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Die Stimme · 1930-07-10 · Heft 134 (10.7.1930) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 134 (10.7.1930)
Date
1930-07-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 184 m StlMME Literatur und Kunst Abraham Schlionsky in Wien Seit einigen Tagen weilt in unserer Stadt der junge hebräische Dichter Abraham Schlionsky. Eine europäische Urlaubsreise führte ihn über Paris und Berlin nach Wien und wir freuen uns, diesen führenden Dichter Jung- Palästinas unter uns begrüßen zu können. Das literarische Wirken Schlionskys beherrscht schon fast seit 10 Jahren das palästinensisch-hebräische Schrifttum, in erster Reihe seine Lyrik. Schlionsky ist einer derjenigen Wenigen, die die europäische Moderne nach Palästina verpflanzt haben, ohne in irgendeine Nachahmung der in Europa herrschenden literarischen Strömungen zu verfallen. Es ist ihm gelungen, in seinem Schaffen auf organische Weise drei Elemente zu einer lebendigen Synthese zu vereinigen: das Zeitgenössisch-europäische, das Urhebräische und das Palästinensische. Seine Entwicklung ist ganz von der im Lande herrschenden Atmosphäre beeinflußt. Als er aus Rußland kam, lebte in ihm noch die Seele und die Lebensauffassung eines «Bosjak». In den ersten in Palästina veröffentlichten Gedichten finden wir noch ein starkes Echo jener verklungenen Zeiten. Auf dem heimatlichen Boden, unter dem Einflüsse der dort entstehenden Lebensformen, beginnt in ihm ein neuer Prozeß sich auszuwirken. Dieser Prozeß heißt: Verwurzelung. Aus der Erde, auf der er schreitet, schöpft er Lebenssäfte, die ihm als Impuls zu neuem, anderem Schaffen dienen. So vollzog sich in diesem Falle das Wunder auf dem Gebiete des Schaffens,! dasselbe, das wir in unzähligen anderen Fällen auf dem Gebiete des Lebens beobachten können: Ein heimatloser erobert sich eine Heimat, die das Wesen seines Schaffens und Lebens äusrtiacht. Dies ist der weite Weg von Schlionskys ersten «NaplewaU-Gedichten, in denen man noch russische Jessenin- und Majakowski-Klänge findet, bis zu seinen neuesten Gedichfesammlungen, die nicht nur hebräisch sind, sondern auch palästinensisch im vollsten und tiefsten Sinne dieses Wortes: dies ist der Weg von dem Gedichtszyklus «Serak» (Leere) bis «Beele Hajamim» (In diesen Tagen), seinem neuesten Gedichtsbande. Und dieser Weg war nicht leicht. Schwere innere Kämpfe begleiteten ihn. Kämpfe mit sich selbst, Kämpfe mit der Umgebung, Kämpfe, die in den Werken — Meilensteinen: «Adamah» (Erde), «Honolulu:» und vor allem zw'ei großen nichtszenische Dramen, die unter dem gemeinsamen Titel «Dewai» (Das Leid) erschienen sind, ihren künstlerischen Ausdruck fanden. Das Buch «Dewai» kann als ein endgültiger Durchbruch in Schlionskys Schaffen betrachtet werden. Es ist die absolute Bejahung des Leidens als eines positiven und wünschenswerten Momentes inn menschlichen Leben. Aus der palästinensischen Wirklichkeit geboren, wirkt es wie ein nervenaufpeitschender, großzügiger Hymnus auf das, was gewöhnlich die Menschen fliehen: das Leid. In den späteren Gedichtesammlungen «B a g a 1 g a 1» (Im Kreise) und «Schi rim leaba u lim ah» (Gedichte an Vater und Mutter) wie auch in der erst kürzlich erschienenen Sammlung «Beele H a j a m i m» kehrt Schlionsky zu seiner wesentlichen Art, die sich in kurzen lyrischen Gedichten am besten ausdrückt, zurück. Diese Gedichte sind —• dies kann wohl ohne Uebertreibung, gesagt werden, — wirkliche kleine Perlen, die er aus dem palästinensischen Alltag herausfischt, um sie mit der ihm gewohnten künstlerischen Virtuosität als persönlich-ewige Erlebnisse dem Leser zu präsentieren. Abraham Schlionsky ist noch jung, sehr jung. Sein bisheriges Schaffen gibt uns aber vollste Gewähr, daß die zeitgenössische hebräische Literatur noch vieles von ihm zu erwarten hat. Wenn er den von ihm bestiegenen Weg auch weiterhin in diesem Tempo durchmessen wird, so ist uns um die Zükunft der jungen, revolutionären hebräischen Dichtung, nicht bange. Sihliönisky ist auch als Redakteur der palästinensischen literarischen Wochenschrift «Ketuwim* tätig, die er zusammen mit Elieser Steinmann, dem bekannten Kritiker J. Norman und den gegenwärtig in Wien weilenden Romancier Dr. Jakob Horowitz herausgibt. In dieser Zeitschrift, die, eine Kampffront der jungen Palästina-Schriftsteller gegen das Althergebrachte, — verknöcherte und des Lebens Unfähige bildet, ist er im Sinne des StrCbens nach neuen Schäffensformen hervorragend tätig. S. W. Leo Löw in Wien Der berühmte Chordirigent und Komponist Leo Löw aus New York weilte auf der Durchreise einige Tage ih WiCn. Löw ist der populärste Chordirigent in Amerika. Er war der erste Organisator jüdischer Chorvercinigunger» dort und hat auf dem Gebiete der Förderung und Propaganda jüdischer Musik in Amerika, ganz besonders der Chormusik, Außerordentliches geleistet. Von seinen zahlreichen Kompositionen — oftmals hat man sie auch in Wien gehört — ist besonders seine kunstreiche Bearbeitung des Liedes «Kaddisch der Berditschower Rebben» sehr bekannt. Löw hat die Absicht, in der nächsten Saison in Europa eine Tournee zu machen und auch in Wien ein Konzert zu geben. Das jüdische Publikum wird dem verdienstvollen Pionier jüdischer Musik bestimmt großes Interesse entgegenbringen» zumal er mit einer ganzen Reihe hier noch nicht gehörten Werken jüdischer Musik bekannt machen will. Die «Wilnaer» in der Tschechoslowakei. Wie seinerzeit berichtet, unternahm die Wilnaer Truppe nach Beendigung ihres erfolgreichen Wiener Gastspieles eine Tournee in die tschechoslowakische Republik. Der administrative Leiter der Tournee, Herr J. G o 1 d f I i e ß, äußerte sich über ihren bisherigen Verlauf einem unserer Mitarbeiter gegenüber wie folgt:' In BrUfin eröffneten die Künstler ihr Gastspiel mit An, skis «Tag und Nacht», dem Dymows «Sänger seiner Träger» und Schalom Alejchems «Schwer zu sein ein Jyd» folgten. Alle drei Aufführungen erlebten einen großen Erfolg. In Brünn haben sich uni die ^Wilnaer» der Präsident der dortigen Kultusgenieindc, Herr Dr. Sonnenwald, und die zionistische Frauenorganisation Wizo in dankenswerter Weise bemüht. Den Höhepunkt und zugleich den größten Erfolg ihres bisherigen Gastspiels jedoch erreichten sie in Prag. Hier wurden die jüdischen Künstler von der gesamten Presse in den höchsten Lobestönen gefeiert. Zur Aufführung, gelangten der. «Sänger seiner Trauer» und Langers «Peripherie, welch letzterer Aufführung man in Prag bc- § reiflicherweise mit. größtejti Interesse entgegensah. Der >lchter Frantisek Langer war von der Aufführung seines Stückes .so begeistert, daß er nach der Aufführung in die Gardebrobe der Künstler eilte und die jüdischen Künstler, insbesondere ihren Führer Alex Stein, in russischer Sprache beglückwünschte und Seiner Befriedigung darüber Ausdruck gab, sein Stück in so guten Händen und so, wie es ihm vörgeschWebf, interpretiert zu wissen. Von Prag begaben sich die Wilnaer nach Karlsbad, wo sie ihr Gastspiel Förtsetzen. J. R. «Palästina», Monatsschrift für den Aufbau Palästinas, 13. Jahrgang, Juni 1930. In der Nummer 6 finden wir folgende Aufsätze: «Ueber die Wandlungen in der Struktur des Grundbesitzes in Palästina», von Dr. A. Gränovvsky, {erusalem; «Die Zusammensetzung der Beamtenschaft der ^lästina-Regierung», von M. Nemirowski, Tel Aviv; «Die Frage der Wasserversorgung», von G. S. Blake, Jerusalem; «Jewish Agency» von Dr. Robert Weltsch, Berlin; Nachrichten und Daten; Bücher und Zeitschriften. «Dewarenu.» Nr. 3/4 ist bereits erschienen. Aus dem Inhalt: «Die Schließung der Tore», von M. Leitner; «In der hebräjschen Front», von S. Drechsler; «Im Zentrum und. in der Peripherie», von L. Ganani; Erzählungen von J. Gelernter, J. Tiger, Mordechai Gutsdiener und N. Schianger; Gedichte von Jakob Riinon, Meir Mohr, Abraham Rosenzweig, J. Z. Rimön und eine Uebersetzung von Rilke; außerdem eine Reihe von Notizen, Glossen, Besprechungen usw. Eine Jüdin Generaldirektor der Mailänder Scala. Zum Nachfolger des vor einigen Tagen verstorbenen Generaldirektors des berühmten Scala-Theaters zu Mailand, Angelo Scandiani, der bekanntlich Jude war, wurde Fräulein Anita Colombo ernannt. Anita Colombo ist Jüdin und Tochter eines verstorbenen jüdischen Bankiers, in dessen Hause von jeher Musiker und »Musikfreunde, unter ihnen Töscanini, freundschaftlich verkehrten. Anierikareise von Professor Boris Schatz. Der B’idiiam r und Maler Professor Boris Schatz, Schöpfer der Bezalkl- Schulc und des Bezallel-Museums, begibt sich demnächst nach den Vereinigten Staaten, wo Ausstellungen seiner neuen Werke arrangiert werden. Hauptziel seiner Reise ist aber das Wirken für die Erhaltung der Bezallel-Institutionen. Ein Pionier der jüdischen behaus p- CiKuüst ge.uo» je... Im Alter von 69 Jahren verstarb in New York der iWanjüdische Schauspieler Samuel Tobias T a b a c h n i k o f f. Der Verstorbene war 40 Jahre lang mit der jüdischen Bühne verbunden; vor 37 Jahren wanderte er aus Kamenez Podolsk nach Amerika cm. Der Verband jiddisches* Schauspiele»* in Amerika hat den Beschluß gefaßt, seinen, Mitgliedern zu verbieten, in jiddischen Tonfilmen zu spielen, weil die Produktion solcher Filme die Zukunft des jiddischen Theaters gefährden könne. Das Kaüischgebct der . . . Mönche In dem «Israelitischen Wochenblatt für die Schweiz» finden v/ir folgende Skizze: Die letzten schiefen Abcndstrahlen der Sonne dringen durch die vergilbten Scheiben in den Innenraum eiyer Wiener Betstube in der Leopoldstadt. Leise wiegen sich die betenden Gestalten im an- und abschwellenden Singsang der Gebete, die immer wieder vom choralcn Amen der Gemeinde unterbrochen werden. Plötzlich geht die Tür auf und drei Mönchsgestalten treten wort- und geräuschlos ein. Schön 'schleicht manchem der Anwesenden ein Blitz der Schreckenserinnerungen aus dem gelb-schwarzen Mittelälter durch den Sinn. Gespannt und bewegt beobachtet man die drei sonderbaren Gestalten, die sich inzwischen in einen Winkel des Betraums zurückgezogen haben. Unentwegt und im Schweigen versunken scheinen sie die Silben der vom Vorbeter mit müdfcr Stimme vorgetragenen Benediktionen zu zählen. Dieser war die ganze Zeit der Andachtstafel zugewendet und, ohne die entstandene Bewegung zu ahnen, fährt er fort in dem Hersagen der Abendgebete bis zu der Stelle, wo gewöhnlich die Waisen mit dem die Gerechtigkeit Gottes verherrlichenden Kadischgebet einzusetzen pflegen. Wie erstaunt ist er aber, als er vom einem Winkel her drei ungewohnte Stimmen mit einem fremdklingenden Akzent, aber klär und deutlich die Strophen dfcs Kaälsch vernimmt. Es waren die drei Mönche, die, einer Stiftung des Barons Otto von Taussig entsprechend, das Seelengebet vortrugen. Vom hohen Adel stammend, hat sich de'r. junge Baron nach der Taufe als kaiserlicher Geleitoffizier itj ein jüdisches Mädchen verliebt, das in Przemys! d£n Kaiser mit dem traditionellen Brot und Salz empfing. Die Eltern des Mädchens wollten aber auf diese Ehe mit dem Baron auch nach dessen heimlicher Rückkehr zum Judentum nicht.eingehen. So verfiel der Baron einer zunehmenden Melancholie, die ihn immer mehr der Gesellschaft und dem Leben entfremdete und dem Klosterleben zuführte. Auf dem Totenbett vermachte er sein ganzes Vermögen dem Orden der «barrhherzigen Brüder», deren Krankenhäuser und Wohlfahrtsänstalten allen Verlassenen lind Ausgestoßenen freundliche Aufnahme gewähren. Eine Bedingung knüpfte er daran: jedes Jahr sollen drei Mönche am Todestage die Seclenandacht in einem, jüdischen Bethaus verrichten. L. Z. Ein jüdisches Mitglied der Byrd-Expedition Mit der Südpolexpedition des Commander Byrd ist am Sj£. Juni auch das jüdische Mitglied der Expedition, Sergeant Benjamin Roth nach New York zurückgekehrt. Ser-, geant Roth w'urde wegen seiner ausgezeichneten Leistungen bei der Antarktis-Expedition zum Master Sergeant ernannt. Admiral Byrd hat in seinem Expeditionsbericht Ein Kunstmuseum In Tel Awiw. In Tel Awiw wurde ein zeitweiliges Komitee zur Errichtung eines Kunstmuseums organisiert. Das Museum soll als Erziehungshaus für junge Künstler und für die Volksjugend dienen und wertvolle Erzeugnisse alter und neuer Kunst sammeln. Das Museum wird sich in einem besonderen Gebäude befinden, das für diesen Zweck durch Herrn Dizengoff zum Andenken an seine verstorbene Frau geschenkt wurde. Dem zeitweiligen Komitee gehört u. a. auch Chaim Nachmann Bialik an. Ferner haben der Bildhauer N. Aronson aus Paris uild M. LeVin aus Antwerpen versprochen, dem Museum zwei wichtige Kollektionen von Skulpturen und Bildern berühmter Künstler zu übergeben. Mendelssohns Schriften zum Judentum ira Akademie- Verlag. Von der im Akademie-Verlag erscheinenden Jubiläumsausgabe der gesammelten Schriften Mendelssohns ist soeben der erste Band der «Schriften zum Judentum» erschienen. Dieser Band enthält den ganzen Lavater-Streil, die Auseinandersetzung zwischen Mendelssohn und Bonnet, weiter die Ritualgesctze der Juden und Aktenstücke zur Reform des Judeneides. Der Band enthält über 700 Seiten und ist bearbeitet von Dr. Simon Rawidowicz, der den einzelnen Texten ausführliche *wisscnscbaftliche Fälschungen voranschickt. Eine nöue Jehuda Halevi-Ausgabe. Zum dritten Jahr* ^citstage Eli Michaels hat der Verein «Mekizei Nirdomim» einen neuen Band Jehuda Halevi herausgcgebcij. Es ist der vierte Band im Rahmen der gesammelten Schriften, nach Handschriften und Druckwerken und mit Anerkennungen versehen, von Dr. H. Brody herausgegeben. (Druck bei Itzkowski. Bernliti.) Eine Franz-Rosenzweig-Gedächtnismappe. Herr Ludwig Katzenstein-Kassel. Mitglied des Ausschusses der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, hat eine Gedächtnis* mappe geschaffen, welche alle seit dem.Ableben von Franz Rosenzweig in der allgemeinen und jüdischen Presse er* schienencn Veröffentlichungen über den Philosophen vereinigt. Die schön ausgestattete Mappe vermittelt ein fast erschöpfendes Bild der geistigen Persönlichkeit Rosenzweigs und einen Begriff von der Verehrung, die er sich durch seine Werke und sein Leben im Judentum erworben hat. uer internationale Pen-Kongreß in der jüdischen Presse* und BuchaussteUung. Die Empfangsfeierlichkeiten zu Ehren der Delegierten des in Warschau abgehaltenen Internationalen Pen-Kongresses waren abgeschlossen mit der feierlichen Eröffnung der vom jüdischen Pen-Klub im Einstein-Saal des jüdischen Akademikerheims veranstalteten jüdischen Buch- und Presseaustellung, die einen Ueberblick gibt über die Entwicklung des jüdischen Buches und der jüdischen Presse der letzten Fünf Jahre und mit ihren 3000 Ausstellungsobjekten auch die klassische Periode der jüdischen Literatur berücksichitgt. Dem Eröffnungsakt wohnten sehr viele ausländische Delegierte des Pen-Klubs und auch polnische Schriftsteller in großer Zahl bei. Mehrere prominente ausländische Schriftsteller gaben ihrer Freude Ausdruck, ihre Hauptwerke ins Jiddische übersetzt zu sehen. Schalom Asch eröffnete die Ausstellung mit einer Ansprache in jiddischer Sprache. Nachher hielt der Dichter Aron Zeitlin eine Ansprache, der ein gemütliches Beisammensein folgte. Roths Fähigkeiten besonders hervorgehoben. Sergeanl Benjamin Roth hat, wie jeder orthodoxe Jude, Talith, Tefilim und Siddur mit sich auf die Reise nach;dem Südpol mitgenommen und hat täglich die vorgeschricbener Gebetö verrichtet. Mörder zweier Juden in Argentinien aus deutschem Gefängnis entflohen Im Jahre 1922 verübte der 1895 in Flensburg geborene Seemann Asmus Axelsen in Gemeinschaft mit einem Komplizen in Buenos Aires einen Raubmord an zwei jüdischen Kaufleuten, der durch die besonderen Umstände in der ganzen Welt großes Aufsehen erregte. Axelsen wurde von den argentinischen Behörden zu lebenslänglicher Zwangsarbeit auf Feuerland verurteilt. Auf dem Transport dorthin gelang es ihm, zu entkommen und als Kohlentrimmer nach Deutschland zurückzukehren, wo er sich jahrelang unter falschem Namen herumtrieb, bis inan durch einen Zufall hinter sein Geheimnis kam und ihn verhaftete. Am 13. Februar verurteilte das Lüneburger Schwurgericht Axelsen wegen schweren Raubes mit Todeserfolg zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Am 23. Juni morgens gegen 11 Uhr gelang es nun Axelsen mit einem Mitgefangenen aus dem Lüneburger GericjitsgCfängnis zu entkommen. Die Flucht wurde sofort entdeckt, und ein grösseres Polizeiaufgebot nahm die Verfolgung auf. Von Axelsen konnte aber eine Spur nicht mehr entdeckt werden. David Kaufmann amerikanischer Gesandter in Siam. Der Senat bestätigte die Ernennung des hervorragenden jüdischen Advokaten David Kaufmann zum amerikanischen Gesandten in Siam. Kaufmann hat als amerikanischer Gesandter in Bolivien den Ausgleich im Konflikt zwischen den südamerikanischen Republiken Chile und Peru zu stände gebracht. Krise iu Lichtenstein infolge der Heirat des Fürsten mit einer Jüdin. «Sport am Montag» meldet, daß das Fürstentum Liechtenstein gegenwärtig eine schwere Regierungskrise durchmacht, die ihren Ausgang nahm von der Heirat des regierenden Fürsten von und zu Liechtenstein mit einer Jüdin, der Tochter des Wiener Barons Gutmann. Die katholische Bevölkerung von Liechtenstein äußert Unzufriedenheit über diese Heirat und politische Agitatoren stacheln die Bevölkerung gegen die Dynastie auf. Die Zustände sind jetzt solche, daß mit dem »Ausbruch einer Revolution in dem Fürstentum gerechnet werden könne. AUS ALLER WELT

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