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Die Stimme · 1930-05-08 · Heft 125 (8.5.1930) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 125 (8.5.1930)
Date
1930-05-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nf. 125 DIE STIMME Seite 3 SBoljlfuenb uttb erfrifdjettb 6et alten ©orfeoten beSünterS, Bet älteren Seuten, btc ft# matt unb aBgefjwnnt fügten, über ßohffdjmerj, 0i|Ä>inbelg«füliI, gi#tif#c unb tgeumattf#e 2tef#toet« ben Hagen, Ijat ftd^ frei betfäuflt#e§, rabtun#altige3 MaMoflfetin errttefen, bal baS ©lut auffrifdjt, Beffere ©urdjblutung be§ ganjen Rötpetä betoiiit, geiftige unb förpetltdje 3ltBeitSfä^ig!eit 6t§ ins t>al>e Hltcr erhält. Stabiumgeljalt amtlich geprüft. (Stneratbepot unb ÄuSfunft: ^[potbefe .©aper, 2Ö i e n, 1. ©ej., SBoUjetle 13. ©rofpette gratis unb franfo. Schwer zu erfassen ist die wahre Größe des ersten Zio* ftistenkongresses. Seine wichtigste Bedeutung liegt im Umstande, daß nach 1800 Jahren sich das Judentum zusammenraffte und an die Welt die Frage stellte: Mit welchem Recht habt Ihr uns unser Land genommen? Das war die erste Ankündigung eines ungeheuren Prozesses, den wir gegen die gesittete Kulturwelt angestrengt haben. Noch heute stehen wir in diesem Prozeß. Noch ist das Urteil nicht gefällt und nicht nur diesen Prozeß führen wir. Wir prozessieren uns mit denjenigen Faktoren, in deren Hand die Macht liegt, uns unser Land zurückzugeben. Unvorhergesehenerweise führen wir auch einen Prozeß mit dem arabischen Volk. Dies haben wir nie zu Herzls Zeiten als möglich erachtet. Und wenn heute arabischerseits unser Recht auf Palästina bestritten wird, wenn heute die Araber der Welt einreden wollen, daß für sie Palästina ein Zentrum bedeutet, dann möge in Erinnerung gebracht werden, daß Palästina nie ein politisches oder kulturelles Zentrum des Arabertums war. Wir hörten in der arabischen Geschichte von Mekka, von Damaskus, wir hörten nie von Palästina. Die nach dem Kriege entstandenen arabischen Staaten sind insgesamt 75mal so groß, wie Palästina. Und diese ungeheure Fläche ist bloß von 10 Millionen Arabern bewohnt. Sollte gerade der kleine Landstreifen von Dan bis Berseba eine Lebensbedingung für dieses an Boden so unschätzbar reiche Volk bedeuten? Auch in unseren Kreisen lassen sich jetzt von Zeit zu Zeit Aussprüche wie: «Vielleicht geschieht den Arabern unrecht» hören. Diese UeberempfindKchkeit ist vollkommen unberechtigt.. Von einer individuellen Beeinträchtigung der arabischen Rechte kann keine Rede sein. Wir sind in der Durchführung unserer Kolonisationsbestrebungen peinlich darauf bedacht, daß durch säe kein Araber geschädigt werde und es ist wohl Tatsache, daß die jüdische Kolonisation der arabischen Bevölkerung zum Segen gereichte. Anders steht es allerdings um das nationale Unrecht. Die Araber sagen: Wir verzichten auf die Bereicherung, es ist unser Land, wir wollen keine jüdische Imigration. Nun war aber Palästina nie ein arabischnationales Land. Wir haben seit einer Zeit —- fuhr Motzkin fort — einen. Pakt mit Nichtzionästen. Das schicksalsschwerste Problem bezüglich der Jewish Agency lautet: Will sie dem Zionismus und dem Judentum wirklich helfen, dann muß sie ungeheure Mittel aufbringen. Wir werden uns demnächst an unsere nich.tzionistischen Freunde wenden und ihnen sagen: Wollt Ihr das heutige Judentum von den großen Gefahren, die es bedrohen, befreien, dann müßt Ihr ganz andere als präliminierte Summen geben. Wir stehen heute in dem Moment einer der größten Prozesse ... Motzkins Rede, die mit einem nicht enden wollenden Sturm des Beifalls aufgenommen wurde, hänterließ — und dies ist wohl keine übliche Phrase — einen großen Eindruck. Es folgte sodann eine Gesangsnummer des jüdischen Gesangsvereines und^ des Oberkantors Margulies («Adon Olam»). Zum Schluß wurde die Hatikwah gesungen, die von den Versammelten stehend angehört wurde. Massenbesuch am Herzl-Grabe 10.000 Zionisten pilgern zuin Grabe ihres . Führers In überaus imposanter und würdiger Weise feierten die Wiener Zionisten den 70. Geburtstag Theodor Herzls. . Sonntag, den 4. d., fand der Gang der Wiener Zionisten zum Grabe Herzls statt, der sich zu einem leidenschaftlichen Bekenntnis der Liebe zu ihrem toten Führer und zu einer imposanten und mächtigen Kundgebung für sein Werk gestaltete. Bis nun war es der Wiener Zionisten heiligste Tradition gewesen, seit 26 Jahren an jedem Todestage in großen Scharen zum frabe des unvergeßlichen Führers zu pilgern. Zum erstenmale war es der Gang an einem Festtage, an seinem Geburtstage. Dieser Idee liegt ein tiefer, bedeutender Sinn zugrunde. Das Glück, welches das Schicksal dem Judentum und der Judenheit durch die Geburt Herzls zuteil werden ließ, ist so unendlich groß, daß es unsere Trauer Über seinen allzufrühen Tod sanft mildern, daß es uns dankbar, demütig und stolz zugleich stimmen soll, daß wir ihn besessen haben. Herzl ist tot, lebt nicht mehr? Oh, glaubt das nicht! Trauert nicht müßig! Er war da, gehörte uns und ist gegenwärtiger und lebendiger denn je. Und so wurde dieser Gang zu seinem Grabe ein starkes, unvergeßliches Erlebnis. Alle, alle waren sie gekommen, die Aeltesten, die Getreuen, — unsere Würde — und die Jüngsten, die Kleinsten, — unser Stolz, unsere Hoffnung. Die Beteiligung war diesmal auch eine ganz außergewöhnlich starke. Schon in den ersten Morgenstunden sah man in den Zufahrtsstraßen nach Döbling zahlreiche Jugendgruppen zum Sammelpunkte ziehen. Um 10 Uhr setzte sich der schier endlose Zug in Bewegung und erst gegen %2 Uhr nachmittags verlassen die Letzten den Gottesacker. Ueber 3 Stunden lang defilieren 10.000 Zionisten in weihevoller Stille an dem Grabe ihres Einzigen, Unvergeßlichen vorbei, senken sich vor dem Grabe zahllose Fahnen und Standarten der vorbeiziehenden Gruppen, Vereine und Verbände. Die Ehrenwache am Grabe halten Chaluzim und Studenten. Ein Spalier der ganzen Allee entlang wird von Jugendlichen gebildet. Die Spitze des Zuges, dem zwei Vertreter der Zionistischen Studentenverbindungen mit großen, blau-weißen Fahnen voranschritten, bildeten der aus Anlaß der Feier hier weilende Präsident des Zionistischen Aktionskomitees Leo Motzkin, der Präsident der Österreichischen Zionistischen Organisation Dr. Jakob Ehrlich, der Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Josef Löwenherz, der Obmann des Klubs zionistischer Mandatare Dr. Desider Friedmann und das gesamte Landeskomitee. Ihnen folgen die Präsidien der Fondskommissionen, die zionistischen Kultusvorsteher, der zionistischakademische Landesverband, das Präsidium der «Judäa», zionistische Studentenverbindungen in Couleur, Vertreterinnen des «Wizo», die einzelnen Bezirksorganisationen, die Histadruth Ivrith», der Lehrkörper des Chajes-Realgymnasiums, die Sonderverbände der «Misrachi», «Hitachduth», «Poaie Zion», die demokratischen Zionisten und Revisionisten. Ueberaus erfreulich und erhebend der Anblick der nun folgenden Jugend. Ein prächtiges, unvergeßliches Bild. Allen voran der Pfadfinderbund «Zirenu», lauter stramme, sehnige Hochfrequenz-Bestrahlung gegen Nervenleiden, Rheumatismus, Ischias. Heilanstalt Sol-Ra, 1., Kärntnerstraße 10, Eingang Seitengasse. Tel. R 27-1-83. Burschen und Mädels mit hellen, frischen Gesichtern, die in schmucker . Dreß, mit ihrem originellen Pfeifenspiel hellste ' Begeisterung auslösten. Die Brith-Trumpeldor-Jugend und Makkabi-Turner sowie Mitglieder des Sportklubs Hakoah mit ihrer großen Fahne. Dann kommen Abordnungen der I Zionistischen Jugendgruppen aus St. Pölten und anderen Provnnzorten, der Jugendverein «Erez-Israel», der mit ihm vereinigte Bund «Jüdischer Juftgwanderer», der mit seiner jüngsten Garde besonders auffiel, und Misrachi-Jugend. Eine starke Gruppe «Zionistische Mittelschüler», Studenten und Studentinnen, sowie die Absolventen des Chajes-Real- 1 gymnasiums,. die Mädchenvereinigungen «Mirjam» und «Deborah», der Verband zionistischer Hochschülerinnen und ’ eine sehr stattliche Zahl von Schulkindern aus der hebräischen Schule des Lehrers Herzberg. ihnen folgte nun der schöne und imposante Zug des Linkskartells der zionistisch-sozialistischen Jugendverbände: «Hatachduth», «Blau-Weiß», «Haschomer Hezair», und wie Sonlons fhrt Sie tBidlommenfte ©obe jum HBnttertofll sie sonst alle, heißen. Starken Eindruck hinterließen all diese jungen zionistischen Sozialisten mit ihren roten Fahnen und Standarten, von denen viele hebräische Aufschriften trugen. So führten sie edn großes Transparent mit der Aufschrift «Es lebe das arbeitende Palästina». Der geschlossene Zug war ein starker Beweis der Einheit der zionistischen Bewegung. Dr. J. R—1. Die palästinensisch-arabische Delegation in den Vereinigten Staaten New York, 2. Mai. (I. T. A.) Soeben ist in New York eine palästinensisch-arabische Delegation unter Führung von Emir Abdel Arslän eingetroffen. ln einem Gespräch mit, dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur erklärte Emir Arslän, es könne keine Verständigung zwischen Juden und Arabern auf der Basis der Balfour-Deklaration geben; auch kann es keinen Frieden in Palästina geben, solange die beiden das Land bewohnenden Nationen einander widersprechenden Zielen zustreben. Der einzige Weg für eine Verständigung zwischen Juden und Arabern wäre die Zurücknahme der Balfour-Deklaration, die einen feindlichen Schachzug gegen die arabische Nation darstelilt, Wir haben so lange mit den Juden in Palästina in Frieden gelebt, als diese keine politischen Ambitionen hatten. Wir können eine fremde politische Macht in unserem Lande nicht diulden, die Zionisten stellen aber eine solche Macht dar.. Die Araber leben seit zwölf Jahrhunderten in Palästina; ihre Rechte auf das Land können ebensowenig bestritten werden, wie die Rechte des amerikanischen Volkes durch die Ansprüche der Indianer angefochten werden können. Während wir vor der Balfour-Deklaration freundschaftliche Beziehungen zu den Juden unterhielten, sehen wir heute sogar die orthodoxen nichtzionistrsohen Juden als Feinde an, die unser Land beherrschen wollen. Die Reorganisation der palästinensischen Polizei Jerusalem, 2. Mai. (I. T. A.) Der Polizeikommandant von Ceylon, Dowbiggin, der einige Monate in Palästina geweilt und einen Entwurf für Reorganisation der Palästina-Polizei ausgearbeitet hat, empfiehlt, wie mitgeteilt wiTd, in seinem Entwurf die Abschaffung der Muniziipal-Polizei, die Errichtung von Polizeistationen der allgemeinen Landespolizei in allen Orten und die Verstärkung des britischen Elementes innerhalb der Polizei. Die neue Polizeikraft in Tel-Aviv wird sich laut dem Entwurf Dowbiggins aus 20 britischen Polizerbeamten und einer Anzahl Polizisten aus dem Orte zusammensetzen und einem britischen Polizeiinspektor unterstellt sein. Nach diesem Entwurf wird die Tel- Avtver Polizei-Einheit in ihrer bisherigen Fonm, mit ihrer ausschließlich jüdischen Zusammensetzung, ihrer besonderen Uniform und der von der Xel-Aviver Stadtverwaltung geleisteten höheren Entlohnung, ebenso die besonderen Polizei-Einheiten in den jüdischen! Kolonien, zu existieren aufhören. Die Klagern au erkommission Genf. Wie der I. T. A.-Vertreter erfährt, ist bis heute beim Völkerbundkommissariat ein Ersuchen der britischen Regierung, auf die Tagesordnung der am 12. Mai in Genf beginnenden Sitzung des Völkerfeundrates die Frage der Ernennung einer Kommission zur Lösung des Klagemauerproblems zu setzen, nicht gestellt worden. Bekanntlich hat es die britische Regierung übernommen, die Namen der drei Mitglieder dieser Kommission, die alle Nichtengländer sein sollen, dem Völkerbundrat vorzuschlagen. Man glaubt hier, daß die britisch« Regierung daran interessiert sein wird, daß schon die nächste Session des Völkerbundrates die Frage der Ernennung der Kommission der Erledigung zuführt und daß sie noch vor Beginn der Session oder während derselben dem Rat ihre Vorschläge unterbreiten wird. Ein Spezialkommissär nach Palästina delegiert London. Das Kolonialamt hat nach Palästina den Kommissär der englischen Zivilverwaltung in Indien, Sir John Simpson, delegiert, mit dem Aufträge, mit dem Oberkommissär von Palästina, Sir Chancellor, Besprechungen abzuhalten und der englischen Regierung einen Bericht über die Probleme der landwirtschaftlichen Kolonisation und der Entwicklung der Imigration nach Palästina vorzulegen. London. Die arabische Delegation ersuchte Mac Donald, nach Palästina keine neue Kommission zu entsenden, die sich mit der Untersuchung der politischen Probleme beschäftigen soll. Sir Simpson, der, wie oben erwähnt, in einer speziellen Mission der englischen Regierung nach Palästina reist, ist bloß ein Experte für Kolonisationsfragen und wird sich mit politischen Fragen überhaupt nicht befassen. Das Palästinensische Rabbinat für das Balfour-Bttch des Jüdischen Nationalfonds Jerusalem, b Mai. (1. T. A.) Der Oberrabbiner der Aschkenasischen Gemeinde Palästinas, Kook, der Oberrabbmer der Sephardisohen Gemeinde, Jacob Meir, die Rabbiner Aronson und Uzid veröffentlichen ein Manifest an die jüdischen Gemeinden, Synagogen und Talmud-Tihora-Schulen mit der Aufforderung, sich in das Balfour-Buch des Keren Kajemeth Lejisrael eintragen zu lassen und sich freiwillig in den Dienst der doppelten Mizwafi, der Auslösung des Heiligen Landes und der Wahrung des Andenkens einer großen Gestalt innerhalb der Menschheit zu stellen, die gewaltig in das Schicksal Israels zum Segen des Volkes eingriff. 89,700 Pfand an Entschädigungen an Juden ansbezahlt Jerusalem. (I. T. A.) Aus der heute veröffentlichten Entschädigungsliste ersieht man, daß an Juden, die während der Augustunruhen, gelitten haben, 89.700 Pfund an Entschädigungsgeldern bisher ausbezahlt wurden. Eintragungen in den Balfour-Band des Keren Kajemeth Ehrenpflicht aller zionistischen Gruppen und vermögender Juden l

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