Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 127 (23.5.1930)
- Date
- 1930-05-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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» Sette mr sttmmi? Nr. 127 Der «Palästina-Tag» in Palästina und in Indien ruhig verlaufen Jerusalem, 18. Mai (J. T. A.). Der auf Grund des Beschlusses der allindischen moslemitischen Konferenz am 16. Mai auch in Palästina veranstaltete «Palästina-Tag» zum Protest gegen Mandat- und Balfour-Deklaration, ist in ganz Palästina ruhig verlaufen. Der Aufforderung der arabischen Exekutive an die moslemitischen und christlichen Araber, am «Palästina-Tag» die Arbeit niederzulegen, haben etwa 75 Prozent der Arbeiter und Angestellten Folge geleistet. Die arabischen Ladenbesitzer haben der Streikparole in einem höheren Prozentsatz Folge geleistet, da gegen die Kaufleute ein größerer Druck ausgeübt werden konnte. Den christlichen arabischen Kaufleuten in Bethlehem ging die Warnung zu, daß gegen sie der Boykott erklärt werden wird, wenn sie am «Palästina-Tag» die Läden offen halten v/ürden. Die Oemüse- und Obstverkäufer auf den Märkten hatten der Streikparole nicht Folge geleistet, sondern hielten den ganzen Tag über ihre Stände offen. Am Nachmittag fand in der Jerusalemer arabischen Rawdit al Maarew, dem Zentrum des arabischen Nationalismus, eine Versammlung statt, an der arabische Notabein und Führer der arabischen Jugend teilnahmen. Die Moslems in Bombay, Indien, haben am 16. Mai den von der allindischen moslemitischen Konferenz proklamierten «Palästina-Tag» feierlich begangen. Demonstrationszüge mit Fahnen und Transparenten, die die Inschriften «Weg mit der Balfour-Deklaration» trugen, zogen durch die Straßen. Es wurden auch Versammlungen abgehalten und Resolutionen gefaßt, in denen die Erfüllung der Wünsche der palästinensischen Mohammedaner gefordert wird. Stellungnahme des Zionistischen Zentralkomitees in Polen zur Suspendierung der Einwanderung Warschau, 18. Mai (J. T. A.). Das zionistische Zentralkomitee in Polen teilte in einem Kommunique mit, es habe die zionistische Weltexekutive in London dahin informiert, daß sich der zionistischen und jüdischen Kreise Polens infolge der ungünstigen Nachrichten aus London, Jerusalem und Genf Aufregung und Beunruhigung bemächtigt haben. Seit Eintreffen der Nachricht über die Suspendierung der neuen Einwandererzertifikate wird unaufhörlich die Forderung, Protestversammlungen und Demonstrationen zu organisieren, gestellt, die zu erfüllen das Zentralkomitee für unangemessen und verfrüht hält. Schließlich habe das polnische Zentralkomitee der Exekutive geraten, mit der Taktik der Beruhigung zu brechen und schnellstens einen Kongreß einzuberufen sowie den jüdischen Volksmässen eine Möglichkeit zur Manifestation ihres Willens zu geben sowie zum Ausdruck ihres Protestes gegen die Versuche, die anerkannten Rechte des jüdischen Volkes auf den Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina zu beschränken. Am Sonntag, den 18. Mai, versammelten sich die polnischen Mitglieder des Aktionskomitees zu einer Beratung über die Lage. „Times“ über eine geplante Verfassungsform für Palästina. London, 18. Mai (J. T. A.). «Times» besprechen Hendersons Palästina-Erklärung in der letzten Sitzung des Völkerbundrates in Genf und meinen, Henderson habe klar dargetan, daß die Arbeiterregierung sich mit der Frage befaßt, wie sie die Hauptempfehlungen der Shaw-Kommission am besten durchführen kann. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, daß die arabische Delegation Forderungen nach durchgreifenden konstitutionellen Aenderungen gestellt hat, die ein vom Kolonialamt kürzlich herausgegebenes Communiquö als «völlig unannehmbar» bezeichnet. Eine andere Stelle in Hendersons Statement, schreiben «Times», die besagt, daß die Regierung im Rahmen des Mandates nach Mitteln sinnt, um legitime Aspirationen zu befriedigen, kann nur so gedeutet werden, daß die Regierung eine Verfassungsreform für das Heilige Land studiert, die gemäßigte Araber und Zionisten befriedigen könnte, wenn sie auch weder de revisionistischen Juden noch den extremeren arabischen Führern als annehmbar erscheinen dürfte. Sehr wichtig und befriedigend war Hendersons Erklärung, daß es cjie erste Pflicht einer Mandatarmacht ist, Frieden und Ordnung in ihrem Mandatsterritorium zu bewahren. Konkurs Zur Besetzung gelangt die Stelle eines Leiters für die ßukowinaer Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds. Offerte sind bis zum 1. Juni 1930 zu richten an das Präsidium der Samrnelstelle Cernauti, strada Lascar Lutia 3/27, unter Angabe der bisherigen Erfahrungen auf diesem Gebiete der Keren-Kajemeth-Arbelt und der Sprachkenntnisse, wobei Kenntnis der hebräischen und deutschen Sprache Grundbedingung ist. III J«at§esB*Sver®im ,£rez Isrcaefl', Mt. ZSffBaisssjSösffi®® Gese'lscii Mse der Wiener nanii Bratislava . 22. Juni 1930 >3 11MMMBMWWI, fVOTW'i» - c .2 'S .2 n NAME UND ADRESSE?t RMgpwMim Palästinabeschlüsse auf der Tagung der Exekutive der II. Internationale In der Schlußsitzung der am Dienstag,’ den 13. Mai abgehaltenen Tagung der Exekutive der Zweiten Internationale wurde über Antrag des Sekretariats die durch Vereinigung beider jüdischen Arbeitergruppen in Palästina neugebildete palästinensische Arbeiterpartei «Miflegeth Poale Erez Israel» als jüdische Sektion der S. A. J. anerkannt. Diese Sektion vertritt territorial das Land Palästina und zugleich alle Landesgruppen der Poale Zion als nationale Splitterparteien. Der Palästina-Sektion der Internationale bezw. dem Weltverband der Poale Zion wird für die Schaffung von und die Mitarbeit den Ligen für das arbeitende Palästina freie Hand gelassen. Die jüdischen Mitglieder der Internationale können im übrigen nach freier Entscheidung in den Ligen für das arbeitende Palästina mitarbeiten. Weiterhin wurde die Teilnahme der Poale Zion am Zionistenkongreß und an der Jewish Agency gebilligt. Der Tätigkeit der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina wurde die Sympathie der Internationale ausgesprochen. Es wurde schließlich betont, daß die Internationale zur organisierten jüdischen Arbeiterschaft Palästinas das Vertrauen habe und ihr alle notwendigen Maßnahmen überlasse, um mit dem arbeitenden arabischen Volk eine Zusammenarbeit im Sinne internationaler Verständigung zu erreichen. Aus führenden Kreisen der Liga für das arbeitende Palästina wird der Jüdischen Tele¬ Fachärztliche Behandlung von Haut-und Geschlechtskrankheiten Physikalische Therapie, ärztliche Kosmetik. Heilanstalt Sol-Ra,, I., Kärntnerstraße 10, Eingang Seitengasse. Tel. R 27-1-83. graphenagentur über den Inhalt der Beratung der Palästina-Frage in der Berliner Tagung der Exekutive der Arbeiter-Internationale und über die Bedeutung der gefaßten Entschlüsse mitgeteilt: Die Beratung der Palästina-Frage bei der Exekutivesitzung der Internationale in Berlin bedeutet einen weiteren Fortschritt auf dem Wege der Gewinnung der Sympathien der internationalen sozialistischen Welt für das arbeitende Palästina. Die bei der Exekufivesitzung angenommenen Resolutionen werden insbesondere dem arbeitenden arabischen Volke zeigen, daß die jüdische Arbeiterschaft Palästinas auf die Sympathie und die Solidarität der ganzen arbeitenden Welt rechnen kann. Die Aussprache war von einer Gruppe angeregt, die dem Zionismus auch heute noch nicht mit Sympathie gegenübersteht. An der Debatte, die der Annahme der Resolutionen vorausging, beteiligten sich eine Reihe von jüdischen Mitgliedern der Exekutive, insbesondere aus dem Osten Europas und gaben weltanschauliche Deklarationen gegen den Zionismus und das jüdische Arbeiterwerk in Palästina ab. Sie argumentierten dabei mit den altbekannten assimilatorischen und budhistischen Argumenten. Andere jüdische Mitglieder der Exekutive dagegen hielten sich zurück oder nahmen einen vermittelnden Standpunkt ein. Von englischer Seite wurde den Weltanschauungsreden der jüdischen Gegner des Zionismus sehr eindrucksvoll entgegengetreten, lieber die politischen Fragen des Palästinaaufbaues und die aktuellen politischen Probleme fand keine Debatte statt, was aber wohl an der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit lag. Die Resolutionen wurden einstimmig angenommen, nachdem der Vertreter Palästinas, Kaplansky, in wirkungsvoller Weise den jüdischen Kritikern geantwortet hatte. Im einzelnen gelang es, eine Erklärung der Solidarität der Internationale für die jüdische Arbeiterschaft Palästinas zu erlangen, ohne daß die Internationale damit zum zionistischen Problem als solchem Stellung nimmt. Die Internationale hat weiterhin der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas ihr Vertrauen ausgesprochen, daß sie einen Weg der Verständigung mit dem arabischen Volke in Palästina finden wird, der jede Verhetzung des einen Teiles ausschließt. In der Frage der Ligen für das arbeitende Palästina wurde der Irrtum, der in gewissen Kreisen der Internationale bestand, aufgeklärt, wonach die Liga und der geplante Weltkongreß für das arbeitende Erez Israel eine Veranstaltung internationalen Charakters sein solle, an der auch nichtjüdische Sozialisten teilnehmen. Es wurde der Palästina-Sektion der Internationale und dem Weitverband Poale Zion freie Hand bei der Schaffung von Ligen und bei der Mitarbeit in ihnen wie auch für den Kongreß für das arbeitende Erez Israel gegeben. Gleichfalls dürfen die sonstigen jüdischen Sozialisten an diesen Institutionen teilnehmen, wenn sie sich nach freiem Ermessen dazu entschließen. Es wurde festgestellt, daß die Poale Zion an zionistischen Kongressen und, wie auch andere jüdische Sozialisten, an der Jewish Agency teilnehmen dürfen und es wurde dabei die Hoffnung ausgesprochen, daß sie bei der tatkräftigen Durchsetzung der Interessen der jüdischen Arbeiterklasse in diesen Institutionen Erfolg haben werden. Die Bildung der vereinigten Arbeiterpartei Palästinas Miflegeth Poale Erez Israel wurde zur Kenntnis genommen und die Partei erneut als palästinensische Landessektion' der Internationale anerkannt. Es wurde weiterhin festgestellt, daß die Landesgrtippen der Poale Zion in der Welt mit dieser Sektion konföde.riert sind. Auch wenn in diesen Resolutionen noch nicht alles erreicht worden ist, was die jüdische Arbeiterschaft Palästinas und der sozialistische Zionismus von der Internationale erwarten können, so ist doch ein wesentliches Ziel erreicht worden. Der von den Gegnern vorbereitete große Angriff gegen die palästinensische Arbeiterschaft ist nicht zur Auswirkung gelangt, und das Ergebnis einer Erklärung der Solidarität mit der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas auf der einen Seite, die organisatorischen Möglichkeiten auf der anderen Seite, die sich aus den Beschlüssen ergeben, werden günstige Folgen für die weitere politische und wirtschaftliche Arbeit der sozialistischen zionistischen Bewegung haben. Eid Wahlsieg der polnischen Zionisten Warschau. Bei den Ergänzungswahlen zum Polnischen Sejm im Wahlbezirk Luck-Rowno wurde ein zionistischer Abgeordneter, Dr. Rosenfeld, gewählt. Angesichts des Umstandes, daß die Liste der Minderheitsblocks bei dieser Wahl drei Mandate errungen hat, gelangt ein Mandat von der Rechsiiste zur Besetzung, das ebenfalls einem Zionisten, dem ehemaligen Abgeordneten Dr. A. Insler, zufällt. Ein zionistischer Wahlsieg Czernowitz. Bei den am 18. d. M. statigefundenen Kultusgemeindewahlen haben die Zionisten einen Sieg errungen. Zur Besetzung gelangten 50 Mandate. Gewählt wurden 12 Zionisten, 11 Volksparteiler, 10 Anhänger der Regierungspartei, 8 Bunclisten, 5 Unabhängige und 4 Orthodoxe. Arabische Bauern schließen Frieden mit jüdischen Kolonisten. Jerusalem, 18. Mai (J. T. A.). Die Fellachen des Dorfes Raafat, gegen die Klage erhoben wurde, daß sie ihr Vieh auf dem Boden der jüdischen Kolonie Kalandia in der Nähe von Jerusalem weideten, haben sich an die jüdischen Kolonisten von Kalandia mit der Bitte gewandt, die Klage zurückzuziehen und Frieden mit ihnen zu schließen. Bei Anwesenheit der Polizei wurde zwischen Fellachen und jüdischen Kolonisten ein feierliches Abkommen getroffen. Die Fellachen versprachen, in Zukunft nie etwas gegen die jüdischen Kolonisten zu unternehmen und sprachen in feierlichen Worten den Kolonisten den Dank dafür aus, daß sie die Klage zurückgezogen haben. Hindenburg sendet Julius Rosenwald ein Geschenk und ein Dankschreiben. New York, 18, Mai (J. T. A.). Der Präsident der deutschen Republik Feldmarschall von Hindenburg hat dem bekannten jüdischen Philantropen, Herrn Julius Rosenwald in Chicago, eine wertvolle Vase gesandt nebst einem Schreiben, in welchem Herrn Julius Rosenwald der Dank eDutschlands für seine zahlreichen großmütigen Spenden zugunsten deutscher kultureller Institutionen lind des Fonds für deutsche Kriegswitwen und Kriegswaisen ausgesprochen wird..