Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1930-07-17 · Heft 135 (17.7.1930) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 135 (17.7.1930)
Date
1930-07-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3053859-3053888--1831-3057213
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Preis 35 Broschen f. b. h Abonoementpreise: Für Oesterreich: Monat]. S 1.D0, vicrtolj. S 4.2p, ganzj. 8 IG.— / Deutschland: Monat], Goldmark 1.—, v]erte]j. Goldmark 3.— I Tschechoslowakei: Monatlich Ko 7.—, viertclj. Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—. vierteljährlich Dinar 40.— / Jüdisdke Zeitung BrecBaciroi Pom»ey§<qtf (HedinMion und Jädmintsttntion: Wien, y.. Stnutkensteinünsse I -!7efeplkon (ft HGS-SH Polen: Monatl. Zloty 2.30, viertclj. Zltoy G.DO / Ungarn: Monatl. Pengö 1.50, viertclj. Pengü 4.20 / Rumänien: Monatl. Lei 43.—, viertclj. Lol 123.— I Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—, viertclj. Lewa 80.— Belgien: Monatl. Bclga 2.—, viertelj. Belga 6.— / Uebriges Ansland: Monatl. Schweizer Franken 1.00 3. Jahrgang Wien, Donnerstag, 17. Juli 1930 (21. Thant. 5690) Nummer 135 Um den Bericht der Mandatskommission Sensationelle Enthüllungen des «Daily Telegraph» — Die Palästinaadministration scharf kritisiert — «Die britische Regierung hätte vor September 1929 handeln müssen» — Die Mandatskommission wird die Forderung nach einem Parlament nicht unterstützen «Daily Telegraph» vom 8. Juli veröffentlicht Mitteilungen über den soeben fertiggestellten Entwurf des Berichtes der Mandatskommission an den Völkenbümlrat über die Palästina-Frage. Diesen Mitteilungen zufolge hält die Kommission die Britische Verwaltung in einem gewissen Umfang für verantwortlich für die Unruhen. Einige Kommissions-Mitglieder waren der Meinung, daß die britische Regierung unbewußt, aus dem Bestreben nach Beruhigung der mohammedanischen öffentlichen Meinung in Indien, für die arabische Bevölkerung zuungunsten der Juden eingenommen war. In. dem Bericht selbst kommt, die «.Ansicht zumu Ausdruck, daß auf die b$tische Regierung antwortung fällt, sowohl für die dem Äsbruch vorängegangenen Ereignisse als auch für die Art und Weise, in der die Unruhen behandelt worden sind. Was die Frage des arabisch-jüdischen Konfliktes angeht, so stellt sich der Bericht laut «Daily Telegraph» im großen und ganzen auf seiten der Araber. Im Verlaufe der Untersuchung kam allerdings wie «Telegraph» schreibt, die Meinung zum Ausdruck,' daß die Handlungsweise der Juden in einem gewissen Ausmaß zurückzuführeii ist auf eine irrige und; zti weitgehende Interpretation der Balfour-Deklaration von 1917. , In der Frage der Ansiedlung von Juden in Palästina hat die Kommission ihr Urteil in Erwartung des Ergebnisses der Untersuchungen von Sir John Hope Simpson zurückgestellt. In einer späteren Nummer setzt «Daily Telegraph» seine Mitteilungen über den Inhalt des Palästinaberichtes der Permanenten Mandatskommission fort und .schreibt: .. ,, Der Bericht der Mandatskommission . über Palästina .enthält eine scharfe Kritik der Administration, Er vertritt, die Meinung, daß die beschränkte Zahl britischer Truppen und die unzureichenden Polizeikräfte in erster Linie für die Ausbreitung der arabischen Unruhen und für die ernsten Konsequenzen die sie im Gefolge hatten, verantwortlich zu machen sind. Die.Kommission vertritt die Meinung, daß den Unruhen eine'Reihe warnender Zwischenfälle vorangegangen, deren offensichtliches Zentrum der Klagemauer-Konflikt war. Der Streit um die Klagemauer erzeugte in der jüdischen Bevölkerung und durch Uebertragung in einem großen Teil Palästinas einen Zustand von Nervosität und erhitzter Leidenschaft, die jederzeit zu einer gewaltigen Explosion führen konnten. Nichtsdestoweniger sei die Möglichkeit einer Vorsätzlichkeit der Unruhen nicht ausgeschlossen; die Kommission ist nicht davon überzeugt, daß die von der Majorität der britischen Untersuchungskommission eingenommene nachsichtige Haltung gegenüber dem Verhalten der arabischen Führer gerechtfertigt ist. Die Mandatskommission ist ferner der Meinung, daß die britische Erklärung, in der behauptet wird, daß die Palüstinabewegüng nicht gegen die britischen Behörden gerichtet war, kaum zu rechtfertigen ist. Alle Vorstellungen von politischen Führern, Vereinigungen und anderen Vertretern des arabischen Elements haben klar erwiesen, ..daß die arabische Bewegung eine Ten-, denz zur Auflehnung gegen die Politik der Mandatarmacht als solche enthält. Die britische Regierung hätte vor September 1929 handeln müssen Die Mandatarmacht stimmt mit der Untersuchungskonimission in der Feststellung überein, daß der im Lande herrschende gefährliche Gemütszustand durch fortgesetzte Propaganda der Landespresse, an erster Stehe cler arabischen Presse, gefördert worden ist. Die Kommission kann ihr Bedauern darüber nicht verbergen, daß die Mandatarmacht, bei der Totaldurchftihrung des Mandats in manchen Hinsichten nicht erfolgreich gewesen ist. Es wird gegen die Regierung der Vorwurf erhoben, sie habe ihre Verpflichtung, die Errichtung eines Nationalheims für . die Juden zu fördern, nicht erfüllt, ßie hat es untertä&sen, die für die Entwicklung eines nationalen Zentrums für-das jüdische Volk notwendigen Bedingungen, die Sicherheit für Leben und Eigentum, zu schaffen. Ihre Schwäche in mancher Beziehung angesichts solcher präzedenzloser Erscheinungen, wie sie die zionistische Bewegung darstellt, hat auch andere als nur jüdische Interessen geschädigt. Im Hinblick auf die wohl organisierte und über bedeutende finanzielle Mittel verfügende jüdische Gemeinschaft müssen die unorganisierten und solcher finanziellen. Welleu entbehrenden Araber schwere Bedenken hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Zukunft tragen. Sic hätten Schutz ihrer Interessen finden müssen, in einer Agrar-Politik oder in der Durchführung öffentlicher, zur Entwicklung der landwirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes bestimmter Arbeiten. Die Kommission ist der Meinung, daß die Mandatarmacht die Interessen der beiden Elemente der palästinensischen Bevölkerung miteinander in. Einklang hätte bringen können. Auf die arabischen Forderungen nach freier Selbstregierurig übergehend, stellt die Kommission fest, daß diejenigen, die diese Gedanken formulieren, bei ihr keine Unterstützung finden werden. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die Notwendigkeiten, gegen feindselige Elemente einzuschreiten, die Palästina-Regierung nicht daran hindern werde, ein k onstru k t i v e s Pr o g r a m nT mit größerer Energie als bisher durchzuführen. Die von der britischen Regierung zur Verhinderung zukünftiger Unruhen unternommenen Schritte werden gutgeheißen. Der Bericht spricht sich dahin aus, daß die in dem Mandat niedergelegten Verpflichtungen gegenüber den beiden Teilen der palästinensischen Bevölkerung gleich bedeutsam und keineswegs miteinander unvereinbar sind. Was sagt die JTA dazu? Der Bericht der Mandatskommission widerspricht dem Shaw-Bericht, wo dieser die palästinensische Verwaltung von aller Verantwortung für die Unruhen freispricht, und stellt fest: Die Palästina-Administration hat es bei der Behandlung der Unruhen an energischem Auftreten fehlen lassen. Das Mandat legt der Mandatarmacht die doppelte Aufgabe der Errichtung des jüdischen Nationalheims und der Errichtung von Selbstverwaltungsinstitutionen auf. Doch müssen sich die Araber vergegenwärtigen, daß diese Aufgaben miteinander verbunden sind. Es sei unmöglich, Selbstverwaltungseinrichtungen ohne Anerkennung und Gewähr für die Entwicklung des jüdischen Nationalheims zu schaffen. Die Nachricht der «Neuen Freien Presse» vom 7. Juli, die wir in unserer letzten Nummer gebracht haben, scheint demnach nicht ganz den Tatsachen zu entsprechen. Insbesondere die Behauptung, die Kommission habe sich in ihrem Bericht im wesentlichen auf den Standpunkt der Araber gestellt, findet keine Bestätigung in den Enthüllungen des j «Daily Telegraph», wie auch im JTA-Bericht. Allerdings isl } bis heute eine offizielle Mitteilung über den Bericht der Mandatskommission nicht erschienen. Wir können also heute nur dasselbe wiederholen, was wir bereits in der letzten Nummei sägten, daß' es nötig ist, diese offizielle Mitteilung abzuwarten. Eine aufsehenerregende Erklärung Paßfields im New Yorker „Vorwärts“ Die New; Yorker , jiddische, sozialistische Tageszeitung «Vorwärts» veröffentlicht eine Erklärung des engschen Koionienministers Lord Paßfield, über.die Palästina-Politik der7 Ärbeiterregieriing. Es.heißt darin: Es ist nicht richtig, daß die Arbeiterregierung gegen die Politik des jüdischen; Nationalheims ist. Großbritannien hält an seiner Absicht; die Bestimmungen des Palästinamandates durchzuführen, fest. Die Regierung hält aber eine Masseneinwanderung im gegenwärtigen Augenblick für nicht vorteilhaft. Kann man von einer Sperre der Einwariderung sprechen, wo doch keine einzige, bereits erteilte Einwanderungserlaubnis zurückgezogen worden ist? Besteht ein zureichender Grund dafür, daß von Panik ergriffene Juden in aller Welt verkünden, die Arbeiterregierung habe sie verraten? Lord Paßfield greift auch den Präsidenten der Jewish Agency, Professor Chaim Weizmann an, und erklärt wörtlich: «Ich kenne Weizmann seit 10 Jahren, aber ich habe ihn noch nie so nervös gesehen wie in diesen Tagen Er hat es zugelassen, daß gewisse unverantwortliche Gerüchte über mich als Kolonienminister und über die Regierung verbreitet worden sind. Ich will nicht sagen, daß er selbst diese Gerüchte ausgestreut hat, was ich aber unterstreichen will, ist, daß er sie hätte dementieren oder der Wahrheit gemäß berichtigen sollen.» F’aßfield tritt dann der Version entgegen, er habe Weizmann vorsätzlich irregeführt, indem er eine Besprechung zwischen Weizmann und Simpson vor Simpsons Abreise nach Palästina zugesagt, und die Zusage nicht gehalten hat. Er schreibt: «Ich habe Weizmann kein ausdrückliches Versprechen gegeben. Ich habe lediglich gesagt, daß ich die Besprechung für zulässig halte. Ka^.ich dafür verantwortlich gemacht werden, wenn Simpson seine persönlichen Pläne umgestoßen hat?» Das Mandat, fährt Paßfield fort, garantiert den Juden eine Heimstätte, und nicht einen Staat. England kann keinen Judenstaat schaffen. Die Juden werden doch nicht erwarten, daß in der Heimstätte 12 oder 14 MUlionen Juden angesiedelt werden. Die zionistische Bewegung erschwert die in Angriff genommene Aufgabe, indem sie unter den Juden Mißtrauen gegen die Regierung sät. Gegenständ der Mission Simpsons, schließt Paßfield, ist nicht ein verpflichtender Bericht, sondern Information. Die Regierung wird seine Infor- ' mationen zur Grundlage ihrer Entscheidungen neh- An unsere Abonnenten! Wir ersuchen unsere Abonnenten, die rückständigen Abonuementgebühren unverzüglich an uns zu überweisen. Abonnenten, die trotz dieser Aufforderung ihre Beiträge nicht an uns abführen, wird die „Stimme“ nicht mehr zugestellt werden. Bei Adreßänderungen bitten wir, jeweils immer die alte Adresse anzuführen. Administration „Die Stimme“.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.