Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 134 (10.7.1930)
- Date
- 1930-07-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Prall 39 Groschen Kalthaus Weinstock gegründet 1899 Inhaber: Paul Welnstock Wien il. Untere Anaartenstf’aSe Nr. 13 LeöpoMst&tter Warenbans der Znktmft Abcmnementprelse: für Oeaterraieh: Monatl. S 1.50, rlertelj. 8 4.50. ganaj. 8 16.— / Danlschland: Monatl. Goldmark l.—, vlertelj. Goldmark 3.— I Tschechoslowakei: Monatlich Kc 1.—, rlertelj. Ko 10.— I Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—. rlerteljährlich Dinar 40.— / 3. Jahrgang Jüdisthe Zeitung . Cradaeantf f«Ml«wa Do**nersn«atf _ ÜMlaMion und 4<tmlfiifltaMon .* SISidbJäSS!SiSSSSSSSSI^itiääSSSSSSiS^SSt£ti Polen: Monatl. Zloty 2.30, viertelj. Zltoy 6.50 i Ungarn: Monatl. Pengä l.eo, rlertelj. PengS 4.50 I Rumlnien: Monatl. Lei 45.—, rlertelj. Lei 155.— I Bulgarien: Monatl. Lewa 80.—, rlertelj. Leva. 80.— Belgien: Monatl. Belga 2.—, rlertelj. Betga 9.— I Uebrlgee Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.50 m Wien, Donnerstag, 10. Juli 1930 (14. Thatn. 5690) Nummer 134 Die Brandeis-Gruppe in die Zioni stische Organisation zurückgekehrt Die Konvention der amerikanischen Zionisten in Cleveland Warme Bcgrüßungsbptschalt des Präsidenten Hoover — Eindrucksvolle Protestkundgebung gegcn Englands Palästinapolitik . — Das erste Brandeis-Memorändüm zurückgezogen — Brandeis kann die F ührung nicht übernchmpn r- Ein achtzeingliedriges Komitee, darunter 12Brandei$ist e n, als Leitung gewühlt — Große F re ü de über die erzielte Einigung - Optimismus Bei Anwesenheit von mehr als 2000 Delegierten jnd Gästen aus allen Teilen.der Vereinigten Staaten wurde am 29, Juni in Cleveland dieKonvention der Zionistischen Organisation Amerikas eröffnet.- . Die Konvention gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung gegen die, Palästina-^ Politik der ßritispUep Regierung; .Der.. Präsident der aiheriHanwcbcn^'^iodtetischfen Organisation, Louis L i p s k y. erklärte, England habe, in der, Verwaltung des Palästina- Mandates vollkommen versagt: die Protestbewegung in der gesamten Welt werde nicht aufhören, bis nicht die Suspendierungsverordnung zurückgezogen ist. Mag eine Pflicht auch noch so schwer auf einem lasten, fuhr Lipsky fort, Pflicht ist Pflicht und muß erfüllt werden. Solange England das Palästina-Mandat verwaltet - und ihm däraus Vorteile erwachsen, erwartet die Welt von ihm» daß es sein Versprechen hält und alle der Ürfliilung dieses Versprechens sich cntgegensteljenden Schwierigkeiten überwindet. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Herbert H o o v e t, sandte der Konvention eine in. herzlichen Worten abgefaßte Botschaft, in. der er dem Gefühl tiefster Wertschätzung für die Zionjsti^he Organisation Amerikas und deren Verdienste um .die Intensivierung des geistigen Lebens der jüdischen Rasse Ausdruck gibt; . , Mit tiefer Anteilnahme, schrieb Präsident Hoover, habe ich die Ereignisse in Palästipa im Verlauf letzten Jahres verfolgt, und ich habe den Wunsch, die Konvention nicht nur meiner Sympathie und meiner Uebereinstinimung mit ihr hinsichtlich dieses Problems zu versichern, sondern auch meiner Hoffnung Ausdruck zu geben, daß die Momente, die im Augenblick Ursache für Entmutigung sein konnten, bald geschwunden «sein und daß das jüdische Werk und die jüdischen Aspirationen. noch größeren Erfolg als bisher erringen werden. Verlesen wurden dann Botschaften von dCht Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Chaihi Wei z ril ä n n, und dem Leiter des Jüdischen Nätidnalfondsr M. M. Ussischkin. Das am 22. Mai vom OberStfichler Brandeis und seinen Freunden, Richter Julian W. Mack, Robert Szold und Jacob de Haas, veröffentlichte Memorandum, in weichem, eine völlige Reorganisation in der Führung der amerikanischen zionistischen Bewegung als Vorbedingung für den Wiedereintritt der Brandeis-Gruppc in die Zionistische Organisation gefordert wird, wurde von dem Administrative Committee der Zionistischen Organisation Amerikas der Convention in Cleveland überwiesen. In der Eröffnungssitzung ging man auf dieses Memorandum noch nicht ein, aber alle Redner unterstrichen die Notwendigkeit, daß eine geeinigte Front im amerikanischen Zionismus geschaffen weide. Mehrere Redner wandten sich gegen die letzte Erklärung von Dr. Stephen Wtse (ohne freilich den Namen von Dr. Wise zu <$rwUhneh), die. eine Sympathiekundgebung für die Brandejs-öruppe ist und. die gegenwärtige Leitung der zionistischen .Bewegung in Amerika in Bausch und Bogen verurteilt.. In einem Schreiben an die Konvention teilte Justice Louis D. B r a n d e i s mjt, er bedauere, daß er ntjt Rücksicht auf Sein höhes Alter, nicht imstande sein-Werde, die Führerschaft in der Organisation von neuem zu übernehmen, \ doch sei er bereit, sich iin den Dienst der Ziönisti-; £chen Organisation zustellen.;.. r Justice Brandeis ■ ,spricht ' ip dein Briefe, jenen seinen Dank aus, die an ihh;.'(y$!''i|ip|adij-i»g'. .zur neuerlichen Uebernahme 'def-" Führung geriditct; haben. Das von der. Brandeis-Gfiuppe ausgearbeitete . Memorandum, betreffend die Bedingungen, unter denen Brandeis die Führerschaft hätte übernehmen sollen, kommt nunmehr bei der Konvention nicht zur Behandlung. Hingegen hat; das Administrative Committee der Zionistischen Organisation in Amerika mit den Vertretern, der Brändeis-Gruppe, Robert Szold, Israel Bro die und Jacob de H a a s, eine Verständigung erzielt. .An Steile der abgesetzten Diskussion über das Brahdeis-Memorandum nahm die Konvention in ihrem weiteren Verlaufe die Berichte vön Morris Rothenberg über, die jewish Agency und Vön Judge William M. Lewis über den United Jewish Appeal entgegen. Herr Rothenberg kritisierte die Beträuung von Luke als einen der Vertreter der britischen 'Regierung vor der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes üpd. setzte auseinander, daß die Ergebnisse der vön der jewish Agency mit den britischen Stellen ^geführten Verhandlungen über die materielle Durchführung der Mändatsverpflichtungeii bei weitem nicht befriedigend sind..; - *. - v.- ' In einer Ansprache huldigte Louis Lipsky dem Gedächtnis der großen Verfechter der Sache Zions: Lord B a I f o u r und Louis M a r s h a 11. . ple Konvention von Clevelattd wählte keinen neuen Präsidenten der Ziönisfischeji ^Organisation in Amerika, sondern ein 18glieäfjges Komitee, dem 12 Mitglieder der ßrahdeis- Gruppe und 6 Mitg 1 ieder der bisherigen Administration an gehören. Das Komitee zerfällt in zwei neungliedrige Unterkomitees, vOh denen das eine die Verwaltung der Organisation zu versehen hat, während das andere für oolitisclie und wirtschaftliche Fragen zuständig ist. Von den Mitgliedern der bisherigen Administration sind in die neue Leitung wiedergewählt worden: Abraham Goldberg, James Heller, William M. Le w!s, Louis Lipsky, Morris Rothenberg, Nelson Ruthenberg. Die neugewählten 12 Mitglieder aus der Brandeis-Gruppe sind: Israel Brodle, Jacob, de Haas, Jacob, Judge Julian W. Mac k, Emanuel New man, AÖraham ANeum an n, Nathan Ratno ff, Rosenson, Abba Hüte! Silv e r, Robert Szold, Abraham tu lUn, Rabbi Stephan Wise. pje Einigung zwischen der bisher führenden Grypfe und den Oppositionagruppen hat große Befriedigung ausgelöst Nachdem die waW der neuen Leitung vollzogen war, gaben die Teilnehmer der Konvention ihrer Freude durch laute Zurufe Ausdruck. Rabbi Abba Silver sprach «Sehehechijaitu». Die «Hatikwa» wurde gesungen.. Die Sezession der Brandeis-Gruppe aus der Zionistischen Organisation erfolgte im Juni 1921, so daß die Wiedervereinigung fast genau nach neun Jahrein der Trennung erfolgt ist. Neben , dem 18köpfigen Komitee, in dem die Brandeis-Gruppe die Zweidrittel-Majorität besitzt, wurde noch eine Exekutive von 40 Mitgliedern eingesetzt, in der die beiden Gruppen zu gleichen .Teilen .vertreten sind. Einer Anregung Rabbi Silvers entsprechend, wurden zur Deckung des alten Defizits der Zionistischen Organisation in Amerika Zeichnungen in der Höhe von 100.000 Dollar abgegeben. Es ist beschlossen worden, daß die Konvention noch vor Ende des Jahres wieder zusaimnjentreten soll. Bei der Verlesung der durch das Kompromiß zustande gebrachten Vorschlagsliste für das neue Verwaltungskomitee gab die Nennung der Namen von Rabbi Dr, Stephen S. .Wise und Abraham TulHn zu Mißfallenskundgebungen aus dem Plenum der Konvention Anlaß, die aber durch Lipsky unterdrückt w-urden. . In einer Entschließung forderte die Konvention ttie Zurücknahme des gegen jäbotinsky verfügten Einreiseverbotes für Palästina. In der zionistischen und jüdischen Oeffentlichkeit gibt der in Cleveland vollzogene Friedens- Schluß zwischen den Anhängern der bisherigen Administration und den Oppositionsgruppen, bezw. der Brandeis-Gruppe, zu Optimismus Anlaß. Das Ereignis wird in den Tageszeitungen «Der Tog» und «Morning Journal» in Leitartikeln begrüßt, in denen frohe Erwartungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung des Zionismus in Amerika und in der übrigen Welt ausgesprochen werden. In Erklärungen an die J. T. A. gaben Louis Lipsky, Jacob de Haas, Dr. Stephen S. Wise und Morris Rothenberg übereinstimmend ihrer festen Ueberzetrgung Ausdruck, daß der in der Zionistischen Organisation Amerikas herbeigeführte Friede nicht nur der weiteren Entwicklung des amerikanischen Zionismus, sondern auch der des Weltzionismus neue wertvolle Ausblicke eröffnet. Der Bericht der Mandatskommission araberfreundlich? Die «Neue Freie Presse» vom 7. Juli berichtet telegraphisch aus Genf, daß die Mandatskommission, die mit der Untersuchung der Unruhen in Palästina beauftragt ist, den Entwurf für ihren Abschlußbericht bereits fertiggestellt habe. Die Kommission — so behauptet der Genfer Berichterstatter der «Neuen Freien Presse» — stellt sich in ihrem Bericht im wesentlichen auf den Standpunkt der Araber, spricht allerdings einen gewissen Tadel gegen die Engländer aus, die versäumt hätten, die Autorität der Regierung während der Unruhen, wie auch vorher, einzusetzen. In den Beratungen der Kommission zeigte sich der Vertreter Hollands, van Rees, geneigt, den Arabern recht zu geben, während der Vertreter der Schweiz, Prof. Rappard, sich mehr auf die Seite der Zionisten stellte, Ueber die Fragen der jüdischen Einwanderung in Palästina und der jüdischen Siedlung lehnt die Mandatskommission ab, sich zu äußern, ehe nicht der n».2li Palästina entsandte Sir John Hope Simpson seine Untersuchungen über diese Fragen abgeschlossen haben wird. So weit die «Neue Freie Presse». Sollte sich diese, Nachricht bewahrheiten, würde das einen weiteren Schlag gegen den Zionismus bedeuten. Eine offizielle Mitteilung über den Bericht der Mandatskommisäten wurde bis jetzt nicht kundgemacht. Es bleibt also vor läufig nichts anderes übrig, als diese abzuwarteu. Q> i