Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 130 (12.6.1930)
- Date
- 1930-06-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME I mm- Beim 0djmerieit... SogatäaWetten! Ab&af«$aMtfftn flttb unübertroffen aut «SeWmpfung rheumatischer, gichtisch er und ftervftser Schmerlen, Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten. föetöet bie Äarnfäure <u»S ttttb ge$t batyet bircft fff Söuwt b*$ Hebels I ^QÖenn $aufenbe oon ‘Slerjeen Wtfe# wtitttt oererbnen, fönnett auch 6ie e$ t»et<rauetiSaeu taufen, fragen Sie 3t)ren! 3n alten ‘Stootbefen ‘Brei* S 2.40 Jaden in bezug auf die heiligen Stätten verfolgen. Die Kommission sagt zwar, sie könne sich nicht vorstellen, daß der Mufti oder ein anderer gebildeter Araber in den Bildern so etwas hätte sehen können, begnügt ■ Sieh aber mit dieser psychologischen ' Be st Stellung. Die Schuld des Mufti . Der Bericht konstatiert ausdrücklich, daß die Un- Mhen in der Form eines arabischen Angriffes auf Ju-!den auf getreten sind, so daß unzweifelhaft die Juden! an dem aktuellen Ausbruch keine Verantwortung haben. Die Frage der Verantwortlichkeit der moslemitischen Behörden behandelt der Bericht in dem Abschnitt «Beschwerden gegen den Mufti» und kommt zu dem Schluß, daß «der Mufti ähnlich wie andere, die direkt oder indirekt mit dem Gefühl der palästinensischen Bevölkerung ihr Spiel trieben, einen Teil der Verantwortung für die Unruhen trage». Dennoch hebt die Kommission sorgfältig hervor, was den Mufti entlastet. Zweifellos steht aber fest, daß der Mufti, als Präsident des moslemitischen Oberrates, ein bezahlter Bc- ' amtet der Palästinaverwaltung, trotzdem bei den antijüdischen Ausschreitungen von 1929 einen lebhaften , Anteil hatte und aus seiner schärfsten Opposition gegenüber den im Mandat übernommenen Verpflichtun-! gen, die Balfour-Deklaration durchzuführen, kein Hehl i gemacht hat. An dieser Einstellung eines bezahlten! Regierungsbeamten findet die Kommission offenbar; nichts auszusetzen. Zusammenfassend kann aus dem Bericht festgestellt werden: Während der Woche vor den Unruhen verstärkte sich die arabische Aktivität, die Propaganda, an der führende Moslems beteiligt waren, verschärfte sich, Agitatoren forderten in der dritten Augustwoche die Bevölkerung in verschiedenen Landesteilen auf, nach Jerusalem tu kommen, von den unbedeutenden Zwischenfällen des 15. und 16. August wurden übertriebene Berichte verbreitet, hiedurch wurde der Rassenhaß zum Konflikt getrieben, die Wähler der arabischen Exekutive haben ohne Zweifel eine auf hetzende Tätigkeit entfaltet, aber — für all das war niemand verantwortlich (!). Die Schuld der Palästina-Regierung — Lukes Rolle Es ist zunächst charakteristisch, daß die Kommission die Frage der Verantwortlichkeit der Verwaltung unter dem Titel «Beschwerden der zionistischen Palästina-Exekutive» behandelt, als ob bei Unruhen, in denen 450 friedliche Bürger getötet und verwundet wur- , den, nicht Ohne besondere Beschwerden die Frage eines ' Verschuldens der Verwaltung hätte untersucht werden müssen. Zweifellos ist der Sicherheitsdienst sowohl numerisch wie bezüglich der Zuverlässigkeit der arabischen Polizisten seiner Aufgabe nicht gewachsen gewesen. Jerusalem mit seinen 80.000 Einwohnern hatte 70 englische Polizisten, und schon die Haycraft-Commission von 1921, deren Mitglied Luke war, hatte festgestellt, daß die eingeborenen Polizisten, «halb vorgebildet und entweder indifferent oder Mittäter, wenn nicht Anführer bei den Gewaltakten waren». Jetzt hat derselbe Luke keineswegs die nötigen Mittel ergriffen, die verfügbaren verläßlichen Truppen zusammenzuziehen. Er hatte auch vorher nichts getan, um der gefährlichen Propaganda ein Ende zu machen. Er hat dien bekannten Zwischenfall am Versöhnungstag dadurch verschärft, daß er in taktloser Weise den Gottesdienst störte, und hat dann, als die Agitation ihren Fortgang nahm, nicht eingegriffen. Er hat die von der Kommission festgestellte hetzerische Pressepropaganda nicht pbgestoppt. Daß die Vorbereitungen zur Heranziehung tder verfügbaren Truppen nicht getroffen waren, und daß selbst an dem Tage des Ausbruchs der Unruhen kostbare Stunden verstrichen, che Luke sich dazu entschloß, die im Lande befindlichen Truppen z. B. aus RamlCh zu mobilisieren, wird von einer großen Anzahl von Offizieren und Beamten festgestellt. Nach deren Aussagen darf man es als ziemlich sicher betrachten, daß, wenn dies geschehen wäre, die Unruhen hätten mntefdrückt, zumindest aber eingedämmt werden {können. Es hat sehr böses Blut gemacht, daß während der pnruhen plötzlich die jüdischen Mannschaften entwaffnet wurden, und zwar auf Vorstellungen und Drohungen nseitens der Araber. Die Entwaffnung und die Zurückziehung der versiegelten Waffendepots der jüdischen iKolonien wird vollends unverständlich bei der Fest [Stellung, die die Kommission wiederholt m^cht, daß die Juden ständig in der Defensive waren. (Politische Fragen — Einwanderung und Roden Bekanntlich ist es der Standpunkt der Kommission, V*ß, während die unmittelbaren Ursachen der Unruhen in den Ereignissen liegen, die sich an den Klagemauer- Zwischenfall anschließen, die wirklichen Ursachen tiefer liegen, nämlich in den Fragen der Einwanderung, der Siedlung und der Schaffung einer Volksvertretung. Um die Auffassung der Kommission nachzuprüfen, werden in den Agency-Memorandum drei Fragen gestellt: a) Haben die Araber tatsächlich die ihnen zugeschriebenen Anschauungen? b) Spielten diese Anschauungen wirklich eine Rolle bei den Unruhen? c) Sind sie richtig? Die Hauptunruhen fanden in Orten statt, die weit entfernt von den Zentren der modernen jüdischen Kolonisation liegen. Von den 132 jüdischen Toten wurden nur 13 in den jüdischen Kolonien getötet und selbst von diesen fiel die Mehrheit in den Kolonien Beer Tuwia, Art uff und Moza, die längst vor dem Krieg bestanden haben. Von den Städten wurden am meisten Jerusalem, Hebron und Safed mitgenommen und gerade dort waren es Juden des alten Typus, die die Opfer waren. Der Kriegsruf der Plünderer war auch nirgends: «Gebt uns unser Land zurück», sondern: «Weg von unseren heiligen Stätten», oder «Rache an den Juden für vergossenes moslemitisches Blut». Nicht eine einzige Person, die als enteigneter Pächter sich ausweisen konnte, ist der Kommission präsentiert worden. Ebenso ist der Jewish Agency kein einziger Fall bekannt, wo Araber, die im Zusammenhang mit den Unruhen gestanden haben, solchem depossedierten Proletariat angehören. Somit sind für die psychologischen Spekulationen der Kommission keine Beweise erbracht worden. Was nun schließlich die Landfrage anbetrifft, so lassen sich zu den Befürchtungen, die die Kommission hegt, ebenfalls einige Grundfragen stellen: a) Ist zu befürchten, daß die jüdische Kolonisation in der Zukunft zu einer Verdrängung der Araber führen wird? b) Sind landwirtschaftliche Elemente der Araber tatsächlich ver- KONKURS In der Israelitischen Kultasge-meinde Graz gelangt ■die Stelle eines der auch die Befähigung eines Vorbeters und Kareh besitzt u. womöglich auoh Mohed ist, zur Besetzung. Bewerber wallen ihre mit Zeugnissen von streng orthodoxen Rabbinern belegte Gesuche unter Angabe ihres Lebenslaufes, Ihres Alters und ihres Familienstandes richten an die Israelitische Kultusgemeinde Graz. drängt worden? c) Spielte diese Furcht einen Faktor in den Augustunruhen? Daß dies letztere nicht der Fall war, ist schon bei der Betrachtung der Immigrationsfrage klar geworden. Die Unruhen sind in den Städten entstanden und nicht in Orten, in denen landwirtschaftliche Bevölkerung ausschlaggebend war, insbesondere nicht dort, wo die jüdischen Siedlungen der Jewish Agency liegen. Für die Verdrängung der Araber von ihren Böden ist keinerlei Beweis geliefert worden. Zu der Frage, wie Weit arabische Pächter und Arbeiter ihre Böden verlassen mußten, gibt Ruppin vor der Kommission eine Zahl zwischen 700 bis 800 an, von denen die meisten an anderen Stellen wieder angesiedelt worden sind. Eine Untersuchung über diesen Gegenstand hat die Jewish Agency nicht zu scheuen. Sic hat aber andererseits das Recht, zu verlangen, daß die in der Balf our-Deklaration fes*gelegte Verpflichtung der Verwaltung, geschlossene jüdische Landsiedlung zu schaffen und ein System für Landwirtschaft zu errichten, das eine intensive Ausnützung des Bodens gewährleistet (Art. 11), durchgeführt wird, ln diesem Zusammenhang behandelt das Memorandum die Frage der Beisan-Böden, die, statt intensiv aus ge nutzt zu werden, in einer zu verschwenderischen Art den arabischen Siedlern überlassen worden sind. Die zahlenmäßigen Unterlagen der Kommission für die Befürchtung, daß der Boden nicht mehr ausreichen wird, werden in dem Memorandum einer eingehenden Kritik unterzogen, und es wird gezeigt, in welcher Weise das Land entwickelbar und aufnahmefähig für eine Fülle von neuen Immigranten ist, wenn eine richtige Bodenpolitik den Ansiedlern zu Hilfe kommt. Das Memorandum der Jewish Agency schließt mit der Versicherung, daß «die Jewish Agency jede Gesetzgebung begrüßt, die bona fide die Interessen des arabischen Bauern sichert, seinen Lebensstandard hebt und ihn von seiner Schuldenlast befreit, die ihn jetzt zum Sklaven derselben Menschen macht, die sich vor der Oeffentlichkeit als seine Beschützer aufspielen. Die Jerrish Agency will keineswegs die Araber von den Böden verdrängen, die sie bebauen. Unsere Kolonisation bedroht sie in keiner Weise und wir protestieren dagegen, daß diese Behauptung in die Welt gesetzt wird von Männern, die in Wahrheit keine anderen Interessen verfolgen, als den Kampf gegen die Nationale Heimstätte für das jüdische Volk. ■> . 'Sdmh-Jtßom bringt eine fabelhafte Auswahl schicker, reizender Modelle in Eidechse, Krokodil und Chevreau in erstklassiger Qualität. Die soliden fixen Preise sind allgemein bekannt. ftfiuft-jDotn, //., ‘Gaborstraße 8a Ein Druck auf England Die Londoner „Morning Poä t“ bringt eine sensationelle Nachricht ihres Genfer Berichterstatters folgenden Inhaltes: Inoffizielle aber einflußreiche Kreise üben auf England einen Druck aus, daß es auf das Palästinamantiat verzichte. In diesem Falle sollte das Mandat unmittelbar dem Völkerbunde oder einer Staatengruppe, in der auch die Vereinigten Staaten einen Platz haben, übergeben werden. Wichtige Beratungen Weizmanns in Berlin Prof. Weizmann kam am 6. Juni n Berlin an und hielt hier wichtige Beratungen mit der Leitung der zionistischen Vereinigung für Deutschland sowie auch mit führenden Persönlichkeiten aller zionistischen Parteien ab. Die Beratungen hatten privaten Charakter gehabt. Revisionisten, Poale-Zionisten wie aueh der Scjinabgcordncte Griinbaum, Herr Levin Epstein, Prof. Otto Warburg u. a. nahmen an ihnen teil. Prof. Weizmann erstattete einen ausführlichen Bericht über die gegenwärtige politische Lage. Nach einem Referat kam es zu einer Debatte, in der einige Redner die Zweckmäßigkeit der Einberufung des zionistischen Kongresses für September betont haben, da in diesem Monat die Plenarsession des Völkerbundes tagen soll. Prof. Weizmann erklärte, daß er sich zu diesen Anregungen positiv stelle, jedoch fügte er hinzu» daß die Frage der Einberufung des Kongresses auf der Session der politischen Kommission der Jewish Agency am 28. Juni in London behandelt werden wirdi v Df. Weizmann über die Lage Der Präsident der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann, der einige Tage in Genf, im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes, geweilt hat, teilte dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur in einem Interview u. a. mit: Ich bin in Genf mit einigen führenden Mitgliedern der Mandatskommission zusammengekommen und hatte auch eine längere Unterhaltung mit dem Generalsekretär des Völkerbundes. Ich schilderte den Herren die Lage, die sich im Zusammenhang mit den Ereignissen der letzten Monate, die in der Zurückziehung der Einwanderungszertifikate für Chaluzim gipfelten, lierausgebildet hat. Ich versuchte, ihnen klar zu machen, daß das jüdische Volk die Zurückziehung der Zertifikate als einen tatsächlichen Bruch des Mandats auf faßt und die Versuche, diese Maßnahmen mit rein formellen Gründen zu rechtfertigen, nicht gelten läßt. Ich versuchte im Gespräch mit den erwähnten Persönlichkeiten die Auffassung zu widerlegen, daß der sogenannte Dualismus des Palästina- Mandates unüberwindliche Schwierigkeiten mit sich bringt. Ich erklärte ihnen, daß wir Juden im Gegenteil von der absoluten Möglichkeit einer Harmonierung der Interessen der Juden und der Araber überzeugt sind, indem die Förderung des Aufbaues Palästinas und der Nachbarländer allen Einwohnern dieser Länder zugute kommt und einen bedeutungsvollen Beitrag zu der Zivilisation darstellt. Wir glauben an das Vorhandensein von Kräften, die Zwecken dienen, w elche weder die Interessen der Juden noch die der Araber im Auge haben, sondern das Ziel verfolgen, das bereits begonnene friedliche Zusammenleben der beiden Völkerschaften zu untergraben. Auf die Frage, wie er die Erklärung des britischen Bevollmächtigten Dr. Shiels in der Eröffnungssitzung der Mandatskommission auffaßt, erklärte Dr. Weizmann: Ich kann zu dieser Erklärung vorläufig keine Stellung nehmen, ich muß aber die Gefühle anerkennen, von denen Dr. Shiels bei der Abfassung eines so schwierigen Dokumentes sich hat leiten lassen. Wir sehen mit Sorge, aber auch mit Vertrauen den Taten der Regierung, die dieser Erklärung folgen müssen, entgegen.