Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 128 (29.5.1930)
- Date
- 1930-05-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 nra stimme tör m auf die darauffolgende Mission Sir John Hope Simpsons, der in Palästina die Fragen des Bodens und der Einwanderung studieren soll, es als erwünscht erscheint, daß bis zum Erhalt des Berichtes von Sir John Hope Simpson die weitere Einwanderung beschränkt bleiben soll. Demgemäß wurde beschlossen, die Ausgabe von Zertifikaten vorläufig auf die erwähnten 950 Personen zu beschränken. Es wurden keine Zert'fikate fiir ungültig erklärt, noch wurde ein endgültiger Beschluß für die die Zeit bis 30. September 1930 betreffende Af» beiter-Schedule gefaßt. Auf eine Frage Sir Robert Hamilton, wie viele Personen durch die Supendierung der Arbelfer Schedule betroffen werden, erwiderte Dr. Shiels: Ich glaube, daß etwa 2000 Personen hiervon betroffen sein werden; aber es ist kein Grund, an zun chm on, daß sie endgültig durch diese Maßnahme betroffen sein sollten. Begreiflicherweise sind die Beziehungen zwischen der Zionistischen Exekiftive und der britischen Regierung in der letzten Zfeit sehr gespannt. War es doch seitens der britischen Regierung wenigstens eine grobe Taktlosigkeit, wenn sie, enfgegen *;rem Versprechen, entgegen ihrem Prof. Weizmann gegebenen Ehrenwort, daß Sir John Simpson nach Palästina nicht abrclsen werde, bevor er Fühlung mit der zionistithen Leitung genommen haben wird, bei vollständiger Außerachtlassung dieses Versprechens Sir Simpson nach Palästina abreisen ließ. Allerdings scheinen die Nachrichten, die noch weiter gehen wollen, wonach Premierminister Macdona.d und Kolonienminister Paßfield sich geweigert hätten, den Präsidenten Prof. Weizmann zu empfangen, nicht auf Richtigkeit zu beruhen. Dementiert wurde ebenfalls die Nachricht, daß die amerikanische Sektion der Jewish Agency die Geldsendungen nach Palästina im Zusammenhang mit der Suspendierung der Einwanderung eingestellt hat. Ueberhaupt ist jetzt sowohl bei Beurteilung der Lage wie auch bezüglich verschiedener Gerüchte Vorsicht geboten. Folgende Nachricht wurde von der Jüdischen Teiegraphen-Agentur als unwahr bezeichnet: Das Staatsdepartement der Vereinigten Staaten{ in Washington teilt der Jüdischen Telegraphen-, Agentur mit, daß die Nachricht, die amerikanische Regierung hätte ihren Konsul in Jerusalem ersucht, über den Eindruck der Suspendierung der Einwanderung und der Mission Sir John Hope Simpsons zu berichten, mit den Tatsachen nicht übereinstimmt. Wahrhaft sensationell im für uns betrüblichen Sinne lautet folgende Meldung , des „D o a r Ii a j o m“, des Sprachrohres der Zionisten-Eevisionisten in Palästina: Die von der Palästina-Regierung vor kurzem eingesetzte landwirtschaftliche Kommission hat die Suspendierung von Bodenverkäufen an Juden bis zur Zeit, wo der Bericht von Sir John Hope Simpson vorliegen wird, empfohlen. Ferner hat die Kommission den Erlaß eines Gesetzes empfohlen, demgemäß es Bauern, die weniger als 18 Acker Boden besitzen, verboten werden soll, ihren Boden oder Teile desselben an andere zu verkaufen. Schließlich hat die Kommission die Durchführung eines Gesetzes empfohlen, demgemäß Verkäufe von mehr als 250 Acker Boden in einzelnen Transaktionen verboten werden sollen. Die jüdische Oeffentlichkeit von Palästina ist durch die Meldungen des *Doar Hajom», deren Riehtigkeit bis jetzt noch nicht zu kontrollieren war, in Unruhe versetzt worden. Man ist geneigt, den Meldungen von „Doar Hajom“ Glauben zu schenken, da sogar in einer von der Leitung des Keren Kajemeth Lejisracl veröffentlichten Erklärung auf die Möglichkeit der Verkündung eines Gesetzes gegen Bodenkauf angespiclt wird. Wenn wir auch aufs Schlimmste vorbereitet sind, kam es uns dennoch schwer, dieser Nachricht Glauben zu schenken. Die Jüdische Telegraphen-Agentur brachte auch wirklich knapp darauf folgende Nachricht: kxxxxxxxxxxxxxxxxsocooooooooooooooooocx: TreU ier leiste e im Cafe „illtes Rathaus" (Cafdtie/ Leo Löwy) Großer« und kleine Klublokale 1. Bez., WippIfngerstraBd 24 Tel. U 27-4-84, U 29-2-74 | ooQOQOQQOQ^xxxxxxxxxkx^Qüooooooccooooo Die J. T. A. wandte sich zum Landdepartment der Pftlästinareglerung mit der Anfrage, ob die Nachricht des „Doar Hajom“, wonach die landwirtschaftliche Kommission vorgeschlagcn Imt, ein Verbot des Bodenverkatifcs bis zum Vorliegen des Simpson-Berichtes zu erlassen, auf Wahrheit beruhe. Das Landdepartment erklärte, daß es keinerlei derartige Empfehlungen der landwirtschaftlichen Kommission besitze. Auf die Anfrage der J» T. A. beim Sekretariat der Paliistiuaregierung wurde geantwortet, daß die landwirtschaftliche Kommission ihre Arbeiten noch nicht beendet hat, demzufolge sie noch keinerlei Empfehlungen richten konnte. Die kompetenten jüdischen Institutionen haben Material vorbereitet, um zu beweisen, daß in Palästina noch genug Land für jüdische Siedlungen vorhanden sei. Im Zusammenhänge damit muß befremdend das Gerücht wirken, wonach Dr. Artur Kuppln seine teilweise Zustimmung zu dem Gesetz über den Bodenverkauf ausgesprochen batte. Dr. Ruppln soll der Ansicht sein, daß man den Arabern den Bodenverkauf nur über das 50. Dunam ihres Besitzes gesetzlich erlauben sotle. Das palästinensische Judentum protestierte auf imposante Weise gegen die Einwanderungssperre in der Form eines lückenlos durchgeführten Generalstreiks. An anderer Stelle berichten wir über seinen Verlauf. Interessant ist, daß der Waad Leumi am Tage des Generalstreiks Flugschriften in arabischer Sprache verbreiten ließ, in denen den Arabern klargemacht wird, daß die Spitze dieser Protesthandlung keinesfalls gegen sie, sondern gegen die Mandatarmacht gerichtet ist. Dies beweist, daß die Judenschaft Palästinas auch in dieser schicksalschweren Stunde ihre Nerven im Zaume zu halten versteht, daß sie sich nicht zu unbesonnenen Handlungen, die uns nur schaden können, hinreißen läßt und daß sie, nach wie vor, der arabischen Bevölkerung Palästinas gegenüber friedlich gestimmt ist, was man leider nicht von der Gegenseite behaupten kann. Die Einwanderungssperre Kat eine große Zufriedenheit in den nationalistischen arabischen Kreisen hervorgerufen. Sie sind aber weit davon entfernt, dies als einen großen Erfolg zu betrachten und sehen darin nur einen kleinen Auftakt, zu späteren Maßnahmen, die 'die Regierung ergreifen wird, um das Palästinamandät vollständig illusorisch zu machen. Die arabische Presse hört nicht auf zu hetzen. Das Organ der arabischen Exekutive „Falastin“ erklärt dem Zionismus offen den Krieg und fordert die Araber in anderen Ländern, wie überhaupt alle Mohammedaner der Welt zu schweren Repressalien an Juden auf. Im betreffenden Artikel dieses Blattes heißt es: Die Juden haben wegen ihres Starrsinns und ihrer blinden Loyalität gegen England Gelegenheit zu einer Verständigung mit den Arabern verpaßt. Verständigung und Zusammenarbeit als Folge eines englischarabischen Abkommens wären möglich gewesen, wenn das konstruktive und das geistige Programm von Dr. J. L. Magnes und Professor Einstein akzeptiert worden wäre Heute aber ist die Möglichkeit einer Wiederannäherung so fern wie die Erde vom Himmel. Wir müssen unseren Krieg gegen den Zionismus nicht allein in Palästina, sondern in allen arabischen und moslemitischen Ländern fortf (ihren. Unsere stärkste Waffe ist der vollständige Boykott gegen alle jüdischen Produkte in alle arabischen und islamischen Ländern in der Welt, Es leben Juden in Syrien, Yemen, Aegypten, Irak und Hedschas, Tunis und Algerien; wir können diesen Juden einen hohen Preis für die Härten, die den Arabern Palästinas von den Juden zugefügt werden, auf erlegen. Die Verordnung, für die gegenwärtige Zelt die gesamte jüdische Einwanderung nach Palästina zu suspendieren, fährt *Falastin» fort, ist eine folgerichtige Lösung des Einwanderungsproblems; aber die arabischen Klagen gegen die jüdische Einwanderung sind untrennbar mit den Klagegründen, betreffend die jüdischen Bodenkäufe verbunden. Die Probleme der Einwanderung und des Bodens sind eins; deshalb wird die Regierung eine zweite Verordnung herausgeben müssen, die auch alle Bodenübertragungen an Jkdcn unter Verbot stellt. lieber die Mission und die Arbeit des Sir John Hope Simpson liegen noch nicht viele Berichte vor. Allerdings soll loyälerweise festgestellt worden, daß Sir Simpson es als seine Pflicht eraohtete, sofort nach seiner Ankunft in Palästina mit den Führern des palästinensischen Judentums In Fühlung zu treten. Die Jüdische Telcgraphen-Agentur berichtet hierüber: Colonel F. H. Kisch von der Exckutiva der Jewish Agency in Jern^a’em hatte aiw Freitag, den 23. Mai, eine Besprechung mit Sir John Hope Simpson, der vor wenigen Tagen in Palästina cingetroffen ist, um im Aufträge der britischen Regierung die Fragen der Einwanderung, des Badens zu studieren und hierüber Bericht zu erstatten. Später traf Sir John ITope Simpson mit dem Mitglied der Exekutive Dr. Artur Ilu^- ßin zusammen. Sir John Hope Simpson hatte auch eine Zusammenkunft mit dem Führer der jüdischen Arbeiterschaft Ben Zwi, der ihm die Ansichten der palästinensischen Arbeiterkonföderation (Histadmth), betreffend die Fragen des Bodens und der Einwanderung, auseinandersetzte. In Amerika, wo die Protestbewegung riesengroße Dimensionen annimmt, werden diplomatische Schritte unternommen, die einen Druck auf die englische Regierung bezwecken. So hat sich Felix Warburg an den englischen Botschafter in Washington gewendet, um bei ihm gegen die Einwanderungssperre Protest zu erheben. Die betreffende Nachricht lautet: Der Präsident des Admistrativd Committee der Jewish Agency Felix Warburg hat dem britischen Botschafter in den Vereinigten Staaten ein Memorandum Übergeben, mit der Bitte, es nach London weiterzuleiten. In dem Memorandum weist Felix Warburg auf die große Aufregung hin, die in der ganzen jüdischen Welt durch die Schließung der Einwanderung nach Palästina hervorgerufen wurde, gibt der Meinung Ausdruck, daß diese Maßnahme der Regierung durch rein politsche Erwägungen diktiert wurde und fordert ihre Zurücknahme. Andererseits scheint Warburg nicht allzu pessimistisch die Lage zu beurteilen. Anläßlich eines, vom Vorsitzenden "des Allied Jewish (Jompaign für New York, Herrn James M. Rosenberg, gegebenen Frühstücks,' hielt er eine Ansprache, in der er ausführte, er glaube, daß die Suspendierung der neuen Einwanderungszertifikate eine vorübergehende Maßnahme sei und daß die britische Regierung ihre auf die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina hinzielende Politik nicht geändert habe. Aber, fügte M. Warburg hinzu, die Juden haben das Recht, von der Regierung zu verlangen, daß sie ungesäumt eine Aktion durchführe, die dazu angetan sei, die Lage zu erleichtern und dfc jüdische Bevölkerung überall zu beruhigen. In der zionistischen Oeffentlichkeit und Presse wird jetzt ein Problem im Zusammenhang mit der politischen Lage eifrig besprochen: DieFrage der Einberufung des Zionistenkongresseswurdemiteinemm a 1 a k t u e 11. Aus London kommt diesbezüglich folgende Nachricht: Der Rat der englischen Zionistischen Föderation hielt eine Sitzung ab, in der die Frage auf der Tagesordnung stand, ob die baldige Einberufung des Zionistenkongresses zu fordern sei. Mit 14 gegen 6 Stimmen wurde beschlossen, die Zionistische Weltexekutive zu ersuchen, für einen nächst möglichen Zeitpunkt einen ordentlichen Kongreß der zionistischen Weltorganisation einzuberufen und die ordentlichen Detegiertenwahlen auszuschreiben. Die Minderheit, die gegen diese Entschließung stimmte, war ebenfalls für die Einberufung des Kongresses, aber eines außerordentlichen Kongresses ohne vorangehende Delegiertenwahlen. (Zu einem außerordentlichen Kongreß treten einfach die Delegierten des letzten Zionistenkongresses zusammen, ohne daß Neuwahlen von Delegierten durch die Schekelzahler vorangehen.) EXCEftSIOR Inhaber RICHARD HERZOG I., Adlergaste 5 Tel. R-2S4-90 COLUMBIA-MODELL 100 DASBESTE xn dem billigsten PREISE S138.- Größe 32 X 21V, cm Höhe 14 cm Neue verbesserte Columbia-Dose 15 b I: