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Die Stimme · 1930-05-01 · Heft 124 (1.5.1930) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 124 (1.5.1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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oOw v DIE STIMME Nr. 1M .Wird Luke die englische Regierung vor der Mandatskommission vertreten? London, 27. April. (I. T. A.) Nach einem Telegramm aus Jerusalem an die I. T. A. teilt das Organ der arabischen Exekutive, «Falestin», mit, daß der zurzeit auf Urlaub im Ausland weilende Chefsekretär der Palästinaregierung, H. C. Luke, bei der nächsten, im Juni 1930 stattfindenden Tagung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes die britische Mandatsregierung vertreten und den Mitgliedern der Mandatskommission auf ihre Fragen rite nötigen Informationen erteilen wird. «Falestin» fügte hinzu, daß Herr Luke nach Beendigung der Tagung der Mandatskommission nach Jerusalem zurückkehren und seinen Posten als Chefsekretär der PaJästinaregierung wieder antreten wird. Die Londoner Jüdische Telegraphen-Agentur wandte sich an die zuständige Stelle in London um Auskunft hierüber und erhielt die Auskunft, daß Herr Luke nicht als der beglaubigte Vertreter der britischen Regierung auf der Juni-Juli-Tagung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes, in der die durch die August-Unruhen in Palästina geschaffene Lage erörtert werden wird, fungieren wird, sondern daß er nur den beglaubigten britischen Vertreter zu der Tagung begleiten wird, um als die für die Regierung Palästinas während der August-Unruhen verantwortliche Person den Mitgliedern der Mandatskommission die nötigen Informationen zu erteilen und die an ihn gerichteten Fragen zu beantworten. Von autoritativer Stelle wurde der I. T. A. ferner mitgeteilt* daß Herrn Lukes Diensturlaub verlängert worden sei, daß es aber gegenwärtig nicht möglich sei, etwas Definitives über seine Entschließungen für die Zeit, nach der er der Juni-Juli-Tagung der Permanenten Mandatskommission, wenn auch nur als Begleiter des beglaubigten britischen Vertreters, beiwohnen wird, hat die zionistischen Kreise in London überrascht und enttäuscht; in offiziellen engeren Kreisen aber wird die Tatsache, daß er als derjenige, der für das Regime im August 1929 verantwortlich ist, den beglaubigten britischen Vertreter begleiten wird, als die natürlichste Sache von der Welt angesehen. Wie die Palästina-Regierung entschädigt — Schwere Enttäuschungen unter den Juden von Hebron und Safed Jerusalem. (I. T. A.) Nachdem die Palästina-Regierung vor einigen Tagen mit der Zahlung von Entschädigungen an Araber in Safed für während der Unruhen im August erlittene Sachschäden begonnen hatte, wurden soeben auch Verfügungen über die Zahlung von Entschädigungen an jüdische Opfer der Unruhen getroffen. Die Art, wie diese Entschädigungsaktion geführt wird, und die lächerlich geringe Höhe der Entschädigung, haben unter den jüdischen Interessenten schwere Enttäuschung hervorgerufen, die sich in Aeußerungen der Erbitterung Luft macht. In der Regel werden etwa 8 Prozent des erlittenen Schadens ersetzt, in vielen Fällen aber ist die Höhe der Entschädigung noch weit geringer als dieses Ausmaß. So zum Beispiel erhielt die Familie von Rabbi Hassoun in Hebron, deren Haus vollkommen zerstört und ausgeplündert wurde, wobei der Schaden, gering geschätzt, die Höhe von 3000 Pfund erreicht, im ganzen 11 Pfund 8 Schilling als Entschädigung ausbezahlt. Die jüdische Gemeinde von Hebron, die durch die Zerstörung ihrer Synagoge, ihres Greisen- und .WaisenasyJs, sowie anderer Wohlfahrtsinstitutionen, einen Schadenersatz von 2000 Pfund beanspruchte, erhielt 54 Pfund. Der Hebron-Jude Ascher Karlinsky, der durch die Ausplünderung seines Hauses einen Schaden von 103 Pfund erlitten hat, erhielt 14 Schilling ausbezahlt Die gleiche Empörung wie unter den Juden Hebrons herrscht über die Entschädigungspraxis der Regierung auch unter den Juden von Safed. Am 2L April abends fand in Safed eine jüdische Versammlung statt in der sich die Entrüstung gegen die Regierungspraxis sehr stürmisch äußerte. Die Empörung wird verstärkt durch das Bekanntwerden der Tatsache, daß der Jerusalemer arabische Anwalt Hassan Al Budeiri, dem in den Unruhetagen, als seine Wohnung in Brand geriet, einige Gegenstände aus derselben entwendet wur- , den, 340 Pfund Schadenersatz erhielt. Die allindische moslemitiseHe Konferenz gegen eine Klagemauerkonunission London, 34. April. (I T.-A.) Die in Bombay aSbgehaHene ati&ndlsche mosfemitisehe Konferenz hat sldh m einer Resolution für Auf rech tenharttong des •Status qtio an der Klagemauer in Jerusalem ans-; gesprochen und erklärt, daß die Entsendung einer Klagemauerkomission gemäß Beschluß des Völkerbundes »unnötig und gefährlich sei. Eme Abordnung indischer Moslemiten soll sich nach Europa begeben, jum die Moslemiten Palästinas zu unterstützen. . — 'YS«f-!F '■ 1 "" ' l|’~ " .-a-r-Trr-miLi'r - -mM—3 General Snmts über die Notwendigkeit militärischer Sicherung Palästinas Johannisburg, 25. April. (1. T.-A.) Der frühere Premier General Smuts, der Mitglied des britischen Kriegskabinetts war, das die Balfaur- Deklaration erließ, hielt auf einem zionistischen Bankett eine Rede, in der er ausführte, er sei überzeugt, daß die britische Regierung in Zukunft bei Situationen wie im August 1929 mit fester Hand zupaoken werde. Genera! Smuts unterstrich die strategische Bedeutung Palästinas für das britische Reich und führte aus, die Verteidigung des Suez-Kanals, der großen Schlagader des British Empire, geschehe nicht längs des Kanals, sondern in Palästina; und wenn die britische Regierung den Kanal sichern will, muß sie sorgfältig Streitkräfte «in Palästina verteilen, damit sich Unruhen wie im August nicht wiederholen. Felix M. Warburg vertraut der britischen Regierung New York. Herr Felix iM. Warburg, Vorsitzender de« Administrative Committee der Jewish Agency, der die Tagung des Administrative Committee geleitet hat, erklärte nach seinem Wiedereintreffen in New York dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, er vertraue der britischen Regierung, daß sie ihr Versprechen an die Juden hinsichtlich Palästina« erfüllen werde. Tritt Sir John Chancellor wirklich zurück? Jerusalem. «El Ahr am», die große, in Kairo erscheinende arabische Zeitung teilt mit, daß Frau Rosita Fonbes, die bekannte englische Reiseschriftstellerin, während ihres letzten Aufenthaltes in Palästina arabischen Persönlichkeiten gegenüber erklärt hat, Sir John Chancellor habe ihr gesagt, daß er von seinem Posten als High Commissioner für Palästina zurücktreten wird, weil er der Meinung ist, daß «die Arbeit in Palästina sinnlos» sei. «Daily Herald», das offizielle Organ der regierenden britischen Arbeiterpartei, teilte mit, daß das Ge- Ifafdsllna-Oranjjen Pafiistina-Weine &atüstina-Jloni& $atÜStina~Cel Cremen) liefert direkt ins Haus' tfamuef Jtfafpern Wien, II., Forstergasse 6 Telephon R 40-4-12 nicht über den bevorstehenden Rücktritt Sir John Chancellors von autoritativer Seite als jeder Grundlage entbehrend bezeichnet wird. Das Todesurteil gegen Urphali abermals bestätigt Jerusalem, 27. April. (I. T.-A.) Das Benufimgsgeriebt hat dem zweiten Appell des jungen Jaffaer Juden Joseph Abraham Mizraohi Urphali, der wegen angeblicher Ermordung von zwei Arabern während der Unruhen am 28. August 1929 zürn Tode verurteilt w-urde, und dessen Berufung am 3. April zurrückgewiesen wurde, nicht stattgegeben und das Todesurteil bestätigt. Der Anwalt Urphalis ersuchte das Gericht, beim High Commissioner Sir John Chancellor um die Begnadigung Urphalis anzusuchen. Drei Araber wurden wegen Ermordung des Juden Naohman Sega! während des August-Massakers in Hebron zum Tode verurteilt. Keine Maidemonstration Jerusalem, 27. April. (1. T.-A.) Die Exekutive der palästinensischen jüdischen Arbeiterkonföderation (Histadruth Haowdim) hat an alle ihre Mitglieder die Weisung ergehn lassen, an keinerlei 1.-Mai-Demonstration, die von den von der Histadruth nicht kontrollierten Körperschaften abgehalten werden, feilzu nehmen. Warum es zu keiner zionistisch-arabischen Aussprache in London kommt Jerusalem, ~24. April. (I. T. A.) «Al Jamea al Arabia», da« Organ des obersten moslemitischen Rates, erklärt, es werde m London nicht zu einer Zusammenkunft zwischen den zionistischen Führern und der arabischen Delegation kommen, weil die Araber das Recht der Zionisten, über Palästina zu verhandeln, welches ein arabisches Land ist, nicht anerkennen. , Neue Sicherheitsmaßnahmen de? Palästinaregierung Jerusalem, 27. April (L T. A.) hn Hinblick auf das nahende moslemitische Fest Nebi Saleh, aus dessen Anlaß alljährlich tausende Moslemiten aus allen Teilen Südpajästinas sich in Ramleh versammeln, hat die Palästina-Regierung außerordentliche Maßnahmen zur Sicherung der Ordnung ergriffen; sie bat u. a. das Tragen von Schwertern in der Prozession und Ansprachen an (He Pilger verboten. Der Arbcifcrkonflikt in Kfar Saba dauert an J e r u s a 1 e m, 27. April. (1. T. A.). Der. vor mehr als 14 Tagen in der jüdischen Kolonie Kfar Saba zwischen Mitgliedern der palästinensischen Allgemeinen jüdischen Arbeiter-Konföderation (Histadruth Haowdim) und Angehörigen der revisionistischen Organisation Brith Trumpeldor atisgebrochcne Konflikt, der seine Ursache darin hatte, daß Brith Trumpeldor-Leute zur Arbeit in den Orangenhainen in Kfar Saba herangezogen wurden, ohne daß der Arbeitsnachweis in Anspruch genommen worden war, ist noch immer nicht beigelegt, da die von den Kolonisten und der Histadruth zwecks Ausarbeitung eines ständigen Modus für die Zukunft eingesetzte Kommission sich über die Einzelheiten des Modus nicht einigen konnte. Die Kolonisten fordern, daß das Arbeitsnacljweishureau von einer durch die zionistische Exekutive oder dem Waad Leumi zu ernennenden neutralen Person geleitet werden solle, während die Histadruth sich dem widersetzt. Die Kolonisten fordern auch, daß das Arbeitsnachweisbüro sich auf Arbeitszuweisung beschränkt, während Histachdruth wünscht, daß das Büro auch die Löhne festsetzt und die Arbeit überwacht. Histachdruth will ferner nicht zugeben, daß die Kolonisten die Freiheit haben sollen, Arbeiter nach Belieben anzustellen oder zu entlassen. Uebereinstimmung wurde erzielt in der Festsetzung eines Achtstunden-Arbeitstages und eines Minimallohnes von 4 Schilling täglich. Ueber 8000 arabische Arbeiter in den jüdischen Kolonien Jerusalem, 27. April. (I. T. A.) Wie die hebräische Arbeiter-Tageszeitung «Dawar» mitteilt, sind in den jüdischen Kolonien Palästinas mehr als 3000 arabische Arbeiter beschäftigt, davon 1801 in Petach Tikwah, 465 in Chederalr' und 448 in Nes Zionah. Die Jabotinsky-Debatte im Unterhaus London, 24. April. (I. T.-A.) E. N. Bennett hatte am. j. Februar im Unterhaus die Frage an den Untcrftaatsfckretät für die Kolonien gerichtet, ob es Tatfache fei, daß Wladimir Jabotinfky im Jahre 1920, nachdem er zu einer ijjährdgen Zuchthausftrafe verurteilt worden war und von diefer Strafe fechs Wochen abgebüßt hatte, aus dem Zuchthaufe entladen und. des Landes verwiefen wurde, wobei er lieh verpflichten mußte, daß er niemals mehr nach Paläftina zurückkehren werde. Dr. Shiels hatfe erwidert, daß ihm diefe Tatfachen nicht bekannt feien,,, Am 26. März d. J. fragte im Unterhaus Commander Kenworthy, ob Dr. Shiels nunmehr die Umftände mitteilen, könne, unter denen Jabotinfky 1920 durch ein Militärgericht zu 15 Jahrcii Zuchthaus •verurteiltwördern war.- Diefe Strafe, fuhr Keiyworty fort, wurde kurz darauf in der zweiten Inftanz in ein Jahr Gefängnis umgcwandelt, woraufhin infolge Amneftie Straffreiheit eintrat. Jabotinfky aber hat gegen das frühere Strafurteil Berufung eingelegt, und das Militärgericht hat d3e Strafe annulliert bis auf den Punkt, bei dem es fich um den Befitz eines Revolvers ohne Lizinz handelte. Jabotinfky bat niemals ein Vcrfprechen abgegeben, daß er nicht nach Paläftina zurückkehren werde. Dr. Shiels beftätigte in feiner Antwort, daß fich die Tatfachen im wefentlichen fo abgefpielt haben, wie fie Kcnworthy gefchildert hat. Der frühere Unterftaatsfekretär für die Kolonien Ormsby-Gore fügte hinzu, ein Urteil^ wile. das gegen Jabotinfky, hätte niemals gef prodien werden tollen. Das Hauptburcau des Weltverbandes der Zioniiften- Revifioniften in London hat vor kurzem in einem Schreiben an Captain Bennett die mit der Verurteilung und nächherigen Rehabilitierung Jabotinfkys zufammenhängenden Tatfachen mitgeteik. Nunmehr erhielt das revifioniftifche Hauptbureau von Captain Bennett ein Schreiben, in dem es heißt: Ich nehme die Erklärung, daß Herr Jabotinfky 1920 nicht aus Paläftina ausgcw.icfen wurde, zur Kenntnis und .bitte ihn aufrichtig um Entfchuldigung wegen der in meiner Unterhausfrage enthaltenen Andeutung. Die Palästinaeinrcisezertilikate wurden nicht in Ansehung der politischen Einstellung des Einwanderers verteilt Jerufalem (I. T.-A.). Die britifche Paläftina-Unterfuchuugskommiflion hat bekanntlich in ihrem Bericht die FeftfteUung gemacht, daß die jüdifchc Arbeiterföderation Paläftinas auf die Verteilung der Einreifezertifikate Einfluß genommen hat in dem Sinne, daß die Zertifikate nicht nach der Eignung des Einwanderers in Anpafiung an die Aufnahmefähigkeit des Landes, fondern nach der poliitifchcn Einftellung des Einwanderers verteilt worden find. Däefe FeftfteUung wurde auf Grund einer Erklärung des britifchcn Einwanderungskommiffärs Hyamfon an die Unterfuchungskommiffion gemacht. Die Exekutive der jüdifchen Arbeiterföderation Paläftinas (Hiftadruth) richtet nunmehr einen Brief an Herrn Hyamfon, in welchem fie feftftellt, daß die Erklärung Hyamfons an die Unterfuchungskommiflion jeder' Grundlage entbehrt. Niemals, fo wird in dem Brief gefagt, hat die Hiftadruth Eiinwanderungszertifikate zur Verteilung er- .* VILLA SEVIGNE, Lausanne, Schweiz Israelitisches Mldchen-Pensionat Erstklassige Referenzen Prospekte durch die Vorsteherinnen; Mmes. M. und B. BLOCH Zionisten? Es Ist Eure Ehrenpflicht, am Ganf zum Grabe Herzls« «ler. am. Sonntag, dien 41. Plal, viertel IO Uhr vormittags stattfindet, teilzunehmen.

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