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Die Stimme · 1930-07-03 · Heft 133 (3.7.1930) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 133 (3.7.1930)
Date
1930-07-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. ISS PTg STTMM1 Seftft 5 mauer nach zuweisen. Spange ein solcher Bewete nicht vorliegt, beharren die Moslemiten auf ihrer Ansicht, daß den Juden nur das Recht 2u$teht, die Passage vor der Mauer als Durchgangsort zu benutzen. Auril Ö«y schlug vor, daß die Juden zuerst der Kommission alles Material, das sie zur Bekräftigung ihrer Ansprüche besitzen, vorlegen, woraufhin sich die Araber zu diesem Material äußern werden. Jamal ei Hussein!, ebenfalls Sekretär des Moslemitischen Obersten Rates, erklärte, er wisse niohts davon, daß jüdische Inschriften an der Klagemauer weggewischt wurden. Die Moslems, sagte er, haben keine reguläre Andachtsstätte und versammeln sich überall und jederzeit zum Gebet. Er deutete an, daß sich am letzten Sabbath-Tag eine außergewöhnlich große Zähl von Juden an der Klagemauer versammelt hatte, weil die jüdischen Behörden wußten, daß die Kommission den Klagemauerbezirk besuchen werde und eg datum galt, eine Demonstration zu veranstalten. Dr. EHash, der jüdische Vertreter, erwiderte darauf, di« Ansammlung einer großen Zahl von Juden an der Klagemauer sei nichts Ungewöhnliches; an jedem Sabbathtag und Neumondstag (Rosch Chodesfih) weilen Juden in großer ZaW an der Klagemauer. Der Vorsitzende der Kommission, Herr Loefgren, bemerkte, die Kommission habe, als sie am Sonnabend den Klagemauerbezirk besuchte, nichts Außergewöhnliches dort wahrgenomm&n. Die Verknüpfung der Juden mit der Klagemaner seit Zerstörung des Tempels bis auf den heut'göp Tag Jerusalem, 27. Juni. (J. T. A.) Am 25. Juni hiealt die Internationale Klagemauerkommission ©ine öffentliche Sitzung ab. In dieser Sitzung unterbreitete die jüdische Vertreterschaft der Kommission ein Memorandum., in welchem die enge Verknüpfung der Juden mit der Klagemauer seit der Zeit der Zerstörung des Tempels, von dem die Mauer den westlichen Ten bildete, bis auf den heu Igen Tag aufgszegt wird. Dt*. Mordechäi Elia6h hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache an d-ie Kommission in englischer Sprache. Er trat mit scharfen Argumenten der Behauptung der Moslemiten entgegen, daß den Juden keinerlei Rechte an der Mauer zustehen. Er wies darauf hin, daß in dem Weißbuch der britischen Regierung, ber treffend die Klagemauer, die Mauer als jüdisches Heiligtum anerkannt wird und daß die jüdische Beziehung zur Mauer bis in das Mit elaiter und vielleicht noch weiter zurückreicht Der Großmufti hat das Weißbuch akzeptiert und sogar dessen Unparteilichkeit gerühmt. Dr. Eiiash forderte die Durchführung des Inhaltes des Weißbuches und erklärte, die Mauer sei ein Heiligtum das zwei Religionen wertvoll ist, und es sollten bej . .einem-Heiligtum Konflikte vermieden werden. Er warf 41e Frage auf, ob die Mauer wirklich metötemittechee «Wakf* (Kircheneigeintum) ist und richtete an die Kommission das dringende Ersuchen, nicht allein die augenblicklich bestehenden, sondern auch einstige Rechte und Verhältnisse in Erwägung zu ziehen. Gemäß Artikel 13 des Palästina-Mandates i$t der freie Zutritt zu den Heiligen Stätten, die freie Andachtsübung an denselben, sowie die Wahrung der bestehenden Recht« garantiert. Dr. Eiiash zitierte Aeußerungen autoritativer britischer und jüd'scher Autor! fiten, die die Behauptung, die Juden hegten Absichten bazügl'ch der rao$!eniitis.hen Heiligtümer Paläst'nas, entgchi den zurückweisen. Dr. Eiiash appellierte an die Kommissäre, die hier das Gewissen der Menschheit repräsentieren, bei der Beurteilung der jüdischen Rechte an der Klagemauer einen höheren Standard gelten zu lassen. Er zeigte Photographien aus früheren Jahren, aus denen zu ersehen ist, daß Stuhle und Wandschirme gewöhnlich, ohne daß sich jemand da emzumtechen pflegte, len der Mauer benutzt wurden. Nach der jüdlsrinti Tradition, erklärte er weiter, ist die göttliche Gegenwart nie vön der Mauer gewichen; die Steine dieser Mauer sind durch di« Küsse vieler Generationen jüdischer Andächtiger geglättet worden. Die Juden, schloß Dr. Eiiash, appellieren an die Kommission, das seit ural'er Ze t in Geltung stchipde Recht der Juden, an der Klagemauer mit Würde und , Anstand zu beten, hochzuhalten und zu bekräftigen. Der Vorsitzende der Kommission, Loefgren, gab der Genugtuung der Kommission Ausdruck, ein so interessantes Memorandum über die Klagemauerfrage von der jüdischen Vertreterschaft erhalten zu haben und erklärte, die Kommission werde die für den Nachmittag ängesagte Sitzung nicht abhalten, um sieh dem Studium des Memorandums widmen zu können. Loefgren stellte noch fest, daß de Juden materielle Eigentumsrechte an der Klagemauer nicht beanspruchen uncr erklärte, absolute m:.te teile E g.mbrmag tetze seien für Heilige Stätten, über welche die wildesten Schlachten ausgefochten wurden, überhaupt nicht anwendbar. Der Vorsitzende forderte d’e mögend l ische Vertreterschaft auf, das moslemische Eigentumsrecht auf . die. die, Mauer umgebenden Gebäude und die Mauer selbst nachzuweisen. Er forderte die jüdische Vertreterschaft auf, darzulegen, ob die an der Mauer vollzogene Andacht eine individuelle oder 3in Gemeinderitual ist, welcher Unterschied zwischen dem Gottesdienst an der Mauer und demjenigen an dm Synagogen; besteht, ob die beim Gottesdienst benutzten Zubehöre für den Gottesdienst unbedingt notwendig seien oder nur der persönlichen Annehmlichkeit der Andächtigen dienen sollen; schließlich sei darzulegen, welche Instanz die Gottesdienste an dar Mauer arrangiert Eiiash behielt sich vor, auf alle gestellten Fragen des näheren einzugehen, und erklärte schon heute, daß die Juden, obwohl sie die materiellen Eigentumsrechte der Moslemiten an der Mauer nicht in Frage zu stellen beabsichtigen, dennoch der Meinung sind, daß ein solches materielles Eigentumsrecht den Eigentümer nicht berecht'gt, an der Mauer bauliche Veränderungen vorzunehmen oder Neubauten zu errichten. Dr. Eiiash überreichte eine Liste des Rabblnischen Komitees zur Wahrung der Rechte der religiösen Juden auf die Heiligen Stätten, dessen Präsident der Grand-Rabbin von Frankreich, Israel Levi, ist, und erklärte an der Hand von Photographien jene hebräischen Inschriften auf den Monolithen der Klagemauer, die vor Ankunft der Kommission in Jerusalem zu nächtlicher Stunde vor Arabern weggewischt wurden. Utopie? Von Pr* Erwin Samstag i Mae Donalds schwerste Sorge. Das britische Imperium bebt in seinen Grundfesten, denn einer der mächtigsten Eckpfeiler ist ins Wanken geraten: Indien -*• ln Gefahr. Blasse Furcht nistet im Colonial Office, stümperhaft versucht men verstaubte Rezepte: diyide et imperal, spielt ratlos Moslems gegen Hindus aus... «Nein, England halt sein Wort England achtet anvertrautes Gut England setzt seine Ehre nicht aufs Spiel.» Und dach. — Die Moslems fordern. Blasse Furcht nistet im Coloniei Office. «Wozu die Brücke*, sinnt man dort, «die Brück?, welche Ost mit West verbindet, wenn das Ufer jenseits zu wanken beginnt, in drohender Gefahr, vor unseren Augen zu versinken?» Vergessen ist da die Begeisterung der Tage von San- Reriio, vergessen die Freundschaft für das jüdische Volk, vergessen die unverjährbaren Rechte Israels auf das Land seiner Väter, vergessen Baffour-Erklärung und Mandat; — und mart wirft Palästina hin: Va banquel Denn blasse Furcht nistet im Colonial Office und Mac Donald hat schwere Sorgen. IL Staatsmann ohne Staat. Staatsmann ohne Staat, das ist ebenso tragisch wie paradox. Jedoch weder tragischer noch paradoxer als «Volk Ohne Land». Unter diesem Gesichtswinkel gesehen, steht Chaim Weizmann mit seinem Volk auf gleicher Stufe, der Staatsmann ohne Staat und das Volk ohne Land. Wenn Weizmann vor dje Großen der Erde hintreten will, Gerechtigkeit für sein Volk zu fordern, stehen Ihm alle Tüten Offen; wenn ef seihe Forderung auf feierliche Erklärungen und verbriefte Rechte stützt oder gar mit dem Hinweis auf ratifizierte Rechte unterstreicht, dann erklimmt die Achtung vor dem gewiegten Staatsmann und in gleichem Maße seih diplomatischer Erfolg rasch den seiher persönlichen Bedeutung angemessenen Höhepunkt Aber kaum -hat sich die Tür hinter seinem Rücken geschlossen, sind all die ge-’ wundenen Zusagen, sind all die ränkevollen* Versprachungen vergessen. Denn man war sich keinen Augenblick über die unleugbare Tatsache im unklaren, daß hinter diesen impor nierenden Gesten, daß hinter diesen achtunggebietenden Worten keinerlei Drohung steckt» kein einziges Gewehr, kein mächtiger BqsOhützer, ja nicht einmal ein einiger Wille, geschweige denn «ine organisierte Macht Weder Sr Simpsons Mission, noch di§ verhängte ESpwanderungssperre, hoch das erwartete Landkaufsverbot ber deuten angesichts dieser Sachlage eine Ueberraschung. Jeder arabische Mordbrenner, dar auf hundert unschuldige jüdische Opfer seiner Bestialität hinweisen kann, muß gegenüber dieser erzwungenen Politik repräsentativer. Schwäche Recht be&aiten, wenn er nur seihe feigen Drohungen durch lautes Geschrei eindringlich genug zu Gehör bringt und keinen Zweifel darüber beläßt, daß ihm zur Verwirklichung seiner Forderungen eine bedrohlich geschlossene Phalanx der mohammedanischen Welt hilfsbereit zur Seite steht Staatsmann ohne Staat, Volk ohne Land ist ebenso tragisch wie paradox. Es sei denn, daß der Elan des Akteurs aus der Tragödie ein Heldenepos und aus dem Paradox Weltgeschichte macht JJL Unter den Fittichen des Völkerbundes. Wer die Lage des jüdischen Volkes aus der Vogelperspektive hoher Politik betrachtet, wird zu seiner größten Ueberraschung gewahr, daß die Symptome «Staatsmann ohne Staat» und «Volk ohne Land» bei. unbefangener, kritischer Einstellung gewissermaßen zu Minderwertigkeitskomplexen zusammenschrumpfen. Und es bedarf keines außergewöhnlichen Scharfblicks, um zu erkennen, daß Weizmann als Präsident der Jewish Agency, denn doch einer Art «Staat» vorsteht, gleichem der Antizipation eines Staatswesens, einem staatlichen Embryo, dem der Völkerbund einen Sachwalter, Mandatar genannt, beigegeben hat bis zu dem Tage, an dem dar nasciturus als lebensfähiges Kind das Licht der Welt erblicken wird. Auch unterliegt es keinem Zweifel, daß dem jüdischen Volk eine Art «Land» zur Verfügung steht, besser gesagt das Anrecht auf ein Land, auf die nationale Heimstätte in Palästina. Und dieses Anrecht wurzelt in der völkerrechtlichen Anerkennung der historischen Vcrknüpftheit des jüdischen’ Volkes mit Palästinas und ihrer Konsequenz, der Balfour-Deklaration, dem unveräußerlichen Rechtstitel, auf dessen unverrückbarer Grundlage die Existenz des jüdischen Volkes als gleichberechtigen Mitgliedes der Völkergemeinschaft künftig ruhen wird. Ab,er «Staat? und «Land» sind hier gegen sonstige Gepflogenheit inkongruente Größen. Denn Weizmanns «Staat», das in der Jewish Agency organisierte Judentum, greift über die enggezogenen Grenzen Palästinas weit hinaus. Losgelöst von der mörderischen Expansionssucht des Territorialismus und doch mit einem Lande unlösbar verwurzelt, weltumfassend in immer weiter gespannten Kreisen und doch tief verankert im Boden Palästinas, organisierte Volksgemeinschaft mit dem Vaterland als politisches Zentrum, so erscheint der judenstaat auf der Bildfläche der Weltgeschichte — allen staatsrechtlichen Theorien zum Hohn. «Staat ohne Land», spotten die Herren Professoren, — «Widerspruch in sich selbst.» Zugegeben, meine Harren Professoren. Was aber dann, wenn ein solcher «Staat ohne Land» mit dem zwar usurpierten, aber durch die «normative Kraft des Tatsächlichen» geheiligten Anspruch auf Anerkennung seines staatlichen Eigenlebens vor, die Kulturwelt tritt? Was dann, wenn sich herausstellt, daß eines der mächtigsten Gemeinwesen der Erde, die katholische Kirche, solch ein verpöntes Gebilde, solch ein «Staat ohne Lande» ist? Doch wir wollen darüber den Papst selbst befragen. IV. Die Antwort des Papstes. Die katholische Kirche ist eine Theokratie. Sie war es schon damals, als die verfolgten Lämmer Petri noch in den Katakomben Roms ihr heimliches Wesen trieben, sie war es, als vor dem Bannstrahl Gregors VII. eine ganze Welt zitternd zu Kreuze kroch, sie blieb es, als der einst imposante Kirchenstaat unter Pius IX. zur Farce päpstlicher Exterritorialität zusammenschrumpfte — Staat ohne Land —, und ist es noch heute, wo die nicht zu unterschäzende weltlich« Macht der Kurie nur mehr im diplomatischen Intrigenspiel mit Wechselndem Erfolg zur Geltung kommt. Die katholische Kirche ist ein Staatswesen mit einem Souverän, dem Papst, an der Spitze, dessen Herrschermacht — Stellvertreter Gottes auf Erden —, von keiner anderen irdischen Gewalt abgeleitet, über die unwesentlichen Grenzen der Gitta di Vaticano hinaus die ganze katholische Welt umfaßt; ein Staat mit weltumspannender Organisation, die in ihrer Anpassungsfähigkeit wohl ihresgleichen supht, mit einer Gesetzgebung, die Millionen der verschiedenartigsten Menschen einträchtig unter ihrem Zwang vereint, mit einer Autorität, der sich diese Millionen in den lebenswichtigsten Fragen jederzeit freudig und freiwillig unterwerfen. . Dabei steht es über jedem Zweifel fest,, daß alle diese päpstlichen Untertanen treue Bürger ihrer Vaterländer sind* loyale Staatsbürger, deren Zuverlässigkeit nicht einmal dann in Zweifel gezogen wird, wenn sich einmal der päpstliche Geschäftsträger veranlaßt sieht, in ihrem Interesse bei der heimischen Regierung diplomatisch zu intervenieren. Soweit der Papst — Und nun die Parallele V. Die Zette and 8tr Kern. Jeder Hat schon von Zellen gehört, einfachsten Organismen, mit Protoplasma und Kern, in Anpassung an die Umwelt oft von abenteuerlichsten Formen. Papsttum und Judentum gleichen solchen Zellen, phantastisch in Größe und Gestalt Die katholische Kirche, das jüdische Volk — Protoplasma. Rom und Jerusalem. — Die Kerne. Jerusalem, Erez Israel — der jüdischen Zelle jüdischer Kern. Und dort im Kern — in lebendiger Wechselwirkung — strömen alle Kräfte der Zelle zusammen, ballen sich zum Zentrum, zur Quelle schöpferischer Energien. Oswald Spengler hat unrecht Wir Juden sind nicht ausschließlich «consensus», so beglückt wir auch den magischen Zusammenhang im Kreise jüdischer Brüder fühlen, wir sind keine «Nation ohne Land», wenn uns auch unser Land noch nicht zu Eigen ist. Denn wir haben einen Kern, einen Brennpunkt, in dem sich unsere lebensvollsten Kräfte konzentrieren, wir haben ein Heim, ein Vaterland. Aber ob «Nation mit Zukunftsland, mit wenig Land, oder gar ohne Land», — das Wesentliche am Gemeinwesen sind die Menschen. Land ist Wüste, Land ist Paradies, Land ist Liebe, Land ist Heimat; doch Staat ist urhafte, organisierte Macht über Menschen. Land ist eng begrenzt, gefühlsbetont, ein Stück Herz, ein Stück Natur; Staat ist unbegrenzt, zweckbestimmt, ein Stück Hirn, ein Sück Kultur. Land und Staat in gesunder, befruchtender Wechselwirkung können einander zum Vaterland ergänzen, zum Vaterland, in dessen Dienst Herz und Hirn zu hingebungsvoller Einheit verschmelzen. Wir Juden haben ein solches Vaterland, ein Vaterland der Seele, und pochen Einlaß heischend an sein widerrechtlich geschlossenes Tor. VL Die Geburt des Judenstaates. * - Uer Cqunc:; der Jew.ish Agency, legitime,, vöjkerrechtßeli anerkannte Repräsentanz des jüdischen Volkes tritt als —

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