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Die Stimme · 1930-05-29 · Heft 128 (29.5.1930) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 128 (29.5.1930)
Date
1930-05-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME Nr. 123 Seit« 6 Die jüdisch-amerikanische Presse kritisiert scharf die Mandatarmacht Die jüdische Preise in den Vereinigten Staaten greift «ehr scharf die b ri tisc h«rA rb e i terregierting an, weil diese die Suspendierung der Chaluz-Scheduie aus politischen Erwägungen verfügt und damit sich eines Verstoßes gegen die Bestimmungen d£s Mandats schuldig gemacht hat. «Jewish Morningjournal» schreibt: Als der Bericht der Shaw-Kommission erschien und es sich herausstellte, daß die Kommission ihre Befugnisse überschritt, trösteten wir uns mit dem Gedanken, daß die Regierung nicht verpflichtet ist, auf ihre in schlechtem Glauben dargelegten Ansichten zu hören. Jetzt trifft uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Nachricht über die Sperrung der Tore Palästinas gegen Juden, die auf Grund eben jener böswilligen Meinungen geschieht. Die britische Regierung traut anscheinend den Empfehlungen ihres eigenen High Commlsskmer hinsichtlich der Einwanderung nicht Die Zeitung *Da y» (To g) schreibt: Eines bleibt uns zu tun übrig: Wenn jemand, der einen Schuldschein ausstellte, bankrott wird, so werden diejenigen, die den Schuldschein girierten, als verantwortlich lierangezogen. Die ganze Welt gab uns das Versprechen, daß der Schuldschein eingelöst werden wird. Mehr als ein halbes Hundert Völker Unterzeichneten die Balfour-Deklaration und das Palästina- Mandat. Wenn nun England sich für bankrott erklärt, wenn England diesen Schuldschein zu einem wertlosen Fetzen Papier macht, so Ist es nun an den Völkern, zu fordern, daß England sein Wort hake. ^ir glauben, daß die Völker sich auf unsere Seite stellen werden. Die Suspendierung der neuen Schedule hat ln der ge* samten amerikanischen Oeffentlichkelt großes Aufsehen erregt. Fast alle amerikanischen (nichtjüdischen) Zeitungen bringen die Nachricht über die Suspendierung der Chaluz- Einwanderung auf der ersten Seite, Eid aufsehenerregender Artikel des «Manchester Guardian» Der Londoner Korrespondent des «Manchester Guardian» schreibt: Bereits bewilligte Einwanderungszertifikate sind zurückgezogen, der Bodenverkauf an jüdische Siedler ist unterbunden worden bis zu der Zeit, in der Sir John Hope Simpson seinen Bericht erstattet haben wird, Dia neue Krisis trifft schwer das Prestige von Dr, Weizmann. Dr. Weizmann hat alles auf seine Loyalität gegenüber der englischen Regierung gesetzt, auf Hunderten von Rednertribünen hat er sie mit großem Risiko für sich kraftvoll gegen die Revisionisten verteidigt. Seine Position wird nun rapide unhaltbar, ich hörte sogar Andeutungen über seinen bevorstehenden Rücktritt von der Leitung der Zionistischen Organisation. Ich hoffe, daß sich dieses Gerücht al3 falsch erweisen wird, aber es scheint nicht ohne Grundlage zu sein. Es ist schwer, sich die Zionistische Organisation ohne Dr. Weizmann an ihrer Spitze vorzustellen, denn die ganze Bewegung in ihrer heutigen Form ist seine Schöpfung, Unter jedem anderen Führer würde diese Internationale Organisation England gegenüber weit weniger freundlich sein. «Manchester Guardian» fügt dieser Mitteilung den folgenden Kommentar hinzu: Kaum ist der Irland-Krebs in unseren internationalen Beziehungen geheilt, so hat Macdonalds Unentschlossenheit eine noch schlimmere Krisis, in den Beziehungen zur Judenheit, heraufbeschworen. Ohne Einwanderung kein jüdisches Natlonalheim Die «Jüdische Rundschau» schreibt: Am 12. Mai wurden in Jerusalem die Zertifikate erteilt. Am 13. Mai sind in London die Verhandlungen zwischen der englischen Regierung und der arabischen Delegation abgebrochen worden, Am 14. Mai telegraphierte das Kolonialamt nach Jerusalem die Weisung, die bereits erteilten Zertifikate bis auf weiteres zurUckzuziehen. Die englische Regierung hat alBO nach dem Scheitern der Verhandlungen eine der arabischen Hauptforderungen von sich aus bewilligt. Und nun «erwägt» die Palästina-Regierung auch noch eine provisorische Verordnung in der Bodenfrage bis zum Bericht Sir John Simpsons. Beides widerspricht zweifellos dem Mandat. Einwanderung und Boden sind die unerläßlichen Voraussetzungen des Jüdischen Nationalheims. Die beteiligten Instanzen müßten verstehen, daß auch den Nerven des überall in schwerster Mühe um seine Existenz kämpfenden jüdischen Volkes nlch Unmögliches zugemutet werden darf. Die Stellungnahme der Prager «Selbstwehr» Die «Selbstwehr» versucht merkwürdigerweise die Bedeutung der letzten Maßnahme des Kolonlaiamtes abzuschwächen unter dem Hinweis, daß sie bloß eine vorübergehende ist. Im Prinzip — meint die «Selbstwehr» — hat der jüdische Standpunkt gesiegt, da die maxlmalistischen Forderungen der Londoner arabischen Delegation abgewiesen worden sind. Das Blatt versucht, der englischen Politik in bezug auf Palästina Verständnis entgegenzubringen: Mit jedem neuen ßchrltt der Entwicklung wird uns Englands Politik deutlicher. Wir beurteilen sie im allgemeinen viel zu kompliziert; sie ist unerhört einfach! England sucht den Weg, der zwischen dem arabischen und dem jüdischen Druck hindurchfuhrt; und es sucht diesen Weg empirisch: es weicht dem stärkeren Druck und probiert aus, wie weit der Gegendruck nachgibt; so ergibt sich dann ein Weg, der wohl einen Zickzack*CIiarakter hat, aber doch schließlich zum Endziel führen kann, Palästina zu behalten, ohne sich die Araber zu verfeinden. Ist diese Erkenntnis richtig, so geht daraus hervor, daß wir in diesem Kampfe alle unsere Kräfte zusammennehmen und gerade in diesem akuten Moment alle unsere politischen Hilfsmittel mobilisieren müssen: die Gerechtigkeit unserer Sache, das Gewissen der Welt, die Autorität des Völkerbundes, die Ehre Englands, die moralischen und materiellen Kräfte der Juden der ganzen Welt, den deutlichen Willen des jüdischen Volkes. Wir wollen Palästina atifbatten und wir wollen Palästina unter englischer Mandatsherrschaft aufbauen; aber nur als jüdische Heimstätte; und dies Ist nur möglich, wenn unsere ChaJuzim einwandern können, sobald aas Land Ihrer bedarf. mmmmmmmm i 11 ■■uw.» 11 ■■ i .mm LilJL.O»wi9WWBBg»gPa Proteststurm in aller Welt Das jüdische Volk in allen Ländern der Welt erhebt energischen Einspruch gegen die uncr* hörte Maßnahme des Kolonialamtes Der Verlauf des Proteststreikes in Palästina Eine Proklamation der Jerusalemer jüdischen Gemeinde Jerusalem, 23. Mai. (J. T. A.) Aus Anlaß des Generalstreiks der palästinensischen Judenheit zum Protest gegen die Suspendierung der Chaluz- Scheduie erließ die Jerusalemer jüdische Gemeinde (Waad Hair) eine Kundgebung, in der es heißt: «Die heutige Arbeitsruhe soll der zivilisierten Welt gegenüber unseren Schmerz über die uns zuteil gewordene Demütigung zum Ausdruck bringen; sie soll auch das Signal dazu geben, die Kräfte unseres Volkes zu mobilisieren und unsere friedlichen Bemühungen in der Abwehr der Verletzung der elementaren Rechte des jüdischen Volkes, nach Palästina zu kommen, zu verdoppeln.» Das Hauptbüro des Waad Leumi verbreitete in arabischer Sprache ein Zirkular, in welchem die arabische Oeffentlichkeit über die friedlichen Absichten der Arbeitseinstellung aufgeklärt wird. Die palästinensischen Rabbiner, auch die der Agudas Jisroel angehörenden, haben für Sonntag, dem Vor-Neumondstag (Erew Rosch-chodesch) das SIEGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A 17-3-99 u. A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten ien unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Aulozusleliung kostenlos IX, Berggasse 1*» XVIII, Währingerstraße 97 Sprechen von Gebeten während des Gottesdienstes für Aufhebung der Einwanderungseinschränkung angeordnet. Den einzigen Mißton am Streiktage brachten in Flugzetteln verbreitete Aufrufe der palästinensischen kommunistischen Partei, die in jiddischer Sprache abgefaßt waren, und in denen es hieß: «Wir begrüßen den Arbeiterstreik,'der nicht ein Protest gegen das Verbot der zionistischen Einwanderung sein soll, sondern ein Zeichen revolutionärer Erhebung von hunderten Millionen Kolonialsklaven.» Eine Abordnung des Waad Leumi, bestehend aus dem Arbeiterführer J. Ben Zwi, dem Präsidenten der Jerusalemer jüdischen Gemeinde Joseph Meyuchas, dem früheren Präsidenten des Waad Leumi Dr. David Yellin, dem Bürgermeister von*Te! Aviv Mayer Dizengoff, und Rabbi Ostrowski, besuchte am 22. Mai, dem Protesttage der palästinensischen Judenheit, den High Commissioner Sir John Chancellor, und überreichte ihm einen formalen Protest gegen die Zurückziehung der neuen Einwanderer- Schedule. Die Abordnung forderte eine neue Erwägung der Suspendierungs-Verordnung; auch forderte sie, daß von jetzt ab keine auf politischen Erwägungen basierende Einschränkung der freien Einwanderung von Juden nach Palästina Platz greifen solle. Die vom Waad Leumi ausgegebene Streikparole lautete bekanntlich für die Zeit von 12 Uhr mittags bis zum Abend des 22. Mai. Pünktlich 12 Uhr mittags wijrde in allen Büros und auf allen Arbeitsstätten die Arbeit niedergelegt und die Läden wurden geschlossen. Auch die auf jüdischen Grundstücken beschäftigten arabischen Arbeiter und Angestellten legten die Arbeit nieder. Bald waren die Straßen Jerusalems gedrängt voll von den in ihre Heime sich begebenden Massen der Juden und Araber. Ueber der Stadt kreisten mehrere Aeroplane. Die Agudisten, die anfangs die Parole ausgegeben halten, der Streikproklamation des Waad Leumi nicht Folge zu leisten, haben am Tage des Streiks beschlossen, ihre Anhänger aufzufordern, sich dem Generalstreik anzuschließen. Ueber den Aufrufen, nicht zu streiken, wurden rasch neue Aufrufe geklebt, in denen die gesetzestreue Judenheit aufgefordert wird, von 12 Uhr mittags bis abends zu feiern. Das Telegramm des Waad Leumi an die Großgemeinden Das Telegramm, das der Waad Leumi in Palästina am 22, Mai, dem Tage des Proteststreiks der palästinensischen Judenheft, an die Großgemeinden in Europa gesandt hat, lautet: Der Proteststreik gegen die Einwanderung verbietende Verordnung umfaßt alle Schichten und Strömungen des Jischuw. Genau 12 Uhr mittags wurden die Arbeit und der gesamte Verkehr in Jerusalem und in allen Städten und Kolonien eingestellt. Zehntausend^ Streikende bewegen sich ruhig und in Ordnung durch die Straßen in ihre Heime. Der Ausdruck des Protestes seitens des Jischow ist vollkommen, seine Forderungen sind scharfumrissen. Das Judentum Erez Israel ist dessen gewiß, daß das Judentum ln der ganzen Welt sieh mit ihm in dem Proteste und in der Vertretung seiner Forderung nach Abschaffung der die Einwanderung verbietenden Verordnung vereinigen wird. Der jüdische Sejm-Klub In Polen an das älteste Parlament der Welt (Eigenbericht der „Stimme“) Warschau, 20. Mai. Der Jüdische Sejmklub hat heute einen energischen Protest gegen die Sistierung der Einwanderung nach Palästina an das englische Unterhaus und Oberhaus gerichtet. Abschriften dieses Protestes wurden auch den Führern der britischen Parteien in London, der Zionistischen Exekutive und dem Waad Leumi in Palästina zugeschiekt. In dem Schreiben erhebt der jüdische Sojmklub, als die pariamen tarische Repräsentation von 3 Millionen Juden in Polen, Einspruch gegen die Maßnahme der britischen Regierung über die Sperre der Einwanderung, führt darüber Klage, daß England entgegen seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen die jüdische Aufbaulütigkeit im Lande im Laufe der letzten zehn Jahre nicht nur nicht förderte, sondern auch hinderte, und verlangt sofortige Aufhebung der Verfügung Uber die Eiuwandcrungssj stier ung. Die Resolution des Landesvorstandes der Z. V. f. D, dem britischen Botschafter überreicht Berlin. (J. T. A.) Der Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat dem britischen Botschafter in Berlin mit der Bitte um Welterleltung an die englische Regierung eine Resolution überreicht, in der Protest erhoben wird gegen die Suspendierung der von der Palästina- Regierung für das Halbjahr April/September 1930 bestätigten Einwanderungszertifikate. Der Landesvorstand erblickt, wie er in der Resolution mitteflt, in der Suspendierung der Zertifikate einen politischen Vorgang, der In unvereinbarem Gegensatz zu den der Regierung aus dem Manw ® *• •M M ® . 1-s ls CU ® J lugendverein .Erez Israel*, II. ZfrHusga«s«g * Gesellschaftsreise der Wiener Zionisten nach Bratislava Sonntag, 3J8. Juni 1930 II co a> ’31 NAMB UND ADliESSE

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