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Die Stimme · 1930-05-23 · Heft 127 (23.5.1930) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 127 (23.5.1930)
Date
1930-05-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME ry* - ä. J’r ist Wir protestieren Das letzte Halbjahr hat sich in die Annalen iserer Geschichte mit überaus traurigen Geschehnissen eingeführt. Als wären die Augustereignisse . noch zu wenig gewesen, kam nun die letzte Hiobs- ' post: Stop Immigration. An anderer Stelle werden die näheren Gründe und Umstände, die zur letzten Einwanclerungsspeffe geführt halben, erörtert. Bei aller Erwägung darf aber nicht vergessen werden, daß das Großbritische Imperium mit dieser Sperre einen Wortbruch begangen hat. Unsere historische Verbundenheit (hit Urtier et' alten Heimstätte ist bereits so stark, daß uns auch keine Sperre davor zurückhalten kann, in Palästina unsere altneue Heimstätte zu bauen. Gestützt auf das in der Balfour-Deklaration und imr Palästina- Mandat gegebene Versprechen, brachten > wir ins Land über 100.000 unserer besten Menschen und investierten dort 45 Millionen Pfund. Diese Energien brachte das jüdische Volk wohl nicht zu dem Zwecke auf, um jetzt unser Aufbauwerk, das in Entwicklung begriffen ist, einzustellen. Palästina wurde England in Mandatsverwaltung mit dem Zwecke übergeben, die Wiedererrichtung einer jüdischen Heimstätte zu verwirklichen. Wir sind überzeugt, daß Englands bedeutendster Staatsmann Balfour uns die Deklaration seines Kabinetts gab, gestützt auf die traditionelle prozionistische Einstellung Englands, um. den Juden beim Wiederaufbau ihrer Heimstätte zu helfen. Wir setzten unser Vertrauen in England und seine führenden Staatsmänner und waren überzeugt — wenn auch hie und da Schwierigkeiten eintraten — daß England stets unsere Nationalsache fördern wird. Wir konnten nie glauben, daß momentane politische Konstellationen England veranlassen könnten, den einmal eingeschlagenen und von der Balfour-Deklaration und dem Palästina-Mandat vorgezeichneten Weg zu verlassen. Den heutigen Lenkern Großbritanniens genügten scheinbar die letzten Augustereignisse nicht, sie mußten unserem Leidenskelch noch die bitteren Tropfen der Einvvanderungssperre beigeben. Wenn auch augenblicklich die Einwanderung nach Palästina gesperrt ist, so können und wollen wir nicht glauben, daß Englands heutige Staatslenker uns gegenüber ihr letztes Wort gesprochen haben. Lord Paßfields Verordnung fügt uns Unrecht in größtem Ausmaße zu. Seine Einwanderungssperre wird von den jüdischen Massen instinktiv als eine Belohnung der Araber für die unzähligen Mordtaten angesehen. Dies allein berechtigt uns schon, in die ganze Welt hinaus gegen eine derartige Politik Protest zu erheben. Denn es handelt sich nicht um den jüdischen JischuW in Palästina allein, vielmehr aber um jene Enttäuschung die England mit dieser Sperre einem 15-MHJionen- Volke bereitete. 15 Millionen Menschen, in alle Weltteile zerstreut, setzten ihre Hoffnungen auf England, als das einzige Land und Volk, daß seit Jahrhunderten unserer nationalen Sehnsucht Verständnis entgegenbringt. 15 Millionen Menschen wiegen sich seit 10 Jahren in der Hoffnung, daß England als Mandatarmacht ehrlich bemüht sein wird, dem ewig wanderndem Volke endlich eine Heimstätte zu errichten. Durch einen Federstrich, der wohl nur besagt, daß 3300 Zertifikate für die Zeit der Expertise des Spezialdelegierten Simpson aufgehoben werden, wird diese Hoffnung zerstört. Entrüstung, Groll und Zorn erfassen das jüdische Volk in der ganzen Welt bei dem Gedanken, daß es gerade Englands Arbeiterregierung ist, die unser Aufbauwerk drosselt, um der Machtgier weniger Effendis und Muftis entgegenzukommen. Wir nehmen nicht an, daß die Ereignisse in Indien Macdonald zu veranlassen geeignet wären, das einzige Land, wohin Juden auswandern können, zu sperren. Wir können es kaum fassen, daß gerade England Im jetzigen Momente, wo unsägliches Elend in Osteuropa jüdische Massen dem Hungertode preisgibt, es ihnen unmöglich machen will, nach Palästina auszuwandern. In der ganzen Welt finden Protestkundgebungen statt. Ueberall, wo eine jüdische Gemeinschaft vorhanden ist, wurde mit Entrüstung und Schmerz die Nachricht von der Einwanderungssperre aufgenommen. Das Weltjudentum protestiert. England soll Und darf nicht vergessen, daß eine Mißstimmung eines 15-Milllonen-Volkes ihrer Politik keine besonderen Vorteile bringen kann. Selbst die Rücksichtnahme auf die Mohammedaner in Indien sollte England nicht verleiten, auf die Sympathien von 15 Millionen Juden zu verzichten. oocxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx; IrelWI k Hei im Cafö „Altes Rathaus" (Cafdtier Leo Löwy) Großer« und kleine Klublokale 1« Bez., WippUngerstraße 24 Tel. ü 27-4-84, U 26-2-74 OOOOOOQOOOQOOOOOOOOOOOQOCXXXMXXaOOOQOOO , England« *oii und däff .nicht vergessen, daß die Tüden in England JefleAlachj! sehen, die kraft ihrer Tltfjeren Ucbeczeugung bereit ist, das an uns Juden begangene hiltötischf Unrecht gutzumachen. Die Juden langen England wohl ÄBltrall moralische Vorteile, om hiefüf ÖigLtfer Föfdllung der Errichtung der Heimstättf ein richtiges AiNjjhivalent zu beanspruchen. VVäs wir fön England Verlangen, ist nichts anderes, als die ehrliche Durchführung jener Bestimmungen des Mandates, die England vor aller Welt verpflichten, den Aufbau unserer Heimstätte, wenn schön nicht aktiv *U fÖrdemr-zuminde*t aber nicht zu drosseln. Das Mandat wurdl England übef* tragen, iffn ausschließlich den Inhalt,; der Balfour- Deklaration zu realisieren. Wohl wurde in ihr die Wahrung der Interessen der arabischen Bevölkerung vorgezeichnet, dies legt aber keinesfalls die* Verpflichtung auf, uns Juden gegenüber Rechtsverletzungen zu begehen. Die letzte Maßnahme des. Ko- < lonialamtes kann bei dem besten Wüten nicht anders, als grober Rechtsbruch am jüdischen Volke bezeichnet werden. Wir erheben Protest vor aller Welt und sind. Überzeugt, daß unser Protest auch berücksichtigt werden wird. In dieser schicksalschweren Stunde hoffen wir, daß der Appell unseres Volkes an Englands Gewissen, die besten Männer dieses Volkes zur Einsicht bringen und sie daran erinnern wird, daß es Englands Stolz immer gewesen ist, eine genttemenlike Politik zu führen, deren Merkmale nicht Wortbruch, vielmehr aber die ehrliche Einhaltung der gegebenen Versprechungen ist. Wir hoffen, daß England uns. nicht dazu zwingen wird, es vor dem Völkerbunde und vor der ganzen Menschheit anzuklagen. Die politische Lage (Fortsetzung von Seite 1.) reisen. Wir tun dies unter dem Eindruck, daß der pa+ lästinensisch-arabische Fall von der britischen Regierung nicht in gerechter Weise gelöst werden wird. Der starke Einfluß, den die Zionisten auf die Regierung ausüben, hindert diese daran, gegenüber den Arabern Gerechtigkeit zu Üben, oder Ungerechtigkeit nicht geschehen zu lassen. Die Delegation glaubt, daß nun die Araber alle geeigneten Mittel ergreifen werden, um die jetzige Politik zu bekämpfen. Die arabische Delegation beschloß, London am 23. Mai zu verlassen, und sich über Marseille nach, Palästina zurückzubegeben. Die arabische Delegation scheint davon überzeugt gewesen zu sein, daß die englische Regierung vielleicht angesichts ihrer jetzigen schweren Position in Indien, wo sie auf die Unterstützung der Moslems angewiesen ist, alle ihre Forderungen, obzwar sie dem Geiste der Balfour-Deklaration und" des Palästina-Mandates nicht nur widersprechen, aber geradezu widerlaufen, erfüllen wird. Das halboffizielle Organ der arabischen Exekutive „Al Hayat“ konnte daher nicht genügend der Unzufriedenheit der Araber mit den Erklärungen des Kolonialamtes Ausdruck verleihen. Es muß vielleicht etwas grotesk anmuten, daß sich dieses offiziöse Organ mit nachstehendem Appell an die Christenheit wendet: „Wenn wir bis Jetzt einzig und allein die Zionisten bekämpfen, so Ist es nun Zelt, England als unseren Feind anzusehen. Wir ersuchen die englische Regierung dringend, unsere Forderungen zu erfüllen. Wir werden mit friedlichen Mitteln kämpfen. Achtung, Araber, Euer Fall kann nur in Palästina gelöst werden/ Achtung, Moslemiten, das Heilige Land ist in Gefahrl Achtung, Christen, England will den Juden das Heilige Land, in dem Christus durch Juden gekreuzigt wurde, schenken/ Wir Moslemiten haben alles, was wir vermögen, getan; Jetzt müßt Ihr Christen an unseren Anstrengungen teilnehmend In einem ähnlichen Sinne wie das Kolomalamt, gab auch der Chef der britischen Regierung, Mac Donald, am 16. Mai im Unterhaus in Beantwortung einer Anfrage des bekannten Araberfreundes Col. Howard Bury, der darauf hinwies, daß 100 Millionen Mohammedaner in der ganzen Welt die Lage in Palästina mit wachsendem Interesse verfolgen und es daher möglich sein muß, dem Ersuchen der arabischen Delegation im Rahmen des Mandates zu willfahren, die Erklärung ab, daß er einen guten Teil der Unterhaltungen mit der arabischen Delegation selbst führte und daß alle Punkte zur Spraohe kamen. «Die Unterhaltungen, führte Mae Donald aus, mit der palästinensisch-arabischen Delegation sind jetzt beendet, aber ich möchte nicht den Ausdruck «abgebrochenn gebrauchen. Die Delegation hat vor Mitgliedern der Regierung ihre Ansichten in einer freundschaftlichen und förderlichen Weise dargelegt. Die Regierung ist jetzt dabei, sich über die Meinungen der interessierten Parteien zu informieren, bev o r sie s ic h üb er die Wahl der Schritte, die getan werden sollen, entscheidet.» Die arabische Delegation betrachtet dessen ungeachtet, diese Beendigung der Unterhaltungen als einen Abbruch der Verb a n d- 1 u n g e n. Und def; Vizepräsident der arabischen Exekutive besuchte sogar den Oberkommissär von Palästina, Sir Chancellor, um ihm die Entrüstung der Araber über die Verhandlungen mit der Regierung zum Ausdruck zu bringen. Sir Chancellor Unterließ es sogar nicht, zu erklären, •— cs wäre wohl interessant, zu erfahren, ob mit Zustimmung Londons —, daß die britische Regierung bestrebt Öei, die Palästina-Frage gemäß den arabischen Wünschen zu lösen. Schon in dieser Unterredung, die am 16. Mai sGttfand, erklärte Chancellor, daß er vom Kolonial-Amt in London Instruktionen erhalten habe, die Einwanderung einzustellen, bis die von Sir John Hope Simpson ln Angriff genommenen Untersuchungen der Frage des Bodens und der Einwanderung durchgefiihrt sein werden. Die Palästina-Regierung begnügte sich äber nicht nur damit, sondern fand ausgerechnet den jetzigen Zeitpunkt für geeignet, eine amtliche Rangliste der Würdenträger in Palästina im „Official Gazette“ zu veröffentlichen, in der die Plätze der verschiedenen Würdenträger in Palästina bei feierlichen Gelegenheiten bestimmt werden. Diese Rangliste beinhaltet folgende Rangateilungen: An erster Stolle steht der High Commissioner al3 Repräsentant der Krone, ihm folgen: die Kommandanten der britischen Streitkräfte in Palästina, der Chief Justice, die Mitglieder des Executive Council, der oberste britische Richter^ der Distriktskommissär, der Großmufti, der orthodoxe, lateinische und armenische Patriarch, der anglikanische Bischof von Jerusalem, die Oberrabbiner, der Präsident des Moslemitischen Appellationsgerichtes, die Mitglieder des Advisory Council, die ausländischen Konsuln, der Superior des Franziskanerordens in Palästina, Syrien, Aegypten und Cypern, der Solicitator-Genera.l (Justizbevollmächtigter der Krone), die Präsidenten und Mitglieder der Gerichtshöfe, verschiedene Regierungsbeamte, die Polizeichefs, der Kommandant des transjordani- ' sfchen Grenzschutz-Korps, die Bürgermeister der' verschiedenen Städte, die Mitglieder des Ober- > sten Moslemitischen Rates, die Mitglieder de© 1 Moslemitischen Appellationsgerichtes, der Vorsitzende der Zionistischen E x e c u t i v e, der Präsident des Waad . L 0 u m i, die Magistrate, Muftis, Bischöfe und Stad träte. Es erübrigt sich wohl zu betonen, daß diese Rangordnung von der gesamten Judenschaft als ein Schlag ins Gesicht betrachtet werden muß. Der „Doar Hajom“ nahm auch dagegen in einem Leitartikel Stellung, wobei er betonte, daß der Oberrabbiner im Jüdischen Nationalheim nach dem Großmufti und nach den Vertretern aller christlichen Konfessionen komme. Dem Präsident der Jewish Agency und dem Präsidenten des Waad Lcumi wird in der Liste der 27. Platz eingeräumt. Es ist ganz evident, daß diese Rangordnung, die von der Palästina-Administration vorgeschlagen wurde, die Tendenz trägt, den Arabern zu schmeicheln und uns Juden beleidigend zu treffen.; •**' V-' V Am 12. Mai 1930 fand eine zweistündige Konferenz statt, an der seitens der Regierung der Premierminister Mao Donald, der IXCEISIO Inhaber RICHARD HERZOG I., Adlergasse 5 Tel. 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