Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 129 (5.6.1930)
- Date
- 1930-06-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Vit It ■ «• pnit 3S GroschM Abonaamentprolsa: Für Oaslarreiohl Mooatl. S 1.50, riertclj. s 4.20, g&oxj. 8 16.— / Dan befand: Mooatl. Ooldmark l.—a rjerlelj. Ooldmark 8.— / Tschachoalayrakal: Monatlich Ke 7.—, rier^U- Kc 19.- I Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—. ▼lcrtelj&hrHch Dinar 40,— / Jtidisdke Zeitung Crsdieiiil |e«Xen Donmersrfcafll {/kaia&tion uvtMi Administration: “Wimm, I., iftawatkcn&tetnfasse I — gefepfton Jl 2g»3»a* I Polen: Monatl. Zloty 2.30, viertelj. Zltoy /.-*j I Ungarn) Monatl. PcngB 1.50, vlertelj. Peogf 4 so / Rumänien: Monatl. Lgl 45.—, vlertelj.? Lei / Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—, vlertelj. Leyn 80.— Belgien: Monatl. Belga 2.—, vlertelj. Belga 6.— I Uobriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1JB0 3. Jahrgang Wiimll Ijlil 11 i>..OiSl.|,|li Wien, Donnerstag, 5. Juni 1930 (9. Siwaii 5690) *mm im ' ..ui. n .. |, ,, M i uiH" ... . ' ..... |>M 11,11» .1 lim I. ... i-im vi .fr. Nummer 129 1 .;v Eine Erklärung des englischen Regierungsvertreters Tn der Mandatskommission Gönf, 3, Jutii. In der heutigen ersten Sitzung der außerordentlichen Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes gab der englische Unterstaatssekretäriin Kolonialamt Thiels eine längere Erklärung über die englische Politik in Palästina ab, die im Wortlaut veröffentlicht wurde. Nach dieser Erklärung beruhe die Erregung in jüdischen und in philozionistigjchen 'Kreisen über das angebliche Rinwanderaiigsverbot für Juden nach Palästina auf einem Mißverständnis Es handle sich nur um vorübergehende' MaßnsJ^ die in keiner Weise der englischen Politik vorgreifen sollen. Die Aufgabe, die der englischen Regierung mit dem Mandat übertragen wurde, sei doppelter Art: nicht nur in Palästina eine Heimstätte für das jüdische Volk zu errichten, sondern auch gleiclizeitig' die bürgerlichen und religiösen (Rechte jder nicht jüdischen Gemeinschaften zu wahren. Diese J beiden Aufgaben seien seh? wohL mJt-1 einander vereinbar. Der englische Regierungsvertreter stellte dann die Verteile fest, die gams Palästina, durch den bemerkenswerten Unternehmungsgeist und die Ergebenheit der jüdischenBevölkerung gehabt hat-; Die. englischen Maßnahmeii dürften. jeden- fälls niemals so. ausgeiegt werden, als ob England die erhabenen Ideale, von dem die jüdij $chen Bestrebungen in Palästina ausgeb^n, nicht zu würdigen wüßte. Wir habe» die Hoffnung' und die feste Absicht, so ’< schloß Shiels seine Erklärung, die Mittel zu finden, um die beiden alten Zivilisationen, die jüdische lind die arabische, nebeneinander zu entwickeln. Die britischen Vertreter: Shiels,, Lühe, Lloyd .Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt,! wird die briti- ,sche Regierung vor der Mandatskommission, dje am |3. Juni ihre den Fragen Palästinas gewidmete Session {beginnt, durch den UnterstaatssekretijLr für jdie Kolonien, Dr.DrummQnd Shiels, als ihrem Ha^pfb^vpHniachtigten i,vertreten sein. Ihm werden als.Gehilfen l}e;ig£geban der iCbefsekretär der Palästinaregierung VHl C.-Lukeund Herr Lloyd vom Kolonialamt, der al§ Sekretär der von {Sir Walter ßhaw geführten Palästin|Uiitersuchungs- .kommission fungiert hat. ” : Der Großmufti vom Generalsekretär d©e Völkerbundes empfangen! Genf. (j. T. A.) Der Großmufti von, Jerusalem, Haj jArnin el Husseini, wurde am 28. Mai fa Begleitung von jEl Jabri.und Emir Afalan, beide Mitglieder, des Syroi Palästinensischen Komitees, vom Geqeralsehretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, empfangen. Im Verlauf der Unterredung, die fast eine Stünde dauerte, legte der Großmufti den arabischen Standpunkt,?u den Palästinafragen *dar. Später besuchte der Qrbßmufti auch das Büro der Mändatssektion des Völkerbundes. Am i29. Mai begab sich der Großmufti nach Lausanne, wo jEmir Arslan lebt., Ip diesen Tagen begibt er sich über Marseille zurück nach Palästina. Der Genfer Besuch des iGroßmufti ejfaht im Zusammenhang mit der am 3. Juni {beginnenden Session der Mandatskommission, in der die '.Palästmafrage zur Behandlung kommt. Ein Kommunique der zionistischen Exekutive Palästinas; Cfas Weißbuch der britische»* Regierung beeinträchtigt die Freiheit der Untersuchung Simpson» Jerusalem, (J. T« A.) Die Zionistische Exekutive iPalästinas veröffentlicht ein Kommunique, in welchem, sie ihrer Überraschung über gewisse Ausführungen im: i Weißbuch der britischen Regierung, betreffend dfa britische Palästinapolitik Ausdruck gibt und feststelit, daß däs Weißbuch Hinweise auf Einwanderungs- und Bodenfragen in Palästina enthält, die dazu angetan sind, die Freiheit der von Sir John Hope Simpson geführten Untersuchungen zu beeinträchtigen und die aus der Untersuchung zu ziehenden Schlußfolgerungen zu beeinflussen. ,. In einem in der Palästinapresse veröffentlichten offenen Schreiben an die Regierung weist die palästinensisch-zionistische Exekutive die von der Shaw-Kommission aufgestellte Behauptung, daß die Auswahr von Einwanderern gemäß der Arbeiterschedule der jüdischen Arbeiterkonföderation anvertraut ist, mit Entschiedenheit zurück. Die Exekutive erklärt, daß die Behauptung des Haupteinwanderungsbeamten, es würden hinsichtlich der politischen Einstellung der Einwanderungsanwärter Unterscheidungen geübt, jeder Grundlage entbehrt; die Arbeit der Konföderation hat mit der Verteilung der Zertifikate an Einzelpersonen nichts zu tun,“ sondern die Zertifikate werden an die Palästinabüros in den verschiedenen Ländern versandt. Die palästinensische zionistische Exekutive protestiert mit allem Nachdruck gegen die von einem Beamten der Palästinaregierung an die Shaw-Kommission gegebene ungenaue Information über die Art, wie die palästinensisch-zionistische Exekutive sich einer ihrer wichtigsten Pflichten : entledigt. Nach Darlegung des bei Verteilung der Ein- Wandererzertifikate geübten Verfahrens erklärte die Exekutive, daß *db Haupteinwandefuiigsbeamte, -Herr. Hyamson, durch seine falschen Darlegungen gegenüber der Kommission die jüdischen Interessen sehr geschädigt hat, indem . die Untersuchungskommission' seine Information zur Basis ihrer Schlußfolgerungen gemacht hat. Die Exekutive möchte gerne wissen, heißt es zum Schluß des offenen Schreibens, welche Schritte die Palästinaregierung zu ergreifen gedenkt, um die Wirkung solcher falscher Beschuldigungen aufzüheben; die Exekutive hat kein Verständnis dafür, daß Herrn Hyamsons Aussagen in geschlossener Sitzung entgegengenommen wurden* ohne daß den jüdischen Autoritäten die Möglichkeit gegeben war, sich über Richtigkeit oder Unrichtigkeit der Aussagen zu äußern. Simpson in Palästina Was die Araber Simpson erzählen Eine Abordnung arabischer Effendis sprach bei Sir John Hope Simpson vor und erklärte ihm, daß bei dem heutigen System extensive^* Landwirtschaft eine fünfköpfige arabische Familie, mindestens 200 Dunam Boden brauche, ,so daß, wenn nicht intensive Methoden in Angriff genommen werden, bald Bodenknappheit in Palästina herrschen wird. Issa Elissa, Redakteur des «Falastin», hat Sir John Simpson während seiner Unterredung mit den arabischen Notabein mitgeteilt, daß es gegenwärtig in Jaffa 5000 und in Jerusalem 1600 arabische Arbeitslose gibt, daß in Palästina 11 Millionen Dunam Boden bebaut werden, von denen die Juden 9ÖÖ.000 Dunam kultivieren, so daß für jede arabische Bauernfamilie durchschnittlich 109 Dunam verbleiben, was etwa die Hälfte des für eine solche Familie notwendigen Bodens ausmacht. 20 Prozent der Fellachen seien landlos. Die arabischen NotabeJn vertraten gegenüber Simpson die Forderung nach sofortigem Verbot des Bodenkaufs an Nichtaraber und dje Einführung einer intensiven Bodenbearbeitung, mmmERsm-w K. ALSE&ST&. 6 die ärabische Familien in die. Lage versetzen würde, mit 20 bi$ 25 Dunam gut bewässerten Bodens auszükommen., ‘Dies, könnte "mit Hilfe einer zu schaffenden Landwiftschafisbahk .geschehen, die Darlehen auf zehnjährige Frist geben sollte. . Dje arabische Exekutive bat Selim FgJaji damit betfßiit, Sir. John Simpson au begleir j.hfa Jn.foipatjqwn, übet die ar^iscbe .Lhndr, Wirtschaft zu, geben, rr .Die arabische Exekutive .wi.i’d in einigen Jagen’, Sijnpsojfl ein Memorandum über $e Bodenfrage ‘überreichen. — Ani 25. Mai besuchte 4b John Beersheba ynd. traf dort, mit dem Scheich, Meid|p zusawen, der .sich,* der, ^haw-Kommission gegenüber, als Gegper jeder weiteren fElhwanderung..eTkläct ba-t. In^den Kreisen dep .Fe.ilachen macht pich tfnwÜfap. gegeii bemerkbar, daß die Effendis sich anmaßen, ihre Sache zu vertreten. —- Im Büro des Distriktskqmtpiissärs in Jaffa4 traf Sir John Hope Simpson mit afäbfacften Notabein zusammen, dfie ihm ihre Forderungen "auf <jen Gebieten der Landwirtschaft und der Politik upterbfaiteten. Sir.john erklärte, die 'Frage eines PariamCntes in Palästina,, wie überhaupt politische Angelegenheiten, gehöre nicht in sein Arbeitsgebiet Simpson besucht jüdische Industrieunternehmungen Sir John Hope Simpson besuchte in Begleitung du Vizebürgermeisters von Tel-Aviv Rokeach und. des Direktors ■ der Anglö-Palestine Bank Hoofien verschiedene Inäustrieunternehmungen in Tel-Aviv, so. u; a. di?. Stflkät-'- lind ‘Zementwerke, - die Lederfaschenfabrik Im Arbeiterviertel, die Druckerei des «Hapoel Hazair», die Strickfabriik Lodziahi die Rutenbergsche Kraftstation und eine neu gegründete Möbelfabrik., Daraufhin frühstückte Sir John Simpson in der Arbeiter-Köoperätiv- Milchwirtschaft «Tenuba». Er zeigte großes Interesse an dem Kreditwerk für Arbeiter-Häuserbau und äußerte Bewunderung für das große Verlagswesen in Palästina. Außer in Griechenland, sagte er, habe er nirgends ein solches Interesse für Bücher beobachtet wie unter ddu palästinensischen Juden. Er erbat sich ausführliche Einzelheiten über alle Industrien in Palästina. Die Revisionisten beteiligen sich nicht an Simpson? ‘ Arbeiten ln einem Schreiben an den Waad Leumi erklären die Führer der Revisionisten in Palästina, sie seien nicht in der Lage, die Untersuchungsarbeit von Sir Jöhn'Hope Simpson zu unterstützen; eine Zusammenarbeit Wäre' ihnen nur möglich auf der Basis der von Großbritannien übernommenen internationalen Verpflichtungen. Simp:’ sons Mission sei das Ergebnis der Empfehlungen der Shaw-Kommission, so daß für die Juden Anlaß besfaht, Simpsons Arbeit mit Mißtrauen zu beobachten. üWir hegen keinerlei Feindschaft gegen Sir John persönlich», heißt es in dem Schreiben, «wir würden ihn unter-anderen Umständen begeistert empfangen haben. .Wenn wir davon Abstand nehmen, an seiner Untersuchung teilzunehmen, möchten wir nur klar dartun, daß ,Sjr Johns Mission gegen die Fundamente des jüdischen Nationalheims gerichtet Ist.» 1 Die Klagemauerfrage Die Klagemauerkommission des Völkerbundes Ende Juni in Palästina Wie die J. T. A. erfährt, wird die von der englischen Regierung vorgeschlagene und vom Völkerbundrat bestätigte Kommission zur Festsetzung der jüdischen und der arabischen Rechte an der Klagemauer, die sich, aus den Herren Eliel Löfgren, Charles Barde und Van Kempen zusamme.nsefat, gegen Ende Juni in Jerusalem eintreffen, Pr> Adfab Yorsitzender des. yorcte^ Jewish Agsncy ernannten Klagemauerkomitees, der .das jüdische Material fürdte internationate-KommissiiOn bfr arbeitet, wird gleichzeitig mit der Kommisson nach Jerusalem kommen, Dem von Dr. Cyrus Adler gewähl- ‘ teh Komitee gehören mehrere bekannte Gelehrte und Rechtsanwälte hi Palästina an. V'