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Die Stimme · 1930-05-23 · Heft 127 (23.5.1930) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 127 (23.5.1930)
Date
1930-05-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 127 DtE STIMME Seite 9 Literatur und Kunst Moses Leib Lilienblum Zu seinem 20. Todestag. Vor kurzem jährte sieh der 20. Todestag eines der ersten Vorkämpfer der modernen hebräischen Renaissancebewegung, Moses Leib Lilienblum. Lilienblum, ein Zögling der russischen Haskalahbewegung, hat im Gegensatz zu den meisten Vertretern dieser Richtung eingesehen, daß die Haskalahbewegung nicht imstande sei, das jüdische Problem zu lösen. Nicht die Emanzipation und Gleichberechtigung konhten nach seiner Ansicht die Lage der Juden verbessern, nur durch die Rückkehr in die eigene Heimat sei es möglich, das ewige Problem der Judenfrage zu lösen. Im Jahre 1843 in Kiejdany (Bezirk Kowno) geboren, genoß Lilienblum im Cheder sowie in den berühmten Jeschiboth seiner Heimatstadt und in Wilkomir eine streng jüdische Erziehung, Nebst Talmudstudien beschäftigte er sich auch mit der jüdischen mittelalterlichen Philosophie sowie mit Haskalah-Literatur. Im Jahre 1866 veröffentlichte er bereits seine ersten hebräischen Gedichte. Ais aber jedoch in Wilkomir, wo er zu dieser Zeit lebte, bekannt wurde, daß er auch profane Bücher lese, begannen die streng Orthodoxen einen heftigen Kampf gegen ihn, der noch schärfer wurde, als Lilienblum in der damals erscheinenden hebräischen Zeitung «Hameiiz» einen Artikel über dt' Talmud veröffentlichte, in welchem er die Rabbiner auf- Achad Haam begründeten Orden «B’nei Moscheh» an und trat dann dem politischen Zionismus bei. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Odessa, wo er als Sekretär des «Odessaer Komitees» tätig war und sich mit literarischen Arbeiten beschäftigte. Am 10. Februar 1910 raffte ihn der Tod dahin. Lilienblum zählt nicht nur zu den markantesten Erscheinungen der neuhebräischen Literatur, sondern ist auch einer der Begründer des modernen Zionismus. Dr. N. M. Gelber. Karl Goldmark Zum hundertsten Geburtstag fctn großer Tondichter, dessen Ruhm weit über die Grenzen Oesterreich-Ungarns sich verbreitete, ein Komponist, der gleich Bizet von nur einem Werke berühmt und unsterblich geworden ist, wäre am 18. Mai d.’-J. 100 Jahre alt geworden. Er schuf zwar viele Orchesterwerke, die, wie z. B. die Symphonie «Ländliche Hochzeit», Sakuntala- Ouvertüre, Violinkonzert und einiges andere, sehr populär geworden sind, doch hob ihn aus dem Niveau der mittelmäßigen Komponisten nur ein Werk, eine Oper, die ihn über Nacht zu einem der berühmtesten Komponisten der ganzen Welt machte. Und diese Oper — es war dies «Die Königin von Saba» — hatte einen vollkommen berechtigten Erfolg, denn da lebte sich der Tondichter als Jude aus. Die sie hinreißend wirkte, daß ihr Ruhm von Tag zu Tag wuchs, daß man sie mit Anträgen überschüttete und gewaltige Stafgagen anbot. Von grenzenlosen Erfolgen berauscht, suggerierte sie sich in ihren Rollen so stark, daß sie selbst ihre eigene Giftmischerin wurde, bis sie sich selbst auf die Bahre brachte. Ihr Leben hat sich viel zu rasch, all zu toll gestaltet, sie konnte mit den sich für sie auftürmenden Lebensschönheiten keinen Schritt mehr halten. Qiück wat ihr einziges Unglück. Die woiilhabensten Verhältnisse in der Ehe mit Baron von Bleichröder, ihr großer Name, ihre unzähligen Bewunderer, konnten ihr nichts mehr bieten. Zu eng war ihr hier, daher flüchtete sie das Irdische. Seit zwei Jahren schon trug sich Maria Orska mit Selbstmordgedanken. Sie versuchte mehrmals ins Jensgit* hi;iliber2ugieiten, bis es ihr erst jetzt gelungen ist, den heißersehnten Todesengel krampfhaft zu erfassen und sich in seine schwarzen Flügel auf ewige Zeiten zu hüllen. Wie wohl ihr Tod die ganze deutsche Kunst- und Bühnenwelt in schmerzvollste Trauer versetzte — überrascht hat die traurige Kunde niemanden. Die Orska erinnert ganz an dös tragische Schicksal des großen deutschen Sprechers und Burgschauspielers Harry Waiden. Orska und Waiden, ganz verwandte Künstler und Individualitäten konnten neben ihren Bühnengestalten nicht lange leben. Um ihren Typen Ewigkeit zu verleihen, opferten sie ihr eigenes Herzblut Und das schönste Leben. Aehnlich wie OttoWeininger, der, um sein epochales Werk «Geschlecht und Charakter» am Leben zu erhalten, sich selbst eine Kugel in die Schläfe jagte. Orskas Wedekind- oder Strindberggestalten werden auch ganz bestimmt für die gesamte deutsche Schauspielkunst lange leben und stets Nachahmer finden, aber Maria Orska, kaum 39 Jahre alt, liegt schon ruhmvoll auf Lorbeeren ge** bettet auf der Totenbahre, stumm und starr, wie eine greise Bühnengröße. Sie wollte es . . . Das Erdenglück drückt sie nicht mehr . . . vielleicht ist ihr jetzt leichter ... forderte, bestimmte religiöse Reformen, die den jetzigen Lebfciisbedingungen entsprechen würden, einzuführen. Infolge des Kampfes der Orthodoxen mußte Lilienblum Wilkomir verlassen und übersiedelte im Jahre 1869 nach Odessa, wo er profanen Studien oblag. Durch Lektionen und Mitarbeit an der damaligen jüdischen Presse gelang es ihm, ein kärgliches Auskommen zu erlangen. Im. Jahre 1869 veröffentlichte er ein satirisches Poem, in dem er die Auswüchse der Orthodoxie ironisierte. In Odessa lernte er auch die damaligen radikalen Strömungen der russischen Literatur kennen, von denen er stark beeinflußt wurde. Im Jahre 1876 erschien seine in Form einer Erzählung veröffentlichte Autobiographie «Chetath-Haneurim», in der er die Kämpfe seiner Zeitgenossen in klarer Weise schilderte. Unter dem Einfluß der radikalen Ideen in der russischen Gesellschaft schloß sich Lilienblum der sozialistischen Bewegung an und zählte zu den ersten Begründern der jüdischen sozialistischen Gruppe,, die unter der Führung des bekannten hebräischen Schriftstellers Freimann (Liebermann) eine rege Propaganda in den jüdischen Massen zu entfalten begann. Er forderte damals u. a. eine Umschichtung der jüdischen Bevölkerung und deren Ueberführung zur Lantlw i r t s c h af t. Gerade in dieser Zeit begann infolge der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der Juden in Rußland eine starke Emigrationsbewegung nach Amerika. Lilienblum vertrat damals bereits in einer Reihe von publizistischen Aufsätzen den Standpunkt, daß es notwendig wäre, diesen Emigrationsstrom nach Erez Israel zu leiten. Er bekämpfte auch die Bestrebungen der «Alliance», welche die Emigration der Juden nach Amerika förderte. Lilienblum erklärte, daß es im gegebenen Zeitpunkte Pflicht der Judenheit sei, für eine verstärkte jüdische Kolonisation in Palästina einzutreten. Bevor man jedoch an eine solche Kolonisation herantrete, wäre es vor allem Pflicht, ganz Palästina von der Türkei loszukaufen. Denn nur unter dieser Bedingung wäre die Befreiung des jüdischen Volkes in Palästina möglich. Schon damals tritt Lilienblum als ein ausgesprochener politischer Zionist auf, wenn er sich nicht * auch der entsprechenden Terminologie bedient. Die Frage des Judenhasses der Wirtsvölker begann ilyi immer mehr zu beschäftigen. Er sah den Bankrott der Emanzipationsbewegung ein und kam langsam zur Ueberz^eugung, daß die Judenfrage nur dann zu lösen sei, wenn die Juden aufhören, als Fremde betrachtet zu werden. Um jedoch diesen Begriff aus der Welt zu schaffen, sei es notwendig, eine eigene jüdische Heimstätte in Palästina zu begründen. Nicht die Machtstellung in einem gewissen Lande, sondern das historische Bürgerrecht auf ein bestimmtes Land (Palästina) sei der Kernpunkt der Judenfrage. Und nur in diesem Sinne ist nach Lilienblums Ansicht ihre Lösung möglich. Der Propaganda dieser politischen Ideen widmete Lilienblum von nun an seine glänzende Feder. Als um diese Zeit Perez Smolenskin seinen Kampf gegen die Berliner Haskalah-Bewegung aufnahm, unterstützte ihn Lilienblum. Allmählich rang er sich zur Erkenntnis der nationalen Grundlage des Judenproblenis durch. Mit temperamentvoller Vehemenz trat nun Lilienblum für die jüdische Renaissancebewegung ein und versuchte auch die Führer der «Alliance Israeliet» für eine großzügige Kolonisation in Erez Israel zu gewinnen. In einer speziellen russischen Schrift Uber die «Renaissance des Judenvolkes auf eigener Scholle» faßte er diese seine Ideen zusammen und erklärte sich offen für den Zionismus. Lilienblum ist somit der erste politische Zionist in der russischen Judenheit noch lange vor Herzls Auftreten. Als im Jahre 1883 der erste Palästinakolonisationsverein mit Dr. Leo Pinsker an der Spitze in Odessa gegründet wurde, schloß sich Lilienblum der Chibath-Zion-Bewegung voll und ganz an, wenn er auch nicht zur Gänze die Methoden ihrer Arbeiten billigte. Er konnte sich mit der Kleinkolonisation nicht zufrieden stellen. Ihm schwebte eine großzügige, auf breitester Grundlage arbeitende Kolonisation Palästinas vor, die in den politischen Grundlagen völlig gesichert sein sollte. Lilienblum gehörte auch dem von unbewußte und — wie es leider auch bekannt ist — die ungewollte Manifestation des jüdischen Geistes in ihm, die Glut und Farbenpracht des Orients, spiegelt sich in diesem Werke; er gab sich ganz, er spielte sozusagen va banque, stellte alles Schöpferische auf eine Karte, weil ihn der Text, der jüdische Text in seinem innersten Wesen packte. Und das alles geschah trotzdem er es nicht gern hörte, wenn man ihn als jüdischen Tondichter bezeichnetel Was für eine seltsame Aehnlichkeit mit Gustav Mahler, der auch in jenen Werken das Höchste erreichte, was das echt Jüdische, Ahasverische, wo viele Anlehnungen an chassidische Weisen unverkennbar sind, und der in der Ablehnung des Jüdischen noch einen Schritt weiterging als Goldmark . . . Wie seine Einstellung zum Judentum auch sein mag, er nimmt in der Geschichte der Musik einen ruhmvollen Platz ein und gehört mit Mahler, Mayerbeer, Mendelssohn, Halevi, Offenbach u. v. a. zu den Pfeilern der Musikgeschichte und zu jenen unwiderlegbaren Beweisen der tonschöpferischen Urkraft der Juden, der Schaffenskraft, die so gerne und so Schriftstell erjubiläutn des Dr. M. Chmielnicki Dieser Tage feierte der in Wien wohnhafte bekannte jüdische Schriftsteller Dr. M. Chmlelinski das 25jähfige Jubiläum seiner literarischen Tätigkeit. Chmielinski, der aus der Ukraine stammt, kam in seiner frühesten Jugend nach Ostgalizien, wo er in Lember die Mittel- und Hochschulstudien absolvierte. In Wien setzte er seine medizinischen Studien fort. Ungeachtet seiner Studien fand er Zeit, sich der Literatur zu widmen. Schon als Student veröffentlichte Chmielinski in jiddischer und polnischer Sprache Gedichte» die die Aufmerksamkeit auf den jungen Dichter lenkten. Besonders erwähnenswert sind seine polnischen Ueberseteungen der Dichtungen von Perez und Reisen. Unvergeßlich bleibt sein Gedicht, das er dem Andenken Theodor Herzls widmete. Im Jahre 1922 erschien ein Band seiner Gedichte, die von der literarischen Kritik mit Anerkennung aufgenommen wurden. Chmielinski, der seit Jahren in Wien wohnt, ist zur Zeit Mitarbeiter des größten jiddischen Tagblattes in Amerika, «Der Vorwärts», in dem er regelmäßig medizinische Artikel veröffentlicht. oft von vielen beschriften wird. Bis zum Welterfolg der «Königin von Saba» hat Goldmark harte materielle Kämpfe durchmachen müssender war gezwungen, seinen Lebensunterhalt durch Klavierunterricht und Mitspielen im Orchester als Geiger im Karltheater zu bestreiten. Trotzdem fand er Zeit, um viele Werke zu schreiben. Nach dem Erfolg seiner Standardoper schrieb er noch vier Opern, von denen nur «Heimchen am Herd» kurze Zeit in der Wiener Oper aufgeführt wurde. Seine Kammermusikwerke, Symphonie Es-dur, Ouvertüren «Penthesilea», «Frühling», «Der gefesselte Prometheus», «Sappho», «In Italien», ferner eine symphonische Dichtung «Zrinyi», Chorwerke, Klavierstücke etc., sind nur selten aufgeführt worden und haben das Mittelmaß nicht überschritten. Jul. Wolfsohn. Die Orska Zum tragischen Tode der großen Künstlerin von Dr. Karl Rosenfeld Sie war noch ein sehr zartes und zierliches Wesen, wie ein Meißner-Porzellanfigürchen, als sie aus Rußland, aus ihrer üeburtsstadt Nikolajew, in Wien eingetroffen ist. Das blasse und kleine jüdisciie Mädchen wandte ihre Schritte unserer Hochschule zu und wie viele andere studierte sie Philosophie, und ist sonst niemandem auf gef allen. Wer kümmerte sich, wer beachtete damals die kleine Rahel Bindermann. Sie wanderte von einem Hörsaal zum anderen und besuchte nur einmal in der Woche Wiener Sprechbühnen, als plötzlich in ihrem Flammengeiste ein schicksalstragender Gedanke auf blitzte — Theater 1 Der Funke ist gefallen und ohne viel zu überlegen, beschloß sie die steile und rutschige Bühnenlaufbahn zu betreten. Sie war Hochschülerin, als sie sich an Raoul Auernheimer wandte, der die kleine Rahel an Prof. Gregori gewiesen hat. Nach einigen ungezwungenen Plaudereien mit ihrem Meister über Schauspielkunst und Bühnenkultur — die Orska sprach damals noch ein gebrochenes Deutsch — erlernte sie, in verblüffend kurzer Zeit, nach rastloser Arbeit die deutsche Sprache und bald stand sie schon in führenden Rollen auf der Bühne, die ihr ganzes Wesen ausfüllte. Exzentrisch und mosaikartig war ihr Wesen, seltsam tief ihre Seele und Augen, ebenso ihre Lektüre und ihr eigentümliches Rollenfach. Wie die Orska letztens noch in ihrem prunkvollen, künstlerisch ausgestatteten Heim in der Maria Theresienstraße geistvoll über Evers oder Meyrink plauderte, so meisterte sie auf der Bühne, unübertroffen in ihrer Darstellungskunst, nicht steife, verlogene Salondamen, sondern nur exotische Frauentypen, nach denen sie in der j Bühnenliteratur hastig herumsuchte und sie meistens bei , Wedekind, Strindberg oder Wilde fand. Es lockten sie nur | Opfer der Lebenstollheit und der Perversität. Aus der reichen Galerie Ihrer Gestalten sind schwer die Glanzrollen herauszufinden. Die Orska formte alle ihre Bühnenmenschen auf ihre eigenartige Weise, gwissenhafte und sensibler vielleicht als die Autoren selbst, sie durchdachte die Rollen, vertiefte und erlebte sie jeden Abend auf andere Art. In «Musik», «Erdgeist», «Rausch», «Schloß Wetterstein», «Lulu» war sie ebenso unübertroffen wie in Verneuils «Knrussel» (für die Orska speziell geschrieben), Sudermanns «Katzensteg», Ibsens «Wildente» oder «Medaille einer alten Frau», die leider ihre letzte Rolle war. Das alles waren große Erlebnisse nicht nur für das Publikum selbst, sondern in erster Reihe für die Künstlerin, die nicht wie andere Stars nach der Vorstellung ihre Autogramme verteilte, sondern matt in ] der Garderobe zusammengebrochen lag. Kein Wunder, daß Wilnaer Truppe Frantisek.Langers «Peripherie» Die Wilnaer Truppe unter Führung von Alex Stein begibt sich Ende Mai auf eine Tournee, die sie in die Tschechoslowakei, nach Deutschland, Rumänien und Jugoslawien führen wird. Als letzte Premiere in Wien gelangt ab Freitag, den 23. Mai Frantisek Langers «Perplierie» unter dem Titel «Unterwelt» zur Auffiihrug, Die Wilnaer Fassung zeig| 14 Bilder, in denen das dunkle Treiben an der Peripherie der Großstadt abrollt. Für diese Aufführung wurde die Bühne völlig umgebaut, um ein rasches Abwickeln der Szenen zu ermöglichen. In den Hauptrollen sind die Damen Altbaum, Pikus, Walter, Sehe ft e 1 und die Herren Domb, Kamay, Schigorin, Scheftel, Tonek und Schneidow beschäftigt. Regie: Direktor Alex Stein. Bühnenbilder: Architekt Richter. Beginn: Ys9 Uhr. — Für Studenten werden nach Maßgabe der Plätze ermäßigte Karten zu diesen Abschiedsvorstellungen aüsgegeben. Zur Gründung der Jüdischen Konzertvereinigung. Wir in Wien lebenden Juden sind von dem jüdischen lithurgischen Gesang zu sehr entfernt worden. Seit dem Auftreten des Sulzerischen Tempelgesanges werden in den meisten. Wiener Tempeln nur derselbe, eventuell hie und da noch Lewandowski gepflegt, so, daß die besten Choräle derselben so oft gesungen werden, daß jedem Juden, der häufiger Tempelbesucher ist, der Gesang zuwider werden muß. Speziell der Ostjude, der in seiner Gemeinde abwechselnde Gesänge von den Kantoren und Komponisten wie Dunajewsky, Nowakowsky, Sedl Rawner, Nissi Belser, Baruch Schorr usw. hörte, mußte immer fragen: wo sind denn die herrlichen Melodien dieser Schöpfer verschwunden. Dem Rechnung tragend, wurde eine Konzertvereinigung gegründet, bestehend aus den Mitgliedern aller Wiener Tempelvereinschöre unter Leitung des bewährten Kapellmeisters Bernhard Vayda, um die liturgischen Gesänge aller Meister zu pflegen, und von Zeit zu Zeit vor die Oeffentlichkeit zu treten. Das erste Konzert findet bereits am 31. d. M. um 8 Uhr abends im Konzertsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße 4, statt. Es werden. Kompositionen von Sedl Rawner, Lojw, Nomburg, Sulzer und Weiß aufgeführt. Hoffentlich wird das erste Konzert einen künstlerischen und finanziellen Erfolg bringen, damit diese Vereinigung bestehen kann, deren Gründung eine begrüßenswerte Notwendigkeit ist. S. Wei Die Londoner Hebraisten ehren Tschernlchowski. Aus Anlaß der Anwesenheit des berühmten hebräischen Dichters Saul Tschernichowski in London veranstaltete die hebräische Kulturorganisation «Tarbuth» in England ihm zu Ehren ein Bankett, auf welchem der Präsident der Zionistischen Weltexekutive Nahum Sokolow die Festrede hielt. Im Namen der «Tarbuth»-Gesellschaft begrüßte Leon Simon den Dichter. Im Namen der englischen Zionisten sprach Rev. I. K. Goldtxloom Worte der Begrüßung. Der Chefredakteur der hebräischen Wochenschrift «Haoloam», Mos. Kleinmann, erinnerte daran, daß zur Zeit der Kontroverse zwischen den Anhängern Achad Haams und denjenigen Theodor Herzls Tschernichowski die Massen zur Gefolgschaft Herzls aufrief. Im Namen der jüdischen Arbeiter Palästinas führte RemeS aus: Die Poesie Tschernichowskis sei eine der Quellen, aus der die Chaluzim und die gesamte jüdische Arbeiterschaft Palästinas Kraft und Begeisterung schöpfen. Zum Schluß sprach Tschernichowski selbst, dem die Anwesenden eine langandauernde Ovation darbrachten. «Chad-Gadja» als Tonfilm. Am 14. Mai wurde im Rahmen einiger Kurztonfilme, die Julius Pinschewer im Berliner Marmorhaus vorführte, u. a. ein Tonfilm gezeigt, der das alte Motiv des Pessach-Liedes «Chad-Gadja» benutzt. Die Schicksale des Lämmchens und seiner Vernichter werden in Zeichnungen gezeigt. Die Begleitmusik ist nach jüdischen Motiven hergestelit. Den Text des Liedes spricht dazu Irene Trieech.

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