Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 128 (29.5.1930)
- Date
- 1930-05-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nf. 128 DIE STIMME Seite 3 v Wie in London verlautet, stellt die Zionisti- | sehe Weltcxckutive der Frage der baldigen j Einberufung des Zionistenkongresses günstig gegenüber; sie erwägt jetzt die Frage und die Formalitäten der Einberufung. Es scheint also, daß die Zionistische Executive bereit sei, in dieser schicksalsschweren Stunde die ganze Zionistische Organisation zu befragen. Wenn man aber auch schon entschlossen ist, einen Zionistenkongreß einzuberufen, sö bleibt dennoch vorläufig die Frage offen, ob es ein ordentlicher oder außerordentlicher sein soll. Die radikalen Strömungen im Zionismus, vor allem die Revisionisten, verlangen bekanntlich die Einberufung eines ordentlichen Kongresses, d. h. auf Grund neuer Wahlen. Sie erhoffen wahrscheinlich einen Stimmen- und Mandatszuwachs für ihre Ideologie. Nun erscheint es unserer Meinung nach als verfehlt, gerade in diesem Moment einen Kampf heraufzubeschwören, Geld und Energien zu vergeuden für Zwecke, die in keinem Verhältnis stehen zu den großen Schicksalsschlägen, denen das jüdische Volk jetzt ausgesetzt ist und auf die es eine gebührende Antwort finden muß. Ein Zionis'tenkongreß tut not, um laut und vor der ganzen Welt die Verwirklichung der Balfour-Deklaration und des Palästinamandates zu verlangen. Ein Zionistenkongreß, dem aber ein rücksichtsloser Wahlkampf vorausgehen würde, müßte eine Schwächung und nicht eine Stärkung unserer Lage herbeiführen. An vielen Stellen werden jetzt die Rufe laut, wonach Prof. Weizmann von seinem Amte zu scheiden habe. Zu betonen ist, daß die Gründe, die hiefür in verschiedenen Zeitungen und an verschiedenen Stellen angegeben werden, vollständig divergierender Natur sind. Diejenigen, die seit jeher die Politik des Prof. Weizmann bekämpft halben, sind begreiflicherweise der Ansicht, daß die letzte Schlappe, die wir erlitten haben, auf Konto dieser Politik zu buchen sei. Wir glauben, daß dies nicht den Tatsachen entspricht, daß der Erlaß des Kolonialamtes durch andere, von uns unabhängige Bedingungen hervorgerufen wurde. Dem Leiter der zionistischen Organisation deshalb Vorwürfe zu machen, daß er keinen Einfluß auf die Wendung der britischen Politik im Nahen und Fer- BjOp, Orient, insbesondere auf ..die , Gesch'ehnisse in Indien, auszuüben vermochte, erscheint uns unlogisch und unsachlich zu sein. Es werden aber auch Rufe laut von.seiten der Anhänger der Weizmannschen Politikj daß er zurücktrete. Dies soll der Ausdruck des schärfsten Protestes gegen die illoyale Handlungsweise der britischen Regierung sein. * Die „Neue Freie Presse” berichtet heute, den 28. Mai, aus London: Der englische Vertreter bei der Mandatskommission des Völkerbundes hat eine Erklärung cingercicht, die heute abends in London veröffentlicht wurde. Nachdem darin Bezug auf den Palästinabericht der Shaw-Kommission genommen ist, wird festgestellt, daß die Regierung bemüht sei, die in dem Bericht erwähnten unbefriedigenden Umstände zu beseitigen und daß sie dazu ihre gesamte Macht einsetzen werde. Sie sei jedoch angesichts der Schwierigkeiten nicht in der Lage, genaue und konkrete Vorschläge in bezug auf die von der Kommission vorgebrachten Punkte zu machen. Zu einigen Punkten könnten nur allgemeine Richtlinien festgclcgt werden, denen die Regierung folgen werde. Im allgemeinen nahm die Regierung den Befund der Kommission in bezug auf die folgenden Punkte an: lieber die zionistischen Klagen über den Großmufti von Jerusalem; die zionistischen Klagen über die arabische Exekutive in Palästina; zionistische Klagen gegen die Regierung und kleinere arabische Klagen. Diese Punkte erfordern nach Ansicht der Regierung kein besonderes Vorgehen. Dagegen werde die gesamte künftige Politik, betreffend Einwanderung, Siedlung und Landentwicklung, einer eingehenden Untersuchung nach Eingang des Berichtes von Sir Hope Simpson unterworfen werden. Inzwischen wurden Maßnahmen getroffen, die Stellung gewisser Bcvölkerungsolomonte in Palästina zu sichern. Die Frage der vorübergehenden Einstellung der Einwanderung werden erwogen und Maßnahmen werden getroffen, um die eingeborene Bevölkerung vor Landvorlust zu schützen, Diese Maßnahmen werden jedoch durch endgültige Verfügungen ersetzt werden. Sollte dieses Privattelegramm der Wahrheit entsprochen, und wir haben, allen Grund, zu An der berühmten Wiener Forschungstätte bem Snjtihit für flktbhimfotfdjiirig, tmirbcn in jüngftet 8c.it Sßerfucf)c au#gefü(ljrt, bie bon groftet praftifcT>er üÜdbcifhinfl für bie SDlcbiylii, bic ßranfljeitlftcljanbliJiig mit rctbiinmiftiben Stoffen fiub. Gl Imtrbc unter an* berent feftQ-e[teilt, bnfj mit bet SCrinffut bal Ijeil* Fräftige 9labtumgal in ben Organismus gelangt. (Sine Stabiofttertn*3ürinFfur &cii>irft Söerbünnung bei 33Iutel unb erhält ben SÖIutgcfäfcen bie noiSt>ent>ige Glaftisttcit. 9t a b i o f f I e t i n ift feit Sjaljren all Jötnberunglunb 58orT'enginKr-3mittel ar^tlkf) erprobt unb frei berfäuflidj. 9tabiumget>alt amtlidj geptitf;. ©cncralbefwt unb ttuifunft: Stpotljefe 33 a tj c r, ■ SB i e tt, I., SB o 113 ci t e 18. $r£#dfü gratis unb ftaitfo. glauben, daß es der Wahrheit entspricht, dann müssen wir für die nächste Zeit eine weitere Verschlechterung unserer politischen Lage befürchten. Die Befürchtungen, die anläßlich der Veröffentlichung des Shaw-Berichtes ausgesprochen wurden, scheinen sich nun langsam zu bewahrheiten. Der Shaw-Bericht bildet den Ausgangspunkt für die Wendung in der britischen Politik. Nicht genug damit, daß die Regierung alle unsere Klagen mit einer geradezu in der Geschichte unerhörten Gleichgültigkeit übergeht, ist außerdem der Passus über die eventuelle Aenderung der gesamten künftigen Politik betreffend Einwanderung, Siedlung Landentwicklung unheilsverkündend. Die provisorischen Maßnahmen über die vorübergehende Einstellung der Einwanderung sollen dann durch endgültige Verfügungen ersetzt werden. Wie diese endgültigen Verfügungen ausschauen werden, kann man natürlich heute mit Bestimmtheit nicht voraussehen. Wir müssen jedoch Befürchtungen hegen, daß sie keinesfalls günstig für uns sein werden, insbesondere, da in der Erklärung auch die Rede davon ist, daß Maßnahmen getroffen werden, um die eingeborene Bevölkerung von Landverlust zu schützen. Auch in der Kundgebung des Hauptbureaus des Keren Kajemetli in Jerusalem wird der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß ■"Kaffee-Restaurant „Praterfee - Lustige Witwe“"! I ■ Prater-Hauptallee. | I In obigem Etablissement wird ein jjj ■ STRENG ORTH, ib J __i beliefert von der bestrenommierten Firma I Wien, XX., Klosterneuburgerstraße 60, eröffnet. Dasselbe untersteht der gewohnten strengsten Aufsicht u. ist für volle Einhaltung der Vorsorge getroffen. Um regen Zuspruch wird gebeten. m—g»in—BBaggaaaag—i ein Gesetz gegen den Bodenverkauf kommen könne. In dieser Kundgebung heißt es weiter: Die ganze jüdische Bevölkerung von Erez Israel ist empört über diesen neuen Angriff auf unsere elementaren Rechte. Abgesehen von der Härte, mit der es uns trifft, weckt das Dokument Besorgnis hinsichtlich der Zukunft. Wer weiß, ob dieses Dekret das letzte seiner Art oder ob es nicht gar das erste in einer Reihe ähnlicher Dekrete ist? Besonders ist die Befürchtung rege, daß ein Dekret gegen Bodenkauf erlassen werden könnte. Unser Wunsch nach nationaler Existenz und unser Recht auf eine solche Existenz sind unauflöslich mit unseren Rechten in Palästina verbunden, die uns keine Macht der Welt nehmen kann. Wir glauben, daß ein Volk, dessen ganze Geschichte — ungeachtet aller widrigen Verhältnisse und aller Hindernisse — eine einzige Sehnsucht nach Erez Israel war, auch jetzt alle ihm in den Weg gelegten Hindernisse überwinden wird. Mit solcher Gewißheit im Herzen müssen wir der Wirklichkeit ins Auge blicken und dürfen in dieser Stunde der Prüfung nicht den Rückzug antreten; nein, wir müssen uns mit Kraft und Zähigkeit wappnen. Es ist nicht unsere Aufgabe, heißt es in der Kundgebung weiter, uns auf eine Analyse jedes Aspektes der Ereignisse einzulassen, aber wir empfinden die Notwendigkeit und die Pflicht, diese neue und schwere Prüfung vom Gesichtspunkte einer Bodenauslösungsinstitution, wie es die unsere ist, zu betrachten. Die Antwort unseres Volkes auf solche De krete darf nicht allein die Form von Demonstrationen tragen, sondern sie muß ©ine Demonstration schneller, praktischer Taten werden, die beweisen soll, daß wir nicht verzweifeln und daß wir auch nicht einen Augenblick daran denken, uns mit diesem Dekret abzufinden. Wertvoll ist jeder Schritt, der an der Auslösung and an dem Aufbau des Landes mithilft. Aus diesem Grunde ist der vom Aktionskomitee der Zionistischen Weltorganisation veröffentlichte Baifour-Gedenkappell von besonderer Wichtigkeit, denn dieser Appell gibt dem jüdischen Volke eine selten sich darbietende Gelegenheit, seinen Geist zu demonstrieren. Eine erfolgreiche Antwort auf diesen Appell wäre von unvergleich* lichem demonstrativem Wert. Wenn die Nation, die die Balfour-Deklaration gab, in ihrer Mitte Gegner unserer Sache hat, die unser Werk unterdrücken wollen, so müssen wir erst recht den Namen des Urhebers der Deklaration hochhalten. Durch dieses seinem Namen gewidmete Denkmal wiederholen wir und betonen wir vor der Welt, daß das jüdische Volk nicht allein in Demonstrationen und in schriftlichen Resolutionen, sondern auch durch in den Boden des Heimatlandes tief hineingesenkte Taten, standhaft wie ein Fels, die Erfüllung der Balfour-Deklaration, ihre in Taten sich ausdrückende Anerkennung durch die Vertreter jenes Volkes, das sie verkündete und zu verwirklichen versprach, fordert. Wir müssen auf äußerster Hut sein und wachsamsten Auges die sich nun überstürzenden Ereignisse verfolgen. Das jüdische Volk, der Aufbau Palästinas, die Zukunft des Zionismus befinden sich in höchster Gefahr. Anspannung aller Kräfte tut not! Vor der Session der Mandatskommission des Völkerbundes Der „Hajnt“ berichtet am 27. Mai aus London: Die Verhandlungen zwischen dem Kolonialamt und der Zionistischen Exekutive dauern fort. Bisher Ohne Resultat. Es ist nicht zu erhoffen, daß etwas Konkretes erreicht wird werden können vor der Sitzung der Mandatskommission, die am B. Juni in Genf tagen wird. Prof. Weizmann begibt sich zu dieser Sitzung nach Genf. Große Erregung in zionistischen Kreisen rief hervor die Nachricht, daß außer Luke auch Lloyd, der Sekretär der Shaw- Kommission, der bekannt ist als Gegner der jüdischen Interessen in Palästina, der Sitzung der Mandatskommission beiwohnen wird. Vor dem Wiedereintritt der Brandeis-Gruppe in die Zionistische Organisation Washington, 25. Mai. (J. T. A.) Das Administrative Committee der Zionistischen Organisation Amerikas hat bekanntlich ein aus Dr. James Heller, Rabbi Israel Goldberg, Dr. Nathan Ratnoff und David Freiberger bestehendes Komitee beauftragt, mit Oberstrichter Louis D. Brandeis, der nach dem Kriege mit einer Gruppe führender Zionisten aus der offiziellen Zionistischen Organisation ausgetreten ist und eine eigene Palästina-Arbeitsgruppe gebildet hat, Verhandlungen über den Wiedereintritt Brandeis’ und seiner Freunde in die offizielle Organisation anzuknüpfen. Das Komitee ist nun zum zweiten Mal mit Brandeis zusammengetroffen. In Verfolg dieser Versprechungen haben Oberstrichter Louis D. Brandeis, Richterjulian W. Mack, Jacob de Haas und Robert Szold ein Statement unterzeichnet, in welchem die völlige Re- Organisation der Zionistischen Organisation Amerikas als Bedingung ihres Wiedereintritts in dieselbe gefordert wird. In dem Statement wird ein Interimsregime bis Ende dieses Jahres gefordert; die im Juni stattfindende Konvention der amerikanischen Zionisten soll eine Leitung aus neutralen Persönlichkeiten, unter Ausschluß der jetzigen Exekutive wie der Brandeis-Gruppe, wählen. In dem Statement wird Nachdruck darauf gelegt, daß die Brandeis- Gruppe keinerlei Propaganda betreiben wird, um die Annahme ihres Vorschlages durch die Konvention zu sichern.