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Die Stimme · 1930-06-05 · Heft 129 (5.6.1930) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 129 (5.6.1930)
Date
1930-06-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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OfE STIMME Nr. 1*9 Seite 2 Das Weißbuch (w.) Das neu« Weißbuch der britischen Regierung, betreffend ihre Palästinapolitik, bildet den vorläufigen Abschluß der Katastrophenserie, die der Zionismus seit dem 23. August v. J. über sich ergehen lassen mußte. Dieses Dokument zieht politische Konsequenzen aus dem Berichte der parlamentarischen Untersuchungskommission, die die Ursachen der Auguetereignisse zu ergründen, hatte. Es soll loyal erweise nicht unerwähnt bleiben: in einigen Punkten gibt die Regierung zu, daß sie in der Verwaltung Fehler begangen hat und verspricht eine Besserung der Zustände^ So wird zugegeben, daß die militärischen Kräfte in Palästina zur Zeit der Unruhen ungenügend waren und versprochen, die Polizeikräfte zu verstärken und die isoliert liegenden jüdischen Kolonien mit versiegelten Waffenvorräten zu .versehen. Das ist aber fast alles, was zu unseren Gunsten auegelegt werden kann. Denn schon in der Schuldfrage fühlt sich die Regierung veranlaßt, einen der wahren Anstifter des Ueberfalles, den Großmufti von Jerusalem, in Schutz zu nehmen. Ebenso bemüht sich das Weißbuch, Jin der Angelegenheit der Klagemauer di« Ararber vollständig reinzuwaschen und obendrein auf jüdische Autoritäten ein gewisses Maß von •Schuld herabzuwälzen. All das sind aber Fragen minderen Range«. Das Hauptproblem des Weißbuches heißt: •Einwanderungspolitik und Bodengesetzgebung. Das sind auch die zwei Probleme, die die britische Regierung zur Entsendung Sir Simpsons als Spezialkommissär nach Palästina veranlaßt hatten. Merkwürdigerweise erscheint es der Regierung Macdonald nicht als notwendig, den Bericht ihres Beauftragten abzüwarten — im .Gegenteil: sie versucht im Weißbuch die Richtlinien seiner Untersuchung in einem für uns ungünstigen Sinne schon jetzt zu beeinflussen. Wenn auch die Wirrnisse englischer Kolonialpolitik den Redakteuren des Weißbuches keine offene Stellungnahme bezüglich der Einwanderung gestatteten, so ist doch der Geifet der Ausführungen keinesfalls zweideutig. Zwischen den Zeilen des Weißbuches kann man die Tendenz der gegenwärtigen Palästinapolitik-Großbritanniens herauslesen und die ist: möglichst weitgehende Einschränkung der jüdischen Aufbautätigkeit einerseits und der Hilfspflichten der Mandatarmacht andererseits. fege dienten, wird versucht, di« Mandatskommission des Völkerbundes zu überzeugen, daß den Arabern eine Bodenenteignung drohe. So nebenbei wird der Verdacht ausgesprochen, daß die Auswahl der Einwanderer nach Palästina durch die jüdische Arbeiterorganisation nicht korrekt vor sich ging. Es ist in diesem Zusammenhänge in schärfsten Worten die Stellungnahme des britischen Einwanderungsbeamten in Palästina, Mr. Hyamsons, zu brandmarken. Dieser Jude konnte es mit seinem Gewiesen vereinbaren und vor der parlamentarischen Untersuohungskommission auss&gen, es wären „hinsichtlich der politischen Einstellung der EihwanderungsanWärter von der Arbeiterorganisation Unterscheidungen geübt worden“. Diese falsche Information schädigte in großem Maße jüdische Interessen, indem eie als Basis für die Schlußfolgerungen der Untersuchungskommission diente und jetzt auch im Weißbuche gegen uns ausgespielt wird. Unergründlich wahrhaftig sind die Wege der englischen Politik und scheinbar haben sie mit dem primitivsten Gerechtigkeitssinn nicht viel Gemeinsames. Als im August vorigen Jahres ein barbarischer Ueberfall auf das jüdische .Palästina arrangiert wurde und die Palästinaregierung mit ver.^„wankten Annen züsah, erhofften wir mit Berechtigung eine Aenderung der britischen Politik zu unseren Gunsten oder wenigstens eine gerechte Strafe —nicht für die unmittelbaren verhetzten Täter, sondern für die wirklichen Drahtzieher dieser Ereignisse. Wir haben eine schwere Enttäuschung erlebt. Die Shaw-Kommission, die uns zu unserem Rechte verhelfen sollte, hat uns einen Dolchstoß versetzt'. Sie kümmerte sich wenig um den ihr auferlegten Kompetenzkreis, überschritt ihn in vielen Fällen und anstatt die Verbrecher als Verbrecher zu stempeln, hat sie dunklen Einflüssen ihr Ohr geneigt und für notwendig gefunden, die Frage der jüdischen Einwanderung und des Bodenerwerbes aufzurollen. In bezug auf die Einwanderung hat die britische Regiej^SI ^31 ä5S I I SS I== 1SSI || | Gobelins ,nt*d?o.ÄbÄttxe,r ■ jjj I HERZL-Gohelins j j erzeugt Atelier Zahradnik 1 Das Weißbuch ist kein klares Dokument, das Weißbuch ist ein diplomatisches Kunststück. Unbeteiligte, abseitsstehende Faktoren könnten durch sein Studium überzeugt werden, daß die britische Regierung tatsächlich vollen Ernstes daran geht, die Mandatsverpflichtungen zu erfüllen. Mit einer unverkennlichen Dosis von Heuchelei beklagt sich die Regierung, daß das Palästinamandat zweierlei Pflichten- England auf erlegt, daß die Balfour-Deklaration Interessengegensätze im Lande erzeugte, und daß die Mandatarmacht mit großen Schwierigkeiten im Lande zu kämpfen hat. Nichtsdestoweniger fühlt sich die britische Regierung verpflichtet, gerade jetzt und plötzlich ihr besonderes Augenmerk dem zweiten Teile der Balfour-Deklaration zuzuwenden, in dem von der negativen Pflicht der Mandatarmacht die Rede ist, und zwar von der Notwendigkeit, Maßregeln zu ergreif «n, daß die Rechte der ansäßigen Bevölkerung durch den Aufbau des jüdischen Natioaalheimes nicht geschädigt werden sollen. In bezug auf die Verwirklichung dieses zweiten Absatzes der Balfour-Deklaration ist die Regierung scheinbar bereit, alles, was in ihren Klärten liegt, zu tun und die ihr im ersten Teil der Deklaration auferlegten Pflichten rücksichtslos außer Acht zu lassen. Wenn auch hinsichtlich der Selbstverwaltung Palästinas offen die Unmöglichkeit der Einführung eines Parlamentes ausgesprochen wird, so ist dennoch die Art, in der die Probleme der Einwanderung und des Bodenerwerbes im Weißbuch erörtert werden, danach angetan, die zionistische Bewegung tödlich zu treffen. In gewundenen Sätzen, falsch ausgelegten Zitaten aus dem Shaw-Bericht, dem wieder falsche Aussagen unserer Feinde als Grundxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxaoc TreU der Utes im Cafe „illtes Rathaus“ (Cafetier Leo Löwy) Größere und klein« Klublokale 1# Bez., Wipplingerstrafie 24 Tel. U 27-4-84, U 20-2-74 ClOOOOOOCKXkOOOOQOOOOOOOOOOOCXXtPOOOOCXX» Wien, V., Anzengrübergasse Nr. 30 Telephort U-40-9-17 =^==31 l==sag= ■ HT l Hl! ■!]) rung mit geradezu unglaublicher Schnelligkeit gehandelt, indem sie kurzerhand die Zertifikate zurücknahm. Das . ist eine vorläufige Maßnahme, heißt es allgemein. Aber wir haben Grund zu glauben, daß ein nicht im Sinne dieser Verfügung des Kolonialamtes gehaltener Bericht Sir Simpsons der Zentralregiorung mit Rücksicht auf ihre indischen Schwierigkeiten nicht genehm wäre. Und zweifellos wird schon die britische Regierung ihre Beauftragten im uns feindlichen Sinne zu beeinflussen verstehen. Die gleichzeitige Aufroilung der Frage des Bodenerwerbes, das Geschrei von der "drohenden Enteignung der arabischen Landbevölkerung — jeder halbwegs objektive Mensch weiß, daß in Palästina ungeheure Bodenflächen brach liegen und daß die* 1 2 3 4 Juden den Boden nicht den armen Fellachen, sondern arabischen Großgrundbesitzern abkaufen — hat .wohl auch nichts anderes zum Zwecke, als eine mandatswidrige Störung der zionistischen Aufbautätigkeit herbeizuführen. Wenn es nicht tragisch wäre, müßt« es als paradox bezeichnet werden: Ein Ueberfall auf aas jüdische Palästina führt letzten Endes zur weitgehenden Schmälerung unserer Rechte und zum Versuche, dem Zioniemus den Todesstoß zu versetzen. WasdieEffendis unddie Großmuftis begannen, das will Maodonald vollenden. Wir. haben auf ein blau-weißes Buch gehofft, nun ist uns die Bescherung eines Weißbuches zuteil geworden. Unser Wille ist nach wie vor fest, unser Mut und unsere Opferbereitsohaft sind nicht geschwächt. Wir werden Palästina aufbauen —- auch allen Mächten dieser Welt zum Trotz. Aber das Weißbuch wird für ewige Zeiten ein schwarzes Blatt in Englands Geschichte bleiben . ooQQoocxxxxxxxx)ooooocxxxxxxxxx?oooooooo Von der (ftedaMian Infolge der Sehe wuoth-Feiertage ist die vorliegende Nummer der „Stimme“ bloß acht Seiten stark , OOOPOOOOOOPOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO EYCELSIOR Inhaber RICHARD HERZÖO I.„ Adlergasse B Tel. R-28-4-90 COLUMBIA-MODELL 100 DAS BESTE n dem Billigsten PREISE $138.- Größe 82X217* cm Höhe 14 cm Neue verbesserte Columbia -Döse 15 b Sitzung der politischen Kommission der Jewtsft Agency am 23. Juni in London. London, 30. Mal. (J. T. A.) Die Exekutive der Jewish Agency hat gemeinsam mit dem Vorsitzenden der politischen Kommission der Agency, Lord Melchett, eine außerordentliche Sitzung des Ständigen Subkomitees für politische Angelegenheit der. Jewish Agency für Montag, den 23. Juni, nach London einberufen. In dieser Sitzung werden alle im Zusammenhang mit der politischen Lage in der zionistischen Bewegung stehenden Fragen zur Erörterung gelangen. Der politischen Kommission gehören an Lord Melchett als. Vorsitzender, Dr. Cyrus. Adler al$ Vize* vorsitzender, ferner Dr. Chaim Arlosoroff, Ben Gurion, Kurt Blumenfeld, Abg. Farbstein, Dr. Berthold Feiwel, Dr. Nahura Goldmann, Dr. Leo Motzkin. M. M. Ussischkin, Ben Zwi, Robert Pollak, Doktor W. Fildermahn, d’Avigdor Goldsmid, Baron D. Mär nasse, Major Nathan, James . N. Rosenberg und Oscar Wassermann. Wie die J. T. Ä. erfährt, soll auf dieser Tagung der politischen Kommission der Jewish Agency die Frage der baldigen Einberufung des Zionistenkongresses zur Be» ratung kommen. Die Zionistische Exekutive wird bis dahiri einen endgültigen Beschluß über die KongreßeinberufÜng nicht, fassen. Die allgemeinen Zionisten Palästinas fordern dte Einberufung des Zionistenkongresses. — Scharte Stellungnahme gegen Birfth Schalöm. Jerusalem, 31. Mai. (J. T. A.) Die in‘Tel Aviv stattgefundene außerordentliche Konferenz der Allgemeinen Zionisten Palästinas, der von der Exekutive der Zionistischen Organisation Colonel Kisch1 und Rabbi Meir Berlin beiwohnten, faßte die folgenden Beschlüsse: 1. Ein außerordentlicher Zionistenkongreß und der Council der Jewish Agency sind sofort einzuberufen. 2. der. politische Apparat in Jerusalem, London und Genf ist zii verstärken. 3. die Anhänger de* Brüh Schalom und der Zionistischen Exekutive und. in der Exekutive der Jewish Agency sind zum Rücktritt zu veranlassen, die, dem Brith Schalom angehörenden Beamten sind zu entlassen, weit die Brith Schalom-Tätigkeit die nationale Disziplin verletzt. 4. Das Kongreßgericht ist einzuberufen, um eine Entscheidung über deri Ausschluß der Brith Schalom-Anhänger aus der Zionistischen Organisation zu treffen. ' Die Konferenz hat von sich aus beschlossen, alle Anhänger des Brith Schalom ausnahmslos aus der palästinensischen Organisation der Allgemeinen Zionisten auszuschließen. Sitzung des Rates der Histadruth Jerusalem. (J. T. A.) Bei Eröffnung dei siebenten Session des Rates der jüdischen Arbeiterföderatiön (Histadruth), die in Tel Aviv stattfindet, hielt Ben Gurion eine Ansprache, in der er ausführte: In dem Augenblick, in welchem der Versuch gemacht wird, die Einwanderung nach Palästina einzustellen, ist es unsere erste Pflicht, darauf zu sehen, daß es im Lahde keinen einzigen Arbeitslosen geben soll. Der Rat von Histadruth . befaßte sich ln seiner Sitzung u. a. auch mit dem Konflikt zwischen Angehörigen der Histadruth und den jüdischen Kolonisten von Klar Saba Im Zusammenhang mit der Beschäftigung von beim Arbeitsamt nicht registrier* ten Mitgliedern des Brith Trumpeldor.

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