Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 127 (23.5.1930)
- Date
- 1930-05-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen v. h. b, Abonaementprelse: für Oeslerrelöb: Mouatl. 8 1.60, Tiertelj. 8 4.S0, nnn|. 8 18.— / Deutschland: Monatl. Goldmark Tiertelj. Gold mark 8.— I Tschechoslowakei: Monatlich Ke 1.—, Tiertelj. Ke 10.— I Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—. vierteljährlich Dinar 40.— i 3. Jahrgang Jüdisdte Zeitung Ifthcliil Ponnct>lq< Itedlalkttoii und JfdmlnlsfKaiton: 'Wien, l„ (BauftcWflttami— I — Jefepftnn Wien, Freitag, 23. Mal 1930 (25. Ijar 5690) PolMt Monatl. Zloty >jo, Tiertelj. Zitoy 6.50 f Ungant Monatl. Pengö 1.50, Tiertelj. Pengö 4.S0 I Rumtttlent Monatl. Lei 45.—, tiertelj. Lei 115.— I Bulgarien: Monatl. Lewa 80.—, Tiertelj. Lewa 80.— Boiglon: Monatl. Belga 1.—, tiertelj. Belga 6.— I üebtigoo Anstandt Monatl. Sehweiser Franken 1.00 Nummer 127 1 Wien, 22. Mai. Wir erhielten heute um Uhr mittags von der J. T. A. London telephonisch nachstehende Mltteilungen: ln der gestrigen Sitzung des Unterhauses interpellierte Sir Hamilton in Angelegenheit der zurückgezogenen Zertifikate. Unterstaatssekretär Dr. S h i e 1 s beantwortete die Interpellation dahin, daß die Einwanderung nur zeitweise eingestellt wurde. Die Verordnung ist nicht als endgültige Sperre der Einwanderung zu betrachten. Die Regierung habe die Zertifikate nur mit Rücksicht auf Simpsons Delegierung nach Palästina zurückgezogen, da es notwendig sei, solange keine Resultate seiner Untersuchungen vorliegen, die Einwanderung einzustellen. Nachher wird wohl die Möglichkeit bestehen, die Einwanderung in erhöhtem Maße zuzulassen. Die amerikanisch-jüdische Arbeiterschaft hat die Labour Party aufgefordert, bei der Regierung ju intervenieren. Die Labour Party hat bis nun noch keine Schritte unternommen. Weizmanns Protestschreiben an Mac Donald, ist noch nicht beantwortet worden. Die Zionistische Exekutive macht von der Antwort Mac Donalds ihre weiteren politischen Schritte abhängig. «Manchester Guardian» von heute früh vertritt den Standpunkt, daß Weizmann, der blsnun in England vollstes Vertrauen setzte, zum Zeichen des Protestes zu resignieren hätte. Auf eine Anfrage der «Ita», ob Weizmann der Aufforderung des «Hajnt», zu resignieren, Folge zu leisten gedenke, verweigerte er eine diesbezügliche Erklärung. Aus Jerusalem sind Nachrichten über die bereits getroffenen Vorbereitungen zum Generalstreik eingelangt. Die jüdischen Post- und Eisenbahnbeamten nehmen am Generalstreik nicht teil. Der Waad Leumi fordert die Judenschaft auf, den Generalstreik ruhig, ohne Demonstrationen, verlaufen zu lassen. Die englisch-jüdische Presse protestiert, ln schärfster Weise gegen', die Einwanderungssperre. Eine ebenso Scharfe Protestaktlon hat in Amerika elngesetzt ,•> Pie ' Äsency. ,1. junl in London tagftk _ Die Zentrale der Revisionisten verlangt die Einberufung eines ordentlichen Kongresses (auf Grund von Neuwahlen) für September d. J. Hendersons Erklärung im VölkerlMindrat — Die Klagemauer-Kommission — „Abbruch“ der Verhandlungen mit den Arabern — Die Araber sind unzufrieden — Sie sind dagegen, daß „das Land, in dem Christus gekreuzigt wurde“, „den Juden geschenkt** werde - Mac Donald will sich „informieren" lassen — Chancellors eigentümliche Erklärung — Festsetzung einer die Juden beleidigenden Rangordnung Vertreter der Jewish-Agency bei Mac Donald — Die katastrophale Verordnung des üolonia'amles — Ihre Wirkung auf die Judenheit — Proteststurm — Erregung in Palästina - Forderung nach Einberufung eines außerordentlichen Kongresses Der Hechaluz appelliert an die Labour Party — Der Waad Leumi proklamiert den Generalstreik — 1921 und 1990 — Die amerikanische Regierung fordert von ihrem Jerusalemer Generalkonsul Berichte ab — Poale-Zion interveniert bei der Labour Party — Weizmanns Bemühungen Die gesamte Zionistische Organisation durch ielit gegenwärtig schwere Tage. Die letzten Nachrichten, die geradezu mit einer Hast eintreffen, haben innerhalb der Judenschaft eine starke Depression hervorgerufen. Im Nachetehenden versuchen wir die letzten politischen Ereignisse chronologisch zu schildern. Die am 12. Mai d. J. tagende Sitzung des Völkerbundrates beschäftigte sich insoweit mit der Palästina-Frage, als von der britischen Regierung die Namen für die Sonderkommission zur Erforschung der arabisch-jüdischen Ansprüche auf die Klagemauer namhaft gemacht wurden. Zum Präsidenten der Kommission wurde der ehemalige schwedische Außenminister E 1 i e 1 Zoefgren, zu Mitgliedern der Genfer Richter Charles Barde und der Holländer van Kempen, ein ehemaliger Beamter der holländischen Kolonialverwaltung, gewählt. Schon die Wahl dieser Mitglieder, die Protestanten sind, beweist, daß der Völkerbundrat die Absicht hat, die Prüfung der jüdischen und arabischen Rechte und Ansprüche in Verbindung mit der Klagemauer von unparteiischen Menschen vornehmen zu lassen. Nicht uninteressant ist zu erwähnen, daß das persische Ratsmitglied Aga Khan sich der Abstimmung enthielt und die Erklärung abgab, er habe Vertrauen zur Mandatarmacht, daß sie die Wünsche der Moslems ernstlich berücksichtigen werde. In der öffentlichen Sitzung des Völkerhundrates vom 15. Mai gab der englische Außenminister Henderson eine Erklärung über die Palästina-Politik der englischen Regierung ab, in der er u. a. ausführte, ’%• daß im Verlauf der Behandlung des Berichtes der britischen Palästina-Untersuchungskommission durch die Mandatskommission des Völkerbundes in ihrer nächsten Tu >>g der britische Bevollmächtigte ein ausführliches Jiatement abgeben werde. Die erste Aufgabe in Palästina sieht die Regierung in der Aufrechterhaltung der Ordnung. Sie hat darum die englischen Mititärstreitkräfte in Palästina verstärkt und befaßt sich gegenwärtig mit dem Studium der Frage des Unterhaltes einer ständigen Garnison im Lande. Bis zur Beschlußfassung über diese Frage wird eine Reduktion der in Palästina gegenwärtig vorhandenen Militärstreitkräfte nicht vorgenommen werden. Der Polizeisachverständige Dowbiggin wurde mit der Ausarbeitung eines Vorschlages bezüglich Reorganisation und Reform der Palästina-Polizei betraut; sein Bericht liegt noch nicht fertig vor, manche seiner provisorischen Vorschläge bezüglich der Verbesserung des Polizeischutzes werden schon heute durchgeführt. Die rein britische Polizei" abteilung wurde um 400 Mann erhöht, weitere 79 werden hinzukommen. Die britische Regierung, fuhr Henderson fort, ist sich der Bedeutung der Probleme des Bodens und der Einwanderung in Palästina, auf die in dem Bericht der Shaw-Kommission hingewiesen wird, bewußt; sie ent- J sandte Sir John Hope Simpson nach Palästina, um speziell diese Probleme zu studieren. Die britische Regierung, sagte Henderson zum Schluß, hat die Anwesenheit einer arabischen Delegation ln London benutzt, um mit ihr die zukünftige Politik zu erörtern. Die Regierung hat sich über den Standpunkt der arabischen Führer und über die arabischen Aspirationen informieren lassen. Die Regierung widmet sich dem Studium dieses Problems und hofft, Wege zu finden, um im Rahmen des Mandates die legitimen Forderungen der Araber zu befriedigen und die von den Arabern noch gehegten Befürchtungen zu zerstreuen. Die in einigen Zeitungen verbreiteten Nachrichten, als ob Hefaderson J die Erklärung -abgegeben habe,' daß die Regierung die Verhandlungen mit den Arabern abgebrochen hat, habön eich als unzutreffend erwiesen. Denn zu gleicher Zeit besagte ein offizielles Communique der britischen Regierung folgendes: ' *Pi* inLondon zwischen Mitgliedern nnd( ddr arabischen Palästina- Delegaition etattgefuhdehen Unterhaltungen sind . beendet* Die Delegation hat Hure Ansichten über eine Reihe von Themen, besonders Boden, Einwanderung, Gewährung einer Verfassung zum Ausdruck gebracht. Die Regierung hat von diesen Ansichten Kenntnis genommen. Der Delegation gegenüber wurde betont, daß die von ihr geforderten durchgreifen- . den konstitutionellen Aenderungen völlig unannehmbar seien, da sie es der Regierung unmöglich machen würden, ihren mit dem Mandat übernommenen Verpflichtungen nachzukommeh.' Es wurde in klarer Weise dargetan, daß die Vorschläge, die . mit den Bestimmungen des Mandates unvereinbar sind, in! keiner Weise in Erwägung gezogen werden können.“ Nähere Mitteilung über die Art und dei Umfang der Verhandlungen, gibt uns die Erklärung, die die arabische Delegation zur Begründung ihres Entschlusses, London zu verlassen, der Presse übergeben hat. In dieser Erklärung heißt es. wortwörtlich: Die englische Regierug hat unsere gerechten Forderungen zurückgewiesen, sie teilte uns nur mit, daß sie einen Experten hach Palästina entsendet, der die Probleme des Bodens und der Einwanderung von neuem studieren soll, und daß sie in kurzer Zeit gewisse konstitutionelle Aenderungen in der Regierung Palästinas vornehmen wird. Diese Aenderungen entsprachen nicht den Forderungen, die wir unterbreitet haben und die darauf hinausgehen, daß die Einwanderung nach Palästina gestoppt werden soll, daß gesetzliche Bestimmungen getroffen werden, wonach im Hinblick auf den Bodenmangel der in arabischem Besitz befindliche Boden nicht verkauft werden dürfe und daß eine demokratische Regierung in Palästina errichtet werde, an der alle Einwohner des Landes im Verhältnis zu ihrer Zahl teilhaben sollen. Nachdem die englische Regierung diese unsere Forderungen zurückgewiesen Hat, gerieten die Besprechungen in eine Sackgasse, die Diskussion mußte beendet werden. Wir beschlossen, heimwärts zu (Fortsetzung Seite 2, Spalte 2.) m KA15ER3TR. m K AtSERSTR. 6 A