Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 122 (17.4.1930)
- Date
- 1930-04-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 122 PIE STIMME Seite 11 Jubiläumskonzert des Wiener Jüdischen Gesangvereines Samstag, den 26. April, feiert der Wiener Jüdische Gesangverein das zehnjährige Jubiläum seines Bestandes mit einem Festkonzert, welches im Festsaale des Industriehauses, Wien, III., SchwarzenbergpJatz 4, stattfinden wird. Als Hauptnummern des Programms gelangen zur Aufführung: «Unsaneh Tokef» und Psalm XIII von Milner für Tenorsolo und gemischten Chor. Ferner eine Reihe jüdischer Volkslieder, bearbeitet von Braslavsky, Beck, Engel, Erdstein und andere Werke für Violine und Klavier. Als Solisten wirken mit: Professor Em. Scharfberg (Violine), Oberkantor G. Margolies (Tenor), Ing. Fritz Kohn (Baß), I. Glück (Bariton), Gisa Blüh, Sabine Vogel (Sopran), Grete Körner, Rosa Reiß (Alt). Harmonium: Yella Peßl; Klavier: Kapellmeister Rudolf Beck. Dirigent: A. Dzimitrowsky. Jüdischer Autorenabend. Am 15. ds. fand in der Volksbl-biiothek «Zion» der erste jüdische Autorenabend statt. Dr. Marek Scherlag las einige seiner Uebersetzungen aus dem Jiddischen, wie auch eine längere Novelle unter dem Titel «Die Stimme des Blutes». Hermann Menkes, der persönlich nicht erscheinen konnte, stellte eine schöne Skizze, und zwar «Mein Freund Hamlet» zur Verfügung, die vorgelesen wurde. Zum Schlüsse las Dr. Z. F. Finkeistein «Persönliche Erinnerungen an Schalom Alechem», die sehr gut gefielen. Es wäre sehr wünschenswert, wenn derartige literarische Abende öfter veranstaltet werden sollten und das jüdische Publikum von ihnen mehr Notiz nehmen möchte. Soeben erschienen Heft 2 des «Dewarenu» mit Beiträgen von: Moses Leiter, J. Gelernter, M. Mibaschan, Daniel Perski, Mord. Goldenberg, Moses Schianger, Rüben Großmann, Abraham Rosenzweig, Saul Tschernikowski, L. Chasan, A. L. Großmann, Meir Mohr, Dr. Dawid Roth- •blum, M. Ungerfeld, Schlomo Drechsler, Schlomo Ben Josef, Jizchak Herzberg. «Zion», Sammelschrift der Gesellschaft zur Förderung der Geschichte und Ethnographie von Palästina. Aus dem Inhalt des soeben erschienenen vierten Bandes: Ben Zwi: Ein Karäerbrief; S. Jawin: Palästina in den Tagen der Eroberung; S. Klein: Forschungen zum Buche Deuteronlum; A. Marks: Ein Brief Moses Meiseis an Dr. Löwe; Dr. N. M. Gelber: Die Palästinafrage in den Jahren 1840 bis 1842; B. Z. Dünaburg: Aus dem Archiv des Chacham-Bascbi R. Chaim Abraham Gagi. Ferner Aufsätze von Dow Heller, Ephraim Reubeni, Josef Riblin, Dozent Sukemük, M. J. Schalom und Aktenbeilagen zum Aufsatz Dr. Gelber. «Hassela», hebräisches Organ des Brith Trumpeldor in Win. Die erste Nummr dieser hektograpbierten Zeitschrift ist erschienen. Redaktionsadresse: Jizchak Brodbar, II., Miesbachgasse 12/11. Publikationen der Jewlsh Agency. Die Jewish Agency for Palestine hat soeben zwei neue Broschüren veröffentlicht. Der Titel der einen lautet: «The Palestinian Arabs under the British Mandate» (Die palästinensischen Araber unter dem britischen Mandat). Sie zeigt auf Grund zahlreicher Tabellen den Einfluß der jüdischen Arbeit in Palästina auf die Lage der arabischen Bevölkerung. Die andere Publikation enthält den offiziellen Bericht über die Konstituierung der Tagung des Councils der Jewish Agency in Zürich vom 11. bis 14. August 1929. Neues Jüdisches Theater, II., Praterstraße 60. Das Gastspiel des beliebten Künstlers Leopold Jungwirth wurde infolge des großen Erfolges prolongiert. Samstag gelangt das Volksstück von Kobrin «Of Kidusch Haschern» zur Erstaufführung. Mitwirkend die Herren Jungwirth, Liebgold, Nachbar, Grimminger, Fried es und die Damen Rosenberg, Braclawska und Liebgold. Sonntag: «Of Kudisch Haschern». Montag: «Er will ein Weib.» Lustspiel in drei Akten von Goldberg. Beginn %9 Uhr abends. Volkstümliche Preise. Liederabend Hilda Dullckaja. Sonntag, den 20. April, %9 Uhr abends, findet Im Hotel Continental, II., Taborstraße 4, ein einziger Liederabend der bekannten Künstlerin Hilda Dulickaja statt. Hilda Duliokaja, die In Wien wie auch in vielen anderen Städten großen künstlerischen t Ruf besitzt, wird ln ihrem einzigen Abend in Wien dem jüdischen Publikum wieder Gelegenheit geben, das Schönste und Beste der jüdischen Volkskunst zu hören. Die Künstlerin bleibt kurze Zeit in Wien, da sie wieder für eine längere Konzerttournee Wien verlassen muß. Das Wiener jüdische Publikum wird die Künstlerin hoffentlich warm und herzlich empfangen. Julius Chajes Im Wiener Radio. Der junge, aber überaus begabte Komponist Julius Chajes hatte am 13. April d. J. einen großen Erfolg. Radio-Wien sendete einige seiner Werke, die der Komponist selbst am Flügel begleitete. Julius Chajes gehört heute zweifellos zu den größte Hoffnungen erweckenden jüdischen Komponisten. Zur Kinder-Pessach-Feier, die die hebräische Praterschule und die zionistische Frauengruppe Prater, Jungstr. 8, am Donnerstag, 17. d. M., 3 Uhr nachmittags, in den «Jüdischen Künstlerspielen», Praterstraße 34, gemeinsam veranstalten, sind nur noch wenige restliche Karten vorhanden, die an der Tageskassa zur Ausgabe gelangen. Es wird um rechtzeitiges Erscheinen ersucht, da die Spielzeit beschränkt ist und die angegebene Zeit des Beginnes genau eingehalten werden muß. Die Akademie des Pfadfinderbundes «Zirenu». Am Mittwoch, 9. April, fand die Akademie des Pfadfinderbundes «Zirenu» statt, die neben großen künstlerischen Erfolgen auch einen glänzenden Kassenerfolg brachte, der der Fortsetzung des Heimbaues zugute kommt, Von dem reichhaltigen Programme wären einige Nummern als besonders gelungene zu erwähnen. So die beiden Reigentänze der kleinen Mädchen, von denen besonders der Reigen «Tel-Aviv» stürmischen Applaus hervorrief. Sodann der große Chor sowie der «Zirenu-Kosakenchor» und endlich die mustergültige Aufführung des Sketchs «Der Selbstmörder» von Awertschenko. Den Abschluß des gelungenen Abends bildete die Aufführung der dreiaktigen Opernparodie «Der Taucher», die sowohl den Sängern wie auch dem ausgezeichneten Orchester reichen Beifall brachte. Bilderausstellung Wilhelm Wachtels in Bielitz. Aus Bleliitz wird uns berichtet: Nach einer längeren Ausstellungstournöe über Lemberg, Krakau, Kattowitz und andere polnische Städte, fand am 9. April die Eröffnung der Aussteifung der Palästinawerke Wilhelm Wachtels in Bielitz statt, tm Festsaale der Bielitzer Kultusgemeinde versammelte sich die Elite der jüdischen Gesellschaft dieser Stadt. Der Präsident der Bnei-Brith-Loge, Rabbiner Dr. Steiner, begrüßte die Anwesenden und würdigte in längerer Ansprache das Schaffen Wilhelm Wachtels. Das lebhafte Interesse an den überaus interessanten, künstlerisch hochwertigen Exponaten, kam gleich am ersten Tage zum Ausdruck, indem eine ganze Reihe von größeren und kleineren Bildern von den Ausstellungsbesuchern angekauft wurde. In nächster Zeit wird Wilhelm Wachtel seine Werke in Berlin, Leipzig, Haag und Antwerpen ausstellev. Der 100. Geburtstag von Camille Pissarro. Uoberall in der Welt wird gegenwärtig der 100. Geburtstag des großen jüdischen Malers Camille Pissarro gefeiert, der neben. Joseph Israels und Max Liebermann eines der drei jüdischen Malergentes der letzten Kunstepoche gewesen Ist. In Paris wurde aus diesem Anlaß an dem Musee de l'Orangerie eine große Gedenkausstellung der Gemälde Pissarros veranstaltet Die Kunstkritiker huldigen ihm als einem der bedeutendsten Schöpfer des Impressionismus. Camille Pissarro wurde 1830 in St. Thomas, Dänisch-Westindien, geboren, kam im Alter von 20 Jahren nach Paris und starb dortselbst 1903 im Alter von 73 Jahren. NEUES JÜDISCHES THEATER, II., Pratergtraße 6o. Das Gastspiel des beliebten Künstlers Leopold Jungwirth wurde infolge des sensationellen Erfolges prolongiert. Samstag: Erstaufführung „of Kidusch Haschern“, Volksstück mit Gesang in drei Akten von Kobrin. Volkstümliche Preise! Jüdischer Humor Von Jehuda Ehrenkranz Im Humor offenbart sich ein Volk mehr als in der Tragik. Das Tragische hat immer dasselbe Gesicht: Unentrinnbarkeit. Der Humor aber tausend Arten des Entrinnenwollens. Und doch ist der Humor in der Tragik eines Volkes begründet. Druck erzeugt Gegendruck. Ohne Leid gäbe es kein Lachen. Und für wen gilt dies mehr als. für das jüdische Volk? An drei Typen will ich den Versuch machen, den Jüdischen Humor, wie wir ihn jetzt erleben, zu deuten. Auf allen lastet der gleiche Druck, die Tragik unserer Lebensbedingungen. Jeder reagiert auf andere Art. Zunächst: der jüdische Clown. Er kommt frisch von der Leopoldstadt her. Hat sich «eben» assimiliert. Kann weder Deutsch noch Jiddisch, dafür aber jüdelt er. Er trägt Smoking, grinsend erzählt er «koschere» Witze. Man findet diesen Typ in jedem Kabarett. Von hier aus hat er die Welt erobert. Er lebt, indem er sich selbst bespuckt und sich vor dem «Goj», den er für dumm hält, lächerlich macht. Auf der anderen Söite steht, der Satiriker. Auch er ist gewöhnlich ein assimilierter Typus. Jedoch schlug er, seit langem an der Peripherie stehend, langsam Wurzel in fremde Erde und fremde Kultur. Er schöpft Kraft aus beiden Völkern, steht beiden Völkern gleich fern. Er überschaut und durchschaut beide. Seine Waffe ist der Haß. Diesem entspringt sein Lachen, mit dem er alle Mißstände, alle Verzerrung und Schändung des Lebens geißelt. Ihn zeichnen Witz, Schärfe und Schlagfertigkeit aus. Was liegt näher, als dies aus dem Jüdischen zu deuten? Aus der jüdischen Geistigkeit, die, entwurzelt, keine Erde, sondern das Wort zur Heimat hatte, im Wortwitz sich auslebte? Im Zentrum aber, nahe dem Herzen des Volkes, wohnen die wahren Humoristen: unsere Dichter. Der Clown trägt das Lächerliche, welches ja das Tragische ist, als Maske, der Satiriker als Waffe, der Dichter aber wandelt das Lächerliche ins Heitere, entkleidet es aller Tragik, erlöst es — und uns von ihm — mit seinem Lachen. Der wahre Humorist ist voller Liebe zu all den lächerlichen Gestalten, die er zeichnet, denn er weiß um ihre Tragik. «Lachen ist gesund» ist das Motto aller Werke unseres großen Schalom Alechem. Er will Arzt, Helfer und Tröster sein. Das Tiefste und Einfachste, was über ihn gesägt worden ist: «Er schreibt mit einem weinenden und einem lachenden Auge.» Wieviel Wissen und Leid birgt sein Humor. Und wieviel Verzweiflung verbirgt er. Sogar «che erste jüdische Republik», die eine Satire auf die jüdische Uneinigkeit und Zerrissenheit, auf des Juden Widerspruchsgeist und Undiszipliniertheit ist, endet nicht mit Haß, sondern mit einer Klage: «Herr, warum sind wir so heimatlos?» Mtstortsffk Bedeutsame Page dieser WocAc 18. April (20. Nissan) 1874: Der bekannte Porträtmalef Eugen Spiro in Breslau geboren. R. Hai Hagaon gestorben. 19. April (21. Nissan) 1903: Pogrom in Kischinew. 20. April (22. Nissan) 1896: Baron Moritz Hirsch, der Begründer der jüdischen Kolonisation in Argentinien, gestorben. 21. April (23. Nissan) 1870: Prof. Wolfgang Wessely in Wien gestorben. 1917: Dr. Zamenhof, Erfinder des Esperanto, gestorben. 1921: Der bekannte hebräische Schriftsteller J. Ch. Brenner wurde von Arabern ermordet. 22. April (24. Nissan) 1846: Der Dramaturg Hugo Lubfiner in Breslau geboren. 1876: Prof. Dr. Robert Baranjr, Nobelpreisträger für Medizin, in Wien geboren. 23. April (25. Nissan) 1901: Der hebräische Schriftsteller A. Ludwipo! gestorben. Alle umschließt er mit seiner Herzenswärme, und deshalb ist er auch im Volke lebendig. Der jüdische Humor zeugt von der Lebenskraft des jüdischen Volkes. Er birgt Qual und Abwehr, Härte und Elastizität, Verzweiflung und — Hoffnung. Gott der Rache — eine falsche Uebersetzung Benjamin Donath und sein Kampf um die Korrektur in der Vulgata Vor längerer Zeit meldete die jüdische Presse, daß ein Budapester Jude, Benjamin Donath, der das Alte und Neue Testament mit gleicher Vollkommenheit in neun Sprachen (hebräisch, aramäisch, altgriechisch, lateinisch, französisch, deutsch, englisch, italienisch, ungarisch) zitiert, seit Jahren damit beschäftigt sei, den Nachweis zu erbringen, daß der Begriff eines jüdischen Rachegottes auf eine falsche Auslegung der Vulgata zurückzuführen sei. Auf Grund seiner philologischen Untersuchungen ist es ihm gelungen, einwandfrei nachzuweisen, daß die Stelle in der Bibel vom Gott der Rache, der die Sünden der Väter an den Kindern ahndet, durch Jahrhunderte falsch verstanden wurde, weil das berühmte Wort «poked al banim», das den Gott Israels als den Gott der Rache hinstellt, sowohl in der Septuaginta als auch in anderen Bibelübersetzungen falsch übersetzt wurde. Ais Beweis führt er die Propheten Jeremias und Arnos an, die gegen die von den falschen Propheten verkündete Auslegung, daß die Kinder für die Sünden der Väter verantwortlich gemacht werden, ihre Stimme erheben und feststellen, daß der Gott Israels jedermann für seine, eigenen Sünden zur Verantwortung ziehe. Der falsche Begriff des Rachegottes entstamme der Vulgata des Heiligen Hieronymus und bestärke den Glauben, daß der jüdische Gott ein Gott der Rache sei. Donath machte sich nun zu seinem Lebensziel, in der Vulgata eine. diesbezügliche Korrektur vornehmen zu lassen. Er wandte sich an die in Rom tagende päpstliche Kommission, die sich ausschließlich mit der Revision der Vulgata befaßt. Auf Grund seiner Korrespondenz wurde er von der Kommission nach Rom eingeladen, wo er mit den Kirchenfürsten und den Mitgliedern der Biibelkommission eine wissenschaftliche Diskussion Vorboten der Adernverkalkung bei älteren Leuten, die sich.matt und abgespannt fühlen, über Kopfschmerzen, Scbwindelgefühl, Herzbeklemmung, Ohrensausen, gichtische rund rheumatische Schmerzen klagen, lindert frei verkäufliches, radiumhaltiges Radiosklerin, das das Blut auffrischt, bessere Durchblutung des ganzen Körpers bewirkt, körperliche und geistige Arbeitsfähigkeit bis ins hohe Alter erhält. Rad-i umgeh alt amtlich gerprüft. .Depot und Auskunft: Apotheke Bayer, Wien, 1- Wollzeile 13. über den Rachegott führte. Auf Grund seiner theologischen und philologischen Kenntnisse gelang es ihm, das päpstliche Bibelkollegium von der Stichhältigkeit seiner Beweise zu überzeugen, so daß der Vorsitzende der Bibelkommission, Kardinal Gasquet, erklärte, daß der Sinn «wahrhaftig zweideutig» sei und ihn zu seiner Auslegung beglückwünschte. Er setzte aber hinzu, daß das gesamte Judentum offizielle Schritte in Rom unternehmen möge, um die diesbezügliche Korrektur in der Vulgata zu verlangen. Nach seiner Rückkehr nach Budapest setzte Donath alles in Bewegung, um eine offizielle Stellungnahme des gesamten Judentums zu erwirken. Aus begreiflichen Gründen konnte diese Stellungnahme nicht erfolgen. Er intervenierte bei den Katholiken und Protestanten, die ihm aber den Rat erteilten, sich taufen zu lassen. Und so ist Benjamin Donath noch immer damit beschäftigt, den «Rachegott» aus der für die Kirche authentischen Vulgata-Uebersetzung auszumerzen. Anlaß lieh des lOjähr Bestandes des Jugendvereines ,Erez-lsraeV ubiläums mit anschließendem Tanz Akademie Oesterreichisch.es Handelsmuseum IX., Berggasse 16 / Sonntag, den 20. April 1930 / Beginn V28!l abds. Karten erhältlich: Zionistische Büros I., Kämtnerstr. 28, Tel 9(21-4 -85/86 und Jugendverein „Erez Israel“, II„ Zirkusgasse iVr. 33, Tel. 9(49-8-98