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Die Stimme · 1930-06-26 · Heft 132 (26.6.1930) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 132 (26.6.1930)
Date
1930-06-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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"Seite 4" DIE STIMME Nf.182 JÜDISCHER HOCHSCHDLADSSCHDSS Montag, den 30. Juni 1930, Endet um 8 Uhr abonds im Festsftale des Handelsmuseums, IX., ISerggasse lö, ein Vor frag das Harnt Uitlv. Prof. Dr. Fritz W1LKC WIEN, IX.. ZIMMERMANNSP1ATZ NR. S mit Lichtbildern statt. Gäste herzlich willkommen. Glossen Die Meldung ausländischer Zeitungen, daß diese vandalischen Akte als Racheakte für die Hinrichtungen anzusehen sind, trifft nicht zu, da diese Akte, noch vor den Hinrichtungen geschehen sind. Wie die Moslems auf die Klagemauer-Kommission Eindruck zu machen suchen Jerusalem, 22. Juni (J. T. A.). Nachdem vor Ankunft der Klagemauer-Kommission in Jerusalem jahrhundertealte jüdische Symbole und Inschriften zu nächtlicher Stunde von Arabern weggemeißelt wurden, versuchen die Araber nunmehr auf die bereits eingetroffene Kommission dadurch Eindruck zu machen, daß sie die der Omar-Moschee zugewendete Seite der Klagemauer mit Teppichen und Weihelichtern drapieren, um’der Klagemauer das Aussehen eines moslemitischen Heiligtums zu geben. Es geschah dies auf Anordnung des Obersten Moslemirischen Rates, der durch diese Ausschmückung der Mauerspietze die Heiligkeit der Klagemauer innerhalb der moslemitischen Welt gegenüber den Mitgliedern der Klagemauer-Kommission demonstrieren will. Der Großmufti von Jerusalem hat sich an die Azhar-Universität in Cairo mit dem Ersuchen gewendet, in den alten Dokumenten der Moslems nach Hinweisen auf die Heiligkeit der Klagemauer für den Moslem zu suchen. Der Inspektor der moslemitischen Schule in Palästina, Isak Darwisch, wurde nach Damaskus entsandt, um die dortigen Archive nach Hinweisen auf die Klagemauer zu durchforschen. Der Fall Urphali > Jerusalem, 18. Juni. (J. T. A.) Die Palästinä- Regierung hat dem Anwalt des zum Tode verurteilten Juden Urphali, dessen Fall von dem Londoner Privy Council behandelt wird, mitgeteilt, daß dem Gefangenen nunmehr die Ketten abgenommen werden und er mit einem anderen jüdischen Gefangenen eine Zelle teilen wird. Urphalls Alibi. Der Jerusalemer Korrespondent der «New York Times» telegraphierte seinem Blatte, ein arabischer Polizist habe vor Gericht geschworen, er habe, nachdem die Polizei auf den arabischen Mob in Haifa gefeuert hat, gesehen, wie sich die Mutter des Arabers, den Urphali angeblich getötet haben soll, über den Leichnam ihres Sohnes weinend beugte; demnach habe nicht Urphali den Araber getötet, sondern dieser sei von einer Kugel der feuernden Polizei getroffen worden.' Der Protest der Hisfcadruth gegen falsche Behauptungen im Shaw-Bericht London, 20. Juni (J. T. A.). William Brown richtete im Unterhaus an den Unterstaatssekretär für die Kolonien die Frage, ob er Vorstellungen seitens der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterföderation; Palästinas erhalten habe, des Inhaltes,;daß die von der Palästina-Untersuchungskommission in ihrem. Berichte aufgestellte Behauptung, daß der Arbeiterföderation Blankozertifikate der Arbejter-Schedule. ausgehändigt wurden und daß diese Zertifikate an Einwanderungsbewerber nach politischen Gesichtspunkten verteilt worden seien, von Grund aus falsch sei. Welche Schritte gedenke der Unterstaatssekretär bezüglich dieser Vorstellungen zu ergreifen? Dr. Shiels erwiderte: Der High Commissioner hat mir eine Kopie des an ihn gerichteten Briefes der Exekutive der allgemeinen jüdischen Arbeiterföderation übersandt, in welchem Vorstellungen nach der vom Fragesteller erwähnten Richtung erhoben werden. Die Angelegenheit befindet sich im Stadium der Untersuchung. Das Attentat auf Polizeiinspektor Scott in Jaffa Jerusalem, 19. Juni (J. T. A.). Ein entlassener arabischer Polizist wurde unter dem Verdacht, den Anschlag auf den englischen Polizeimspektor Scott während des Demönstrationsversucfies in Jaffa am 17. Juni verübt zu haben, verhaftet. Man glaubt, daß sich der Attentäter der Demonstration nur .bedient hat, um einen Akt privater Rache auszuführen. Der Zustand Scotts ist nicht ernst. Die Moslemitiscfw Christliche Vereinigung in Jaffa rückt in einem Schreiben entrüstet von dem Verbrechen ab. (Scott wurde bei der Demonstration in Jaffa, nicht, wie irrtümlich gemeldet, in Haifa, verletzt.) Veröffentlichung der MacMahon-Hussein-Korrespon* denz London, 19. Juni (J. T. A.). Dr. Drummond Shield erklärte im Unterhaus, die Regierung werdä ungefähr nach einem Monat eine definitive Erklärung über dje Veröffentlichung der Korrespondenz zwi«r sehen Mac Mahon und Sherik Hussein geben. Vorher werde sich noch die Regierung Indiens über die Frage der Veröffentlichung äußern. Abraham Podlischewski gestorben Warschau, 18. Juni (J. T. A.). Im Alter von .68 Jahren verstarb am 18. Juni in Warschau der bekannte Führer des polnischen Zionismus Abraham Podliszewski. Der zionistischen Bewegung seit seiner Jugend angehörend, wohnte er mehreren Kongressen als Delegierter bei und gehörte früher dem großen A. C. an. Er war-Vizepräsident der Zionistischen Organisation Kongreßpolens, Leiter des polnischen Keren Hajessod und Fördererdes Keren Kajemeth. Zuletzt war er auch Präsident des polnischen HlA$. Mit Nahum Sokolow verband ihn noch aus der Zeit des Erscheinens der Tageszeitung «Hazefirah» intime Freundschaft. * Mit Abraham Podlischewski verliert der Zionismus wiederum einen Menschen seiner alten Führergarde. Podlischewski kam zum Zionismus aus; der Chowewe-Zion- Bewegung und hat den gesamten Werdegang der Palästina- Bewegung, von ihren Abfangen bis jetzt, in höchster aktiver Anteilnahme begleitet. Er war einer jener Repräsentanten des zionistischen Gedankens, die nicht aus Ideologie und theoretischer Erkenntnis, auch nicht aus: psychologische» Wandlung und revolutionärem Erlebnis zum Zionismus kamen, deren Weg vielmehr in. natürlicher und beinahe selbstverständlicher Folgerichtigkeit aus der Fülle ihrer jüdischen Kindheits- und Jugenderlebnisse, aus der Totalität des ostjüdäschen Milieus der vorigen Generation in den Zionismus mündete. Es gab nichts Jüdisches, das ihm irgendwie fremd gewesen war. Ob es sich um ökonomische Fragen der jüdischen Kaufmannschaft oder um Probleme des.politischen Kampfes im alten Rußland und. im heutigen Pqlen handelte, ob es um Probleme der hebräischen Kultur ging, des .Schrifttums oder, des Theaters, immer — vpm rein Zionistischen schon gar nicht zu sprechen — war Podlischewski in unermüdlicher Aktivität tätig, und alles stand ihm gleich nahe. Er war eine ständige und beliebte Erscheinung auf allen Kongjessen, war lange Jahre hindurch Mitglied des großen Aktionskomitees, einer der Mitbegründer der radikalen Gruppe, einer der intimsten Mitkämpfer Jizchak Grünbaums und in den letzten "Jahren ein.wahrer Patriarch des; polnischen .Judentums,V?u dem alle Gruppen mit ihren Sorgen und Wünschen kamen.. ■: ■ Sein plötzlicher Tod rdißt eine sehr schmerzliche Lücke -in die nicht zu große Führergruppe dfs polnischen Judentums, in den sehr gelichteten Kreis der ersten Führergeneration des Zionismus. Wenig zionistische Führer haben so wenig Gegner gehabt:-wie .Podlischewski. . Die Wärme .seines Wesens, die absolute Aufrichtigkeit und Gradlieit seines Charakters nahmen auch jene gefangen, die politisch oder taktisch nicht mit ihm übereinstimmten. In der Galerie der Führerpersönlichkeiten des Zionismus der ersten Gene- •ration, die so reich an. interessanten und unvergeßlichen Erscheinungen ist, wird Abraham Podlischewski eine der sympäthischsten . und liebenswertesten bleiben. 104)00 Leidtragende schreiten hinter dem Sarge Pödlischewskis. Warschau, 22. Juni. (J. T. A.) Etwa 10.000. Personen schritten hinter dem Sarge des verstorbenen populären, zionistischen Führers Abraham Podlischewski. Am offenen Grabe sprachen Oberrabbiner Prof. Schorr, Abg. J. Grünbaum, Dr. Levite, Dr. J. Gottldeb, Davidsohn u. a. m., die alle die wertvollen Leistungen Pödlischewskis für das Judentum und die zionistische Bewegung .hervorhoben.-Als die Schollen auf den Sarg fielen, sang , die Menge die «Hatikwah*. — Die Zionistische Weltorganisation, der zionistische Oberrat Polens, der jüdische Parlamentsklub, die-Warschauer jüdische Gemeinde und zahlreiche jüdische Organisationen des In- und Auslandes sandten der Familie Pödlischewskis Beileddskundgebungen. . Abg. Dr. Ludwig Singer Präsident der jüdischen Gemeinde Prag Prag, 20. Juni.. (J, T-A.) Zum Präsidenten der Jüdischen Gemeinde würde in der-letzten Sitzung der Repräsentanz mit den Stimmen aller Parteien, mit Ausnahme der Tschecheijuden, der jüdische Pariaraenteabgeordnete und Zionist Doktor Ludwig Singe r gewählt Zum Präsidenten-Stellvertreter wurde das tschecbosloväkische Mitglied im Council' der Jewish Agency, Dr. Joseph Popper, „der Vorsitzende der Großloge B’nei Brith für .die G: $• R„ zum zweiten Vizpf > Vorsitzenden Dr. Emil K äfka 'gewählt. Für die Tseheehor juden, die den bisherigen Präsidenten Dr. Augi^t Stein kandidiert hatten, gab Df- Maximilian Reiner du? Erklärung ab, die Partei könne ijfch än; den Wählen nicht beteiligen* da die Leitung der’Jüdischen Gemeinde Prag mit Rücksicht auf den tschechischen Charakter-der Stadt Prag und |m Interesse des tschechoslovakischen1 Judentums einem bewußten Tschechen anvertraut >erdej)' müsse- Zunt erstenmal übernimmt ein Zionist, ein verdienter und führender Zionist, die Führung der Jüdischen. Gemeinde Prag. Palästina auf internationalen Arbeiterkonferenzen vertreten - Jerusalem« (J. T, A.) Der palästinensische Arbeiterführer Ben Gurten hat sich nach London zur Teilnahme an der por litischen Konferenz der Jewish Agency begeben. Er wird die palästinensische Arbeiterschaft auf der Internationalen ’ Gewerkschaftstagung ■ in Stockholm und auf der britischen Reichsarbeiterkonferenz vertreten. Der mutige Mann «Die Stätten vor und hinter der Klagemäuer sowie die Klägemauer selbst sind grundbücherliches Eigentum der mohammedanischen geistlichen Behörden .. .» «In der Balf our-Deklaration verfügt .England über ein Land; in dem seit 13Ö0 Jahren die Araber wohnen und bodenständig wurden, und will es einem Volke geben, das vor 1800 Jahren aus dem Lande vertrieben, über die ganze Welt zerstreut wurde».. «Mit der Balf our-Deklaration war der Traum Herzls■ vom Judenstaate aus geträumt». «Der Chaluz soll mithelfcn, 83% der Bevölkerung (Araber) zu entrechten und 17% der Bevölkerung (Juden) mehr Recht zu verschaffen . . » «Der „Brith Schalom” tritt diesen Hetzideen entgegen, er tritt für die Verständigungspolitik zwischen Arabern und Juden ein. Der Königsweg .der Verständigung aber hieße Verzicht quf die Balf our-Deklaration. Das wäre aber der Schwanengesang des Zionismus.» «Die Untersuchungskommission stellte fest, daß bisher der allgemeinen Organisation der jüdischen Arbeiter Blanko-Zertifikate. übergeben wurden, auf Grund welcher die Einwanderung nach Palästina ermöglicht .sein sollte. Diese Blanko-Zertifikate wurden nun nicht nach wirtschaftlichen Grundsätze n* an solche Arbeiter ausgegeben, die zu der ihnen obliegenden Arbeit befähigt worin, sondern es wurde vor allem auf das politische Glaubensbekenntnis des Arbeiters Wert gelegt.» «Die Ueberschwammung eines Landes mit Arbeitern, welche die Wirtschaft nicht verträgt, ist vom ökonomischen Standpunkte unter allen Umständen abzulehnen.» «Gegen die eisernen Grundsätze der Wirtschaft kann auch der begeistertste Idealist nicht kämpfen». Sind das Zitate aus dem Organ .der arabischen Exekutive „Fa lest in'1? Sind das Gedankensplitter aus einer Hetzrede des Jerusalemer Großmufti? Weit gefehlt. Wir entnehmen sie wortwörtlich ddfn Referate des Herrn Dr. Ernst Feldsberg, dä$ er am 5( Juni 1930 in Wien gehalten hat, und das in der Wiener jüdischen Wochenschrift „Die. Wahrheit” an leitender Stelle zweier Nummern dieser Zeitschrift veröffentlicht wurde. Wir sind genau so unverbesserlich wie Herr Doktor Fetdsberg. Wir haben ihn. seinerzeit nach den Augustunruhen, anläßlich einer seiner Reden zum Großmufti von Wien ernannt. Sein Blatt, die „Wahrheit’', war uns damals deshalb sehr böse. Auf die Gefahr hin, däß sie ■ uns jetzt noch böser wird, müssen wir vor der jüdischen Geffentlichkeit die - unerhörte öffentliche Stellungnahme eines Mannes anprangern, der Mitglied einer Partei ist, die der Jewish Agency angehört. Man könnte vielleicht glauben, däß die oben zitierten Sätze im Zusammenhänge des ganzen Referates einen anderen Sinh bekommen. Man könnte uns verdächtigen, daß wir aus purer Boshaftigkeit die stärksten Stellen aus der Rede des Herrn Dr: Feldsberg zitiert haben und den Zusammenhang absichtlich verwischten, um auf diese Weise ein unwahres Bild seiner Ideen unserem Lesepublikum zu präsentieren. Wir empf ehlen denjenigen, die dies vermuten,. die gründliche Lektüre des betreffenden Artikels in den Nummern 24 und 25 der „Wahrheit’. Wir machen gerne , auf diese Weise unserem Gegnerblatic Reklame, weil wir glauben, daß bei genauer Lektüre jenes großmächtigen Aufsatzes der Leser den Eindruck gewinnen muß,- daß Herr Dr. Feldsberg in, allen seinen Aeußerungen von einer Schadenfreude wagen der letzten Mißerfolge der Zionistischen Arbeit erfüllt ist. In den erheuchelten Wendungen, die von Sympathie zum Palästina-Aufbauwerk a. dgl. sprechen, ist sie als Sinn und Tendenz des ganzen Referates unverkennbar zu verspüren. , ,. .; Wir werden mit Herrn Dr. Fejdshecg nicht polemisieren. Wir werden die aus dem Arsenale unserer geschworenen Feinde ausgeborgten Argumente nicht, zu entkräften versuchen. Wir wollen uns heute mit einer Feststellung1 begnitgen: es gehört viel trauriger Mut dam, in dieser wirklich schicksattehmren Stunde; der jüdischen Freiheitsbewegung Dolchstöße zu versetzen. Herr Dr. Feldsberg ist ein mutiger Mann. S. e : Achtung! Interessenten für Softiftterfcotonien! Das Hüttenlager des Jüdischen Bundes „Blau-Weiß“, am Wörthersee gelegen bestehend aus 38 wind- und wetterfesten Hütten zu je 4 Personen ist ab 7. August 1930 billigst zu vermieten. Anträge Schriftlich oder mündlich an die Leitung 4«s „Blau-Weiß“ IX-, Währingerstraße 15

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