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Die Stimme · 1930-06-26 · Heft 132 (26.6.1930) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 132 (26.6.1930)
Date
1930-06-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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ywte o PIE STIMME Nr. 182 Aus Rußland JLttwakows Einfluß in der «Emesss-Redaktion eingeschränkt «Emess» teilt mit, daß die Redaktion nicht mehr allein von Litwakow, sondern von einem dreigliedrigen Kollegium, bestehend aus M. Altschuler, dem Arbeiter der Schuhfabrik «Pariser Kommune» Ch. Atedwedenko und Litwakow versehen werden wird. Das bedeutet eine starke Minderung des Einflusses und des Ansehens des Litwakow, der wegen seiner diktatorischen Gesten von den jüdischen Kulturkreisen, auch den kommunistischen, stark bekämpft wird. 20.000 Juden arbeiten in den Werkstätten der Hilf «gesell* schatten, 800.000 jüdischen Patienten wurde medizinische Hilfe zoten. Die von Agro-Joint und ORT unterstützten jüdischen Hilfsgesellschaften in der Ukraine blicken jetzt auf eine zehnjährige Arbeit zurück. Aus diesem Anlaß werden Ziffern mitgeteilt, aus denen hervörgeht, daß in dem von den Darlehenskassen und Hilfsgesellschaften in der Ukraine unterhaltenen medizinischen Anstalten rund 800.000 jüdische Patienten behandelt worden sind Diese Hilfsgesellschaften snterhalten ferner in den Städten und Städtchen der Ukraine iber 600 Werkstätten verschiedener Art, in denen nahezu 20.000 Juden beschäftigt sind Jüdische Arbeiter sind bei den Sowjeteisenbahnea nicht erwünscht Die Charkower jiddische kommunistische Zeitung «Stern» klagt, daß bei den Sowjeteisenbahnen jüdische Arbeiter und Angestellte zurückgesetzt, bezw. qicht eingestellt werden. Ungeachtet des Beschlusses des ukrainische^ vZentralkomitees, die jüdische Jugend immer mehr zu den Eisenbahnarbeiten heranzuziehen, präsentieren die Arbeitsbörse und die Eisenbahnergewerkschaften keine jüdischen Arbeiter. So kommt es, daß unter 181.000 Eisenbahnarbeitern in der Ukraine nur 1581 Juden sind. «Stern» fordert die Regierung auf, diejenigen Kreise, die für die Zurücksetzung der jüdischen Arbeiter verantwortlich sind, zur Verantwortung zu ziehen und unverzüglich den Beschluß des Zentralexekutivkomitees durchzuführen. Die Lenfngrader Chorsynagoge wird wieder Andachtsstätte. Der Stadtsowjet von Leningrad hat der Verwaltung der Chorsynagoge mitgeteilt, daß die Synagoge den Juden Leningrads als Andachtsstätte zurückgegeben wird. Graf Bethlen über die Position der Juden in Ungarn Der ungarische Ministerpräsident Graf Bethlen hat während seines Londoner Aufenthaltes einen Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur empfangen und s‘ch ihm gegenüber über die Position der Juden im heutigen Ungarn geäußert. Das Gesetz vom Numerus clausus, wie es heute in Geltung ist — sagte Graf Bethlen —, ist in «einer Weise gegen die Juden als Sondergruppe gerichtet, sondern es-stellt eine für alle geltende Maßnahme dar, die in der allgemeinen wirtschaftlichen Lage begründet ist und abgeschafft werden wird, wenn sich die wirtschaftliche Lage gebessert hat. In Ungarn bestünden keine gesetzlichen oder sonstigen Beschränkungen gegen die Juden. Auf die Frage, warum Juden, die im Kriege wegen Tapferkeit die höchsten Auszeichnungen erhielten, nicht in den ungarischen Heldenorden aufgenommen worden sind, erwiderte Graft Bethlen, die den Heldenorden verwaltende Behörde sei keine Regierungsbehörde, sondern eine autonome Körperschaft, die unabhängig ihre Entscheidungen trifft und vor der Gewährung der Mitgliedschaft des Heldenordens die Qualitäten des Bewerbers in bezug auf seine Leistungen im Kriege, sein Verhalten in der Zeit der bolschewistischen Herrschaft und seit der Ueberwindung des Bolschewismus prüft. Auf die Frage, warum kein jüdischer Studierender bisher in ungarischen Studienanstalten im Auslande mitgenommen worden ist, erwiderte Graf Bethlen, die Aufnahme in solche Anstaltenbezw. die Gewährung der Auslandsstipendien geschähe nicht durch die Regierung, sondern durch ein aus Professoren und Gelehrten sich zusammensetzendes Komitee. Dieses Komitee entscheidet über die Verleihung von Stipendien auf der Basis der erworbenen Verdenste ohne Unterschied der Religion. Die Internationale Arbeitskonferenz und die jüdischen Interessen Genf (J. T.-A.). Die seit dem 10. d. M hier tagende Internationale Arbeitskonferenz beschäftigt sich mit dem vom Arbeitsamt vorgelegten Entwurf eines Internationalen Uebereinkommens betreffend die -IS-Stunden-Woche Im Handelsgewerbe und in den Büros. Seitens der Weltorganisation «Agudas Jisroel» lag dem Arbeitsamt ein Memorandum vor, das die schutzbedürftigen Interessen der sabbathtreuen Angestellten und Arbeiter ausführlich erörtert. Es Ist nach dem bisherigen Verlauf derVerhandlungen 2u hoffen, daß die Konvention die Verteilung der 48-Stunden-Maxlmalarbolt auf fünf Wochentage zulassen wird, so daß Betriebe, die am Samstag geschlossen haben, an 4 Tagen je 10 Stunden und an einem Tag noch 8 Stunden arbeiten können. Eine Resolution, die sich im Prinzip für eine Berücksichtigung der jüdisch-religiösen Interessen bei der Sonntagsruhe-Gesetzgebung ausspricht, begegnet starker Sympathie bei mehreren einflußreichen Delegationen. Das gesellschaftliche Leben wickelt sich naturgemäß in den Sommermonaten mehr außerhalb als Innerhalb des Hauses ab. Man sucht Erholung und Freude auf Weekend und Urlaub. Unerläßlich dabei ist eine gute Sprechmaschine, welche man nur in einem guten Spezialgeschäft beziehen soll. Die handlichen, elegant ausgestatteten, überaus bequem zu transportierenden Kofferapparate der englischen Columbia-Weltmarke sind eine Spezialität, die nicht so leicht überboten werden kann. Auf Seite 2 bringen wir ein Inserat des bekannten Musikhauses Excelsior, Wien, I., Adlergasse 5 (bitte genau auf die Hausnummer zu achten), aus welchem zu ersehen ist, daß diese rührige Firma dieses unerhört praktische und preiswerte Modell der englischen Columbia-Weltmarke zum Verkauf bringt. Der Ankauf wird unseren Lesern durch äußerst bequeme Teilzahlungen erleichtert. Alle modernen Plattenschlager sowie jüdische und hebräische Neuaufnahmen in wirklich großem Ausmaß lagernd. Ferner Radio und Rundfunkgeräte. Die Itfodie New York. In gewissen amerikanischen Seebädern macht sich ein jademfeindüches Bestreben bemerkbar. Es gibt dort bereits mehrere Hotels, die Schilder mit den Aufschriften «Streng christlich» oder «Nur für Christen» tragen. — In der Repräsentantenversamnsittng des Staates Ne»w York soll demnächst ein Gesetzentwurf eingehracht werden, wonaeh staatliche oder Municipai-Prüfungen jeder Art an Sabbath- und jüdischen Feiertagen verboten sein sollen. Bukarest. Auf eine Anfrage des jüdischen Deputierten Dr. Landau erwiderte Außenminister Mironescu in der Kammer, er hege die Hoffnung, daß England seine Mandateverpfllchtuns.en in Palästina erfüllen werde. Riga. Gemäß den jetzt veröffentlichten Resultat der Volkszählung leben beute ln Lettland 94606 Juden (497 Prozent der allgemeinen Bevölkerung). Rom. Der Direktor, des Staatsarchivs von Parma, der Jude fjrraanno Löwensohn (ein geborener Berliner) wurde zum Obörmteodanten des Staatsarchivs ln Bologna ernannt Berlin. Die gesamte Presse Deutschlands widmet dem im Alter von 72 Jahren verstorbenen Flnatizmann von Weltruf Dr. Arthur Salomonsohn ehrende Nachrufe, — Der bekannte Berliner Internist und leitende Arzt des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde. Geheimrat Prof. Hefmafirt ^Strauß ist von der «Interetata-PostrGraduäta Medical-AsSociätion of North America» zum Ehrenmltgllede gewählt worden. Düsseldorf. In Düsseldorf, Wupperthal, Koblenz und; Nepkirch.en fanden kürzlich gut besuchte Vortragsabende der Ort-Gesellschaft statt. Die jüdische und die nichtjüdische Presse bespricht ln ausführlichen Artikeln die Wirtschaftslage der Juden in Osteuropa und die Arbeit des Ort. ▼▼▼▼▼YVYTYYYVYYYYY? Eia offener Brief von Davis Trietscfi an die «Times» In der Londoner «Times» war kürzlich znm Ausdruck gebracht worden, daß sowohl das Palästina-Mandat wie das zionistische Programm einer Revision unterzogen werden müßten, wenn es sich berausstelJen sollte, daß die Juden mehr Boden haben müßten, als die Araber übrig hätten, bezw. wenn keine neuen Landwlrtschaftsmetboden sich finden sollten, mittels derer diese Schwierigkeiten überwunden werden können. Daraufhin hat Davis Trletsch, unter Hinweis auf seine 1926 erschienene spezielle Arbeit über die «Fassungskraft Palästinas», an die «Times» ein Schreiben gerichtet, in welchem unter anderem ausgeführt wird: Das bis beute unveränderte zionistische Programm von 1897 fordert eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina . . . ohne das geringste über ein besonderes Verhältnis zwisoben landwirtschaftlichen und anderen Berufen der Einwanderer festzulegea. Auch die Balfour-Delciaratlon und der Text des Mandats enthalten keinerlei derartige Einschränkungen.' Die Dokumente beziehen sich auf die Schaffung eines jüdischen Nationalheims ln Palästina, das jedem Juden offen Stehen sollte. Ebenfalls war es In gleichem Maße der Sinn aller genannten Dokumente, daß Jm Wege der Masseneinwanderung in kürzester Zeit eine jüdische Mehrheit im Lande entstehen würde; Die Balfour-Deklaratlon kam — neben anderen Erwägungen — unter dem Elndtuok zustande, daß eine gewaltige Einwanderung osteuropäischer Juden gleich nach Kriegsende die Gestade Englands und de? Vereinigten Staaten bedrohen würde und daß dies abgewendet werden müsse. Der Mißerfolg der Zionistischen Organisation bezüglich Massenwanderung und Siedlung konnte nichts gegen die tatsächlichen Möglichkeiten beweisen. Nun zur Frage des landwirtschaftlichen Charakters der jüdischen Ansiedlung in Palästina. Diese einseitige Bevorzugung war sicherlich ein Irrtum. Und England mit knapp 8 Prozent landwirtschaftlicher Bevölkerung im eigenen Lande hätte sicherlich am wenigsten Ursache, von den Juden, die nach Palästina gehen, zu verlangen, sich der Landwirtschaft als Hauptbeschäftigung zuruwenden. ... Eine intelligente Bauernschaft oder genossenschaftliche Organisation, die 10 Prozent einer Bevölkerung umfaßt, produziert unschwer die Nahrungsmittel für das Volksganze. Aber selbst wenn es zutreffend wäre was es bestimmt nicht ist, daß die Juden in Palästina steh doch der Landwirtschaft zuwenden müßten, so wäre der Fall in keiner Welse hoffnungslos. Ohne das geringste zu den Bodenfläcben hinzuzukaufen, die sie jetzt schon hn Besitz haben, könnten die Juden die Majorität in Palästina erreichen (im südlichen Landest eil halten sie schon jetzt ziemlich nahe dabei), wenn sie Sich mehr den Intensiveren Methoden der Landwirtschaft zuwenden. Gegenwärtig befinden sich bereits 1.2 Millionen Dunam des landwirtschaftlichen Bodens ln indischem Besitz. Sowohl ln Aegypten wie in der früheren türkischen Libanon-Provinz beträgt die gegenwärtige Bevölkerungsdichte der kleinbäuerlichen Einwohnerschaft ungefähr 1000 (Libanon) bis 1500 (Aegypten) per Quadratkilometer angebauten Bodens. Auf diese Welse hätten mehr als eine Million jüdischer Einwanderer bereits in landwirtschaftlichen Berufen Platz auf dem schon jetzt in jüdischer Hand befindlichen Boden In Palästina. Und wenn diese Million nur halbwegs so schnell kommen dürfte, wie die griechischen Flüchtlinge nach Griechenland kamen, und wenn, der Völkerbund ihnen ähnlich behUflidh sein wollte, so hätten wir in allerkürzester Zeit eine jüdische Majorität in Palästina. Die Erfahrungen von zwischen ein und zwei Millionen Arbeiterprachtgärten in England und Wales haben bewiesen, daß schon von einem Sechzehn tel Acre (250 qm) eine Familie ungefähr ddfc Hälfte Ihrer Nahrung gewinnen kann und sogar mehr als das, wenn der kleine Nutzgarten direkt an das Haus grenzt, so daß auoh Geflügel usw. gehalten werden kann- Solche Selbstversorgerhelmstätten dürften die beste Lösung auch für Palästina darstellen, das schon in alter Zeit ein ausgesprochenes Gartenstadtland gewesen ist und daß sicher wieder ein solches werden sollte. Kleine Nachrichten ausPalästina In Pettch Tikwab wurde eine neue Jeschiwa feiernd! eröffnet. Im Mai d. J. betrugen die Eingänge für den Koren Kajeraetb 24651 Pfund. Am 20. Juni fand die feierliche Grundsteinlegung zn dem von Rockefeiler gestiftetem Gebäude für das Archäologische Museum statt Rumänien Premierminister Manlu über Rumäniens Judenpolitik. Beim Empfang der Vertreter der ausländischen Presse erwiderte der Führer der Nafrionalzaranisten Maniu, der wiederum an der Spitze der Regierung steht, auf eine Frage de« Vertreters der jüdischen Tclcgraphcn-Agentur: Die antisemitische Partei in Rumänien ist klein und unbedeutend, sie nimmt im politischen Leben eine weit weniger wichtige Position ein als in vielen anderen Ländern. Meine Regierung hat zur Sicherung der Rechte der jüdischen Bevölkerung mehr getan als die früheren Regierungen. Es gibt jetzt viel weniger Ungleichheiten und Haßmanifestierungen als früher. Vergleicht man die, gegenwärtige Lage der Juden mit derjenigen» wie sie war, bevor die nationalzaränistische Harte! ans Ruder kam, so muß mau feststellen, daß eine entschiedene Wendung zum Guten vor sich gegangen ist, eine Wendung, die nicht allein auf die Tätigkeit der Regierung, sondern auf die allgemeine Meinungsrichtung, die von der jetzigen Regierung und Ihrer Anhängerschaft beeinflußt wurde, zurückzuführen ist. Sollten sich wiederum Exzesse ereignen, so wird die Regierung Schritte unternehmen, um sie zu unterdrücken; die Juden werden keine Enttäuschung erleiden. Im allgemeinen ist es der Wunsch der Regierung, die Minderheiten gerecht zu behandeln und ihnen die1 Wohltaten des Gesetzes angedeihen zu lassen. Bevor die Regie* rung das jüdische Gemeindegesetz verkünden wird, wird sie alle jüdischen Gemeinden :zir Rate ziehen. Neue jüdische Loyalitätaerkläruiig in der rumänischen Kammer. Nach Abgabe der Regierungserklärung durch den Ministerpräsidenten Manlu erklärte Deputierter Dr. Fischer als Vertreter des jüdischen Parlamentsklubs, daß die jüdische Bevölkerung aus tiefstem Herzep an der allgemeinen Freude und Begeisterung, mit welcher das Land die Thronbesteigung König Carols aufgenommen hat, teilnehme. Der jüdische Parlamentsklub betrachte den Beschluß des Königs, die Regierung jener Partei anzuvertrauen, die über die Mehrheit im Parlament verfügt, als Beweis striktesten Festhaltens an der Verfassung. Dies bedeute aber noch nicht, daß die Juden der neuen Regierung volles Vertrauen entgegenbringen. Noch allzu frisch klingen in aller Erinnerung die Handlungen der ersten Regierung Maniu, die uns enttäuscht hat und unser Vertrauen in sie erschütterte. Die Union Rumänischer Juden begrüßt König Carol IL Die Union Rumänischer Juden beschloß aqf einer unter dem Vorsitz ihres Präsidenten Dr. Wilhelm Fildermann äbgehaltenen Plenarsitzung, das folgende Telegramm an König Carol IL zu senden: Das Zentralkomitee der Union Rumänischer Juden sendet Eurer Majestät anläßlich der Thronbesteigung seinen Gruß. Es hofft, daß die Juden Rumäniens, die unter dem ruhmreichen Regime Ihres großen Vaters, König Ferdinand 1., ihre Emanzipation erlangt haben, unter der. Regierung Eurer Majestät den Schutz des Gesetzes und der Behörden genießen werden. Wir versichern Eurer Majestät, daß die rumänischen Juden, wie in der'Vergangenheit auch jetzt und in Zukunft, treue und ergebene Bürger im Dienste für Thron und Vaterland sein werden. Wir wünschen Eurer Majestät eine lange, ruhmreiche und glückliche Regierung. Dr. Fildermann, der Präsident der Union Rumänischer Juden, erschien im königlichen Palast, um König Carol seine Aufwartung zu machen. Neue antisemitische Exzesse in Bielce Die Jassyer Zeitung «Opinla» berichtet, daß es in Bielce zu erneuten schweren antisemitischen Exzessen gekommen sei. Die Cezisten fielen, mit Dolchen bewaffnet, über die Juden her und fügten mehreren Jtiden schwere Stiehl Verletzungen zu. Der junge Jude Landau erhielt mehrere Dolchstiche, ein anderer, Benzion Chawis, liegt mit schweren Kopfverletzungen Im Hospital, während mehrere andere Juden schwerverletzt In ihren Häusern darnieder liegen. Der Unterstaatssekretär des Innern, Anghelescu, erklärte dem J. T. A.-Vertreter, daß in Bielce (Balti) die Unruhen dadurch entstanden sind, daß zwei Juden auf den antisemitischen Agitator Ivan Costiuc mit Hämmern losschlugen, nachdem er antisemitische Rufe ausgestoßen hat Die übrigen in der Stadt eingetroffenen Cuza-Agitatoren hetzten dann die Bevölkerung gegen die Juden auf. Herr Anghelescu hat den Chefs der Siguranza und der Gendarmerie von Bielce telephonisch die Anweisung gegeben, sofort Maßnahmen zur Beendigung der Unruhen zu ergreifen, andernfalls sie persönlich für die Folgen verantwortlich gemacht werden würden. Der jüdische Deputierte Dr. Landau hat einen Bericht erhalten, wonach ln Bielce fünf Juden verhaftet worden sind. Die Meinung, daß der junge Landau getötet worden ist, trifft nicht zu; er liegt noch schwer verwundet darnieder. Rabbi Spiro von Munkacevo verurteilt Prag. (J. T. A.) Das Bezirksgericht in Munkacevo verurteilte den in der Chassidimwelt bekannten Rabbi Lazarus Spiro und die Vizerabbiner und Mitglieder des Beth Din David Schiesel, Saher Wolf und Mano Weiß zu je sechs Tagen Gefängnis und 600 Kc Geldstrafe mit Bewährungsfrist wegen Beschimpfung von Toten. Bekanntlich bestanden jahrelang schwere Konflikte zwischen Rabbi Spiro und dem Rabbi von Beiz in Galizien. Laut der Anklage haben Rabbi Spiro und die drei Vizerabbiner an einem Tage des Vorjahres, als ihnen auf der Straße ein Leichenzug begegnet war — es war die Bestattung eines Beizer Chassid namens Klein — einige Male vor dem Sarge augespuckt und den Toten ver* flucht. Konferenz der WIZO in Rumänien Bukarest (J. T.-A.) Vor kurzem hat in Bukarest die Eröffnung der Landeskonferenz der Wizo-Föderation und zugleich die Feier des zehnjährigen Bestehens der Föderation «Asociatia Cuiturala a Femeilor Evrei» (A. C. F. E.) in Gegegenwart einer großen Anzahl von Delegierten der Provinzsektionen, der Führer aller jüdischen Organisationen und Institutionen, sowie zahlreicher Gäste, stattgefunden.

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