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Die Stimme · 1930-07-17 · Heft 135 (17.7.1930) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 135 (17.7.1930)
Date
1930-07-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 DIE STIMME Nr 18* Irin® irMslei im Mi „Altes Rathaus" (Cafetier Leo Löwy) Großer« and kleine Klublokale 1. Bez., Wipplingerstraße 24 Tel ü 07*4-84, U 26-0*74 ooooooooeooooooocxx»ooooooooooc»oooooc men und nicht etwaige Empfehlungen. Simpson wird ip drei bis vier Monaten zurückerw artet. Unterdessen sollten sich die Juden beruhigen und nicht mit Mißtrauen au! Großbritannien blicken, denn Großbritannien bricht sein Wort nicht Die offiziellen Beziehungen zwischen zionistischer Organisation und Colonial Office wieder aufgenommen Die seit der Suspendierung der Arbeiter-Zertifikate durch die Londoner Regierung seitens der Zionistischen Exekutive abgebrochenen offiziellen Beziehungen zum Colonial Office sind, wie die Jüdische Telegrapben- Agentur aus autoritativer Quelle erfährt, wieder aufgenommen worden. Es sind Verhandlungen über die schwebenden Fragen im Gange, die aber kein endgültiges Ergebnis haben können, solange der Bericht Sir (John Hope Simpsons über seine in Palästina angestellten Untersuchungen nicht vorllegt Der Bericht, soll, wie wiederholt angekündigt wurde, Ende Juli abgeschlossen vorliegen. Board of Deputies verlangt Freigabe der Einwande* rungszertiftkate Wie wir bereits berichtet haben, erschienen für den Board of Deputies der britischen Juden beim Staatssekretär für die Kolonien Lord Paßficld, 0. E. d’Avigdor Goktemid, Lord Rothschild, B. S. Straus und J. M. Rieh, um ihm als gewählte Vertreter der Juden des britischen Empire die Ansichten des Board über die Suspendierung der 2300 Arbeiterzertifikate vorzutragen. Der Board sieht sich zu der Annahme gezwungen, daß die Einwander üu gs z e rtifikate von der Regierung aus politischen Gründen suspendiert worden sind, da die ökonomischen Faktoren von der palästinensischen Administration gründlich gerüft worden sind, bevor -sie am 12. Mai die Herausgabe der Zertifikate sanktionierte. Die Jewish Agency ist ausschließlich auf freiwillige Beiträge angewiesen und die Suspendierung der Zertifikate hatte eine ernste Schädigung des Einkorr?- mens der Agency zur Folge. Die Regierungspolitik hat ln Palästina keine loyale und zufriedene Bevölkerung geschaffen utvd in den Beziehungen des Landes zur Außenwelt sind Rückschläge festzusteüen. Die Juden buben Jahrhunderte lang Ungerechtigkeiten von der Hand anderer ertragen und ebid die letzten, die wünschen würden, daß den Arabern Unrechtgeschieht Die Deputation übermittelte der Regierung die Bitte, (Be Zertifikate freizugeben und ihre Absicht, Palästina im Geiste des Mandats zu verwalten, zu demonstrieren. Lord Paßfield sagte: Die Proteste der Juden scheinen auf einem Mißverständnis zu beruhen. Die Politik der Regierung hat keine Aemtattng erfahren und die Ausführung des Mandats ist nicht ungewiß geworden. Aber das Mandat hat keinen Judenstaat vorgesehen, sondern ein jüdisches Natioualhelm ln Palästina In Ein* heit mit der Wahrung von Stellung und Rechten der arabischen Bevölkerung. Der jüdischen Einwanderung sind durch die Aufnahmefähigkeit des Landes Grenzen gesetzt Die Einwanderung ist nicht gesperrt worden. 930 für das gegenwärtige Halbjahr im voraus bestätigte Arbeiterzertifikate sind a cht sus. endizrt worden. Die Shaw-Kommission berichtet daß im Ergebnis der jüdischen Landkäufe eine bestimmte Zahl von Arabern miuslklaaus. EXCE1SIOR Inhaber RICHARD HERZOG I., Adlergasse 5 Tel. R-28-4-90 COLUMDIA-MOBflL 100 DAS BESTE zu dem billigsten PREIS! S138.- Anzahlung S 20'— 12 Monatsraten ä S 11*80 Größe 82X21V8 cm Höhe H cm Neue verbesserte Columbia-Dose 15 b ökonomisch geschädigt wurde, obwohl ane kann! worden ist daß die Jewish Agency in liberaler Weise Geld' entschäd gungen gezahlt bat Die Regierung hält es für notwendig, die BehauptungCfi auf ihre Wahrheit zu prüfen und hat zu diesem Zweck den besten zur Verfügung stehenden Sachverständigen mit der Durchführung einer Untersuchung betraut Die Untersuchung ist gegenwärtig. im Gange, und es kann, obwohl jede Verzögerung vermieden wird, kein Versprechen abgegeben werden, zu welchem Zeitpunkt die Entscheidung wird gefällt werden können. >1 > Borscha Das grauenerregende Verbrechen der Cuzisten — Die Pogromwelle in Rumänien Daa Unglück größer als anfangs angenommen. Bukarest (J. T. A.) Es stellt sich heraus, daß die ersten Nachrichten über die Niederbrenung des jüdischen Städtchens Borscha Im Distrikt Mannaros'Sziget (Siebenbürgen) durch Cuzisten viel größer ist, als anfangs berichtet. Vom Brande vernichtet wurden 350 Häuser und vier Synagogen, die Zahl der Obdachlosen beträgt 3600. Oer Brand von verbrecherischer Hand gelegt Zu der von der Jüdischen Telegraphen-Agentur m dem siebenbürgischen Städtchen Borscha, die ln der Niederbrennong dieses Städtchens durch Cuzisten gipfelten, teilt die Pressestelle der Berliner rumänischen Gesandtschaft mit, daß der Ausbruch des Brandes in Borsoha nicht auf terroristische Akte von Antisemiten zurückgehe, sondern daß es sich um ein zufälliges Brandunglück handle. Hierzu Ist zu bemerken, daß diese von der rumänischen Regierung durch ihre Agenturen ln Rumänien selbst verbreitete Version von jüdischen wie von nlchtj Fetischen Politikern 3owie auch von der Tagespresse in Bukarest und in der Provinz scharf angegriffen wird. Die vom Senator Dr. Meyer-Ebner, Präsidenten des Jüdischen Parlamentsklubs, der mit der Regierungspartei verbunden ist, herausgegebene «Ostjüdische Zeitung» stellt fest, daß gegenüber offiziellen Verlautbarungen, wonach der Brand durch eine Unvorsichtigkeit im Hause des Borschaer Arztes Dr. Solomon entstanden sei, die Meinung vorherrscht, daß der Brand von verbrecherischer Hand gelegt wurde, Unfercm Heben Chawer ISAK TEICH anläßlich feiner Promotion zum Doktor der Wirtfchafts* und HandelswiiTen> Jehaften an der Univcrfuät Trieft gratuliert herzlichft JfJGENDVEREIN „EREZ ISRAEL4 well das Städtchen, insbesondere der jüdische Teil desselben, zu gleicher Zeit an mehreren Stellen zu brennen begann und mehreren Juden einige Tage vorher Drohungen von cuzlstis:hen Hetzern zugegikommen sind. Pie Vorgeschichte der Tragödie Czernowitz, 10. Juli. (J, T. A.) Die Israelitische Kultusgemcinde von Dorna-Vatra in der Süd-Bukowina hat von der Leitung der jüdischen Gemeinde von Borscha einen von der gesamten jüdischen Bevölkerung Borsohas Unterzeichneten Appell erhalten, ln dem u. a. ausgeführt wird: Seit dem 7. Juni 1930 haben hier die beiden Pfarrer ßerlndel und Dumitrescu eine ununterbrochene antisemitische Hetze betrieben; sie bildeten ein Komitee, das fortwährend geheime Sitzungen ln der Kirche abhielt. Wir haben die Regierung informiert, aber die Autoritäten blieben passiv und lachten uns aus. Nach dem Osterfest schritt ein Zug von 3000 Bau* em mit Kkchenfahnen durch die Straßen von Borscha und rief fortwährend: «Zündet, tötet, treibt sie hinaus» Am Abend wurden von den Anführern zehn Juden füchterlich geschlagen und drei ins Wasser geworfen. Am nächsten Tage waren schon 7000 Bauern In der S t a d t. Am Donnerstag, den 3. Juli, hatte die Hetze Ihr gefährlichstes Stadium erreicht, wir fühlten uns preisgegeben. 7000 Bauern mit Bomben, Knüppeln und anderen Waffen versehen, weilten ln der Stadt, es wurde bekannt, daß sie auch Benzin mit sich führten. In der Nacht von Donnerstag zu Freitag flüchtete der größte Teil der jüdischen Bevölkerung aus Borscha. Alle un* sere Bitten und Tränen gegenüber den Autoritäten halfen nicht, die Hetzer durften ungestört ihre gefährlich« Arbeit tun. D)e übergeordneten Behörden in Szlget gaben die Instruktion, keinen der Hetzer zu verhaften. Am Freitag, den 4. Juli, schlugen plötzlich an drei ganz verschiedenen Ecken der Stadt auf einmal Flammen empor. Bald Stand der ganze Ort in Flammen. 132 Wohnhäuser, 1ÖÖ Nebengebäude brannten Innerhalb zwei Stunden bis auf den Grund ab. Mehr als 2500 jüdische Seelen sind ohne Obdach und ohne Nahrung. Fünf Todesopfer? Der Sonderberichterstatter des «Czemowitzer Morgenblatt» telegraphierte aus Borscha, daß bereits fünf Personen au« Borscha, die mit lebensgefährlichen Brandwunden ine Hospital von Sziget gebracht wurden, ihren Verletzungen erlegen sjnd. 100 Gendarmen gehen nach der Südbukowfna ab Ssnatcr Dr. Ebner hat beim Minister für die Buko* wina Sauciuc-Saveanu interveniert und sich an das Innenministerium telegraphisch um wirksamen Schute für die bedrohten Gegenden gewandt. Generalsekretär Crudu hat sofort veranlaßt, daß 100 Gendarmen nach Kimpolung, Warna und Umgebung beordert werden. Die Cuzisten wollen Bessarabieti standrechtlich besetzen Die antisemitische Organisation «Eiserne Garde», hat eine Proklamation herausgegeben, in der die Garde aufgefordert wird, sich für den großen Einzug ln Bessarablen vorzubereiten; diese Provinz soll einen Monai lang standrechtlich besetzt bleiben, um den Grund für die nationale Idee in Bessarabien zu legen. Der Pogrom in Suczawa Cz«mowitz, 13. Juli. (J. T. A.) Die von antisemitischen Agitatoren geführte Bauernbewegung in der Bukowina nimmt immer ärgere Formen an und gibt Grund zu äußerster Besorgnis um das Schicksal der Juden. Der Katastrophe von Borscha sind am 10. d. M. Ereignisse in der überwiegend von Juden bewohnten Stadt Suczawa gefolgt. Oberst Niculcea, ein berüchtigter Hetzapostel der antisemitischen Bewegung, berief für den 10. d. M. eine Bauernversammlung mit der Losung «Bekämpfung des Wuchers» ein. Der jüdischen Bevölkerung bemächtigte sich große Besorgnis, sie teilte diese der Behörde mit, woraufhin die Behörde, die die Gefährlichkeit der geplanten Versammlung einsehe« mußte, ein Verbot für die Versammlung erließ und die Verhaftung des Oberst Niculcea veranlaßt«. Trotz des Versammlungsverbots zogen Bauern in einer Anzahl von 3000 bis 4000 aus den umliegenden Dörfern gegen die Stadt. Die Bauern durchbrachen den Sicherheltskordon und strömten in die Stadt, wo sie, als sie erfahren hav- , ten, daß Oberst Niculcea verhaftet ist, vor der Präfektur zogen. Die Tür des Präfekturgebäudes wurde gewaltsam erbrochen, das Präfekturgebäude besetzt und vom Balkon herab wurden Reden gehalten. Die Bauern zogen erst ab, nachdem ihnen der Präfekt schriftlich die Erlaubnis zur Abhaltung einer Versammlung am nächsten Donnerstag zugesiohert hatte. Daraufhin zerstreuten sich (Ue Bauern in den Straßen der Stadt, überfielen jüdische Passanten und mißhandelten sie. Zwei Juden namens Großmann und Schützberg wurden durch Stockhiebe schwere Schädelverletzungen hergebracht Die Antisemiten drangen dann in zahlreiche jüdische Häuser ein plünderten sie, Läden wurden demoliert und die Waren auf der Straße verstreut. In dem dei jüdischen Familie Nußrauch gehörenden Wirtshaus versuchten die Exzedenten, nachdem sie dfc ganzen Alkoholvorräte h'naus geschafft hatten, die Familie zu ermorden und das Haus anzuzünden. Eine Militärabtoilung rettete die Ueberfallenen im letzten Augenblick. Plünderungen In Baiaceana Freitag nachmittags erschienen Juden aus Baia« ceana bei den lokalen Behörden und bei der Kultusgemeinde um mltzutellen, daß unter den Bauern von Baiaceana eine Gärung antisemitischen Charakters wahrzunehmen sei. Der Präsident des Bezirksrates intervenierte bei dem OendarmeriekommandQ, welches acht Gendarmen nach Baiaceana entsandte. Wie nun im Laufe der Nacht gemeldet wurde, wurden die meisten jüdischen Häuser von Baiaceana tatsächlich ausgeplUnderi Der Prätor von tilsesti wandte sich um Vfcll Uhr nacht« an die Präfektur um Hilfe. Es dauerte bis 2 Uhr nachts, bis eine größere Abteilung Gendarmerie mit dem Staatsanwalt hinaufdirigiert wurde. Sir John Chancellor in London London. (J. T. A.) Der High Commi86ioner für Palästina, Sir John Chancellor der in der vorigen Woche seinen Uriaub angetreten hat, ist am 7. Juli in London eingetroffen. «■■■ 9 SSPSSI B 35SESS B SSSSSBfl 355553553SSSSSSSISSS59519S8GSE5 ll ä jII Hand gestiefelte 1 I Qobefins^snrbK j ||i HERZL-Gobelins j | erzeugt Atelier Zaltradnik j I Wien, V., Anzengrubergasse Nr. 30 | » Telephon U-4Q.9<17 m j1' _'_ll| •äs 9 SSSSsSs I sSsäSSSel B SsSSSSi!» 8 sISsShE» B B 53k§555 B 5S55E5S B <•!

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