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Die Stimme · 1930-05-29 · Heft 128 (29.5.1930) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 128 (29.5.1930)
Date
1930-05-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 128 Seife 7 nrr dat erwachsenden Verpflichtungen hinsichtlich der Förderung der jüdischen Einwanderung nach Palästina steht und Anlaß zu ernsten Besorgnissen für die Weiterung dieser lebenswichtigen Grundlage des jüdischen Aufbauwerkes gibt!» Alle polnischen zionistischen Organisationen vereinigen sich :zum Protest gegen die Beschränkung der Einwanderung nach Palästina Warschau, 20. Mai. (J. T.-A.) In einer gemeinsamen Sitzung der polnischen Mitglieder des Aktionskomitees und ,der Mitglieder des Zentralkomitees der Zionisten in Ost- ‘ und Wesrf-galizien wurde beschlossen, an die Zionistische ^üxekuthft in London das folgende Telegramm zu senden: Die Mitglieder des A. C. In Polen und die Zentralkomitees der Zionisten in Ost- und WestgaiHzien, be* r*4irt von der Erregung, die sich der jüdischen Massen infolge der Vergewaltigung uns zuerkannter Rechte infolge der letzten politischen Handlungen und besonders •der Immigrationsverordnungen bemächtigt hat, haben beschlossen, einen gemeinsamen Aufruf an die polnischen Juden zu richten und im ganzen Lande Manifestationen nnd Protestversammlungen abzuhalten, die Protestresolutionen an den Völkerbund und die englische Regierung senden werden. Unterschrieben sind J. Grünbaum, H. Farbstein, Leon Levite, Dr. E. Schmorak, Dr. J. Schwarzbart, A. Dobkin. Gemäß diesem Beschluß haben die Mitglieder des A. C. »n Polen, die Zentralkomitees der Zionisten in Kongreßpolen, Ost- und Westgalizien, Polnisch-Schlesien, das Zentralkomitee des Misrachi in Polen, Ost- und Westgalizien, das Zentralkomitee der Arbeitspartei Hitachduth, das Zentralkomitee der jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion, das Zentralkomitee des Hechaluz in Polen gemeinsam einen Protestaufruf an alle Zionisten und Juden Polens ge* sichtet Eine Resolution der Zionisten-Organisation Amerikas dem Staatsdepartement übermittelt N e w York. (J. T.-A.) Das Administrative Committee iier Zionistischen Organisation Amerikas übermittelte dem Staatsdepartement in Washington zwecks Weitergabe an den britischen Botschafter eine Resolution, in der ausgeführt wird, daß ette Suspendierung der Einwanderung in Palästina als eine Prämie auf Entfaphung weiterer Unruhen im Lande aufgefaßt werden könne; die Verordnung des Kolonialamtes wird in der Resolution alp eine unverantwortliche Einmischung in die ordnungsgemäße Anwendung der Einwanderungsvorschriften in Palästina charakterisiert. Der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas i .'Louis Lipsky, veröffentlicht ein Statement, in welchem er die Suspendierung der Einwanderung als eine unverantwortliche Verletzung des Palästina-Mandats bezeichnet und erklärt, daß die Zionisten nahe daran seien, ihr in die britische Regierung gesetztes Vertrauen zu verlieren. Der einzige Weg für England, das erschütterte Vertrauen von Millionen Juden zurückzugewinnen, wäre eine Verordnung, daß die Tore Palästinas sofort den Juden geöffnet werden. Protest der Zionisten Frankreichs Paris. (J. T.-A.) Alle zionistischen Vereinigungen ln Paris haben sich zusammengetan, um ihrer Entrüstung über die Verletzung der feierlichen Verpflichtungen, die England gegenüber dem jüdischen Volke übernommen hat, Ausdruck zu geben. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der gesagt wird, daß die Suspendierung der Chaluz-Zertifikate eine Erfüllung des Mandates hinsichtlich der Errichtung des Jüdischen Nationalheimes unmöglich macht und daß England somit das von allen Nationen ihm anvertraute Mandat verletzt. Protestbewegung in Litauen Kowno. (J. T.-A.) Die Beschränkung der Chaluz- Alijah durch die britische Regierung hat die Juden heit Litauens in große Erregung versetzt, ln Kowno und in den Provinzstädten wurden Protestversammlungen abgehalten, an denen sich tausende Juden beteiligten. Die zionistische Presse tritt für die Einberufung des Zionistenkongresses ein, In Kanada Das Zionistische Landeskomitee Kanadas hielt Donnerstag, 22. d., ln Montreal eine Sitzung ab und beschloß, in ganz Kanada eine Protestbewegung gegen das Verbot der Chaluz-Einwanderung in Palästina zu organisieren. Ein Appell des Keren Hajessod Jerusalem, 23. Mai. (J. T. A.) Das Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem erließ einen von Dr. Arthur Hantke und Leib Jaffe Unterzeichneten Appell an die Keren-Hajessod-Komitees und an alle Mitarbeiter des Keren Hajessod, in welchem es heißt; Eine schwere Stunde machen wir jetzt durch, Das jüdische Volk, Erez Israel und die Diaspora sind in ihren tiefsten Tiefen erschüttert und empört. Die die Einwanderung verbietende Verordnung" bedroht den Lebensnerv der jüdischen Bewegung, Pas jüdische Volk überall in der Welt hat bereits seinem Proteste und seinen Forderungen Ausdruck gegeben. Das ist aber nicht genug, Die Welt soll erfahren, daß wir nicht einen Augenblick daran denken, in unserem Werke des Wiederaufbaues Erez Israels innezuhalten. mmm rs/Ssfi itrtWt, * mm Unter allen Umständen und allen Schwierigkeiten zum Trotz führen wir dieses Werk fort. Mehr als je ist es jetzt unsere Pflicht, der Welt zu zeigen, was Erez Irael unserem Volke bedeutet. Nicht einen Augenblick werden wir unsere Arbeit unterbrechen. Mit erhöhter Hingabe und verdoppelter Energie gehen wir an die Arbeit für den Keren Hajessod heran; es gilt die Welt davon zu überzeugen, daß das jüdische Volk nicht erlahmt, daß keine Macht auf Erden unsere Hoffnungen und unsere Bestrebungen vernichten kann. Nichts wird unsere Arbeit am Wiederaufbau unsere Landes und seines Schicksals aufhaltep. Möge jeder auf seinem Posten stehen und seine Arbeit tun. Mögen unsere Taten unserem Proteste Kraft verleihen. Auch diese Stunde des Schmerzes wird Vorbeigehen. Der Keren Hajessod aber, der die Einwanderung und Landesansiedlung finanziert, muß stets tatbereit dastehen. Die pro-palästinenoische amerikanische Arbeiterschaft an MacDonald New York, 22. Mai, (J. T. A.) Das National Labour Committee for Palestine und die amerikanische Landesorpjanisation der Poale Zion sandten an den Premierminister Ramsay MacPonald in seiner Eigenschaft auch als Führer der britischen Arbeiterpartei das folgende Telegramm: Tief bestürzt durch die Suspendierung der Einwanderung nach Palästina, die ein schwerer wirtschaftlicher Schlag und eine politische Demütigung S TO3 Aufsicht Rabb. Luzern ciiwnz cnals/Tarasg llolcl fidoria mmmmmm— n wi »■ in»na iimMiiTini! m i'i'imiiiiiiiiiiiiIihii m h hi ■» 1.1 ■ min w■ »iihm Höhenluft, ersfcklas?. Familienhotel, moderner Komfort, fließendes Wasser, Freiluftgymnastik im eigenen Park, Im Juni bedeutend ermäßigte Preise, A. Keinpler, Prop. [■SePI für die Judenheit ist, erbitten wir dringend Ihre persönliche und sofortige Intervention. Weltverband Poale Zion interveniert bei der Labour Party London, 22. Mai. (J. T. A.) Das politische Büro des Weltverbandes Poale Zion hat bei den führenden Instanzen der Labour Party durch persönlich Vorstellungen und Ueberreichung eines Memorandums interveniert. Die Führer der Poale Zion haben den Eindruck bekommen, daß die maßgebenden Instanzen der Labour Party mit Aufrichtigkeit und Ernst an die Prüfung der Forderungen der Poale Zion herangehen. Imposante Protestkundgebung des Wiener Judentums w. Wir haben in unserer letzten Nummer aus technischen Gründen nur einen Teil des Berichtes über die große Protestkundgebung des Wiener Judentums gegen die Einwanderungssperre und zwar die Rede des Präsidenten der zionistischen Landesverbände für Oesterreich, Herrn Dr, Jakob Ehrlich veröffentlichen können, Im nachstehenden bringen wir die Reden der Herren Oberbaurat Stricker, Dr. Pollak, Galili und Dr. Tartakower. Nach der Rede des Herrn Dr. Ehrlich ergriff das Wort Herr Oberbaurat Robert Stricker (radikaler Zionist), der ausführte, daß MacDonald einen vierfachen Wortbruch begangen hat. Er hat sein eigenes Wort, das Wort des Völkerbundes, Großbritanniens und der Labour Party gebrochen. Der Redner warnt vor der Verdächtigung, daß ganz England treubrüchig geworden ist. England kann leicht die Sympathien eines 15-MilIionen-Volkes verlieren. Wir werden über den Mann der blassen Furcht, über MacDonald hinweg, den Weg zum Völkerbund, zum englischen Volk und zu der Labour Party finden, (Beifall,) Als Vertreter der Revisionisten sprach Herr Dr. Karl Pollak, der über die Hebung der wirtschaftlichen Lage im Lande durch jüdische Arbeit erzählte. Die Aufbautätigkeit komme zweifellos auch Arabern in großem Maße zugute. Es sei eine Lüge, daß wir den Arabern in Palästina schaden, Wir verlangen eine große Einwanderung und ein fair play von England. (Beifall.) Unter brausendem Beifall der Versammelten ergriff dann das Wort ein Vertreter der palästinensischen Arbeiterschaft Galili (spricht hebräisch).1 Es ist uns heute hier kein freudiges Ereignis, kein Zionistenkongreß wie vor fünf Jahren, zusamniengefiihrt. Es ist die fürchterliche Botschaft von der Einwanderungssperre, die uns hier versammelte. Diese Botschaft fiel auf uns wie ein Blitz von klarem Himmel, gerade im Momente der neuen großen Hoffnungen, im Momente, wo man im Lande allgemein glaubt, daß die Zeit gekommen ist, um unsere Arbeit auszubauen. In solchem Momente wird vor allem der Ruf nach der Aliah laut. Und nicht nur der palästinensische Jischuw, das ganze jüdische Volle in den Ländern der Zerstreuung verlangte die Aliah, wartete auf sie, verknüpfte sie mit vielen neuen Hoffnungen. In den letzten Jahren hatten wir Glück und Erfolg in unserer Arbeit. Das jüdische Palästina wuchs, die Gemeinschaft der hebräischen Arbeiter breitete sich aus und jetzt wäre der Moment gewesen, daß wir den großen Sprung machen, doch gerade jetzt wurde in London der fürchterliche Ukas herausgegeben. Nicht ein Zufall ist es, denn die Aliah, die jetzt vor sich gehen könnte, wäre von. besonderer Wichtigkeit, Aber das haben unsere Feinde gewußt und haben ihre ganze Feindschaft gegen diese Aliah gewendet. So muß auch aus diesem Saale das energische Verlangen ertönen: Das jüdische Volk will leben, will frei sein, das jüdische Volk verlangt freie Einwanderung nach Palästina. Ebnet uns der; Weg dazu, wir wollen im Lande in Frieden arbeiten (brausender Beifall). Als Vertreter der Hitachduth sprach Dr. Chaim Tartakower, der folgendes ausführte: Es geht diesmal nicht bloß um 3000 Zertifikate, sondern um viel mehr. Wir haben der Welt bewiesen, daß wir etwas leisten können. Man hat es früher nicht glauben wollen und nur dank der großen Aufopferung unserer Chaluzhn gelang es uns, das Aufbauwerk im Lande in den Zustand zu bringen, daß wir jetzt mit Berechtigung glauben könnten: das Werk wird gelingen. Und dies vernehmen mit Schrecken auch alle unsere Feinde. Sie organisieren sich gegen uns und tun alles Mögliche, um unsere Arbeit aufzuhalten und zunichte zu machen. Die Sperre richtet sich nur gegen C h a 1 u z i m, Unsere Feinde wissen, daß für sie die Gefahr in der Einwanderung des chaluzischeu Elementes liegt. Sie wissen, daß diese jungen Menschen, die alle Brücken hinter sich verbrennen, die zu den größten Opfern bereit sind, die hebräisch sprechen, die mit dem Lande auf Tod und Leben verknüpft sind, den größten Wert für unser Werk in Palästina bedeuten. Aber unsere Feinde täuschen sich, wenn sie glauben, daß sie uns werden besiegen können: Es gibt für das jüdische Volk kein zurück (Beifall), die Welt wird zur Ruhe kommen, solange wir nicht frei sind (stürmischer Beifallv. Protestkundgebung des Linkskartells und der Hitachduth Im überfüllten Saale des Alten Rathauses fand am 27. Mal abends eine gemeinsame Protestkundgebung des Linkskartells der Poale Zion und der Hitachduth statt, wobei den Vorsitz Herr Saul W e i n r e b und Dr. B e r n a y führten. Der Vorsitzende Herr Saul Weinreb hob in seiner Eröffnungsrede die beschämende Tatsache hervor, die darin gelegen ist, daß gerade eine Arbeiterregierung den traurigen Mut aufbrachte, gegen die Arbeitereinwanderung aufzutreten. Dadurch stellte sie sich auf die Seite der Muftis und Effei is und nicht auf die Seite derjenigen, die durch das Prinzip der Arbeit auch in die Kreise der arabischen Arbeiter Wohlstand und Klassenbewußtsein hheinbringen. Auch alle anderen Redner, Dr. M. S t e i nberg, Galili, Feniger und der Führer der Poale Zion, Mendel Singer, geißelten in schärfsten Worten das Vorgehen der englischen Regierung. Herr Mendel Singer brandmarkte besonders die Stellungnahme der englischen Arbeiterpartei gegen uns, die er als einen Verrat am Prinzip der Solidarität der Arbeiterschaft der ganzen Welt bezeichnete, da durch das Verbot in erster Linie die jüdische Arbeiterschaft getroffen wurde. Der Vorsitzende verlas dann eine scharfe Protestresolution, die u n t e r s t ii r misch e n Beifallskundgebungen angenommen wurde. Erhebend bei dieser Versammlung war der Massenandrang der Jugend. i

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