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Die Stimme · 1930-05-15 · Heft 126 (15.5.1930) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 126 (15.5.1930)
Date
1930-05-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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PIE STIMME Nr. m Aus Rußland TferfifegtStn als neues jüdisches Siedftfflgsgtetfifet _ Aus Anlaß der Eröffnung der Turkestan—Sibirienösenbahn (Turicsib) begaben sich mehrere Vertreter der ausländischen Presse nach Turkestan. Der Moskauer Verfrrterder Jüdischen Telegraphen-Agentur, der an dieser Exkursion teilnahm, hatte eine Unterredung mit dem Reeiermgschef der Sowjetrepublik Turkestan, Herrn Ysaew, der ihm mrtteäte, die Regierung von Turkestan habe sich entachfossen, der Regierungskommission für jüdische Landansiedluog in der Sowjetunion (Komzet) das Angebot zu «wehen, eine jüdische Binnenwanderung aus anderen Territorien der Sowjetunion nach Turkestan zu organisieren. Turkestan, fügte der Regierungschef hinzu, ist etwa dreimal so groß wie Frankreich, hat aber eine Bevölkerung von nur sieben Millionen Menschen, so daß für Neuansiedlung reichßch Raum vorhanden ist. Die Einwohner dieses Landes kennen den Antisemitismus nicht. Die Turksib-Eisenbahn- Hnie erschließt Turkestan der Welt. Der Moskauer I. T.-A.- Vertreter, der in dem Joumalistenzuge durch Turkestan reiste, traf an einzelnen Stationen Juden aus Weißrußland, die ihm versicherten, daß sie sich in Turkestan, wo sie seit drei Jahren wohnen, viel glücklicher fühlen als in ihrer alten Heimat. Sie haben vollauf Beschäftigung als Schneider, Schuhmacher, Barbiere und in anderen Handwerkerbranchen gefunden. Eine Anzahl Juden wird in den Eisenbahnbureaus längs der Turksib-Strecke beschäftigt. Bill Shatov, der jüdische Erbauer der Tttrksib- Eisenbahn Der jetzt ln der gesamten Sowjetunion gefeierteste Mann tet Ball Shatov, der Erbauer der durch schwierigstes Gebiet führenden, 928 Meilen langen Turksib-Eisenbahn, die Sibirien und Turkestan miteinander verbindet und eine der längsten Eisenbahnstrecken der Welt ist. Bill Shatov war vor einigen Jahren ein bekannter Jüdischer Arbeiterführer in den Vereinigten Staaten. Die Huldigung für ihn bildete den Mittelpunkt der Zeremonie bei der Eröffnung der Turksib- Eisenbahn. Kurz nach der Zeremonie erzählte Bill Shatov dem Moskauer I. T.-A.-Vertreter über seinen Lebensweg. Er hatte einen Teil der jüdischen Arbeiterschaft im Osten von New York organisiert und half, die Gewerkschaften der Schneider und Buchdrucker schaffen. Er selbst mußte in New York schwer um seine wirtschaftliche Existenz kämpfen, bis er später sich dem Eisenbahnbau widmen konnte. Heute, sagte er, wo ich meine größte Leistung vollbracht habe, gedenke ich meiner jüdischen Freunde in Amerika, mit denen ich zusammen gekämpft und gelitten habe. Stalin sandte Shatov seine Grüße und verlieh ihm den Orden des Roten Banners, die höchste Auszeichnung der Sowjetunion. Die jüdischen Kollektiven in Weißrußland Die Minsker Zeitung «Oktiabr» teilt mit: Im Jahre 1924 existierten in Weißrußland 31 jüdische Kollektiven mit insgesamt 336 Familien und 1590 Seelen. Anfang 1930 aber zählte man in Weißrußland schon 245 jüdische Kollektiven. Allein im Jahre 1929 wurden 47 neue jiidsiche Kollektiven mit 788 Familien und 3371 Seelen geschaffen, ln Wirklichkeit existierten in Weißrußland bereits 300 jüdische Kollektiven, etwa 50 Kollektiven lösten 9ich aber infolge der Internationalfsierung (Vereinigung mit nichtjüdischen Kollektiven) nod anderer Ursachen auf. Den Kollektiven gehören nicht nur Landwirte, sondern auch Kleinhandwerker an. Die Zeitung klagt, daß die Religion in den Kollektiven nicht zu entwurzeln ist. In mehreren derselben wird täglich eine gemeinsame Andacht abgehalten, es werden Schächter, Prediger und andere religiöse Funktionäre gehalten. Das Jüdische Kollektiv «Koloss» (kreis Minsk) versorgt die jüdische Be-; völkerung der ganzen Umgegend mit Koscher-Fleisch. Erste jüdische Mustertextilfabrik in der Sowjetunion In Anwesenheit offizieller Persönlichkeiten fand am 2. Mai in Moskau die Eröffnung der ersten jüdischen Muster- Textilfabrik der Sowjetunion statt. Die Fabrik ist vom 0. R. T.-Verband eingerichtet worden und sie ist mit den modernsten Textil- und Strumpfwirkmaschinen aus dem Ausland ausgestattet. Der neuen O. R. T.-Unternehmung ist eine Schule angegtiedert, in der jüdische jugendliche für die qualifizierte Arbeit in der Textilindustrie ausgebildet werden. Nach den feierlichen Ansprachen wurde die neue Fabrik in Betrieb gesetzt. Lateinisches Alphabeth für Jiddisch In der in diesen Tagen stattgefundenen Konferenz der jiddischen Kulturarbeiter für die gesamte Ukraine machte Kammenstein den Vorschlag, das lateinische Alphabet an Stelle des hebräischen für die jiddische Sprache einzuführen. Die Konferenz stimmte diesem Vorschlag zu und faßte eine Resolution, in der die zentrale orthographische Kommission aufgefordert wird, diesen Beschluß aurchzuführen. Die jiddische Presse wird aufgefordert, die Frage der Einführung des lateinischen Alphabetes zttf öffentlichen Diskussion zu stellen. 90.000 Schüler in jiddischen Schulen Ukrainas Die Charkower Zeitung «Stern» teilt mit, daß die Sowjetschulen mit jiddischer Unterrichtssprache in der Ukraine von 90.000 jüdischen Kindern, d. s. 52 Prozent aHer jüdischen Kinder im schulpflichtigen Alter besucht werden. Außer einem großen Netz von Elementar- und Mittelschulen mit jiddischer Unterrichtssprache gibt es auch mehrere jiddische pädagogische Hochschulen in allen Teilen der Sowjetunion. Ein wichtiges Gebiet bilden die technischen Fachschulen mit jiddischer Unterrichtssprache, von denen es allein in der Ukraine etwa 100 gibt. Der Artikel schließt mit der Bemerkung, daß das jiddische Bildungssystem in Sowjetruß- \and eine große Zukunft hat. Die jüdische Inquisition Die Charkower Zeitung «Stern» teilt mit, daß der Maler Schechtmann an einem Gemälde «Die jüdische Inquisition» arbeitet, weiches die Rabbiner in ihrer «wahren Gestalt» darstellen soll. Das Bild wird dem Museum für jiddische Kultur (Mendele-Museum) einverleibt werden, das eine Abteilung für jiddische proletarische Kunst erhält. Die Rabbiner, schreibt «Stern», 6ind Wölfe im Schafspelz,* gleich den katholischen Geistlichen übten sie, wo sie konnten, eine Art Inquisition gegen Andersdenkende aus. Dr. Emil Parnas gestorben. Samstag, den 10. Mal, verschied hier im Alter von 63 Jahren der bekannte Lemberger Advokat Dr. Emil Parnas. Dr. Parnas, der seit drei Jahrzehnten zu den führenden Persönlichkeiten der Lemberger Assimilation zählte, hat ungeachtet seiner politischen Einstellung großes Interesse für jüdische Angelegenheiten an den Tag gelegt, ln den letzten Jahren bekundete er auch großes Interesse Die Wodke Bukarest In der Kammer und im Senat fand eine Trauerkundgebung für die 110 Opfer des Kirchenbrandesin Cisteschti statt, bei der Senator Landesrabbiner Dr. J. Niemirowerder der Trauer der Judenschaft Ausdruck gab. London. Gegenüber der von Colonel Howard Bury im Unterhaus vorgebrachten Behauptung, daß Ruthenberg alle für die Kraftstation in Haifa bestimmt gewesenen Maschinen aus Deutschland bezogen hatte, wird der L T. A. aus autoritativer Quelle in London mitgeteilt, daß alle Maschinen für das Haifaer Kraftwerk in England (Birmingham und Stockport) bestellt wurden. Warschau. Zwecks Beschaffung der nötigen Mittel leitet «Toz» eine Aktion ein, um im Sommer 1930 10.000 unbemittelte Kinder jüdischer Familien zur Erholung in Sommerkolonien zu senden. Im Sommer 1930 werden in Polen 50.000 jüdische Kinder in Sommerkolonien geschickt. — Bei der Eröffnung der Warschauer Handwerkerkammer veranstalteten die christlichen und jüdischen Handwerkervereine, gemeinsam und jeder für sich, feierliche Kundgebungen. Es war dies das erstemal, daß jüdische und christliche Handwerker gemeinsam demonstrierten. Frankfurt a. M. Hier wurde unter Anteilnahme weitester jüdischer Kreise im Festsaal der Elisabethenschule x das 50jährige Jubiläum der Israelitischen Retigionsschule gefeiert. Anläßlich dieses Jubiläums erscheint im Laufe dieses Jahres eine Festschrift, die wissenschaftliche und pädagogische Beiträge des jetzigen Leiters sowie jetziger und früherer Lehrer und Schüler der Anstalt enthalten wird. Kaschau. Der Soziale Hilfsverein der Juden für die Slowakei hat soeben mit dem Bau eines großen Waisenhauses und Lehrlingsheimes begonnen; das Joint Distribution Committee steuerte 5000 Dollar bei. Größere Unterstützungen des Staates, der Stadt und des Landes stehen in Aussicht. Für den Ankauf eines entsprechenden Grundstückes wurden bereits 2000 Dollar verwendet Saloniki. Ueber dringende Vorstellungen des Verbandes jüdischer Gemeinden wurden die Subventionen für jüdische Schulen seitens der griechischen Regierung von 1,400.000 auf 1,800.000 Drs. erhöht. Prag. Der Wunderrabbi von Munkacz, Spira, hat sich zu einem vierwöchigen Aufenthalt in Palästina eingeschifft. Die in der Auslandpresse verbreitete Nachricht, die Prager englische Gesandtschaft habe über Forderung der Zionisten die Visumerteilung verweigert, ist ohne jeder Grundlage. Rabbi Spira soll durch zionistischen Einfluß bewogen worden sein, Palästina zu besuchen. New York. Hier verstarb im Alter von 72 Jahren der aus Deutschland stammende bekannte jüdische Arzt Dr. Woiff- Fachärztliche Behandlung, von Haut- und Geschlechtskrankheiten Physikalische Therapie,; ärztliche Kosmetik. Heilanstalt SoI-Ray I., Kärntnerstraße 10, Eingang Seitengasse. Tel. R 27-1-88. Freudenthal. — Es wird geplant, in Pittsburgh ein Monumentalgebäude zu errichten,- das den Namen «Kathedrale des Wissens» führen soll. D,er Pittsburger Verband jüdischer Frauenvereine hat an 100 berühmte Persönlichkeiten, u. a. an Wells, Prof. Einstein, Prof. Dr. Welzmann, Bialik, Bischof Mac Connel, Fragebogen bezüglich «Schaffung eines jüdischen Raumes» in der Kathedrale gerichtet. Riga. In seiner letzten Sitzung hat der Ministerrat der Einbürgerung von 121 staatenlosen und ausländischen Juden zugestimmt Beothen. Bei den Wahlen zur Rep rasen tantenversammlung der jüdischen Gemeinde Beuthen erhielt die jüdische Volkspartei 320 Stimmen. Sie eroberte acht Mandate. Berlin. Am 14. und 15. Juni findet in Dresden die diesjährige Tagung der «Arbeitsgemeinschaft der Jüdisch-liberalen Jugendvereine Deutschlands» (Arge) statt. — In dem Berliner nationalsozialistischen Blatt «Der Angriff» wind angekündigt, daß im Sommersemester eine «empfehlenswerte, unentgeltliche, auch für Nichtstudierende zugängliche Vorlesung» des Geheimen Oberregierungs- und Ministerialrates Gerstmeyer, der dem Nationalsozialismus nahesteht, am Seminar für orientalische Sprachen der Universität Berlin über «Auswärtige Politik» stattfindet. Auf die Frage des «Berliner Tageblattes», ob es sich hiebei um nationalsozialisti.*:he Propagandakurse handelt, die der Staat finanziert, antwortete das preußische Kultusministerium, daß Min.-Rat Gerstmeyer weder der nationalsozialistischen Partei angehört noch dem Nationalsozialismus irgendwie nahesteht. — Der nationalsozialistische Abgeordnete Ley hielt in einer Sitzung des preußischen Landtages eine maßlos antisemitische Hetzrede. — Der nationalsozialistische Abgeordnete Kube riet dem preußischen Ministerpräsidenten, dem Beispiel des Innen- und Kultusministers Frick in Thüringen zu folgen und «alle Juden aus seinem Ministerium hinauszuwerfen, man brauche im preußischen Staatsministerium kein zionistisches Sonderdezernat der Hebräer». Weimar. Die thüringischen Nationalsozialisten versuchen bei ihren Koalitionsgenossen im Landtag eine Zustimmung zum Schächtverbot zu erpressen. Amsterdam. Am 16. Mai findet hier eine Konferenz der* holländischen Schomrei Schabbos Organisationen statt. Berlin. Im Alter von 82 Jahren starb der langjährige preußische Landtagsabgeordnete und Berliner Stadtrat Leopold Rosenow, der auch als Jude an jüdischen öffentlichen Angelegenheiten regen Anteil nahm. Elbing. Hier fand die Ostmark-Tagung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten statt. Breslau. Im hiesigen Rundfunk hjelt Referendar Hans Klee-Berlin einen Vortrag (Iber Palästina. VVTVYVTfTfVYTVTVTTT für das Palästina-Aufbauwerk. Er wurde auch als Vertreter des nichtzionistischen Teils der Jewish-Agency in Ostgalizien gewählt und nahm an der ersten Tagung der Agency ln Zürich teil. Eine Reise nach Palästina stärkte seinen Qiauben an die Zukunft des jüdischen Volkes in Erez Israel. Nach seiner Rückkehr stellte er Sich in den Dienst der Palästinasache. Dr. Parnas spielte auch eine große Rolle in den großen jüdischen charitativen Gesellschaften und hat auf diesem Gebiete Ersprießliches geleistet. Mit ihm ist eine der markantesten jüdischen Figuren in Lemberg dahingegangeti. Kleine Nachrichten ausPalästina Ben Zwi hat bei Gericht eine Klage gegen eine arabische Zeitung eingebracht, die behauptete, er sei ein Führer der Kommunisten. ln Jerusalem wurde eine Gesellschaft tut Entwicklung von Handel und Industrie unter den Arabern begründet, deren gegen die Juden gerichtete Boykott-Tendenz klar ist. ln Amman wurde eine Gesellschaft für Versorgung der Stadt mit elektrischer Kraft gegründet, deren Aktionäre nur Transjordanier sein können. Der Italiener Dr. Ronakli, der nach Palästina kam und als Chalnz arbeitete, trat zum Judentum über. Die Entschädigungen, die an Juden Palästinas bisher gezahlt wurden, betragen eine Summe von 89.700 Pfund. Neun sephardische Juden aus Haifa, die beschuldigt waren, im August auf Araber'geschossen zu haben, wurden aus der Haft entlassen. Dubowsky, ein Jude aus Tel Aviv, wurde mit einer Geldbuße von 6 Pfund belegt, weil er am vergangenen Samstag hinter dem Auto des Polizeichefs Riggs Rufe ausstieß. Vier Kommunisten, darunter drei Juden und ein Araber, wurden zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie versuchten, am 1. Mai eine Kundgebung zu veranstalten. Der Araber Mohammed Tawii, der vor der Shaw- Kommission die arabische Exekutive belastet hat, wurde verhaftet, weil er ein gegen die arabische Exekutive gerichtetes Flugblatt veröffentlicht hat. Die Kommunisten in den Gefängnissen von Jaffa und Acco traten in den Hungerstreik. Der Jaffaer Jude Wollhandler wurde wegen Zugehörigkeit zu einer iHegalen Organisation auf ein Jahr nach Raananah verbannt. Dies ist der erste Fall, daß ein Jude verbannt wird. Sehen Juden in Haifa, die beschuldigt waren, aus einem Automobil auf Araber geschossen zu haben, wurden freigesprochen. Der arabischen Bevölkerung von Hebron wurde eine Kollektivgeldbuße von 10.000 Pfund und den Dörfern um Hebron eine solche von 4000 Pfund auferlegt. Die Bußen sind jm Verlaufe von fünf Jahren zu leisten. Professor Leslie Abercrombie von der Universität Liverpool ist in Jerusalem eingetroffen, um in der Angelegenheit der Entwicklung der Haifabucht seinen fachmännischen Rat zu erteilen. In Jerusalem wurde ein Aufruf führender jüdischer Persönlichkeiten und Organisationen veröffentlicht, in dem der Palästina-Nothilfsfonds dringend ersucht wird, mindestens 50.000 Pfund für den Wiederaufbau der Hebroner Jüdischen Gemeinde zu bewilligen. In Palästina sind Kurt Blumenfeld und Dr. Berthold Peiwel eingetroffen. Im Jahre 1929 legten in palästinensischen Häfen 741 Schiffe mit 1,935.000 Tonnen an; im Küstenhandel 355 Schiffe mit 838.582 Tonnen. Brief aus Graz Herzl-Gedenkfeier der israelitischen Kultus* gemeinde. Die israelitische Kultusgemeinde in Graz veranstaltete Dienstag, den 6. Mai im Tempel anläßlich des 70. Geburtstages Theodor Herzls, eine Gedenkfeier bei der der Präsident des zionistischen Aktionskomitees, Herr Leo Motzkin, die Gedenkrede hielt Zu Ehren des hohen Gastes veranstaltete die Kultusgemeinde im Sitzungsaale eine Begrüßungsfeier, zu der sämtliche Kultusräte, Herr Landesrabbiner Universitätsprofessor Dr. David Herzog, die Vorstände sämtlicher jüdischer Vereinigungen und andere Ehrengäste geladen waren. Der Präsident der Kultusgemeinde, Herr Dr. Robert Sonnenwald, begrüßte den Gast im Namen der Kultusgemeinde, Vizepräsident der Kultusgemeinde und Vorsitzender der zionistischen Ortsgruppe, Herr Karl Schwarz, im Namen der zionistischen Ortsgruppe, ln seiner Erwiderung betonte Präsident Motzkin, daß die jüdischen Gemeinden mehr noch als bisher zu einem engeren Zusammenschluß kommen müßten, um gemeinsam alle großen Fragen der jüdische» Gemeinschaft zur Lösung zu bringen. In seiner großangelegten Gedenkrede, die Präsident Mob*kin im Tcmpe* vor e.nem zahlreich erschienenen Publikum hielt, führte er im wesentlichen das aus, worüber er in Wien in seiner Gedenkrede sprach und worüber bereits in der «Stimme» berichtet wurde. Seine Rede hinterließ einen gewaltigen Eindruck, sowohl bei den Zionisten als auch bei den anwesenden Nichtsionisten. Wir wollen hoffen, daß besonders seine Schlußausführungcn, in denen er alle Kreise zur tatkräftigen Mitarbeit für das Palästina-Aufbauwerk auf'orderte, auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Die erhebende Feier wurde durch hebräische Gesangsvorträge des jüdischen Tempelchores verschönert. Im Anschlüsse an diese Feier fand im Restaurant Hermann ein Festbankett, das von der zionistischen Ortsgruppe veranstaltet wurde, statt und brachte man auch hier H?rrn Präsidenten Motzkin lebhafteste Ovationen dar. Besondere Anerkennung sei au dieser Stelle der Leitung der israelitischen Kultusgemeinde gezollt, die diese erhebende Feier veranstaltete. Es mag als würdiger Auftakt der Arbeit der Kultusgemeinde unter zionistischer Mehrheitsführung geschätzt werden, daß sie nunmehr bestrebt ist; allen Interessen des Judentums gerecht zu werden, und daß sie Feiern, die bisher mehr parteipolitische Kundgebungen waren, dadurch den Charakter überparteilicher Kundgebungen des Gesamtjudentums gibt, in diesem Sinne wird nun hoffentlich langsam aber sicher die Umwandlung der Kultusgemeinde in eine wahrhaft jüdische Volksgemeinde sich vollziehen. Chaim. Dr. Josef Gelbard Mgr. Rosa Bannet Wim Bn (in Verlobte Wiiu - B«kn Har $690 (Mai 1930) 1

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