Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 124 (1.5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 124 DIE STIMME Satte 9 Was de* fiuAting finden, töaid£\Zeuxf£ findenitiat finWotfafab da»%$ucA< finden SON Am Herzigrabe Gott weint nach Dir... and tiefe Trauer uns umflorte... Zu Deinem Grabe wandern wir in heißen Tränen, Es schwebt Dein Geist, der Zion wollte uns ersehnen, Wir sehen Dich und hören Deine großen Worte: Das Volk des Moses, Dawids, Stamm der Makkabäer, Erwähltes Volk Jehovas, wenn es einig wolle, Wird wieder frei sein auf der alten Heimatschollef Nur stärket Witte bringt das weite Land uns nähert üiid Israel erwachte stolz zum neuen Leben! im freien Erez sprengen Schomrim Gotusketten! ■'Aas. fremder. Erde wird Dein Volk Dich bald erheben Und dort . . . auf Sarons Rosen Deinen Leichnam beiten. : Wir werden Dir ein Grabmal vor dem. Tempel bauen — ■ Dein Segen wird erstrahlen über Zions Auen! Karl Rosenfeld. Herzl schon im Judenstaat jenen Weg vorgezei ebnet hat, den die zionistische Organisation später genommen hatte. Denn in der Sooiety of Jews finden wir bereits einen Teil dessen, weis «ich in den letzten Jahren als die Jewieh Agency entwickelt hat. War doch sein Ideal, eine gesamte jüdische Front zu schaffen.; In , einer Wiener Rede (1900) sagt©-Herzl Ausdrücklich: „Ich bin, für den Bauzionismus, ich möchte nicht, daß wir überflüssig mit Juden kämpfen, ich möchte, daß wir mit Juden bauen“; Herzl war eben ein Mann, der tief in die Zukunft blicken und die Entwicklung voraussehen konnte. Wenn er auch späterhin infolge :der politischen Konstellation den Judenstaatsgedanken nicht mehr mit der Schärfe betonte, so hat er dennoch daran nicht gezweifelt, daß äm Wege eines konstruktiven Aufbaues auch der Moment kommen werde, in dem der Judenstaatsgedanke von selbst Realität werden wird. Als Realpolitiker wollte er die Basis schaffen, auf der die politische Möglichkeit gegeben wäre, den Juden eine Heimstätte zu schaffen. Darin Mögt vielleicht das Geheimnis, warum aus dem Herzischen Judenstaat auf dem ersten Kongreß das Baseler Programm (öffentlich-rechtlich gesichert© Heimstätte) geworden ist. Der Weg zwischen dem Erscheinen des Judenstaates und der Formulierung des politischen Endzieles des Zionismus in Basel war ein langer und dornenvoller. Der Verfasser der Stäatsschrift hatte sich, um zu verhindern, daß seine Staatsschrift ein Staatsroman bleibe, eben zu Konzessionen bereit erklärt und das Baseler Programm als die programmatische Formulierung akzeptiert. Auf die treibende Kraft kommt es an. Und was ist diese Kraff? DU Judennot. (Vorrede zum Judenstaat.) Der Jadenstaat ist ein Weltbedürfnis, folglich wird er entstehen. (Aus der Vorrede zum Judenstaat.) CraMIMscMannl SIEGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse 19, Tel» A17-8-99 u. A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AWellungwifö^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbiuats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien AutMuitelluue kostenlos N IX, Berggasse 15 XVU1, Wlbringerstraße 97 Traum und Wirklichkeit Von Adolf Pollak, Berlin. Alles Tun der Menschen war vorher Traum und wird später zum Traume. (Schlußsatz aus «Altneuland».) «fleh bin tief überzeugt, daß Menschen meines Alters den Beginn der Verwirklichung erleben werden.» Fünfunddreißig Jahre alt war Herzl, als er im «Judenstaat» diese Worte niederschrieb. Der Siebzigjährige wäre er am Leben —• er würde sehen, daß er auch hierin recht behalten hat. In unserer nüchternen und «sachlichen» Zeit läuft man Gefahr, lächerlich zu wirken, wenn man von Imponderabilien spricht. Wer könnte auch leugnen, daß unsere Kraft und Stärke heute in der Realität Palästina und in ihrem ständiger sichtbaren Wachstum liegt. Aber das Unsichtbare, Unmeßbare, das, was Herzl das Imponderabile nennt, wirkt auch heute noch und wird niemals aus unserer Bewegung schwinden. Denn nicht die Tatsache allein, daß wir aus Sumpf und Karst blühende Landschaften, geschaffen, Straßen, Häuser, Dörfer und Städte errichtet haben, lenkte die Aufmerksamkeit und bewundernde Achtung dfer Besten aller Völker auf unser Aufbauwerk. Freie und hohe Geister erkennen in diesem Sichtbaren den tieferen Sinn unserer Arbeit. Sie erblicken darin das, was Herzl auch sah und immer wieder, hervorhob: Eine Etappe im wahren Fortschritt der Menschheit! s Mitten im werdenden Werk überfällt einen oft der Wunsch,. es auch einmal von außen zu betrachten. Man möchte gern einmal jene Distanz, dazu haben, die vorurteilslose Unbeteiligte einnehmen, deren staunende Bewunderung, uns oft ergreift. Gedenktage sollten immer Anlässe sein, um uns Rechenschaft über Geleistetes und Vergangenes zu geben. Auch der Wegwanderer, blickt ja zurück,. um festzustellen, welchen Weg er zurückgelegt hat. Wenn wir an unsere eigene Wanderung zurückdenken, an deren Anfang vor fünfunddreißig Jahren uns Herzl als Wegweiser diente, so können wir ohne Uebertreibng feststeüen, daß ein gutes Stück zurückgelegt und manches erreicht wurde. Oft denke ich mir, daß auch er, der große Träumer, wenn er heute aufstünde, von manchem; was zur Wirklichkeit geworden ist, überrascht wäre. Wie das Unwahrscheinliche zum Ereignis werden kann, möchte, ich hier an Hand einer kleinen Reminiszenz schildern. In den Jahren 1899- bis 1902 schrieb Herzl .seinen Roman «Altneuland». Ein Kapitel daraus wurde zum erstenmal in der Pessachnummer , der «Welt» vom Jahre 1901 abgedruckt, und ich hatte die Aufgabe, dies aus dem Originalmanuskript abzuschreiben. Bei dieser Gelegenheit las ich — zum erstenmal — einige Kapitel aus dem zweiten Teil, der bekanntlich den Titel trägt: «Haifa 1923 — das blühende Land». Eine der reizvollsten Schilderungen ist die Beschreibung der Reise, die von den im Roman handelnden Hauptpersonen an dem schönen Frühlingsmorgen vor dem PessaChfest von Haifa nach Tiberias durch das blühende Land unternommen wird. Nach kurzer Fahrt im Automobil wird in; Neudorf Halt gemacht, wo eine' Wahlversammlung stattfindet. Dort erfahren wir, daß es auch im «Altneuland» Parteikämpfe gibt, daß auch dort große und kleine Men«: sehen leben. Persönlicher Egoismus und hoher Gemeinschaftsgeist ringen miteinander. Der letztere siegt und eine «neue, glückliche Form des menschlichen Zusammenlebens» ist entstanden, wofür «Neüdorf» der symbolische Name ist. Ist es ein Märchen geblieben? Nein, es ist zur lebendigsten, ergreifendsten Wirklichkeit geworden. Wenn es nicht anmaßend klingt, will ich es am eigenen Erlebnis zu beweisen suchen. Zufällig habe ich meine erste Palästinareise im Jahre 1923, im Jahre der1 Verwirklichung von «Altneuland», gemacht. Als wir an einem schönen Morgen von Haifa aufbrachen, um die Reise durch den Emek — das «blühende Land*, — zu machen, war Nahalal die. erste Station, wo wir Halt machten. Nahalal ist ein Moschaw und stellt eine der beiden Formen unserer landwirtschaftlichen Siedlungen dar, die in den letzten zehn Jahren auf dem Boden des Keren Kajemetft entstanden, sind. Aber wer dieses Emek-Dorf und seine Menschen kennt, der weiß, daß es mehr ist eine Kfeinbauerrtsiedlung mit Viel individueller Freiheit und sehr starkem Gemeinschaftsgeist. Der ganze Jischuw in Erez Israel, ohne Unterschied der Partei, und die ganze zionistische Welt bückt mit Stolz Und Rührung auf diese Schöpfung der besten Pioniere unseres Landes. Nahalal ist die Verwirklichung des Herzischen Traumes von Neudorf. Dort sehen wir den Beginn einer «neuen und glücklicheren Form des menschlichen Zusammenlebens». Die kleine Schar der Ueberlebemlen, denen es vergönnt; war, an der Wiege des Zionismus zu stehen und in deren Leben der Träumer Herzl einen so großen Inhalt brachte, sind begnadet, das Größte zu erleben, was in einem bescheidenen Erdendasein Vorkommen kann: den Traum der Jugend sich zur Wirklichkeit erheben zu sehen! Größeres kann ea nicht geben. LLOYD RIESTIMO DIREKTE LINIE TRIEST-JAFFA-HAIFA mit den vorzüglichen Salonschiffen «Adria» und «Carharo». Fahrtdauer 4'A Tage, Fahrpreise: 1. Kl. Lst. 22.—-, II. Kl. Lst. 15.—, 1H. Kl. Lst. 6.— inkl. Bett und Verpflegung. Für Chalurxlm und reurlstengaselfschaRen btlondara Irmfißltuhgcn. Für Einzelreisc-r.dt kostet die Fahrt: nach Palästina und zurück in der!fi. Klasse inkl. Kabine und Verpflegung bloß österr. Schilling 416.—. Auskünfte Lloyd Trieetlno, Wien I, Kärntnerrlnflß Liebe und Unsterblichkeit Von Dr. Sem Wolf Die Synthese ist kraß: Prophet und Ghanmetir; Volksführer und Salonmensoh; Kämpfer und AeathetJ Dichter und Diplomat. Die Synthese ist' jüdisch: es »t die Eigenheit unseres Volkes, daß sich im Wesen seiner Ausefwähitea die Gegensätze berühren, sogar mehr als berühren — sie werden zu einer fruchtbaren Einheit. Die Synthese ist faszinierend; man kann diesen einmaligen Mann von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachten — immer wieder entdeckt man etwa« Neues. Wie bei einer unendlich schönen Landschaft Was wir ihm entgegenbringen, ist Verehrung, Hochschätzung, Glaube, Anerkennung und Dankbarkeit, erst in zweiter Reihe. In erster Reihe ist es Liebei Das jüdische Volk hängt in Liebe an seinem verstorbenen Führer, wie es im Laufe der zweitausendjährigen Ga luthge schichte an keinem Menschen hing. Der Kleinikrämer im polnischen Nest, der Großkaufmann in der westeuropäischen Metropole, der Chaluz in den judäischen Steinbrüchen, der amerikanische Bussin essman. und der russische Deklassierte —• all diese Menschen, die entgegengesetzter! Interessen leben und verschiedensten Weltanschauungen und Ideologien huldigen, tragen doch alle in ihrem Herzen, bewußt oder unbewußt,. offen oder versteckt, ein Gefühl der Liebe zu dem Einen, der Helfer in der Not sein wollte, und allzufrüh starb. Und diese Liebe zu Theodor Herzl ist. nichts anderes, als eine Erwiderung. Sie wurde hervorgerufen durch die Liebe, die in seinem Herzen brannte und das jüdische Volk zum Gegenstand hatte. Sie war groß, heiß und hell. Wie die Sonne. Sie war so groß, daß das Herz sie nicht mehr fassen konnte und von Ihr gebrochen wurde. Herzl war ein Heimkehrer. Als er sich unter den Seinen wiederfand, verliebte er sich mit der Inbrunst desjenigen, der zurückkehrt, in sein Volk. Es war die Liebe auf den ersten Blick. Sie lebte in ihm bis zum letzten Blick, den seine tiefen Augen in die Welt sandten. . Das jüdische Volk kann darauf stolz sein. Das jüdische Volk muß doch einen inneren Wert haben, wenn es imstande war, ein derart grandioses Gefühl hervorzurufen. Es muß unschätzbare Kostbarkeiten in sich bergen, wenn ein vollkommen schöner Mensoh .es so in sein Herz schließen konnte. Theodor Herzl wird heute 70 Jahre alt. Ist er derselbe, der er vor 26 Jahren war? Ist sein Bart noch so tief schwarz, von' ersten silbernen Haaren nur hie ttnd da durchzogen? Weiß, schneeweis ist der Bart geworden; runzelig das klassisch edle Gesicht; vom Alter gebückt die aufrechte Gestalt des Aufrechtesten. Nur die Gkntaugen haben ihr unergründliches Feuer, (ihre mystische Tiefe, ihre suggestive Wirkung,. ihre prophetische Kraft, behalten .;. . Wo ist er? Wo lebt er? Heute ist er 70 Jahre afft geworden. Er wird hundert, und fünfhundert und tausend Jahre alt werden und noch immer leben. Er gehört nicht zu denjenigen, deren Andenken im Laufe der Zeit verblaßt und langsam vergessen wird. Die Synthese ist unlogisch und widerspruchsvoll: er starb vor 26 Jahren und lebt doch noch heute und wird immer leben. Es ist eine abgedroschene Phrase, die nirgends, in keinem Falle, so berechtigt ist, wie bei Herzl. Ein Mensch, der so liebte, kann nicht sterben, Wh feiern den 70. Geburtstag des Unsterblichen. üju \ Sonntag, den 4. Mai, 7410 Uhr vorm. zum Grabe Herzls