Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 125 (8.5.1930)
- Date
- 1930-05-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nt m oie stimme Sette 3 w ■*> S5o4 -«w <0-r oAt\c ÜÖ<z4 die Mxfvvunq vAaeifcut) Itiat cUbTÖnfittncfuie ^Intfcm- $as aU\*L BERS O Vom Dach des Nationalfondshauses Von Dr. E. M. Zweig, Jerusalem. Nach dem. Aulnauschen des Pessachfestes trat mit Chol-Ham oed der .Werkeltag wieder in sein Recht ur.d der A-utobus führt mich von der Talpfother VHlegiatur den gewohnten Wög stadtwärts ins Bureau des KKL- Hatiptbureaus. Doch, wie ist dieser Tag unterschieden von allen anderen Tagen! Denn heute sollen — nach den Akten und Möbeln — nun auch wir Beamten als das lebende Inventar ins neue Amtshaus übersiedeln. Während ich d-ie Biricet Mamillastraße hinaufschreite, wird mir bewußt, wie die verschiedenen Stadien der Behausung unseres Jerusalemer Bureaus im Laufe der letzten acht Jahre ebensoviele Stufen der Konsolidierung bedeuten. Fremd, recht fremd waren wir dem Jischuw, als wir im Spätsommer 1922, unser sechzehn Kopf hoch, vom Haag her in die Heilige Stadt Einzug hielten. Trotz des. Wideretrebens der maßgebendsten Männer im Zionismus, ja iim KKL-Direktorium selbst, hatte sich «das Hauptbureau» durch schließlichen Appell an den Karlsbader Kongreß vom J-ahre 1921 freie Bahn nach Altneuland erkämpft. Hier sollte der Nationalfonds durch seine Wiederverwurzelung mit dem Väterboden neu belebt, hier ihm die Erfüllung seiner hohen Aufgabe als Pionier der Belegung ermöglicht werden. Doch aller Anfang ist schwer. In den beengten Verhältnissen des Jerusalem von damals war für unser Bureau in der Stadt selbst keine Unterkuft zu finden, und so mietete man weit draußen, gegen Bethlehem zu, in der Griechischen Kolonie, ein bescheidenes Haus, das deutschen Christen gehörte; und wir Beamten unsererseits mußten, da die Verbindung mit der Stadt zu Fuß oder mit der ■«Aibandja», der landesüblichen Kalesche, gleich beschwerlich war, ringsum bei — zumeist christlichen — Griechen, Armeniern und Arabern Unterschlupf suchen — ein neues Galuth. Dabei fehlte zum Schaden nicht der Spott, da man uns die Leute vom Christlichen Nätionalfonds rief. Doch 1925 konnte das Bureau nach der Stadt übersiedeln und nächst der oberen Jaffastraße, beim Cinema Zion, in einem jüdischen Neubau als Mieter eimziehen. Nun war der KKL. dem jüdischen Leben auch äußerlich nähergebracht; der Verkehr mit den Bruderinstituften war erleichtert und die vielen, aus allem Ländern herandrängendem Touristen, die an Ussischkins Tür pochten, konnten befruchtend auf unsere Arbeit wirken. Aber noch durfte man nicht zufrieden sein. Entsprach es ja keineswegs der Würde des Volksschatzes, daß er, der dem jüdischen Bauer Boden unter die Füße schob und alle wichtigen nationalen Schöpfungen, wie Universität und Technikum, viele Schulen, Spitäler und .Tempel mit dem nötigen Baugrund ausrüstete, selbst noch immer auf fremdem Grund und in fremdem Hause saß. Erst das dank der Verbindung mit dem Phönix gewährte Baudarlehen ermöglichte jetzt endlich dem Direktorium (unter Führung Ussischklns), den Keren Kajemeth zum vollen Herrn seiner Geschicke zu machen. Der Platz fürs Bureau war schon lang erwählt: es war die neben dem Kloster Ratisbonne gelegene Eckparzelle in jenem Komplex Dzfndziria, der schon vor Jahren mit KKL.-Geldern von der Palästina- Landentwioklungs-Gesellschaft dem notleidenden Griechischen Patriarchat abgekauft worden war, und wo nun die blühende Vorstadt Rechawla als Wohnsitz der vornehmsten jüdischem Familien erstand. Mit solcher Rückschau befaßt, bin ich beim neuem Amtshaus angelangt. Die Arbeiter müssen sich die letzten Tage über recht gesputet haben, um nun uns Beamten Zutritt zu schaffen. Die Gerüste sind verschwunden und das Aeußere des Hauses präsentiert sich in schmucker Sauberkeit. Deshalb ist es beileibe kein Zierbau. Die Quadern des hellen Marmors, der in den nahen Bergen Judäas gebrochen wurde, haben sich zu einem wuchtigen Monumentalbau gefügt, der ebenso dem Ernst der Landschaft wie der Würde des Nationalfonds entspricht. Wie eine Festung mutet es dich an, ja, wie die Festung des um den Väterboden ringenden Judentums! Dabei ist das, was man vor sich sieht, nur ein Eckflügel jenes großen zionistischen Amtshauses» das nebst uns auch die Bureaus der Jewish Agency, des Keren Hajessod und wahrscheinlich auch der meißnischen Organisation Hadassah bergen soll. Der kühne Plan des Architekten Ratner im Haifa, welchem das vom Wiener Meister Prof. Frank präsidierte RichterkoHegium den Preis gereicht, wird sich bald zu voller Wirklichkeit gestalten. Jeden Freund des Nationalfonds muß es mit froher Genugtuung erfüllen, daß er sich auch hier als Pionier des Gesamtvoikes bewährt hat, daß er wiederum voranschritt, nicht mit dem Beispiel bloß, sondern auch mit hilfreicher Tat. Denn er, dem mm so gerne sorwwf* ec «Mn ttgentfertttkrittlMc Sdtetatobt auf einem Staat im zionistischen Staat aus, bat nun dem Braderinstituftonem dem ersten Hypotbekarkredit gesichert und sich überdies beeilt, schon jetzt das Fundament für die AnscMußbatrien 2« legen. Wer aus dem Vestibül die zwei Stockwerke hoch bis zur breiten Dachtearasse emporsteigt, sieht den gewaltigen Grundriß des Gesamtbaues sich vom braunen Erdreich deutlich abheben. Das Gebäude wird in ein großes, gegen die Kmg-George-Avenue offenes Halbrund ausschwimgen, das einen geräumigen Hof umschließt. Und wer sich genießender Vorschau freuen will, meint ihn schon von hunderten Autos belebt, weiche zu hohem Anlaß cfie Festgäste naoh dem Repräsentationssaal im künftigen Mitteltrakt bringen. Und wir Juden werden ein Regierungshaus haben, noch bevor das Nationalheim endgültig unser fet . . . Doch bleiben wir nüchtern und bei der Gegenwart! Auch sie wahrlich entbehrt des pulsenden Lebens nicht. Prachtvoll ist der Ausblick, den diese hohe Warte bietet. Jerusalem ringsum, eingefaßt von Berg und Tal, die noch in grünem Samt des scheidenden Frühlings schimmern. Jäh drängt sich diie Frage auf: Und wo in diesem Häuserwirrsai sind die jüdischem Positionen, wo stehen die Zelte Jakobs? Niemand kann ums diese Frage verdenken, etwa als Zeichen nationaler Beschränktheit oder gar streitlustigen Feindsimnes. Denn auch hier gilt: «Es kann der Beste nicht im Frieden leben...« Noch sind ja, unter den Augen der Regierung, alle nichtjüdischen Häuser durch Kreuze und andere Zeichen gemärkt, daß man hier nicht morden und plündern soll. So haben die Engländer ihren Leitspruch vom «My House ist my Castle» uns Juden mundgerecht gemacht. Unmittelbar unter uns liegt Rechawia mit dem neuen hebräischen Gymnasium. Sorgt Euch nicht darum, daß diese Siedlung von zwei mächtigen katholischen Bauten eingeengt ist, dem alten Kloster Ratisbonne und dem «Opera Ferrari». Ratisbonne hat bei den letzten Unruhen den attackierten Bewohnern von Rechawla freundlich Obdach gewährt und uns so dreifach verpflichtet, beste Nachbarschaft zu halten. Die Opera Ferrari mit dem goldsclTimmernden Madonnenbild auf dem First wurde erst vor ein paar Jahren, nach der prunkenden Werbefahrt Kardinal Ferraris, autigerichtet und den Jesuiten zur Verbreitung ihrer Kultur unter den Arabern anvertraut. Unser Jischuw aber schwillt über jeden Damm. Schon hat Reohawia hinter Ratisbonne hemm Anschluß gefunden an Schaare Chesed und hiermit zu dem Block ärmlicher, doch voliksreioher Schechunoth, die zur oberen Jaffastraße hinstreben. Und gegen Süden zu ist aus Mitteln der unter Verwaltung Oberrabbiner Kuks stehende’n Kolelim ein neuer Vorort Kirjath Schmuei iim Werden, dessen Häuschen hinter der Opera Ferrari und dem christlich-arabischen Tafibie geradewegs dem seit langem von den Griechen besetzten Kattamon zulaufen. Vom höchsten Hügel am Horizont grüßt Talpioth herüber, sohmuck und trotz der Attacke von der Wüste her zukunftsfroh; es wird nunmehr, wie eine gefährdete Kostbarkeit, doppelt bewacht, vom englischen Militärcamp diesseits und jenseits vom jüdischen Vorposten Ramath Rachel. Im Osten blauen über der,Tiefsenke des Gehinnom fem die Berge Moabs. Dann schieben sich der Oelberg und der Skopus vor, denen Kuppen mit Kirchen und Hospizen aller Riten besetzt sind; und nicht gerade am niedrigsten Punkt, ebendort, wo das Lager des Zerstörers Titus starnd, steht die Hochbmg unseres Wissens: die Hebräische Universität Näher dem Beschauer zu macht sich die Altstadt durch ein Stück der sie umgürtenden Mauer kund Sind vor ihr windet sich ein schmaler Streifen der Neustadt den Bergkamm zur Jaffasträße empor, um dann auf der Höhe sich fächerförmig zu verbreiten. Wie eine Mahnung zum Völkerfrieden ragen nebeneinander die grüne Kuppel der Russenkirche, der zfimengeschmückte Turm des englischen Bischofssitzes, die blaue Wölbung des Abessinerdoms und das schlanke Mlnaret, das wir als Standplatz des heute kernjüdischen Viertels Sichron Moscbeh kennen. Unmittelbar vor uns, jenseits der King George- Straße, das Grün des Mamillah-Friedbofes mit den charakteristischen MusHmugräbem und inmitten das spiegelnde Becken des Teiches, an dem sich schon unsere Urväter ergingen. Und nun noch eine letzte Wendung nach Westen, wo vom Seewind umfächelt — ein schöner Kranz jüdischer Siedlungen, von Montefiore Über Beth Hakerem bis Bajith .Wegan, den Horizont umeäumt. Die jüdischen Positionen in Jerusalem liegeöl, Vom Dach des neuen Nationalfondshauses betrachtet, heute noch recht verstreut. Mäkelt nicht daran! Den» es steht geschrieben: «Umgürtet die Stadt!» AH das wird — nach dem unbeugsamen Willen unseres hartnäckigen Volkes —* zu einem geschlossenen jüdischen Neu-Jerusalem zusammenwachsen, zu einer Einheit, die, friedlich gesinnt wie je, doch durch ruhiges Selbstbewußtsein gestählt und wider jeden Angriff gewappnet ist. Was wir in der Sedernacht noch hoffnungsfroh singen, jenes «El Benäh», möge sich erfüllen, bald in unseren Tagen. Der Bau des JNF.-Hauses aber hat den Kristallisationskern geschaffen, um den als um das Herz des Jischuw Großjerusalem erstehen wird. Das Pessachfest lehrt den Juden,?n die Vergangenheit rückzublicken, aber auch in die Zukunft auszuschauen. Möge sie unserem vielgeprüften VoMc die wahre Freiheit und ckt dauerndes «Seman cherutkemt» bringen. ..., 'VT' "82Ä Ä s.**Sa rasch ^und $cher wirkend bei' {Rheumatischen . _~5Gichtlschen **;_ « fünd» nervösen j Schmerzen/ Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten. Scheidet die Harn» I säure'aus! Ober 6000. Arzte »Gutachten! I Absolut unschädlich. Fragen Sie Ihren Arzt. General Smuts für verstärkte jüdische Einwanderung nach Palästina johannlsburg, 28. April. (I. T. A.) Auf einem Bankett, das ihm zu Ehren die Föderation der südafrikanischen Zionisten gab, und dem führenddVertreter aller Teile der südafrikanischen Judenheit beiwohnten, hielt General Srmits, der frühere Premierminister von Südafrika und Mitglied des britischen Kriegskabinetts, das 1917 die Balfour-Dekiaration er: -ß, eine Ansprache, in der er ungefähr ausführte: Soll Palästina das Nationalheim des jüdischen Volkes werden, so ist eine aktive Politik jüdischer Einwanderung die erste logische Voraussetzung. Eine solche aktive Politik jüd*- soher Einwanderung in Palästina ist in der Baifour- Deklaration direkt inbegriffen. Diese Deklamation war nicht eine Deklaration abstrakter Mildtätigkeit, sondern ein Akt aktiver Politik. Keineswegs dachte die britische Regierung daran, die Juden und Araber unter sich einen Kampf ausfechten zu lassen, sondern die Regierung wollte durch die Verkündung der Deklaration sagen, daß sie die Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina definitiv und aktiv unterstützen will. Die Rückschläge im Zusammenhang mit den letzten Unruhen in Palästina werden die britische Regierung in keiner Weise veranlassen, sich von dem mit der Balfour- Deklaration gegebenen Versprechen zurückzuziehen. Diese Politik, die keineswegs eine Aendemmg verträgt, ist auch schon von der jetzigen britischen Regierung aufs neue bestätigt worden. Die Massakers von 1920 bis 1929 haben die jüdische Kolonisation in Palästina gestärkt Nie wird die britische Regierung eine Wiederholung solcher Unruhen dulden. Nachdem General Smuts noch auf die strategische Bedeutung Palästinas für das British Empire hinwies, fuhr er fort: Ich habe das sichere Gefühl, daß die Furcht vor Unsicherheit grundlos ist und daß der fundamentale Wille der britischen Regierung, das jüdische Nationalheim zu errichten, in keiner Weise abgeschwächt ist. Aus Bösem kommt Gutes, und so haben auch die jüngsten Massakers die Zukunffshoffnung gestärkt Die Juden haben in der Entwicklung Südafrikas eine glänzende Rolle gespielt. Wenn einmal in Palästina das jüdische Nationalheim fest bestehen wird, so werden die Juden der Welt Großes geben. Nach Smuts sprach Wladimir Jabotinsky, der die Dienste von General Smuts, die dieser dem jüdischen Volke in einem kritischen Augenblick geliehen hat, würdigte. Am 3. Juni Beginn der außerordentlichen Palästinasession der Mandatskommission Genf. Wie der I. T. A.-Vertreter erfährt, ist der Bericht der britischen parlamentarischen P a 1 äs tina-Un tersuchungsk ommission vor etwa zehn Tagen heim Völkerhundsekretariat eingetroffen und wurde sofort an alle Mitglieder der Mandatskommission versandt. Entgegen dem ursprünglichen Erwarten war ein offizielles Statement der britischen Regierung dem Bericht nicht beigegeben worden; man glaubt aber, daß ein solches Statement dem Völkerbund und der Mandatskommission zugestellt werden wird, sobald die britische Regierung definitiv zu dem Bericht Stellung genommen und. endgültige Beschlüsse über ihre weitere Politik hinsichtlich der Verwirklichung des Palästdnamandates gefaßt haben wird. Die Mandatskommission des Völkerbundes wird sich in ihrer am 3. Juni d. J. beginnenden und voraussichtlich am 9. Juni endenden außerordentlichen Session mit den. Geschehnissen und Auswirkungen der Augustunruhen in Palästina befassen. Am 10. Juni beginnt die ordentliche Session der Mandatskommission. Dadurch, daß trotz der zeitlich zusammen.fallenden ordentlichen Session eine spezielle Session zur Reliandlung der Palästinafrage anberaumt wurde, soll unterstrichen werden, daß außergewöhnliche Ereignisse wie die vom Augiist und September 1929 in Palästina nicht in eine orden& liehe Session hineingehören, sondern in eine* speziellen Beratung behandelt werden müseetvi Man nimmt an, daß in der außerordentlichen Session auch der Jahresbericht der britischen Regierung über die Verwaltung Palästina« litt Jahre 1929 zur Behandlung kommen wird. Bftf heute ist dieser Bericht dem Völkerbundkonli missariat noch nicht zugestellt worden. * Lina Strauß gestorben " ... New York. (I. T. A.) Hier verstarb hn Atter von 76 Jahren Frau Lina Strauß, die FwmI dee bekannten jüdfeckep EMimteym » ßÖWik .. r