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Die Stimme · 1930-04-24 · Heft 123 (24.4.1930) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 123 (24.4.1930)
Date
1930-04-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 128 Dr. Weizmann über den Bericht der Untersuchungskommission Ein Brief an den „Manchester Guardian" in einem vom «Manchester Guardian» veröffentlichten Brief schreibt Dr. Ch. Weizmann: Als Präsident der Jewteh Agency für Palästina ist es meine Pflicht, der britischen Oeffentlichkeit eine Erklärung über einige der Fragen vorzutegen, die von dem «Bericht der Kommission Uber die Palästina-Unruhen vom August 1029» angeschnitten worden sind. Die von der Regierung Sr. Majestät der Kommission gestellte Aufgabe war, «die unmittelbaren Ursachen m untersuchen, die zu den jüngsten Ausbrüchen in Palästina geführt haben, sowie Empfehlungen hinsichtlich der Schritte zu machen, die notwendig sind, um ihre Wiederholung zu vermeiden.» Die Kommissare haben festgestellt, daß «der Ausbruch in Jerusalem von Anfang an ein Angriff von Arabern auf Juden war», und daß di« weiteren Unruhen ebenfalls «zum größten Teil die Form eines böswilligen Angriffes von Arabern auf Juden hatten und von einer mutwilligen Zerstörung jüdischen Eigentums begleitet waten». Wir haben nie daran gezweifelt, daß es so war, aber wir begrüßen es, daß die Tatsachen jetzt offiziell festgestellt worden sind. Der Premierminister, fährt Dr. Weizmann fort, hat am 3. April im Unterhaus mitgeteilt, daß die Regierung jetzt die verschiedenen Vorschläge der Kommission prüft, um sich mit den unmittelbaren Ursachen des Ausbruches und Maßnahmen zur Vorbeugung einer Wiederholung zu befassen. Wir haben volles Vertrauen, daß die Frage der Sicherheit von der Regierung Sr. Majestät befriedigend gelöst werden wird. Wir sind weit entfernt davon, alle Feststellungen der Kommission über die unmittelbaren Ursachen des Ausbruches und über die Verantwortung für denselben zu akzeptieren, aber der Teil des Berichtes, der über die von dem Unterstaatssekretär niedergelegteri Aufgaben hitiäusgeht, fordert unserer Meinung nach am dringendsten eine Antwort heraus. Di« Kommission hat es für notwendig befun- - den, sich in Fragen höherer Politik, wie Landan- Siedltitig und Einwaftdefüngsfragen, einzulassen, die der Regierung Sr. Majestät Vorbehalten sind,; und die Kommissare haben das (mit Ausnahme des , Herrn Snell, dessen Vorbehaltserklärung ein Dokument voll menschlichen Mitgefühls Ist) in einer Weise getan, die einen völligen Mangel an Verständnis zeigt, sowohl des jüdischen Problems, für das m Palästina ein Heilmittel gesneht wird, wie auch der feierlichen internationalen Versprechungen, die die Grundlage der Mandatar-Verantwortung Großbritanniens bilden. «Der Ausbruch», sagt der Bericht, «war weder feine Revolte gegen die britische Herrschaft in Palästina, noch war er als eine solche beabsichtigt». Diese Erklärung ignoriert die grundlegende Tatsache, daß die Rechtfertigung der britischen Herrschaft über Palästina einzig in dem Mandat liegt, welches die Urkunde des Nationalhewnes für das jüdische Volk ist. Der Bericht sieht die grundlegende Ursache des Ausbruches in «dem arabischen Gefühl der Feindseligkeit gegen die Juden infolge des Fehlschlages ihrer politischen und nationalen Aspirationen, und der Furcht um ihre wirtschaftliche Zukunft» und fügt in einem anderen Zusammenhang hinzu, daß die «durch jüdische Einwande-, rung und jüdische Arbeit dem Lande gebrachten großen Vorteile sich bei der Verfolgung des wahren Zweckes der Unternehmung nur nebenbei ergaben und keinen Teil der eigentlichen Absicht bildeten». Dies ist in der Tat ein erstaunlicher Kommentar der Politik des jüdischen Nationalheimes; denn, wenn wir auch erfreut sind, daß unsere Arbeit, einfach durch ihre Natur, der arabischen Bevölkerung Nutzen bringt, und wünschen, daß es so sei, können wir nicht die in diesem und anderen Teilen des Berichtes eingeschlossene Voraussetzung akzeptieren, daß unser Recht, in Palästina zu leben, durch gehegte Befürchtungen beeinträchtigt werden oder von Vorteilen, die die arabischen Landesbewohner daraus ziehen, abhängig sein soll. Kraft unserer historischen Verbundenheit mit Palästina wurde uns in diesem Lande durch einmütigen Beschloß der zivilisierten Welt ein Nationalheim zu« erkamit. Wir sind in Palästina «kraft Rechtes und nicht kraft Duldung». Ich beabsichtige nicht, mich hier mit allen Punkten des Berichtes zu befassen, gegen die Einwendungen >OOOQQCXXXXXXXX)QOOOOOOOQCXX?OOOOOOQOOOOO Treffpunkt der Zionisten im Gatt „Altes Rathaus" (Cafetier Leo Lowy) Grofler» und kleine Klublokale 1. Beit) Wipplin^erälraße 21 Tel. U 27-4-84, U 26-2-74 erhoben werden können und werden, aber ich muß besonders auf zwei Punkte verweisen: Es wird gesagt, daß «Palästina keine größere landwirtschaftliche Bevölkerung ernähren kann, als es gegenwärtig erhält, solange die Ackerbaumethoden nicht eine radikale Aenderung erfahren». Das Wesen unserer Arbeit aber ist es, gerade elfte solche «radikale Aenderungfc herbeizuführen, und nach fünfzig Jahren Erfahrung in unserer Kolonisation versichern wir, daß für Zehntausende weiterer jüdischer Farmer in dem Lande Raum gefunden werden kann, ohne daß die rechtmäßigen Interessen der Araber verletzt werden. Der Bericht führt gegen uns an, daß wir ein landloses Proletariat schaffen. In Wirklichkeit ist di« Gesamtzahl der durch uns von ihrem Boden entfernten arabischen Pächter gering, und ihre überwältigend« Mehrheit ist mit unserer Unterstützung auf anderem Boden neu angesiedelt worden. Wir behaupten ferner, daß zwischen diesen als Klagegründe vorgeschobenen landwirtschaftlichen Fragen und den Unruhen vom August 1929 keinerlei Zusammenhang bestand. Unter den Hunderten von Arabern, die unter der Beschuldigung der Teilnahme an den Unruhen vor den Gerichten erschienen, War nicht eitler, der als ein durch uns enteigneter Pächter hätte bezeichnet werden können. Hätte es auch nur einen einzigen Fall dieser Art gegeben, dann würde aus ihm alles Mögliche gegen uns EXCE1SIOR Inhaber RICHARD HERZOG I, Adlergasse 5 Tel. R-28-4-90 DAS BESTE zudem billige COMNBIAMODELL HO S138.- Größe 32 X 21 y2 cm Höhe 14 cm Neue verbesserte Columbia-Dose 15 b in den Aussagen vor der Kommission gemacht worden sein. Der Bericht deutet an, daß die jüdische Einwanderung die Aufnahmefähigkeit des Landes überschritten hat, und beschuldigt sogar die Jewish Agency einer ernsten Abweichung von dem im Weißbuch 1922 zum Ausdruck gebrachten Abkommen. Diese Behauptung fußt einzig auf der Wirtschaftskrise von 1926/27. Welches immer die Ursachen der Krisis waren, e« liegt kein Beweismaterial vor, daß sie die Araber ungünstig getroffen hat, während für die jüdischen Arbeitslosen zugegebenermaßen von uns gesorgt wurde; und während die reichsten Länder in der Welt immer noch mit akuter Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben, herrscht in Palästina jetzt Mangel an Arbeitern. Die Bilanz von zehn Jahren unserer Arbeit in Palästina ist, daß, obgleich die Zahl der Juden sich Um hunderttausend vermehrt hat und obwohl die Araber, deren Anzahl früher fast gleichblelbend war, ebenfalls um hunderttausend angewachsen sind, die gesamt« Bevölkerung jetzt zu Löhnen und unter Bedingungen arbeitet, die weit besser sind, als es bisher jemals ln Palästina der Fall war. Die angebliche Furcht der Araber «um ihre wirtschaftliche Zukunft» haben drei Kommissar« zu dam Vorschlag veranlaßt, unsere Einwanderung abzuechnüren und unsere Freiheit, Land zu kaufen, zu beschränken. Ohne Menschen und ohne Boden gibt es kein Nationalheim; jede Beschränkung würde für uns dem Wesen der Sache nach die Preisgabe der Politik des Mandates bedeuten, würde uns in eine Lage bringen, die schlechter wäre als die ist, der wir in irgendeinem anderen Lande gegenüberstehen, und würde den Namen des jüdischen Nationalheimes zu einem Spottnamen machen. Wir begrüßen die vom Premierminister am 3. April gegebene Erklärung, daß die Regierung Sr. Majestät an der Politik des Mandates festhält; und wir begrüßen ihre Billigung durch die Führer der beiden Oppositionsparteien. Wir Juden können keine stärkere Versicherung wünschen, als die wir von den drei verantwortlichen Führern der britischen Nation erhalten haben; und wir erwarten im vollen Vertrauen die Erklärung, mit der die Regierung Sr. Majestät eine detaillierte und konkrete Darlegung ihrer zukünftigen Politik in Palästina geben wird. Inzwischen, schließt Dr. Weizmann, erklär« Ich im Namen der Millionen von Juden, die in d«r Jewish Agency for Palestine organisiert sind: Es ist das Vorrecht unserer Generation gewesen, Hand an das Werk zu legen, auf das unsere Vorväter gewartet und für das sie gebetet haben; und wir tun das unter den Auspizien der Nation, die von der vereinigten Stimme der Welt- Juderrheit gebeten worden ist, das Mandat zu übernehmen. Wir haben das Fundament zu unserem Nationalheim in Palästina gelegt. Das Werk, das wir begonnen haben, werden wir fortführen. Wlrwerden unser Ideal und unsere Pioniere nicht Im Stiche lassen. „Manchester Guardians-Kommentar zum Weizmann-Brief Kein Nationalhcim ohne Volk und Land. — Palästina muß den Juden offen gehalten werden In einem ausführlichen redaktionellen Kommentar m dem Schreiben Dr. Weizmanns legt «Manchester Guardian» dar: Dr. Weizmann betont, daß es «ein Nationalhelm ohne Menschen und ohne Land» nicht geben kann, und umschreibt von hier aus die Prinzipien, auf die sich die britische Politik hinsichtlich der beiden Schiüsselprobleme der Einwanderung und des Bodenkauifs gründen solle. Der Bodenkauf durch Juden und die Besiedelung des Bodens durch jüdische Siedler sind di« Hauptpunkte de® arabischen Angriffs, denn die arabischen Führer wissen ebenso klar wie Dr. Weizmann selbst, daß ohne diese beiden Stützpfeiler das Nationalheim notwendig ein Haus ohne Dach und Einrichtung bleiben muß, in dem im besten Falle einige fromme Pilger ihre Tage bei den alten Heiligtümern ihres Volkes zubfingen könnten. Das war im wesentlichen die Lage der Juden in Palästina vor dem Krieg; der Zweck der Bälfour-Deklaration war es, diesen Zustand zu ändern, damit das Land wieder ein wirkliches Heimatland für di« Juden werden kann. Da« ist «ln Ideal, das die Araber anzu erkennen ganz offen abgelehnt haben, aber es Ist ein Ideal, dem di« britische Regierung und der Völkerbund geneigt sind. Wenn die Araber gefühlsmäßig ein« Beeinträchtigung erfahren müssen, dann ist es umso mehr unser« Pflicht, darauf zu achten, daß sie Im Tatsächlichen durch die Schaffung de® jüdischen Nationalheiims nicht zu leiden haben. Sind die bestehenden Sicherungen ausreiched, oder sind, wie die Palästina-Kommission behauptet, weitere Schutzmaßnahmen nötig? Vor dem Kriege standen die westlichen Länder den Einwanderern au« dem Osten Europas weit offen. Seit dem Krieg hat eine Reihe von Immlgrationsgesetzen sie in sehr weitem Ausmaß verschlossen. Palästina zieht die Juden heute durch einen sowohl praktischen als auch geistig-religiösen Ruf an sich. Wenn und weil das Land imstande ist, eine größere Bevölkerung zu erhalten, soll es in steigendem Maße für die Juden offen gehalten werden. Di« jüdische Kolonisation Palästinas ist in gleicher Weise sowohl eine menschliehe Verpflichtung wie eine vertragliche. Inwiefern ist heute Palästina fähig, eine vergrößerte Bevölkerung zu ernähren? Die Industrie entwickelt sich so schnell, wie das in einem neuen Lande möglich Ist, wobei erwartet werden kann, daß solche Unternehmen, wie das hydro-elektrisohe der Ruihettberg-Konzession das Tempo ln der Zukunft beschleunigen werden. Aber gegenwärtig und noch für längere Zeit ln der Zukunft muß das palästinensische Wirtschaftsleben sich auf der Landwirtschaft aufbauen. Ein großer Teil des Bodens von Palästina wird einer ausgiebigen KultlvierüHg nie zugänglich sein. Ein Teil de« Bodens ist heute bereits reichlich fruchtbar. Aber es bleibt noch ein überwiegendes Boden-Areal, das durch Bewässerung und bei modernen intensiven Bebauungsmethoden eine zahlreiche und zufriedene Bauernschaft ernähren kann. Ein gut Teil Ist schon getan worden, um Palästina wieder zu dem überlieferten Land von Milch und Honig zu machen; das alles ist fast ausschließlich durch Juden geschehen und vorwiegend durch jüdisches Ka* pital ohne Beihilfe der Regierung außer für die Erhaltung des Friedens und der Ordnung. Besonders bemerkenswert ist das Werk in der Küstenebene, wo Oramgenpflanzuugen den ganzen Landstrich verschönert und bereichert haben. Der Boden für diese Versuohe und damit der Boden für die jüdische Kolon!«- sation ist von den Juden zu hohen Preisen, sehr oft von außerhalb des Landes ansässigen Großgrundbesitzern gekauft worden. Der von der Regierung geleistete Beitrag war unbeträchtlich, obwohl Artikel 6 des Mandates der Verwaltung die Pflicht auferlegt, «geschlossene Siedlung der Juden auf dem Lande einschließlich der ■*

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