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Die Stimme · 1930-04-24 · Heft 123 (24.4.1930) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 123 (24.4.1930)
Date
1930-04-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 128 Die goldene Ehrenmünze Münchens für Dr. h. c. James Loeb München. Die Goldene Ehrenmünze der Stadt München erhielt Dr. h. c. James Loeb, Mitglied des Bankhauses Kuhn, Loeb u. Co. in New York, der für Bau und Dotierung der Psychiatrischen Forschungsanstalt in München, eines Instituts der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft unter Leitung h'raepelins, mehrere große Stiftungen gemacht hat, zuletzt eine solche von 600.000 Mark. Eine ultimative Denkschrift der Araber Jerusalem. (J. T. A.) Dem Oberkommissär Chancellor wurde von der arabischen Exekutive eine neuerliche ultimative Denkschrift überreicht, in der die Befreiung aller Araber, die wegen Teilnahme an den letzten August-Unruhen zum Tod-.* verurteilt wurden, verlangt wird. Wie bekannt, wurde in der letzten Sitzung des englischen Parlamentes vom Unterstaatssekretär für Kolonialangelegenheiten die Erklärung abgegeben, daß die Entscheidung über das Los der zum Tode Verurteilten in Palästina in den Händen des Oberkommissärs liegt. Ein Mitglied des mohammedanischen Oberrates verhaftet und gegen Kaution befreit Jerusalem. In Gaza wurde der Scheich Sefpik Tachbuk, ein Beamter des mohammedanischen Oberrates, unter dem Verdachte der Aufreizung der Araber während der August- Unruhen, verhaftet. Er wurde jedoch kurz darauf, nach Erlag einer Kaution, freigelassen. Aus der hebräischen Bewegung Gründung einer hebräischen wissenschaftlichen Gesellschaft in Wiino. Ueber Initiative des bekannten Zionistenfühfers Dr. Josef Regenburg wurde in Wilna eine Hebräisch-wissenschaftliche Gesellschaft ins Leben gerufen, mit dem Ziel, eine hebräische Lehranstalt zur Erforschung der hebräischen. Sprache, jüdischen Geschichte, Antropologie, Volkskunde u. dgl. zu begründen, sowie wissenschaftliche Publikationen herauszugeben. In der allernächsten Zeüt gibt die Gesellschaft ein größeres Werk in hebräischer Sprache über «Die Geschichte der Medizin in Israel» sowie ein «Lexikon jüdischer Aerzte» heraus. Ebenso wurden bereits Vorarbeiten zur Herausgabe einer Publikation zur «Geschichte der Juden in den Naturwissenschaften» in Angriff genommen. Die Gesellschaft steht auch in enger Verbindung mit der Hebräischen Universität in Jerusalem sowie mit namhaften jüdischen Gelehrten der ganzen Welt. Die philologische Abteilung hat vor kurzem eine kleine Publikation zur «Erforschung’ der hebräischen Sprache» von M. B. Schneider herausgegeben. Die historische Abteilung wird in der nächsten Zeit eine hebräische Zeitschrift für hebräische Geschichtsforschung erscheinen lassen. Die Kulturarbeit der jüdischen Arbeiterorganisation in Erez Israel. Der Kulturausschuß der Jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina erstattet in einer besonderen Beilage des «Dawar» (Scheeloth Tarbuth wechinuch) einen ausführlichen Bericht über seine Tätigkeit. Diesem Berichte entnehmen wir, daß der Kulturausschuß 19 Schulen mit 682'Kindern, 36 Kindergärten mit 817 und 38 Abendkurse mit. 83 Lehrern und 1070 Schülern, ferner wissenschaftliche Kurse und Arbeiterseminare in Tel-Aviv, Petach, Tikwah, Rechoboth, Chedera und Jerusalem erhält. Ferner wurden im letzten Jahre 18 Vorträge in einzelnen Städten, 58 in Moschawoth, 51 in Kwuzoth und 41 in den übrigen Siedlungen über verschiedene Themen abgehalten. Die zentrale Bibliothek zählt 72.647 Bücher, darunter 47.545 hebräische, 5801 jiddische, 6274 russische, 9374 deutsche, 3104 englische und 549 französische. Die Bibliothek nnterhält 84 Filialen, Im letzten Jahre wurden 2236 neue hebräische Bücher angeschafft. Nebst der Bibliothek erhält die Organisation in 65 Ortschaften 115 Lesehallen, in denen .nebst Büchern und Zeitschriften eine große Anzahl allgemeiner und jüdischer Zeitungen aufliegen. An die Lesehallen wurden 1055 Zeitungsexemplare verschickt. Eine besondere Aufmerksamkeit widmet der Kulturausschuß der hebräischen Erziehungsarbeit innerhalb der Jugend, die zumeist in Klubs geleistet wird. Die für die Jugend eingerichteten Kurse werden von über 3000 Jugendlichen besucht. Hebräischunterricht durch Radio. New York. Die Lehrerorganisation der «Union of Orthodox Congregafons of America» hat eine besondere Vereinigung zur Erteilung von Hebräischunterricht durch Radio und Verbreitung hebräischer Kultur auf diesem Wege geschaffen. Verschiedene Radiostattonen werden regelmäßig Hebräischkurse veranstalten sowie hebräische Vorträge kulturellen Inhalts verbreiten, die bekannte orthodoxe Rabbiner halten werden. CiiWEIZ "TfcD Aufsicht Rabb. Luzern (HBis/lamsp/llolcl Victoria Höhenluft, eratklass. Familienhotel, moderner Komfort, fließendes Wasser, Freiluftgymnastik im eigenen Park. Im Juni bedeutend ermäßigte Preise. A. Kempler, Prep* Zwei Araber freigesprochen Jerusalem, fm Häifaer Kreisgericht wurden zwei Araber, die angeklagt wurden, während der letzten Unruhen den jüdischen Bahnbeamten Abraham Mottel ermordet zu haben, freigesprochen. Weihblschof Schreiber verteidigt das Alte Testament gegen Fricks Gesetzentwurf Berlin. (J. T. .4.) Der nationalsozialistische thüringische. Innen- und Volksbildungsminister Frick hat bekanntlich im Gesetzgebungsausscliuß des Thüringer Landtages vorgeschlagen, daß mit der Kirche und Lehrerschaft Verhandlungen einzuleiten seien, um im Lehrplan für den Religionsunterricht die alttestamcntarischen Stoffe stärker in den Hintergrund zu rücken. In diesem Zusammenhang sei auf einen in der «Standarte» vom 5. April erschienenen Aufsatz des Berliner Weihbischofs Dr. Christian Schreiber aufmerksam gemacht, der den Titel «Gegen den Antichrist» trägt und folgende Ausführungen enthält: «. . . Innerhalb derer, die sich zu der religiösen Einheitsfront zusammenschließen, müssen die konfessionellen Befehdungen aufhören! Nicht mir zwischen Protestanten und Katholiken. Auch der gottgläubige Jude gehört in die große Einheitsfront des Glaubens gegen den Unglauben. Wir dürfen nicht vergessen, daß das alttestamentarischc Judentum der Welt das Grundlegende in der Religion vermitelt hat: den Glauben an den einen Gott und die Ehrfurcht vor Gottes zehn Geboten.» Siebente Jahreskonferenz der Zionisten Griechenlands Saloniki. (J. T. A.) Die Siebente Jahreskonferenz der Zionisten von Griechenland wurde vor kurzem in Anwesenheit von 42 Delegierten und einer großen Zahl Besucher in Saloniki abgehalten. Nach Aussprachen über aktuelle zionistische Fragen wurden verschiedene Resolutionen angenommen. Der Zionistischen Exekutive wurde das vollste Vertrauen ausgesprochen und besonders die Hingabe von Dr. Weizniann, Lord Melchett und Felix Warburg hervorgehoben. Es wurde gegen die Haltung der Mehrheit der Untersuchungskommision protestiert. Dem Arbeitervertreter Snell wurde ft,, sein Verständnis für die jüdische Seele und seine Würdigung der zionistischen Arbeit der Dank ausgesprochen und mit lebhafter Befriedigung von der Erklärung des Premierministers Macdonald im Unterhaus Kenntnis genommen. Anläßlich der Hundertjahrfeier der griechischen Unabhängigkeit wurde die Pflanzung eines Waldes mit dem Namen «Griechenland» in Palästina beschlossen. Das Verwaltungskomitee der Zionistischen Föderation von Griechenland, das aus dieser Konferenz neu hervorging, setzt sich aus 12 Mitgliedern zusammen, von denen neun wiedergewählt und drei neugewählt wurden. Die Züricher Jüdische Gemeinde mit allen gegen eine Stimme für die Agency Zürich. (J. T. A.) Bei der letzten Versammlung der Jüdischen Kultusgemeinde in Zürich ist mit. allen, gegen eine Stimme die Zustimmung der Züricher Gemeinde zu dem Eintritt des Schweizerischen Jüdischen Gemeindebundes in die Jewish Agency beschlossen worden. Zugleich wujde der Wunsch ausgedrückt, der schweizerische Vertreter innerhalb der Agency möge auf eine Demokratisierung der Agcncy- Organisation hinwirken. Bei der Abstimmung ist nur enie Stimme gegen den Beitritt zur Agency abgegeben worden, Aref Pascha el Dajani gestorben Jerusalem. (J. T. A.) Der Begründer der mohammedanisch-christlichen Vereinigungen in Palästina und der erste Vorsitzende der palästinensisch-arabischen Exekutive, Aref Pascha el Dajani, ist am 14. April im Alter von 67 Jahren in Jerusalem verstorben. Unter dem türkischen Regime war er Gouverneur von Taiz (Yemen), dann von Saloniki und schließlich von Basra. Er war der bedeutendste Rivale dös gegenwärtigen Vorsitzenden der arabischen Exekutive, Muza Kasim Pascha el Husseini, in dem Kampf um die Führung der .palästinensischen Araber. Literatur und Kunst Strömungen in der heutigen hebräischen Literatur Palästinas (Aus einem Gespräch mit Dr. Jakob Horowitz.) w. Seit einigen Tagen weilt in Wien Dr. Jakob Horowitz, der Mitredakteur der literarischen Wochenschrift «Ktuwim». Dr. Horowitz, der unter den jüngeren Schriftstellern Palästinas zu den hoffnungsreichsten zählt, hat bekanntlich das Remarquesche Buch «Im Westen nichts Neues» ins Hebräische mustergültig übertragen. Sein Werk «Or sarua» (Verlag «Ktuwim») haben wir seinerzeit in unserem Blatte gewürdigt. Demnächst erscheint im Stybel-Verlag sein Roman «Schaarei . Tumah» (Die Pforten der Unreinheit). Jakob Horowitz hat auch viele Novellen in palästinensischen. wie auch in europäischen Zeitschriften veröffentlicht, die die Aufmerksamkeit des hebräischen Lesepiiblikums auf diesen jungen Schriftsteller lenkten.. Er steht in Palästina in der Kampffront der jungen Schriftstellergeneration gegen die althergebrachte Tradition. Ueber die Strömungen in der palästinensischen Literatur äußerte er sich folgendermaßen: «Man hat mich in Europa schon öfter gefragt, warum in Palästina so viele Kämpfe unter den Schriftstellern ausgetragen werden. Die richtige Antwort lautet: Das heutige Palästina umfaßt viele schöpferische Elemente, dje in verschiedenen Epochen wurzeln. Es gibt solche, die noch heute unter dem pessimistischen Einflüsse Brenners stehen; solche, die als hebräische Jünger Tschechows benannt werden können und schließlich auch solche, die das moderne Europa im Lande vertreten. Bezüglich dieser letzteren muß man feststeilen, daß Palästina heute nicht mehr alles, was aus Europa kommt, Wind übernimmt. Es wurde bereits schöpferisch tin-, abhängig. Bei diesen gegenteiligen Strömungen herrschen wohl verschiedene Begriffe über Literatur. Die junge Generation ist aktiv zum Schaffen eingestellt, sie will sich nicht in einer Ecke verstecken, um dort der Idylle zu leben. Sie sehnt sich nach weiten Horizonten und frischer Luft. Früher lautete, das Schlagwort: Wir und Europa. Heute heißt die. brennende Problemstellung: Was tragen wir zur allgemeinen Weltkultur bei. Sch. J. A g n o n, ein bestimmt hervorragender Schriftsteller, bemüht sich in seinem Schaffen an die alten volkstümlichen Bücher anzuschließen. Dagegen gibt es heute in Tel-Aviv einen neuen «Slang», eine neue hebräische Volkssprache und es wird bereits versucht, diesen Beweis der Lebendigkeit unserer Sprache literarisch zu fixieren. Eine andere Richtung schlägt das Schaffen des Elieser Steinmann ein. Er bemüht sich, eine Synthese der jüdsichen und europäischen Werte zu schaffen, wie dies vor allem in seinem groß angelegten Romane «Sodoth» (Die Geheimnisse), dessen erster Teil bereits erschienen ist, zürn Vorschein gekommen ist. Nebenbei sei bemerkt, daß Steinmann zu den brillantesten und verblüffendsten Stilisten der palästinensischen Literatur gehört. Weiter sei festgestellt, daß es auch Ansätze für eine palästinensisch-exotische Literatur gibt. Das Thema hiezu bietet das Leben der orientalischen Juden in seiner Buntheit und Eigenartigkeit. Diese Literatur ist interessant und bringt Neues auch uns, die wir in Palästina leben. Es gibt heute in Palästina auch Schriftsteller, die an dem alten Realismus hängen und den Tisch mit seinen vier Füßen genauest beschreiben; obzwar dieser allen schon zur Genüge bekannt ist. Wenn diese Art des Schaffens so monumental wäre, wie zum Beispiel bei einem Galsworthy, könnte sie selbstverständlich auch vieles zur Entwicklung der! palästinensischen Literatur beigeträgen . Noch immer findet man Nachklänge romantischer ArL d-ie das Leben des palästinensischen Arbeiters schildern (Schimonowitsch). Den hierher gehörenden. Werken fehlt es aber an der Größe des Erlebnisses einer ganzen Generation'. Die mystische Vermählung jünger Menschen mit der Erde kann nicht romantisjchridylüs.ch sein. Sie ist stürmisch und', verlangt eine- Stürmische Wiedergabe, wie wir sie vor allem; in dem gewaltigen Worten eines Uri Zwi. Grüuberg oder in den wundervollen Klängen eines SchÜohski finden. Das ' Kampforgan der jüngeren Generation ist die Wochenschrift «Ktuwim». Diese Zeitschrift hat sich zum Ziele gesetzt, nicht nur die Umwertung verschiedener Werke zu vollbringen, sondern auch eine Synthese jüdischer Kulturart in verschiedenen Epochen mit dem modernen Europazu. schaffen. Rücksichtslos und nur vom Standpunkte der Sachlichkeit wird hier ein Urteil über ein Buch, ein -Bild, eine Theateraufftihrung gesprochen. Es sei betont, daß vor allem die in dieser Zeitschrift erscheinenden Theaterkritiken (aus der Feder desr Normann) für das palästinensische Publikum von ausschlaggebender Bedeutung sind. Nach jeder Premiere fragt mau in Palästina: Was sägen dazu die «Ktuwim»? Um die «Ktuwim» gruppieren sich außer Schriftstellern auch - viele Maler und Theatermenschen, vor allem Mitglieder des «Ohel». Dieser Kreis fühlt, daß es nötig ist, eine Phalanx geistig verwandter Künstler aufzustellen. Er trägt in sich das Bewußtsein der großen Verantwortlichkeit des jüdischen Künstlers Palästina und der sich dort entwickelnden geistigen Form gegenüber. Einen eigenen Weg geht Avigdor Hameiri. Dieser Schriftsteller, der bis vor kurzem hauptsächlich als Lyriker bekannt war, hat sich letztens in die Front der ersten Prosaiker Palästinas eingereiht. Wäre sein Roman «Haschigaon Hagadol» (Der große Wahnsinn) vor dem Welterfolg Remarques in eine europäische Sprache übersetzt worden, er hätte vielleicht denselben Welterfolg erreicht... Man spürt in Palästina sehr stark, den Mangel einer! literarischen Monatsschrift (Hedim erscheinen nicht mehr). Trotz Mahnung der «Ktuwim» hat dieallgemeine Schriftstellerorganisation bisher noch kein derartiges literarisches Zentrum geschaffen. Man muß deshalb Zuflucht nehmen zu der leider selten erscheinenden «Hatkufa», der «Ktuwim» und zu den Parteizeitüngen (literarische Beilage «Dawar» und «Hapoel Hazair»). Leider muß festgestellt werden, daß man Ing. Mühlbauer und Frau zeigen die Geburt eines gesunden Töchterchens - Ruth an Wien. Nissan 5690 Der Dank des jüdischen Volkes an Balfour: Goldbudieintrasunsen ■üät Keren Knlemetk!

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