Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 132 (26.6.1930)
- Date
- 1930-06-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME CääÜä-HI Nr. 182 Protestkundgebung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gegen die Einwanderungssperre Bei der Plenarsitzung der Kultusgemeinde am 24. Juni wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die Nachricht, daß die englische Regierung die Immigration; von Juden nach dem heiligen Lande eingestellt hat, rief die schmerzlichsten Empfindungen unter der Judenschaft wach. Bitterste Enttäuschung bedeutet diese Entschließung für all Jene, welche durch die Balfour-Dchlärätion den alten Sehnsuchtstraum von der Wiedererstehung einer jüdischen Heimstätte in Palästina' der ErfüUnfng nähergcbracht glauben, I^IniTeüsten getroffen sind Jepe jungen Menschen, die - idealstes Streben dazu veranlagte, sich in harter Arbeit auszrubildeu, lim Piönihire im heiligen Lande*äu wirken und zii schaffen. Weiß doch* jeder das zu würdigen, was im heiligen Lande vollbracht wurde, und welche Bedeutung die Palästinafragc für die Judenschaft darstellt Und so empfindet auch die Wiener Judenschaft die Unbill, welche in der derzeitigen Einstellung der Immigration gelef en ist, und vereint sich mit allen Freunden es PalästinaaufBauwerkes in dem dringenden Appell an die englische Regierung, daß das von der Judenschaft als schweres Unrecht empfundene Immigrationsverbot ehestens wieder aufgehoben werden möge. Bef derselben Sitzung wurde der Bericht über dip im September 1929 begonnene Aktion des Zen tra 1 hi 1 f skomi tees f ür ^4i$ 0pfer der Ereignisse in Palas'ti#a. erstattet. Efe sind insgesamt S 145.646.-— eipgegahgfn,Gesamtspesen der Aktion, .ein-, sohnpßliidi alfer Portoauslagen, haben S betragen, £>ie Eingänge wurden efappenvreise an die Jewish Agency in London übermittelt. Oie Protestwelle Der Protest des J&#isli Board öf Deputies 25.000 Judeu demonsfrieren in Lodz ,; 25.000 jüdische Bürger derStadtLodz deirtonstfietleti am t?. JunLiji ,jjen StraßeqiVoü Lodz ,gegen die Suspetjdlerung der $nwnnd<N‘tidg von Chaluzifti nach Palästina. Wöhtelid des Demphstrationszuges waren afle Läden in .„den jüdischen .Sfaättell^h'gescMössen. -- Auch in andren ‘ Städten Polens fanden imposante Kundgebungen gegen die . Alijah'Spetre statt . im Kongreß* der Vereinigten Staaten. ' ' . Die Ftage..'der Suspendierung der Efnwanderungszertifikate ‘ füf Päiästina-Einwancferer ist „puh; ...auch, im zt$ Sprache gekommep. 'Bas, köhglcBßuiiigHed;*-fi-a,|h.;i./tp n. Pis ji Jadeite die en£ . .fische Regierung -.wegen der.Suspendierungsmaßnahme, die er als WijjersprijeH zum Mandat stehend bezeiefmetq, v .und hjrdeite die amerikanische. Regierung .auf, die; Notwendigkeit zu erwägen, bei der Regier ung.Groß- , ..hr|taimieps;wegeh ider Suspendierung der. Einwanderung .iwtijBiÖMii' tirfcl diese Regierung $nzu\ . v fragend ob:sie die mit cfeiu Mandat übernommenen Verpflichtungen betreffend Aufbau des jüdischen Natlonal- ■ . ■! '. heiniies apch zu erfiiUen willens sei. ..__ Die polnische Judenheit an Macdonala .-Das^ziöhistische Zentralkomitee in Polen; hat an den englischen Premierminister;. Ramsay Macdonald,telegraphiert: ,Ueb.er; 5 0,04) 0> *hu ü.-e U: mar$cliierten durch die .Straßen M^sciiaus.'. und I gaben, iNre> Enttäuschung upd Empörung iiber„ dje neüenr Tendenzen der: Palästina-Politik der bnti- , sphen Regierung .Ausdruck, die im letzten «Weißbuch» niedergejegtsind, sowie . gegen die; Zurückziehung der .. Zertifikate fiir.Ghaluzioi.. Aehnliche" Kundgebungen fanden „iiuanderen S.tädten Polens.statt.- Vor 13 Jahren hat das polnische Judentum in .großen Kundgebungqn seiner Freude und , Dankbarkeit für die Verkündung der- Balfour-Dqklaration .'Ausdruck gegeben.. E§,hat.dem polnischen Judentum sehr weh getan/, heute gegen dje' englische Regierung i— weil djese die Seele der BalfpurrDekiarätioji .und dies Mandates vernichtet — protestieren zu müssen. . .. , Eine.Sopderkonferenz ^er. öngüschen judehheit für, Palästina. London, 19.- Juni. (J. T. A.) Die britische Sektion der Jewish- Agency hat die Vertreter der Synagogen und. aller jüdischen Institutionen Jn Großbritannien für Sonntag, den 20. Juli, zu einer1 Sonderkonferenz eingeladen, in der die ■ jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit .der Errichtung dqs Jüdischen Nationalheims in Palästina unddie Verwaltung des Palästina-Mandates durch Großbritannien überprüft werden sollen.; Sonderkonferenz der Zionisten Griechenlands. . : Saloniki, 19.1 Juni. (J. T. A.) Die Zionisten Griechenlands Hielten eine'außerordentUche Konferenz ab, um zu der durch die Suspendierung der Chaluz-Alijah geschaffenen Lage Steilung zu nehmen. ' Es würdep Resolutionen angenommen, in deneü gegen die Suspendierung der Zertifikate i protestiert und; diü: Hoffnung au^gedrückt wjrd, 'daß der Bericht Simpsons die Notwendigkeit einer verstärkten jüdischen Einwanderung. und Kolonisation.dartun wird, so daß sich'England verpflichtet sehen wird, die gemäß Artikel 6 des Mandates* übernommenen Verpflichtungen voll zu erfüllen. Es wird der Entschlossenheit der griechischen Judenhejt Ausdruck gegeben, den Kampf für die jüdischen Rechte in Palästina ujid für -den Wiederaufbau des Jüdischen Na- . tionalheims bis/zgm JEnde zu führen. Das «Jüdische Narfonalheim» maß mjetir bedeuten als; ein%«Hejni» schlechthin Das während des Krieges unter dem Vorsitz von ‘ Hefbert Sidebotj^ijQ jn begründete Palästina- Koriwtee veröffentlicht soeben ein Sfcftenfettf, in ivüqK chetn ah dor Erklärung Dr. Shiels vor der M^ndaisikoirt-. .mjssicai in.G«(iif, daß man den Juden nicht einert sonäerrt’riur 'eid «Beiimsversptochen hat, ’scfiarfe'Milfki geübt wird. Dr. Shiels' Erklärung, heißt es in. dem Statementdes Britischen Palästina-Komitees,. sagt , den Arabern, sie möchten niemals Szenen . wie ' die vom1 August .1929 wiederholen. Welche Wirkung kann eine solche Aufforderung haben, nachdem die Untersuchuiigskötnmiss'ion, die' arabischen Führer von [Fadel freigesproclien hat? . „ .'r. . . . i In ,dem .Stätemerit des britischeil'Palästina-Komitees heißt es dann .weiter: Eb-, Sh-leis hat in Gent .gesagt, die Juden in der ganzen Welt sollten wissen, däß dje Mandatarmacht es unternommen hat, eine jüdische GroRfleisctihauerei SIEGM. KORN MEH L Zentral» IX, Berggasse 19, Tel. A17-3-J9n. A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitisched. Kultusgemeinde Wien . Autozustellunff lcosfeitlos IX* Berggasse.15 XVIII, Währingerstraße 97 Heimstätte, nicht aber einen jüdischen Sta-at in Palästina entwickeln zu helfen. Dr« Shiels hätte das Adjektiv «National» vor das Wort «Reim» setzen sollen; es .darf Dr, Shiels .nicht erlaubt werden, solche Auslassungen zu machen. Wir wissen, was das heißt: ein «Heim», und was -es heißt: ein «Staat»; ein «Nationalhekn» ist ein schwerwiegender Ausdrück und muß’ etwas bedeuten. Es -würde interessant sein, von Dr. Shids die Definition . des Natiquatheimes .zu hören, .ohne. daß .er [etwas weg- . läßt. Dr. Shiels*. Statement in Genf ist der letzte in einer Reihe Versuche der letzten britischen Regierungen, eine auf Versöhnung der Araber gerichtete Politik m verfolgen.; - jeder dieser Versuche ist nicht allein fehlgeschlagen, sondern er hat in Wirklichkeit den arabi- , sehen Widerstand gestärkt, da der orientalische Geist zwischen Versöhniwgswlllen und Schwäche kanm zu unterscheiden versteht. ’ E^ ist sinnlos, zii erwarten, daß dieser letzte Versuch Shids’ .erfolgreicher als die bisherigen Versuche sein wird. Die ..Araber widiersetzen:. sich nicht der Mertötode des Mandates, sondern dem. Mandate selbst. Eine ernste Konsequenz dieser englischen Politik ist die, daß sich die öffentliche Meinung der Wdtjudenheit gegen England zu kehren beginnt. Zahlreiche Juden, unseres Zauderns und Zögerns müde, zweifeln an unserem guten Willen und beginnen zu fordern, daß das Mandat uns abgenommen .und einer Körperschaft übergeben witdv “die es mit mehr Energie durchführen würde. In einem von Anfang an hoffnungslosen Versuch, unmögliche arabische Forderungen zu erfüllen, sind wir so weit gegangen, mächtigen und einflußreichen Strömungen in der Weltjuidenheit entgegenzuwirken. Dr. Shiels* Statement ist dazu angetan, diese Gegnerschaft noch zu erhöhen und zu bewirken, daß die Andeutung, daß wir das Mandat abgeben sollten, zu einer hartnäckigen Forderung anscHwellen könnte. Wenn wir uns aber entschließen, Palästina zu verlassen, werden wir keinen Freund in diesem Lande zurücklassen, wo wir angesichts der Nähe der Schlagader der, Verbindungen unseres Imperiums Freunde so sehr nötig haben. (J. T. A) Sir John Hope Simpson in Palästina; Am 10. Juni verließ Sir John die Siedlung Betli Sera (Markenhof) und begab sich nach Dagania A und B. Von dort aus besuchte er die Pflanzungen der Patestinc Jewish Cölönisation Association (Pica) und begab sich hierauf nach Jawneel. In.den Siedlungen der Pica wurde Sir John von dem Leiter der Pica, Herrn V. Cohen und Herrn S. Levy, begleitet. In Haifa besuchte Sir John die Zigarettenfabrik «Mabrtik*, die Fabrik «Schemen», die Leih- und Sparkasse der Arbeiter, den Arbeiterrat von Haifa und das Buero der Pica. Nachmittags kam Sir John mit dem Leiter des Zoildcpartements, Herrn Stead, zusammen. Auf der Reise von Nahäia! nach Balfouria besuchte Sir John die Versuchsstation der Zionistischen Organisation in Djebatta. Am 11. Juni besuchte Sir John unter Begleitung des Leiters der Pica, Herrn Viktor Cohn, die Kolonien Schomron. Als die Gesellschaft Atlith passierte, wurde ein Bericht über die Arbeit der Gesellschaft für Salzgewinnung erstattet. Von Sicfiroti Jakob aus wurde Kabareh besucht. Von Kabareh aus besuchte Sir John Ärab el-Ghawarna, dessen Einwohner tfot der Uebergabe der Konzession an die Rica in den Sümpfei) lebten. Nachdem diese Araber Boden und Entschädigung vdf) der Pica erhalten hatten, bearbeiten sic jetzt geeignete Bodenflächen und wohnen in Steingebäuden. Außerdem findet) auch Beschäftigung bei der Pica und in den benaohbarten Kolonien- Sir John drückte seine Zufriedenheit über'die Verbesserung der Lage der Fellachen aus. Von Kabareh ging dje Gesellschaft nach Benjamina. Sir Johti'-be- Jüjjen, das. ihn, \yie e^ eridüftei ah‘den Typ der Sledluhgqn erinnerte, die durch ihn für[die Flüchtlinge in Griechenland errichtet wurden. Daraufhip, wiirde die IParfümfäbrik besucht. Von Benjamina gmg die Reise nach Fardeß Chäiiä, wo Slr'John die große Baumsphulc :|)h^.:d|e neuaj Syfruspflänz|ingen besichtigte und dann weiter '^.'.V0a%eri Leitern der Pica aus Haifa sowi^ den Herren Ussischkin und Dr. Hexter und den Mit- : gliedern des -Kojonienrates empfangen: wurde.; Ein- Bericht fibe^ dfe Entwiclfhing der, Kolonie seit ihrer vor vierzig JahUen , erfolgten Grühdüng bis zum heutigen Tage wurde erstattet. Unter anderem würde erwähnt, daß die Siedlung im' ersten Jahre 40 Pfund an Osche.rsteuern, jetzt 1000 Pfund zahlt. Es wurde auch auf die große Arbeit der Pica in, der. Umgebung ~ Trockenlegung der ' Sümpfe, Anlegung . großer Wälder mit einer Flächenausdehniing von 3000 Dunam usw. t— hmgevries^ni Es würde hervorgehoben, daß die Kolonie ihre Erziehiingsupd medlz*inischen Institutionen selbst erhalt; ferner daß sie, ihre Antimalariakampagne fortsetzt. Einzelheiten über die Produktion der Kolonie und den Umsatz der lokalen .Kreditinstitution wurden gegeben. Die Zahl der jüdischeii Arbeiter in, der Kolonie beträgt 800, die Zahl der arabischen 350. Nachmittags wurden einige Orangerien und der große Wald besucht. ~ v Von Chedera begab sich die-Gesellschaft nach Wa(b Chawereth, wo Sir John yon den Vertretern des Keren Kajeipeth.und der Palestine Land Development Company Informationen über den Bddenpreis 'hnd über cBe Zahl der arabischen Pächter und die Größe der Fläche,'die sie bearbeiten, efnzog. Hierauf ging die Reise Weiter nach Natania. Während der Unterhaltung in Natania traf der Scheich des benachbarten arabischen Dorfes ein und ersuchte den Gast tun einen Besuch in seinem Dorfe. Nach der Besichtigung der Orangerien Von Natania besuchte Sir John das arabische Dorf; Nach einem freundschaftlichen Gespräch über die Beziehungen zwischen den Juden und den Arabern begab sich die Gesellschaft nach Tel Mond, und von dort nach Kfar Saba und Magdiel. In Magdiel berichtete der Kolonist Züchovizky über die Entwicklung des Ortes, die Zahl der gegenwärtigen Einwohner, die Lage der Wirtschaftszweige usw. Von Magdiel fahr Sir;Jöhn nach Petäcli Tikwaft und Tel Aviv. Am 12. Juni, besuchten Sit John und seine Begleiter, darunter Dr. Ruppin, Wiikansky und Herr Äbärbieh, Vertreter der’ Picä, die Kolonie Nes Zioniah.Tn seiner Ansprache hob .der-Vertreter der Kolonie unter anderem das 'freundschaftliche Verhältnis, in welchem Juden und Araber hier leben, hervor. Diese guten Beziehungen bestehen seit der-Gründung der Kolonie' vor vierzig Jahren. Die arabische Umgebung profitiere von dem von Juden investierten Kapital und der privaten Initiative in der Landwirtschaft. Die Herren Miller und Smiianski aus Rechoboth und Herr Komarow aus Neß Ziona gaben Aufklärungen. Hierauf ging der Weg nach Rechoboth, wo die Jemenitensiedlung «Shaaraim» . besucht wurde. In der Kolonie; selbst zeigte Sir John besonderes Interesse für die Entwicklung der lokalen, Leih- und Sparkussa; es wurde ihm berichtet, daß der Geldumsatz seit 1929 um das Fiinfzehnfache gestiegen ist,, nämlich von 21000 Pfund jährlich auf 421.000 Pfund, Im Magazin des «Haschaked» erhielt Sir John Informationen über die Entwicklung der , Mandelproduktion im Lande. Es wurde. darauf aufmerksam gemacht, daß große Flächen von Böden, die von den Arahent als «tote Böden» bezeichnet wurden und gegenwärtig unbearbeitet liegen, für die Mandelkultur sehr geeignet sind. 50 Dunam Mandelpflanzungen nebst einer Kleinwirtschaft können einer Arbeiterfamilie eine Existenz verschaffen. Nachmittags<begab sich die Gesellschaft nach Beer Tuwia. , Am 16. Juni besuchte Sir John Jericho das Ufer des Toten Meeres, wo die Palestine Potash Company, die chemische Ausbeutung des Toten Meeres vornimmt. Die Leiter der Pottasch-Gesellschaft erteilten Informationen'über die ernten Resultate der Durchführung der Arbeit. i.A-: 4; ft.. W ('7-? S y'! ,,,