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Die Stimme · 1930-05-15 · Heft 126 (15.5.1930) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 126 (15.5.1930)
Date
1930-05-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 126 ak cnuiip UUy Qr 11MC Seite 3 Wa6tUh,f*uM£ntifu?MUn; Wen tUijfaufe ftU den, Wen {faiOotiufett cUn%^üe^£t füxeUa BETRSON Die Lichtquelle Von Helene Hanna Thon (Jerusalem) Der Autobus fährt längs des Kinerethsees, dessen matt schimmernder Spiegel in den Bergen verschwimmt wie die Berge verschwimmen in den lichtgrauen Winterwolken. Die isonnenlose Landschaft des Sees ist wie ein verhauchender Geigenton. An den Ufern blüht und grünt es in zielloser Fülle — die Ziegen des fellbedeckten, langzöpfigen arabischen Hirten, der mit seiner Herde vorüberzieht, kauen die jungen .Triebe der Büsche ab. Dann taucht am Ende des Sees Zemach auf — mit seiner schlammigen Dorfstraße, seinen schmutzigen Lehmhütten, ein Fischerdorf wie aus biblischen Zeiten. Im Felde zieht ein lasttragendes Beduinenweib mit zwei zerlumpten IKindem. Nach einer Weile Fahrt steht plötzlich etwas am Wege, das aus einer ganz anderen Welt als der dieser unerschlossenen Landschaft stammt: ein Turm, dessen Eisenstäbe, so stark und fest sie sind, sich doch wie ein zartes Filigran gegen den leicht bewölkten Himmel abheben, ein Gebilde von Grazie und Anmut und dabei <— man spürt es — beladen mit Kraft und Enerige. Dahinter ein zweiter, gleicher Turm nud noch einer und noch einer, in ununterbrochener Reihe — die Türme der Ruthenbergschen Kraftstation. Wie vibrierende Nervenstränge zittern die elektrischen Drähte über dem halb brachen Land. «NaharaimJ» ruft der arabische Zugschaffner, «Ort der zwei Ströme». Vor einigen Jahren fuhren wir hier auf ratternden (Leiterwagen, die Waffe in der Tasche, durchs Land. Es war jein Wintertag wie heute. Rauschend, mit starkem Gefälle, izog der Jordan vorbei, und an der Stelle, wo das Blühen jtmd Grünen am Flußabhang sich zur Wildnis steigerte, verleinigten sich mit den Jordanwellen die Wellen des von den |transjordanischen Bergen heruntereilenden Jarmuk. In einsamer Schönheit lag das Land da — weit und breit niemand [als ein paar Beduinen mit ihren Ziegen. Es ist als seien unterdessen Jahrhunderte vorbeiigerauscht Man verläßt den Zug und steht in einer bevölkerten, bebauten Gegend, die von einem Brausen und 'Rauschen erfüllt ist. Man geht den gleichzeitig aus dem Zuge gestiegenen Leuten nach, vorbei an Gruppen jüdischer Arbeiter, arabischer Arbeiter, Soldaten des Grenzkorps mit scharlachroten Gürteln und Turbanen auf der Khaki-Uniform. Zelte tauchen auf, Schuppen zur Rechten, ein halbfertiger Bau von mächtiger, phantastischer Form. Zur Linken ein mäßiger Hügel mit einer großen Anzahl ganz gleichmäßiger, geschmackvoller Häuser von solidester Bauweise. Steigt man die schöne, breite Asphaltstraße, die rechts und links von hübschen Gartenanlagen eingefaßt ist, empor zum Gipfel des Hügels, so findet man sich von diesen nach den modernsten Regeln der Ausnutzung und Abwehr des Klimas erbauten Häusern, im Halbkreis umgeben. Man steht mitten in Tel-Or — der Lichtstadt. , In den gepflegten Büroräumen, in denen eine In Palästina oft vermißte Atmosphäre der Schlichtheit und konzentrierten Aufmerksamkeit herrscht, kann man an Hand von Karten den Plan des technischen Werkes studieren, das hier ausgeführt wird. Dann geht man hinüber zu einem anderen Hügelgipfel, auf dem sich das Haus des Mannes erhebt, der mit seiner technischen Begabung und seinem stählernen Willen diesen Plan ersonnen hat und ausführt Von dem Ruthenberg’schen Hause erblickt man — unendlich weit und wie aufgeschlossen bis zu seinen feinsten Gliedern und Adern — das Land und seine Lichtquelle. Hier breitet sich das weite grüne Tal aus bis zu den fernen Hügeln, auf denen Ortschaften mit festen Häusern — unverkennbar jüdische Kolonien — sich erheben, und bis zu den nahen Bergen des transjordanischen Gebirges. Hier sieht man in seiner Klarheit den Jordan durch den Talkessel fließen, gestärkt und angeschwellt durch seine Vereinigung mit dem Jarmuk. Aber an der Flußmündung, wo noch vor wenigen Jahren die Wildnis in einsamer Schönheit lag — ist jetzt die Romantik geschwunden, und Gebilde von einer ganz anderen Schönheit sind entstanden. Hier an der künstlich verlegten Mündungsstelle ist eine Brücke entstanden mit Schleusen und Kanälen, die den Lauf der vereinigten Flüsse dämmen und regulieren. Eine Strecke weit von dieser Brücke entfernt steht dao halbfertige Kraftwerk mit seinen eingebauten Riesenmaschinen und zwei gewaltigen Oeffnungen, aus denen bald der abgeleitete Strom schießen, aus einer Höhe von vielen Metern herabatürzen und mit seiner Kraft die elektrischen Maschinen im Lande in Gang setzen wird. Ueberal! auf dem Rundgang durch die Lichtstadt, die sich ein gutes Stück bis in das transjordanische Gebiet hinein erstreckt, begleitet uns das Rauschen und Brausen der Jordanwellen. Bald wird dieser Klang hundertfältig ansdtwellen, wenn das Wasser aus den beiden Riesenlöchern heransgeschieudert wird und die Maschinen kreisen und stöhnen werden. Es Ist Mittagszeit, und wie wir die große Speisebarackc betreten, umgibt uns ein neuer brausender Klang, omrauscht uns ein neuer Kraftstrom. Hier halten jetzt die fünfhundert Ruthenberg’schen Arbeiter ihre Mahlzeit — lauter junge, kräftige Männergestalten, die ausgewählte Blüte des Pionier- und Arbeiterheeres in Palästina. Hier speisen die Fünfhundert, dort drüben schlafen sie in ihren luftigen, sauberen, kleinen Häusern, in der Baracke der Kulturkommission veranstalten sie ihre Versammlungen und Vorträge, in denen sie sich über die Probleme jüdischer Kultur, die Probleme des Landes klar werden und sich der Arbeit im Lande immer aufs neue geloben. Hinter den Barrikaden und in den Schützengräben, die sie in den Augusttagen errichteten, waren sie bereit, die Lichtstadt und die Grenzen von Erez Israel bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen — dieser Verteidigungsstellen freilich bedurfte es nicht, denn niemand wagte es, die von ihnen bewachte Grenze zu überschreiten. Der Kraftstrom, def diese jungen Gestalten erfüllt, ist gewaltiger noch als der elektrische Strom, den die Drähte auf den Eisenfifigrantürmen von der Vereinigungsstelle des Jordan und Jarmuk weg tief ins Land hineintragen. Und gleich jenen unbeseelten zieht dieser beseelte Strom andere Kräfte an, setzt neue Energien in Bewegung: von dem Hügel, darauf Ruthenbergs Haus steht, sieht man in der Ferne die jüdischen Siedlungen Daganiah, Kinereth. Noch vor kurzem waren sic einsam, abgelegen und kümmerlich; jetzt, da das Heer der Fünfhundert Brot braucht, Milch, Gemüse, Früchte, sind sie aufgeblüht und mit ihnen die Emeksiedlungen, die durch ihre gemeinsame Verkehrsgenossenschaft das Arbeiterheer ernähren. Auch draußen im f Kaffea-Resfaarant „Praterfee - Lustige Witwe“ I | Prater-Hauptallee. | I In obigem Etablissement wird ein £ * STRENG ORTH. “lEO | S SELCHWflRENBÜFETT! | beliefert von der bestrenommlerten Firma g I Petyan & Co., I I Wien, XX., Klosterneuburgerstraße 60, eröffnet. I I Dasselbe untersteht der gewohnten strengsten J ■ Aufsicht u. ist für volle Einhaltung der Vor- I I sorge getroffen. Um regen Zuspruch wird gebeten. | Lande, wo man elektrische Leitungen legt, repariert, kontrolliert, sind Hunderte jüdische Arbeiter in Tätigkeit versetzt worden und haben damit Raum für Hunderte neuer Einwanderer geschaffen. Mit Bewunderung überblickt man von der Hügeispitze das Werk des Mannes, der diese Energieströme in Bewegung setzt. Freilich ein Einzelner hätte dieses Werk schwerlich ins Leben rufen können — hinter ihm und der von ihm geschaffenen Gesellschaft stand die Zionistische Organisation, deren Prestige und direkte Hilfe ihm die Mittel zum Werk in die Hand gab, deren moralische Kraft das Heer der Fünfhundert ins Land zog. Ohne den Keren Hajessod, der die Einwanderer ins Land brachte, die in jahrelangen — mitunter verlustreichen Versuchen zur technischen Arbeit erzog, der hier in der Krankenkasse für ihren Schutz gegen Fieber und Krankheit, in der Kulturkommission für ihre Erziehung zu kultureller Einheitlichkeit sorgt, dank dessen Hilfe die jüdischen Kolonien des Landes liefern lernten, was zum Unterhalt der Vielen notwendig ist — ohne seine Unterstützung hätte der Gegenpol der Ruthenberg’schen Energie niemals den zündenden Funken ins Land hinaussenden können. Es würde sich lohnen, einmal aufzuzeigen, wie alle individuelle Kraft in Palästina gestützt und getragen ist von der Kraft der Zionistischen Organisation und des Keren Hajessod. Am Zeltlager der hundert arabischen Arbeiter vorbei, die mitarbeiten an der Erschließung der Jordankraft, gehen wir zurück zur Bahnstation. Der Zug fährt durch das grünende Land — auf der ganzen Strecke bis Haifa begegnet man den zartkraftvollen Ruthenberg’schen Eisentürmfen mit ihren Nervensträngen aus Draht. ln Haifa, am Meeresstrand, ist Bewegung. Hier wird der Hafen gebaut, der vielleicht noch lange keine Notwendigkeit für das Land geworden wäre, wenn nicht jüdische Einwanderung und jüdische Arbeit es aus seinem Schlummer geweckt hätten. Mit Krachen stürzen Riesenkrähne die Felsbiöcke, die arabische und jüdische Arbeiter in Athlit aus dem Felsen gesprengt haben, ins Meer. Die stille Verträumtheit der Bucht von Akka ist gestört, gestört wie die stille Verträumtheit der Vereinigung von Jordan und Jarmuk an der Grenze der transjordanischen Wüste. Ziellose, triebhafte Träumerei gegen zielbewußte Wahrheit im Dienste einer großen Idee —■ vielleicht ist dies der Kern des Gegensatzes zwischen dem arabischen Palästina und dem jüdischen Erez-lsrael, den die Welt nicht verstehen will. , , - . . % Ein Dementi Gandhis Im Oktober v. J. veröffentlichte die arabische Presse ein Telegramm aois Delhi, nach dem Gandhi dem VhteikörMg von Indien angeboten hätte, 20.000 Hindus LLOYD TRIESTIHO DIREKTE LINIE TMEST-JAFFA-HAIFA mit den vorzüglichen Salonschiffen «Adria» und «Carnaro»." Fahrtdauer 4]/2 Tage. Fahrpreise: 1. Kl. Lst. 22.—, II. Kl. Lst. 15.—, HI. Kl. Lst. 6.— inkl. Bett und Verpflegung. Für Chaluzlm und TeurlsIcniisellichadaR baiondtr« Ermäßigungen. Für Einzeireisc-fide kostet die Fahrt: nach Palästina und aurOck in der Hl. Klasse inkl. Kabine und Verpflegung bloß österr. Schilling 416.—. Auskünfte Lloyd Triestino. Wien I, Kärntnerring 6 nach Jerusalem zu entsenden, um die heiligen Stätten gegen jüdische Angriffe zu beschützen. Der Redakteur der in Shanghai erscheinenden Monatsschrift «Israels Messenger» wandte sich daraufhin an Gandhi, um zu erfahren, ob diese Nachricht den Tatsachen entspreche. Nunmehr veröffentlicht «Israels Messenger» die erhaltene Antwort in facsimile, in der es heißt, daß Gandhi kein Angebot dieser Art gemacht habe, noch von emem solchen überhaupt etwas wisse. Sein Glaube att die Kraft des Prinzips der Gewaltlosigkeit Weibe unefNschüttert. Die Todesurteile in Palästina — Ein Trauertag der Palästina-Moslems Jerusalem. (I. T. A.) Die palästinensisch-arabische Exekutive hat das religiöse Fest Id aä-Adha, das auf den 9. Mai fällt, als allgemeinen Trauertag für däe Araber Palästinas wegen der gegen Araber im Zusammenhang mit den August-Unruhen ausgesprochenst Todesurteile proklamiert. Dieser Trauertag solle sich In jedem Jahre wiederholen, Ws Palästina seine Unabhängigkeit erlangt hat. Samuel Pevsner gestorben. Jerusalem, 8. Mai. (I. T. A.) Ingenieur Samuel Pevstte^ Mitglied des Waad Leumi, ein Schwiegersohn des verstorbenen hebräischen Denkers Achad Haam (Ascher Ginsberg), erlitt am 6. Mai morgens, als er von einer Sitzung des Waad Leumi, die bis in die Morgenstunden dauerte, ia die Wohnung Ruppins zurückkehrte, einen Schlaganfall, au dessen Folgen er verstarb. Pevsner war Präsident der Haifaer jüdischen Handelskammer und der Haifaer jüdischen Vorstadt Hadar Hakarmel. Schon dem ersten Zionistenkongresse in Basel wohnte er als Delegierter bei Seit 25 Jahren lebte er in Palästina. Er war einige Zeit Direktor dp# Haifaer Technikums. Zionistische Probleme aui der IV. iWeltkon* ferenz der Revisionfcäen. London (I. T. A.) Die vierte Weltkonferenz der Weltunion der Zionisten-Revisionisten wird am 3. August in Prag eröffnet und fünf Tage dauern. Das Exekutivkomitee der Weltunion erwartet, daß mindestens 200 Delegierte die revisionistische Organisation der ganzen Welt auf der Konferenz vertreten werden. Außer denprogrammatischen und organisatorischen Fragen der revisionistischen Bewegung, wird sich die Konferenz u. a. auch mit folgenden Problemen befassen: 1. Beziehungen zur Zion. Organisation. Z Alijah und Kolonisation. 3. Politische Tätigkeit. 4. Förderung der Tozereth-Haarez. Der amerikanische Gesandte A. Rathosky Über» gibt Masaryk sein Beglaubigungsschreiben. Prag (I. T. A.). Der Präsident der Republik empfing: in einer besonderen Audienz den’ neuen amerikanischen Gesandten in Prag, den Bostoner jüdischen Bankier Abraham Rathesky, der Masaryk die Grüße des Präsidenten der Vereinigten Staaten Hoover überbrachte. Die polnische Regierung Aktionärin der „Bank Olc Polonia“. Warschau. Wie die ITA erfährt, hat die polnische Regierung beschlossen, Aktien der von polnischen Juden in Palästina zur Förderung des palästinensisch-polnischen Handelsverkehrs in Tel-Aviv gegründeten «Bank Oie Polonia» in Höhe von 1000 Pfund zu erwerben. Die Bank wird u. a. Waren belehnen, die aus Polen nach Palästina importiert werden. Senator Posner trotz des Protestes des Warschauer Rabbinates auf dem evangelischen Friedhof begraben Warschau. Vor einigen Tagen starb hier der bekannte Führer der polnischen Sozialdemokratie Senator Posner, der auf dem evangelischen Friedhof begraben wurde* Das Warschauer Rabbinat übergab dem Regierungskommissär einen Protest wegen der Bestattung Posners auf dem evangelischen Friedhof, da er bis zu seinem Lebensende Jude war. Der Regier ungskommissär nahm diesen Protest nicht zur Kenntnis, Die Jüdische Gemeinde wird entsprechende Schritte tmterlehmen.

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