Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 123 (24.4.1930)
- Date
- 1930-04-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 128 DIE STIMME Seite 9 merkwürdigerweise wenig Namen von Schriftstellern in diesen zwei Parteiblättern begegnet. Außerdem erscheint eine literarische Wochenschrift «Mosnajim». Bedeutend besser gestalten sich die Verhältnisse im Verlagswesen. Eine ganze Reihe von Verlagen beschäftigt sich mit Uebersetzungen. «Stybel» und «Mizpeh» lassen jährlich je 12 Originahverke erscheinen. Außerdem sind «Dwir», «Omanuth» und der Verlag der «Ktuwim» sehr erfolgreich tätig. (Im letzten Verlage erschien kürzlich ein neuer Band der Gedichte von Schiionski «Bele Hajami», wie auch der erste Band von Gnessins Werken in einer Neuauflage. «In Palästina — so schließt Dr. Jakob Horowitz — herrscht ein reges, geistiges Leben. Man kämpft dort um neue Werte. Sie sind Lebensinhalt und sie sind lebenswichtig. Wenn man nach Europa kommt, stellt man mit Befremden eine Gleichgültigkeit gegenüber dem in Palästina vor sich gehenden Geschehen fest. Und das ist eine betrübende Tatsache; denn was uns vor allem nottut, ist der Zusammenhang zwischen dem geistigen Leben Palästinas und der Galuth. Wollen wir hoffen, daß die nächste Zeit diesbezüglich eine Aenderung zum Besseren bringen werde.» Die hebräische Publizistik in Wien*) Wie bereits in unserem Blatte mitgeteilt wurde, ist im 'Aufträge der historischen Kommission der Jüdischen Gemeinde in Wien vor kurzem eine größere Publikation über die hebräische Publizistik in Wien in drei Teilen, bearbeitet von Dr. Bernhard Wachstein, Dr. I. Taglicht und Dr. Alexander . Kristianpoller, erschienen. Diese Publikation bietet eine literar-historische und bibliographische Zusammenfassung der-in Wien in den Jahren 1820 bis 1889 erschienenen hebräischen periodischen Schriften. Die hebräische Publizistik in Wien nimmt ihren Anfang mit dem Jahrbuch «Bikurei Haittim», das im Jahre 5581 (1820) erschienen ist. Dieses Jahrbuch stand ähnlich wie die §esamte hebräische Literatur jener Tage zur Gänze im arine der MendeJsohnschen Haskala-Bewegung. In Wien trafen schon damals die jüdischen Strömungen Ost- und Westeuropas zusammen und wirkten sich auch in der Literatur aus. Nebst dem schöngeistigen Teil ist in den «Bikurei Haittim» sowie in allen anderen Haskala-Zeitschriften auch die Wissenschaft des Judentums vertreten, die den Zweck verfolgt, den historischen Entwicklungsgang und das Wesen des Judentums darzustellen. Die «Bikurei Haittim» und der Kreis, der sich um sie sammelte, Schalom Cohert, Abraham Goldberg, Chaim Ginzburg, Moses Landau, Juda Leib. Jeiteles, M. M. fsak Erter, Saiamon Pergamenter, Aron Chorin, Ephraim Wehli, Wolf Mayer sowie dje übrigen Mitarbeiter, die zumeist aus Galizien stammen, trugen viel zur Entwicklung der neuhebräischen Literatur bei und bereicherten mit ihren 12 Jahrgängen die hebräische Publizistik. In den Jahren 1830 bis 1832. wurden die «Bikurei Haittim» mit ihrem 12. Jahrgang infolge finanzieller Schwierigkeiten eingestellt. Der Verleger Schmid wollte ein weiteres finanzielles Risiko nicht tragen, und der Ruf an die jüdische Leserschaft, das Jahrbuch zu fördern, blieb ohne Wirkung. So mußte dde erste hebräische Zeitschrift in Wien eingehen. Aber nicht lange sollte man auf den Nachfolger warten. Samuel Löb Goldenberg, auch Bolechow in Galizien, hatte die Fortsetzung der «Bikurei Haittim» schon im Spätsommer 1830 beschlossen, aber erst im Jahre 1833 die Sammelschrift «Kerem Chemed» herausgegeben, die vierzig Briefe zeitgenössischer Gelehrter enthält. Auch hier begegnen wir vor allem Haskalatendenzen und Bestrebungen naclr Verbreitung allgemeinen und jüdischen Wissens sowie der Bekämpfung des Chassidismus, die der hebräische Satiriker Isak Erter in seinem Beitrag «Chassiduth w’chochmah», besorgt. Dem «Kerem Chemed», der mit dem Tode des Herausgebers Goldenberg 1842 zu erscheinen aufgehört hatte, folgte nun im Jahre 1845 ein Jahrbuch mit hebräischem und deutschem. Text, «Bikurei Haittim hachadaschim», das der aus Prag gebürtige Typograph Isidor Busch herausgab. In der neuen Folge der «Bikurei Haittim» begegnen wir als redaktionellem Hauptmitarbeiter Isak Samuel Reggio, der es verstand, um sich auch jüngere literarische Kräfte zu sammeln. Die neue Folge konnte aber nur in einem Band erscheinen. Im Jahre 1848 versuchte nun Busch in seiner deutschen. Zeitschrift «Oesterreichisches Zentralorgan für Glaubensfreiheit, Cultur, Geschiehte und Literatur» ein hebräisches Beiblatt, das von Reggio redigiert wurde, «Meged Geresch Jerachim», herauszugeben, das aber ebenfalls nur in einer Nummer erschienen ist. 1853 gibt Dr. M. Lettens in seiner «Wiener Vierteljahrsschrift, Organ für Wissenschaft und Kunst, Cultur- und Literaturgeschichte mit Berücksichtigung der israelitischen Zustände» ebenfalls eine hebräische Beilage «Abne Neser» heraus, die in drei Nummern erschienen ist. Die WiiederHolungsversuche der hebräischen Sammelschriften konnten schwerlich gelingen, da bereits, die deutsche Sprache die periodische Literatur in Besitz genommen hatte. Im Jaliire 1856 wurde in Wien von Ignaz Blumfeld, aus Brody gebürtig, der «Ozar Nechmad» herausgegeben, in dem vor allem wissenschaftliche Beiträge von Dukes, Abraham Geiger, Luzzatto und anderen zeitgenössischen Gelehrten in vier Bänden erschienen. Mit dem letzten Band des «Ozar Ne<?hm'äd» schließt somit eine Periode der von Oesterreich hervorgegangenen hebräischen Publizistik ab. Im Jahre 1864 versuchte abermals ein g^tfzischer Jude, Naftali Keller aus Tarnow, ein Jahrbuch unter dem Tdtel «Bikkurim» herausgegeben, das nach dem Muster der Wertheimschen Jahrbuches Zeitgeschichtliches, Belehrendes und Unterhaltendes bieten sollte. Ihm gelingt es auch, die Wiener Gelehrten Mayer Friedmann, Adolf Jellinek und Eisig Hirsch Weiß als Mitarbeiter zu gewinnen. Hier werden bereits in Artikeln von Dawid Gordon, Selig Lauterbach, Alexander Langbank zeitgenössische Zustände innerhalb der Judenheit geschildert. Ueber einen Band. aber, kam diese Zeitschrift nicht hinaus. Die historische Entwicklung der Zeitschriften dieser Periode charakterisiert in einer überaus instruktiv geschrie* benen Einleitung Dr. Wachstein, der nebst einer allgemeinen literär-historischen Schilderung in knappen, aber überaus gehaltvollen Strichen alle Mitarbeiter skizziert und die typischer» Verbindungslinien in der Geistesgescfoichte dieser Jahrzehnte hervorstfeicht. *) In drei Teilen. I. Teil von Dr; Bernhard Wachstein. II. Teil von Dr. I. Taglicht. UI. Teil von Dr. Alexander Kristianpoller. Herausgegeben von der historischen Kommission der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. 1930. XIll-XCVUl, 1—296,1—X, t—41,1- X, 3—105 und Generalregister 3—15, Der überaus interessanten und wissenswerten Einleitung Waclmtelns folgt nun eine alphabetische Zusammenstellung aller Mitarbeiter der früher erwähnten Zeitschriften mit knappen biographischen Angaben und genauer Aufzählung der Schriften. Diese alphabetisch geordneten Angaben bieten nebst dem bibliographischen Material auch ungemein wertvolle kulturhistorische Beiträge. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß in einer separaten Beilage auch alle Autoren fremdsprachiger Literaturen, von deren Arbeiten Uebersetzungen gebracht wurden, angeführt werden. Im II. Teil der Publikation behandelt Dr. I. Taglicht die in Wien erschienenen zwei wissenschaftlichen Zeitschriften von I. H. Weiß, «Beth Hamidraseh» (1865) und «Talmud Thora» (1881 bis 1889). Beide Zeitschriften sind von eigenartigem Charakter und hauptsächlich der talmudischen Forschung gewidmet. Auch der sehr sachlichen Einleitung Dr. Taglichts folgt eine Zusammenstellung der Mitarbeiter. Dr. Kristianpoller behandelt im HL Teil die hebräische Publizistik der Jahre 1868 bis 1884, die bereits im Zeichen der jüdischen Renaissancebewegung stehen, und zwar den von Perez Smolcnsky herausgegebenen «Haschachar» sowie «Hamabit» und «Hamabit I’Jisrael». In dieser Gruppe wurde auch das erste sozialistische Organ in der hebräischen Literatur, der von A. Liebermann herausgegebene «Haemefh», behandelt. In der Einleitung schildert Dr. Kristianpoller in allgemeinen Umrissen die programmatischen Grundlagen sowie die in den Zeitschriften zum Ausdruck gelangenden Hauptströmungen, ln markanten Zügen werden dann die Hauptnuitarbeiter dieser Zeitschriften charakterisiert. Die alphabetisch gehaltene Zusammenfassung der Mitarbeiter, Anonyme, Pseudonyme und Uebersetzungen, bietet dem Forscher sehr wertvolles literar-historisches und bibliographisches Material. Die Gesamtpublikation, die sicherlich für die jüdische Literaturgcschichtsforschung von großer Bedeutung ist, schließt mit einem Generalregister der Autoren ab. Es ist zu bedauern, daß die Bearbeiter in hiesigen' Archiven keine' Nachforschungen anstellten. Man hätte sicherlich so manches interessante Detail ans Tageslicht gefördert. Hauptsächlich kämen die Polizeiakten in Betracht, die reichhaltiges Material zur Geschichte der Presse enthalten. Hatten doch die Vormärzbehörden im - «Interesse , dgs Staates» jeder Kulturbewegung, auch unter den Juden, ihre besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Eine Durchforschung der Polizeiakten in dieser Richtung hätte sicherlich wertvolles Material zur Geschichte der Haskalabewegung und ihrer Presse erbracht. Dr. N. M. Gelber. Liederabend Hilda Dulitzkaja Im gut gefüllten Fests-aale des Hotel Continental brachte am 20. April die Sängerin Hilda Dulitzkaja jiddische Volkslieder aus einem sehr geschmackvoll Z'U'Sammenigestelltem Repertoire zum Vorträge. Ihre frische, anmutsvolle Art, die das Publikum zu rauschendem Beifall,hinriß, wurzelt in einer pulsierenden Liebe zum jiddischen Volkslied tmd ,in einem organischen Verwachsensein mit, dem jüdischen Milieu. Mit einer warmen Stimme zauberte sie wohlventraute, ergreifende Stimmungen und Bilder aus dem jüdischen Heim. . Der große Erfolg, den die Künstlerin errang, kann als wohlverdient bezeichnet werden. K. Tschi. Gastspiel der Wilnaer Truppe in Wien. Nach dem großen Erfolg in Jugoslawien und zweimaligem Gastspiel in Belgrad treffen die Schauspieler der Wilnaer Truppe in den nächsten Tagen in Wien ein, um noch im Mai ein Gastspiel in den „Jüdischen Künstlerspielcn“ zu absolvieren. Das Ensemble der Wilnaer wurde durch neue prominente Kräfte ergänzt, und zwar durch die Damen Walter und Witalina und die Herren Kowalsky und Schigorin. Auf dem Repertoire stehen als neue Stücke „Wilnaer Balbejsl“ von Mark Arnstein, „Die püßte Kretschme" von Perez Hirschbein, ein . Stück von Andrcjewy „Die Hauptsache“ von Ewreinow und „Peripherie“ von Langer. Jüdische Bühne, IL, Taborstraße 12. Donnerstag, den I. Mai, findet im Rahmen einer Sondervorstellung die Aufführung des Schauspiels „Die .Sünde“ von H. Markus statt. In den Hauptrollen treten Paula Dreiblatt, Dr. N. Brind und .M. Hcrschkowitz auf. Beginn halb 9 Uhr abends. ■ Ein interessantes Gastspiel im Neuen Jüdischen Theater, II. , Praterstraße 60. Die bekannte Soubrette des Jüdischen Warschauer Theaters,. Ida Erwens, die sich derzeit auf einer Europatournee befindet, wurde für. ein kurzes Gastspiel in das Neue Jüdische Theater, II., Praterstraße 60, verpflichtet.. Zu gleicher Zeit wurde der Warschauer Tanzkomiker Neuwirth gewonnen. Kommenden Freitag gelangt die Operette «Chance in Amerika» von Schorr,, Musik von Rumschinsky zur Aufführung. Samstag «Das hohe Lied», Operette in drei Akten. Sonntag «Chance in Amerika». Beginn %9 Uhr. Volkstümliche Preise. Jehuda Ehrenkranz liest am 7.- Mai d. J. um 8.Uhr abends im Festssaal des Ingenieur- und Architektenvereines;' b, Eschenbachgasse 9, zum zweitenmal in dieser Saison. Der Abend — diesmal in deutscher Sprache — bringt unter dem Titel «Tatsachen» Werke von Barbusse, Babel, Friedell,. Hasek, Nikitin, Pohl, Romanow und Verhaeren. Karten, zum Preise von S 1.— bis 5.— in den Buchhandlungen R. Löwit, I., Wolzeile 6, R. Lanyi, I., Kärntnerstraße 44. Zupi Julius-Chajes*Vortrag im Wiener Radio teilen, wir noch mit: Es wurde das Trio in D-Moll des.jungen Komponisten von Winkler und Sedlak zum Vortrag gebracht. Den Klavierpart spielte der Komponist selbst. Festschrift zur zehnjährigen Jubiläumsfeier des Jugend- Vereines «Erez Israel» ist bereits erschienen und enthält folgende Aufsätze und Beiträge: Dr. Jakob Ehrlich: Zum Geleit; Mair Pais: Unsere Arbeit r—. unsere Zukunft; J. Lanczener: 10'Jahre Jugendverein «Erez Israel»; Hermann Grünwald: Bund jüdischer Jungwanderer; Saul Chajes: Zebi Perez Chajes; Dr. E. M. Zweig: Aus jenen Tagen; Dr. J. Klaber: Dem Jugendverein «Erez Israel»; Dr. Leo Goldhammer: Arbeiten und nicht erlahmen; Dr. Z. F. Finkeistein: Vor 25 Jahren; Dr. Chaim Tartakower: Was verdanken wir schon heute Erez Israel; Dr. Henriette Rappaport: Zionismus und Galuth-Zionismus; Dr. Viktor Kellner, Zionismus und Sozialismus; Dr. N. M. Gelber: Episoden aus der Vorgeschichte des Zionismus; Dr. T. Nussenblatt: Theodor Herzl und Heinrich Kana; Dr. Sem Wolf: Die jüdische Jugendbewegung; Prof. Arthur Wolf: Beiträge zur Erforschung und Entwicklung der jüdische*» Musik; Izchak Herzberg: Lahoar. Dr. Jehoschuah Bier er: Das Arbeiter- und Bauerkotlek* üv In Palästina. Verlag. Wallishausersche Buchhandlung, Wien, I. Es ist ein erster wissenschaftlicher Versuch, die organisatorischen Formen der palästinensischen Arbeiterbewegung zu erfassen. Und es sei vorweggenommen, daß die Aufgabe, die sich der Verfasser zum Ziele setzte, ihm in vollem Maße gelungen ist. Das Buch ist vielseitig, alle Probleme umfassend und instruktiv im vollen Sinne des Wortes. Wir werden es demnächst in einer längeren Besprechung würdigen. Alle in Oesterreich lebenden Juden, welche aus Böhmen stammen, werden zum Zwecke einer familiengeschichtlichen Darstellung in dem in Vorbereitung befindlichen Werke «Die Juden und Judengenieinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart» ersucht, allfällige Daten, Bilder, Stammbäume, Abschriften und Photos von historischen Dokumenten leihweise dem Redaktionskomitee zu überlassen. Alle Zuschriften sind zu richten an: Jüdischer Buch- und Kunstverlag, für das Redaktionskomitee des Werkes: Die Juden usw. Brün-, Rennergasse 20, Tschechosl. Republik. In Athen ist vor kurzem eine interessante Arbeit aus der Feder des bekannten griechischen Archäologen Prof. N. Chassazoglu über «Josef Nassi, der jüdische Prinz der griechischen Inseln» erschienen. Josef Nassi hat sich auch für die Idee der Wiederaufrichtung eines Judenstaates in Palästina eingesetzt und vom Sultan als Geschenk Stadt und Land Tiberias erhalten, wo er eine großzügige jüdische Ansiedlung in die Wege leitete. Der jüdische Pfadfinderbund Hasehomer Hazair veranstaltet Montag, den 28. April um Uhr abends im Festsaal des Hotel Post eine Festveranstaltung. Karten von S 1.— bis 3.— sind noch äm Sekretariat des Wiener Hechaluz, I., Kärntnerstraße 28, und bei den Mitgliedern des Bundes erhältlich. Die Lage der Juden in Bessarabien In den letzten Jahren leidet die bessarabische Juctenschaft unter der unaufhörlichen wirtschaftlichen Krise im Lande. Durch die neue administrative Einteilung dieser Provinz trat im Wirtschaftsleben der Juden eine starke Stagnation ein. 8000 jüdische Familien sind in der Landwirtschaft, Gärtnerei und Weinbau beschäftigt. Insgesamt bearbeiten sie in 885 Kolonien 50.000 Hektar Boden. Infolge der Mißernten in den letzten Jahren wurden viele jüdische Kleinwirte gezwungenj ihre Wirtschaften zu veräußern und das Dorf zu verlassen. Dank der Hilfsaktion der Ica und des Ort ist es letztens gelungen, die jüdischen. Landwirte zum Weiterverbleib im Dorfe zu veranlassen. Ueberaus traurig ist die Lage der jüdischen Kaufleute und Handwerker. Der Getreide-, Obst- und Weinexport bildete das Hauptgebiet des jüdischen Handels vor dem Kriege. Infolge der Steuer- und Zollpolitik ist die Lage dieser jüdischen Wirtschaftskreise sehr bedroht. Die Kleinindustrie, hauptsächlich die Sandalenerzeugung, die über 1000 jüdische Familien beschäftigte, ist ebenfalls im Verfall begriffen. Auch die Schneiderwerkstätten mußten wegen Arbeitsmangel geschlossen werden. Die Industrie, die ebenfalls zu einem wesentlichen Teil in jüdischen Händen lag, ist infolge des, Mangels eines Absatzmarktes in Rußland zugrundegerichtet. Zurzeit ist die Lage der bessarabischen Juden eine sehr trostlose, beinahe 280.000 Juden befinden sich. ohne, jedweden Erwerb. Israelitisches Kur-Hospital, Franzensbad In das der isr. Kultusgemeinde in Franzensbad gehörige Hospital werden arme Israeliten, welche die Franzensbader Kur benötigen, für die bevorstehende Saison 1930 in einer, der fünf Perioden für je 28 Tage aufgenommen. Die^ Bewerber haben ihre Gesuche nebst ärztlichem Zeugnis und genügend bescheinigtem Mittellosigkeitsnachweis an den Vorstand der gefertigten Kultusgemeinde ehestens einzusenden. Die Entscheidung über die eingelangten Gesuche erfolgt bis ,15. Mai 1930. Die Wahl der Zeit, für. welche die Aufnahme erfolgt, kann nur nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Eine Aenderung des Termines kann nicht erfolgen, wer daher den Termin nicht einhält, wird der Aufnahme verlustig. Eine eventuelle Aufnahme in das isr. Kur-Hospital erfolgt gegen, vorherige Entrichtung eines Regiebeitrages von Kc 750.—. Dafür erhält der aufgenommene unentgeltlich folgende Begünstigungen durch 28 Tage: Wohnung im Kur- Hospital, entsprechende Verköstigung (Frühstück, Mittag- und Abendessen) und ärztliche Behandlung. Außerdem Ermäßigungen auf die Bäderpreise und Kurtaxe. Von ein und derselben Familie kann stets nur eine Person aufgenommen werden. Ein Gesuch, welches sich auf eine;Begleitperson bezieht, müßte daher unberücksichtigt bleiben. Die Ankunft und Abreise hat stets genau nach dem Aufnahmeschein zu erfolgen. Bei Vergebung der Plätze werden Bewerber derjenigen Gemeinden so weit als möglich berücksichtigt, die dem Hospital angemessene Spenden oder Subvention zuwenden. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Franzensbad: gez. Ernst Herrmann. Das Paradies der Adria mit dem berühmten Laurana bei Abbazia erstrahlt im Frühlingsglanz; für reiche und gediegene Verpflegung sorgt die orthodox-koschere «Pension Weiß», die neu eröffnet wurde und bereits vorzüglichen Ruf genießt. Die mäßigen Preise machen es jedem Erholungsbedürftigen möglich, in dieser erstklassigen Pension Aufenthalt zu nehmen. Zeitgemäß. Von rheumatischen Schmerzen und Kopfschmerzen befreit man sich durch die hervorragend bewährten TogaUTabletten. Togal-Tabletten lösen die schädlichen Bestandteile und führen eine baldige Linderung und vollständige Genesung herbei. Ueber 5000 Aerzte bestätigen die hervorragende schmerzstillende und heilende Wirkung. Der beruhigende Effekt des Togal macht es auch wertvoll gegen Schlaflosigkeit. Zu HerzJs Geburtstag. Wenn wir dieses Mannes gedenken, bedauern wir, daß dieser bedeutende Mensch nicht mehr unter den Lebenden weilt. Wir vermissen schmerzlich seine Stimme. Zu jener Zeit hat man unterlassen, seine Stimme mittels Gramraophön zu verewigen. Wenn wir seiner Werke und Taten, seines Wirkens gedenken, freuen wir uns der großen Sänger unseres Volkes, lauschen ihrer Stimme.,-Das Musikhaus«. Ex* celsiör, Wien, I., Adlergasse 5, bringt anläßlich-Hcrzls Geburtstag folgende Platten in Erinnerung: Hatikvah, gesungen'von Herrn Ok. G. Sirota; Yohrzcit, und,A heim, a heinvvon Herrn Ok. J. Rofenblattj Kol Nidre, von Ok. Basser, mit Chor; A heim in Palestina, von Moris Goldstein; Palcstina ist mein Fathcrland, von Harry Feld; Hatokvoh, gespielt vom Orchester Lichtenstein, usf. Es lohnt sich ein Besuch. Auswärtige Interessenten verlangen am besten den neuen Katalog 1930 für jiddische und hebräische Platten.