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Die Stimme · 1930-07-10 · Heft 134 (10.7.1930) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 134 (10.7.1930)
Date
1930-07-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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im » DTE STIMME SU!» Die Arbeiten der Klagemauer- Kommission Weitere BifiVdrftahme jüdischer Zeugen — Christliche Zeugen bestätigen jüdische Angaben — Ein Imüh&risoher Jade bricht unter Tränen zusammen — Regierungsdokttmente in unserem Sinne — „Die Klagemauer ist heiliger als jede Synagoge*4 -- Aussagen Vön Prof. Schatz und dem britischen Archäologen Misahuftldy sich D|i Gehst nach der ftlcfitung des Tempölft wenden. Das Beispiel Amerikas Nash langer Zeit endlich wieder einmal eine frohe Botschaft: in Amerika wurde die Einheit der Zionistischen Organisation wiederhergestellt — die Brandcisgfuppe vereinigte sich mit den allgemeinen Zionisten. Der Oberste dichter von U. 8. A. Justice Brandeis hat bekanntlich mit seinen Anhängern vor 9 Jahren die Zionistische Organisation verlassen. In diesem Zeitraum hat er wohl für Palästina Aüif eigene Hand gearbeitet, aber infolge des Bruches verlor die amerikanische Zionistische Organisation sehr viel sowohl an äußerem Prestige wie auch innerer Kraft. Auf dem Wichtigsten Abschnitte unserer nationalen Front in der Galuth herrschten Zustände, die ein aktives und erfolgreiches Eingreifen in die Geschicke des jüdischen V^tk.: erheblich erschwerten, wenn nicht überhaupt illusorisch machten. Das amerikanische zionistische Judentum, dessen Wart sowohl in moralischer wie materieller Hinsicht für das Palästina-Aufbauwerk Von unschätzbarer Bedeutung ist. war gespalten und deshalb kraftlös. Der Landeskonferenz (Convention) in Cleveland, die vor einigen tagen abgehälten wurde, blickte.märt in dar ganzen jüdischen Weit mtt großer Unruhe ent» gegen. Seit längerer Zeit bemühten sich zwar. die Führer des amerikanischen Zionismus um die Herbeiführung einer Einigung, aber die Brandeisgruppe führte eine scharfe Sprache, die zu Befürchtungen Anlaß gab, daß es zu einem Frieden nicht kommen werde. Letztens hat der greise Leader der Opposition ein Memorandum an die Organisation gerichtet, in. dem er seine Bedingungen stellte, unter denen er bereit wäre, in die allgemeine Organisation zurückzukehren. Dieses ultimative Memorandum sollte auf der Convention erörtert werden. Dazu kam es aber nicht und es ist gut, daß es dazu nicht kam: es wurde zurückgezogen und an seiner Stelle ein Brief von Brandeis vorgelesen, in dem er seinem Bedauern Ausdruck gibt, daß er die ihm angetragene Präsidentschaft wegen vorgerückten Alters nicht Übernehmen könne, dafür aber würde seine Gruppe in die Organisation zurückkehren und in ihr wieder arbeiten. Den telegraphischen Nachrichten zufolge erweckte die am Schlüsse der Convention erfolgte Einigung große Befriedigung und Freude im amerikanischen Judentum. Im «Tog» und «Morgen Journal» erschienen Artikel führender zionistischer Persönlichkeiten, in denen die feste Ueber2eugung ausgedrückt wird, daß der Friede innerhalb der Zionistischen Organisation von U. S. A. nicht nur dem amerikanischen, sondern auch dem Weltzionismus neue wertvolle Ausblicke eröffnet^ Diese Anschauung teilen wir vollständig. In Amerika lebt das Judentum in vollster bürgerlicher Freiheit; es verfügt über ungeheure materielle Mittel; es hat eine Reihe von hervorragenden Persönlichkeiten hervorgebracht, deren Bedeutung für die Palä^tina* Arbeif kaum einzuschätzen ist. Wenn in Amerika jetzt ein geeinigter Ruf erschallen wird, dann wird er sowohl in der ganzen jüdischen Welt wie auch in London und in Jerusalem gehört werden müssen. Ein3 k'äfti -e.'Zionistische Organisation, gestützt auf die Sympathien des Präsidenten Höover und außenpolitische Hilfe der amerikanischen Regierung, kann im jetzigen Zeitpunkte eine neue Aera im Weltzionismus eröffnen. Wir erhoffen es, wir warten darauf. Auf dem wichtigsten Abschnitte unserer, nationalen Front in der Galuth wurden also die Liniert geeinigt und gestärkt. Es wäre mehr als wünschenswert, daß man in zionistischen Lagern überall darüber hachdenke, ob es nicht notwendig wäre, ln dieser' Stunde, wo sich vor dem jüdischen Volke ungeheure Aufgaben : türmen, wo wir einer Welt von Feinden gegenüberstehen, einen inneren Frieden zu schließen und.gemeinsame Arbeit in Solidarität und bei AusschaUuiv7 aler lokalen, vom Aspekte def Palästina-Arbeit unwichtigen Zwistigkeiten, zu machen; Amerika Hat.'den Weg gewiesen. Das amerikanische zionistische Judentum <iat gezeigt, daß es den Ernst der Stunde voll begreift. Amerika hat es zustande gebracht, die .Gegensätze zu . Qberbrücken. Wie lange wird es dauern, bis wir auch in snderen Abschnitten unserer nationalen Galuth front <o weit sein werden? w. Antisemitische Ausschreitungen in Posen Berlin, 7. Juli. (J. T. A.) Aus Posen trifft d!c Meldung ein, daß am 3. Juli abends und ln den Nachtstunden ln Posen Studentenkundgebungen gegen die Juden stattgefunden haben, wobei etwa 100 Studenten von Caf6 zu Cafe zogen und jüdisch aussehende Männer verprügelten. Ein älterer jüdischer Herr wurde von dem Anführer ins Gesicht geschlagen und von den anderen verprügelt. Auch in andere Kaffeehäuser drangen Studenten ein. Auf dem früheren Wilhelmsplatz wurde ein polnischer Konsulatsbeamter aus Pafls, der für einen Juden gehalten wurde, schwer verprügelt. Die Zahl der Verletzten ist noch nicht bekannt. Am 30. Juli vefttAhÜft diö Kommission einen büchAFUöhen Juden namens Ziöfi Bell Iß& Lea* öh a t ö f f, ddf seit 4iS Jahren in JöFüsaleni' Äftfcäßsig .ißt. Er lögte däF, daß er Aöhon als junget Mann dem Gottesdienst an der KlÄgemauör bei# zuwohnen pflegte, und daß es in jenÖF 2Alt tti« Einwendungen von seiten verantwortlicher Moslems gegeben habe, Nie habe eia . Verantwortliche? MöAlefti dem jttdiööfcöft ®dite§dienst Schwierigkeiten bereitet Bänke wurden Atr der Mauer, ohne daß Einspruch erhoben worden seb benutzt. Als der Zeuge dann ätif die in d^n letzten Jahren den jüdischen Betern ztfieftigte ünbill zu sprechen kam* brach e r n nte r Tränen zusammen. Der Pi&tz vor der Klagemauer sei häufig mit Eselmist beeohmützt gewesen und an e’nem Versöhnüngstag fanden die Beter die Mauersteine mit Dung beschmiert, sö daß Sie in ihren Feier tagsgeWändeFn vor Beginn des G-öttesdienstös die Steine säübeFC mußten. Isffcharoff wurde dann von Äuni Boy Abdul Kadi einem zweistündigen scharfen VOr hör unterzogen. In Beantwortung der Fragen Auni Be3^s sagte Isaoharoff aus, daß ihm von einer Einschränkung der Benützung von Fält- Stühlen, Bänken oder eines Vörlesepults für die Gesetzesrollen aus türkischer Zeit nichts bekannt sei. Der erste Konflikt wegen der Bänke, sagte er, ist in der Zeit entstanden, als Sir Ronald Storrs Gouverneur war. Der frühere Vizebürgermeister von Jerusalem, C’haiin Solomon, machte ‘weitere Aussagen über den jüdischen Gottesdienst an der Mauer. ' Ein seit 1892 in Jerusalem ansässiger christlicher Engländer, Richard I-I u g h-e s, sagte aus, er habe oft die Klagemauer besucht und dort Bänke, OelJampen und Gewürzbailälter gesehen. Hingegen habe er. nie Araber . an der Mauer beten gesehen, oder gehört, daß Moslems: dem jüdischen Gottesdienst. an der Klagemauer Schwierigkeiten gemacht hätten,. Es,sei; ihm nicht bekannt, daß die Regierung die Benutzung von Stühlen an der Mauer verboten habe. Einmal habe er auch einen Schrank an der Mauer gesehen. Im weiteren, Verlauf : der. Verhandlungen machten zwei Rabbiner, Rabbi Abraham Sch on* und der sephardische. Chacham Rabbi U z i e 1, ihre Aussagen vor der Kommission. Rabbi Schon* konnte zwei Regier rings dokumen te vorlegen, die auf die Mitglieder def Kommission sichtlich Eindruck machten* Das eine ist vom il. August 1920 und Zeigt, daß damals die Entscheidung jer Frage, oh an uer Klagemauer ein Thoraschrein aufgestellt werden sollte, von der Regierung als dem Spruch der Räbbineri. unterliegend angesehen worden ist;. das andere ist vom August 1931 und aus ihm geht hervor, daß die Moslems gegen die Benutzung von Bänken keine Einwendung hatten. Rabbi Uziel machte ergänzende Mitteilungen zu dem Memorandum Dr. Eliashs über die Liturgie des Gottesdienstes. Er legte dar, daß der Gemeindegottesdienet an jeder Steile; Geeetzeerolie, Sohofar und Lulaw (Painienätrauß) erfordert. Die letzten provieorisphep. Verfügungen des High Commis&ioner, durch die eine Anwendung dieser Utensilien-'und 'selbst Gfebetriemen una Gebetmanfceluntersagt werden; Sind den jüdischen Ansprüchen in keiner Wöiee gerecht geworden. Auni Bey versuchte die Verhandlung auf politisches Gebiet überzuleiten, indem er den Zeugen fragte, qb er Zionist sei und ob die Zionisten glauben, daß das Beten, an der Klagemauer der Propogapda für die Einwanderung von Juden nach Palästina von Nutzen ist. Daraufhin fragten die Mitglieder der Kommission, Barde und van Kempten, seit wann die jüdischen Gottesdienste an der Klageraauer üblich sind; Rabbi Uziel wies in seiner Antwort darauf hin, daß die Juden in aller Welt seit jeher Der . nfiöhätd jüdischd -Ztttgift, Rafael M e j IV ö'h-ÄÄj der 6öit 26 Jahren als. Nachfolger seine« Vatörs die Stelle , des sepharcljscli'en „Scbaipascb“ an der Klagemauer versieht, sagte aus, daß in den letzten 40 Jahren individuelle und Geitteindegotfcesdiönste an der Kiägeraauer mit älleü zugehörigen Utensilien äbgehalteü worden sind. Er bestätigte ferner, daß die Juden Seit jehet heim O'Ättesdienst äti der Klagemauer mit lautet Stimme zu beten pflegten. Vor 18 Jahren ungefähr* erzählte er, erließen die türkischen Behörden ein Verbot gegen die Verwendung dei* Scheidewand, das Verbot wurde aber bald zu rüdUgefcOgep. Er führte ferner zum Beweis dafür, daß die türkUehen Behörden der Klagemauer als einer jüdischen Institution höhe Bedeutung beimaßen, die Tatsache an, daß er während des Krieges in seiner Eigenschaft als Schainaseli an der Klagemauer vom Militärdienst befreit war. Von d$r seit einem Jähr in der Nachbarschaft der Klägemaner eingeführten moslemischen lärmenden Zikhl^Zeremonie habe er in früheren Jahren nie etwas gehört, ebenso habe in den vorangegangeiien Jahren der Muezzin von der Mauer herab nie zum Gebet aufgerufen. Hingegen gab er zu, daß für die Klagemauer bei den Moslems die Bezeichnung El Bürak üblich ist. ' : Auf die Frage von Fakliri Hussoini, ob der Zeuge persönlich wünsche, der Fl atz vor der Klagemauer möge in eine Synagoge umgewandelt werden, sagte dieser, die Klagemauer sei den Juden heiliger als jede ■ Synagoge. Der Vorsitzende der Kommission, Loefgren, wies die Frage als unzulässig zurück. Der 'D'iHktor der Bezalel-Schule in Jerusalem, Professjor Boris Schatz, gab Aufklärung zu einem btt Jahre 1910 gedrehten Film von der Klagemauer, der den Platz überfüllt von Juden und mit Bänken darauf zeigt und der der Komniissaön tags zuvor vorgeführt worden ist. Von Ä.iini Bey befragt, sagte Professor Schatz, die Klagemauer sei den Juden der wertvollste und heiligste Ort, nicht nur, weil sie glauben, daß sie einen Rest des Tempel«, dar- «tellt^ Sdhdern auch deshalb, weil sie der Ort ist, zu dem seit Jahrhunderten die Juden gekommen sind, umw den .Fall Jerusalem« und die Zerstörung des. Tempels zu beweinen. Pie archäologische Echtheit der Mauer tut so wenig .zur Sache wie die historische. Genauigkeit der t/age der Grähcskirche. Die Tatsächei daß die die Benutzung von Bänken vor dev Klagemauer verbietende Verfügung 3^ örtlichen türkischen Behörden von 1912 von Konstantinopel Aus sofort annulliert worden, ist, «teilt sich als das wichtigstd’der biaher yoh jüdischer Seite vorgebrachten Argumente dir, weil dadurch die arabische Auffassung des. Stätusiqüo widerlegt wird. Nach Beendigung des Kreuzverhörs mit dem .jüdischen Zeugen Mejuohas wurde der britische Archäologe Mlss.h u s s e y vernommen. Der Zeug«;kam im Jahre t^OÖ nach Jerusalem-: Fr . bestiChte bald nach seiner" Ankunft die KlageraäueT und fand dort alte Männer auf Stühlen und Bähkön sitzend vor. Er sah auch eine Sebeidöwaxid aus Holz Uttel Stoff. Später lebte er einige Zeit unter Fellachen, hat aber nicht gehört, daß sie die Klagemauer jo erwähnt hätten, Und vor 1928 nie gesehen, daß Mosleins zur Klagemauer gingen. Auf eine Frage Auni Keys sagte der Zeuge, seines Wissens sei Burak ein heube Wort. Er ist der Ueberzeugung, daß die großen Mauersteine Ueberreste des Herodianischen Tempels darstollen. (J. T. A.) Die Arbeiter In Palästina sind am Werk! Ihre Alltagssorgen — ihre 9| Erfolge leset Ihr im Vierteljahrsabonnemeht 5 Schilling „Dawaru-Au8lieferung, Wien, I., KärntnerstraBe 28 tjrhäitiidhJbel allen Kol-prieüren

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