilen. In der nüfhften Zeit wird die volle Arbeit in der großen Orangehpil&nzungigefelUchaft Lord Meldjetts, nachdem alle notwendigen Gebäude in Tel-Moqd ferttggeftellt wurden, aufgepotpmtP werden. Araber und Juden heben gememff$> beim Gouverneur von Nazareth vorgefprochen und um Steuererleichterungen im Zu- (ammanheng tnit der MiufcpUge im Rpafds. erlpd»*. i-y "mtm ****** 3ie Wotfie Leipzig: Hier wurde eine Ortsgruppe des Weltverbandes Sdiomrei Schabbps gegründet. -r- Ijn Leipziger Stadtverordnetcpkollcgium wurde ein Schach (Verbots an trag der NatiouaUozialiften abgelehn«- Stuttgarts Der Stuttgarter Stadtrabbiaer Dr. Rieger vollendete am 4. Juli lein So. Lebensjahr* ßudapellf Die Generalvcrfanimlung des Budapefter MunizipaJausfchuiTes wählte den jüdjfcien Abgeordneten Dr. Mareell Baracs zum lebenslänglichen Mitglied des Ausfchuftea. Warfcnap: Das jüdilche Städtchen Romarowha brannte fail ganz nieder. Der Ortsrabbiner hat unur eigener Lebensgefahr die Thorarollen aus der brennenden Synagoge gerettet. — Der gegenwärtig in Varfchau weilende polnifche Gencralkonful in den Vereinigten Staateu Pr. Mardjlewfki teilte der J. T.-A. mit, daß Vorbereitungen im Gange hud, um haach dem Mufter des von ihm in Amerika begründeten jüdifch-polnifthcn Verftändigungskomitees ein gleichgeartetes Komitee in Pplen fclbft ZU bilden. Prag: Die Prager Mcffe hat ein fpezialfes PrejTeburcau eingerichtet, das den jüdifchen Zeitungen in der ganzen Welt Mdttcilungan über die Malte znkumhien laften wird. Berlin: Hier hat 0<^a eine Arbeit^gsmcinfchaft aller oftjüdilchen Synagogen gebildet. — Ata 30. November 1930 werden die Wahlen zum Vcrbagdsmge des pfaußifchen Landesverbandes jüdilcher Gemeinden ftattfindeo. v* Kabbiner Dr. Löwy Berlin vollendet am 1 j. Ju|i (ein 70* Lebensjahr. London: Vom *6 bis za. Juli wird hier der ad. Kongreß der mterparlamentarUthen Union tagen, an dem auch jiiduchc Fragen bctprochen werden (ollem ««^ Die bmitebe Akademie zeimnete Dr. Claude G, MontcFiore durch Verleihung der Medaille für bibüfehe Studien aus, In der Sitzung der Anglo Jewjth Allociation vom d, Juli erftattete Lucien Wolff den Ecriodifchen Bericht des Jomt Foreign Committee über die age der Juden in den yprfdhiedenen Ländern. — Der Ordre of Maccabeans veranftaltete in dielen Tagen einen Empfang für die jüdifchen Mitglieder des Untefhayfes, bei dem u. a. Sir Herbert Samvel und Dr. Marion Philipps getproejhen haben. vYf'wjjv'fYfmrrfYfYf Aus Rußland Autonomer jüdUcher Rayon ßtnUndosf. Die erfte Konferenz der Dorffpwietc des vor einigen Tagen in Iajutfcfaifte proklamierten dritten autonomen jüdsfenen Kayons in der Ukraine iül foebtn zu Ende gegangen. Es wurde betd»joiIen, den Rayon »Dar Stalindorf er jücufme Rayon*' zu benennen. Mereldiin teilte b einer Anfpracbe mjt, daß in dem neuen jüdifchen Rayon die Juden 63. Prozent, die Ukrainer 3$ Prozent ausmachen; der Reil befteht aus Deutlchen und Rußen. Jüdifche Afhsater Riften eb Flugzeug. Aus Anlaß des 6. Kongreßes der Kommuüiftifdien Partei Rußlands wurde unter anderem von Arbeitern und Bauern gaßßtitten Aeroplanen auch der vpn jüdß^eu Arbeitern gelüftete Aeroplan „Biro-Bid{chaa‘‘ feierlich der Kagierupg übergeben. Der Aeroplan wurde aus Mitteln erbaut, die jüdifche Ipduftrie- und Heimarbeiter als Ertrag der Arbeit in den Tagen des Rofch Hafchana und Jom Kippur v. j. zur Ver fügung geftellt haben. ■ - '.'TV?’.“1 ■-1—T * DieWeltkonferenz der radikalen Zionisten in Lemberg (Eigenbericht der «Stimme*.) Lemberg, den 14. Juß 1930. Samstag, den 12. d. um 12 Uhr mittags begannen hier die Beratungen der zweiten yeltkonferenz der radikalen Zionisten in Anwesenheit von über 100 Delegierten aus Polen, Rumänien, Oesterreich, Deutschland, der Tschechoslowakei, der Schweiz und Palatina. Nach der Eröffnung durch Dr. Insler wurde folgendes Präsidium gewählt: Abg. Gfiinbaura (Kongreßpolen), Df. Spioweitssfrik (Deutschland), Stricker und Wechsler (Oesterreich) Misrachi und Krämer (Rumänien), Dr. Wilensky (Palästina), Dr. Abersön (Schweiz) und Dr. Insler (Ostgalizien). Nach den Begrüßungsansprachen und der Trauerkundgebung für den verstorbenen Führer des polnischen Zionismus Abraham Podlischewski hielt Dr. Go 1dmann ein Referent über das Programm der radikalen Zionisten- M der Nachmittagssitzung ergriff Abg. Grünbaum das Wort und sein dreistündiges Referat wer eine wahre Sensation, Er vertrat den Standpunkt, daß er kgfne Möglichkeit sehe, Prof. Weizmann In seinem fCampfe tan die Rechte des Jüdischen Volkes zn verlassen. Wefyiitujn befjpde sieh mm ainf den Barrikaden, es sei ganz ttmnöjghdi, Om in diesem Momente zn verlassen. Der Redner wendete sieb scharf gegen die Stricker-Grappa die ein Mißtraucos- Votum gegen Weizmann eingebracht hatte und sofortige Demission Weizmanns verlangte. Oberbaurat Stricker polemisierte mit dem Abg. Grünbaupi und behauptete, daß die Politik GrQnbaums in den letzten Monaten inkonsequent gewesen ist.. Nachher sprachen Dr. Soloweitschik, Dr. Goldmann, Dr. Aberson upd Dr. W i 1 e n s k y. Der zweite Tag der Weltkonferenz war zur Gänze von dem Meinungskonflikte zwischen Grünbaum und Stricker beherrscht. Es kam zu einem scharsen Wortgefecht zwischen diesen beiden Führern, Die Anschauungen Qrünbaums werden geteilt von Dr. Goldmann, Dr. Soloweitschik und Doktor Insler. Auf Seite Stricker stehen die rumänischen und die österreichischen Delegierten. In den Abendstunden hielt Herr A b e r s 0 n ein Referat über die zionistische Politik in Genf Die Stricker-Gruppe spricht offen davon, daß, wenn ihre Resolution, in welcher sofortiger Rücktritt Welzmanns verlangt wird, nicht angenommen wird, eine Sezession der österreichischen Gruppe aus dem Verbände der Radikalen stattfinden werde. Knapp vor Redaktionsschluß erhalten wir die Nachricht, daß nach langer Debatte Resolution angenommen wurde, die faktisch einen Sieg der Stricker-Gruppe bedeutet. In der Resolution wird die britische Regierung angegriffen, das Verlangen nach der Demission Weizmanns und der Exekutive ausgesprochen, die Tätigkeit des Brith Schalom wird verurteilt und gegen das Einwanderungsverbot Jabotinskys nach Palästina wird Protest erhoben. Es wurde ein Zentralbureau mit dem Sitz in Berlin gewählt, mit: Dr. Soloweitschik und Dr. Goldmann an der Spitze. wuasamfBsaeasmaassssBSBSssmsmmmmsBsmmzsssaeem Ein Sonntag, resp. Weeckend ohne Musik, ist still, langweilig, kurz, fad. Trotz aller guten Vorsätze hängt man den Sorgen des Alltags nach, diesen Kletten, wie man die trüben Gedanken, die Enttäuschungen, die selbst den tüchtigsten Menschen, in dieser schlechten Zeit, nicht erspart bleiben. Man wird sie nicht los. Eine gute Sprechmaschine mit guten Schallplatten ist die beste Abwehr, das beste Beruhigungsmittel für die erregten Nerven. Wenn wir den Meistern des Gesanges lauschen, wenn wir zu den besten Jazzkapellen uns im Tanze wiegen, ist alles Ungemach schnell vergessen. Fast ohne Geld, mit einer winzigen Anzahlung, kann jedermann glücklicher Besitzer eines solchen Freudenspenders werden. Musik ist die beste Medizin. Musik im Haus treibt Amt und Apotheker 'raus. Lesen Sie das Inserat auf Seite 2 d. Bl. Oder besser, gehen Sie in das Musikhaus Excelsior, Wien, I., Adlergasse 5. Ohne jeden Kaufzwang werden Ihnen ganz unverbindlich die besten Maschinen der Welt vorgeführt. Keine unangenehmen Recherchen. Diskretion verbürgt, Angenehme leichte z«Jtiiingsweis«. *emc Inkassanten« . 1