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Die Stimme · 1930-04-17 · Heft 122 (17.4.1930) · page 12

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 122 (17.4.1930)
Date
1930-04-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Seite 12 DIE STIMME Nr. 132 RlUlhcfpilfP Friedländer & Deutsch III IlUyl&IIIB Wien, 1.,Seitenstettengasse Nr.2 Tel. U 28-1-28 XI., Zentralfrledhof, neben dem 1. Tor, Tel. U 18-0-85 Der jüdische Hochschüler Das Studentenrecht Das Rektorat der Wiener Universität hat auf ürund einer Konferenz der Rektoren der Wiener Hochschulen, die am 1. Februar 1980 stattgefunden hat, eine Studentenordnung erlassen, wonach der Zusammenschluß aller Studierenden derselben Volkszugehörigkeit und Muttersprache gebilligt und anerkannt werden soll. Im Sinne dieser Studentenordnung soll nun an der Universität Wien eine deutsche Studentenschaft gebildet werden. Den Studierenden anderer Volkszugehörigkeit und Muttersprache eröffnet sie den Weg, sich zu Studentennationen mit gleichen Rechten und Pflichten zusammenzuschließen, wobei jedoch betont wird, daß ein Zwang nach keiner Richtung hin ausgeübt werden wird. Die Anerkennung einzelner studentischer Vereinigungen, die bereits bestehen, bleibt aufrecht. Die Bildung von Studentennationen soll im Sinne dieser Studentenordnung den akademischen Behörden die Ausübung des akademischen Aufsichts- und Disziplinarrechtes erleichtern sowie die Vertretungen der Studierenden zu gemeinsamen Aufgaben im Einvernehmen mit den Universitätsbehörden heranziehen. Die Bildung einer Studentennation kann von ordentlichen Hörern gleicher Abstammung und Muttersprache vorgenommen werden, wenn sie mindestens 1 Prozent der gesamten Studentenschaft ausmachen. Hörer einer Nation, die wegen einer zu geringen Anzahl keine Studentennation bilden, können mit einer anderen Studentennation vereinbaren, daß diese ihre Vertretung übernimmt. Die deutsche Studentennation wird «Deutsche Studentenschaft» genannt, die übrigen Studentennationen werden nach ihrer Volkszugehörigkeit bezeichnet. Hörer, die wegen gemischter Abstammung keine Studentennation darstellen, bilden die «Gemischte Studentenschaft». Jede Studentennation wählt eine Vertretung, die den akademischen Behörden gegenüber die Interessen ihrer volkszugehörigen Studenten vertritt. Fragen der Parteipolitik und des Glaubensbekenntnisses sind von der Beratung und Beschlußfassung der Studentennation und ihrer Vertretung ausgeschlossen. Die Vertretung hat die Interessen der Studierenden, die kulturellen, wirtschaftlichen und fachlichen Angelegenheiten, ferner die der Bildung und körperlichen Ertüchtigung zu wahren. Die Bildung der Studentennationen soll demnächst erfolgen. ' Wenn sich auch diese Studentenordnung nach außen hin für die Gleichheit aller Studenten ausspricht und den Anschein erwecken kann, als ob alle Studentennationen den akademischen Behörden gegenüber gleichzustellen sind, ist es jedermann klar, daß die Präponderanz der deutschen Studentenschaft legalisiert wird. Nach den bisherigen Erfahrungen ist es schwer anzunehmen, daß die Universitätsbehörden das Prinzip der wirklichen vollen Gleichberechtigung und Gleichheit aller Studenten, ohne Unterschied der Nation und Religion, zu wahren bemüssigt sein werden. Es wäre sicherlich vorteilhafter gewesen, wenn die Studentenordnung nebst der Bildung der Studentennationen auch die Bildung einer Gesamtvertretung vorgesehen hätte. Eine solche Gesamtvertretung, in der die Studentenschaft nach Zahl und Proportion vertreten sein sollte, könnte als Spitzenorganisation ausgleichend und befruchtend wirken. Infolge der Pessach-Feiertage hatte die e i n z« g bevollmächtigte Vertretung der jüdischen Studentenschaft, der Jüdische Hochschulaussschuß, noch keine Gelegenheit, zu dieser Studentenordnung Stellung zu nehmen. Ohne den Beschlüssen des Jüdischen Hochschulausschusses, der in den allernächsten •Tagen eine gemeinsame Beratung der jüdischen Studentenvertreter einberufen wird, vorzugreifen, möchten wir bemerken, daß die Studentenordnung in ihrer jetzigen Fassung viele gefahrvolle Klippen enthält. Bei seinen Beratungen wird daher der Jüdische Hochschulausschuß alle Umstände, auch jene, die für die Zukünftige Gestaltung der Beziehungen der jüdischen Studentenschaft zu allen übrigen Studentengruppen in Betracht kommen, einer gründlichen Erörterung unterziehen müssen. Die Gesamthörerzahl und die Zahl der jüdischen Studenten an der Wiener Universität im vergangenen Wintersemester 1929/1930. Gesamthörerzahl Juden Juristen ........ 3000 ( 184) 553 ( 5) Mediziner. 2549 ( 129) 871 ( 46) Philosophen ...... 4328 ( 728)_732 ( 83) zusjynmen . . 9877 (1041) 2156 (134) (Die eingeklammerten Ziffern bedeuten außerordentliche Hörer.) Laut obiger Aufstellung waren unter den 9877 ordentlichen Hörern der drei weltlichen Fakultäten der Wiener Universität im vergangenen Wintersemester 2156 Juden. Der jüdisch-akademische Juristenverein teilt mit: Der Vorbereitungskurs für die I. Staatsprüfung (römisches Recht) hat am 8. April im'Vereinslokal II., Taborstraße 1, begonnen. Anmeldungen werden während der Amtsstunden entgegengenommen. Am 9. April begann der Kurs für bürgerliches Recht und Strafrecht unter Leitung der Kollegen Dr. Hirm und Dr. Zimmer. Auch für diesen Kurs werden noch Neuanmeldungen entgegengenommen. Sonntag, den 27. April, findet der erste diesjährige Ausflug statt. Besprechung für diesen Ausflug Donnerstag, den 24., um ^9 Uhr itn Veremslokal, Taborstraße 1. Gäste willkommen. Jüdischer Sport Vom Schiedsrichter geschlagen! W. A. C.—Hakoah 2:1 (1:0). Schiedsrichter J. Beck. Im Cup-Wiederholungsspiel mußte die mit Ersatzleuten für Löwinger, Stroß, Nadler und Stern antretende Hakoahmannschaft eine vollständig unverdiente Niederlage einstecken. Obwohl unsere jüdische Mannschaft auch in anderen Kämpfen picht gerade mit guten Unparteiischen gesegnet ist, muß diesmal zu der Amtsführung Herrn Becks eingehend Stellung genommen werden. Es war geradezu empörend, in welch aufreizender Weise dieser Herr die Mannschaft benachteiligte und man kann ruhig behaupten, daß nicht der W. A. C., sondern er die Hakoah geschlagen hat; Es ist zwar bedauerlich, daß ein Teil des Anhanges nach dem Match den Spieß umdrehte; und unter die «Schlagenden» ging, menschlich ist die Aufregung dieser Leute, aber begreiflich. Wäre Herr Beck nur unfähig, dann hätte die ejne oder die andere Fehlentscheidung auch den W. A. C. treffen.müssen. Berücksichtigt man, daß seine «Fehler» nur die jüdische Mannschaft getroffen haben, dann muß man sagen, daß er sich noch weit unsportlicher als die «Demonstranten» benommen hatte. Die Hakoahmannschaft bot . eine angenehme Ueberraschung. Erfreulich waren vor allem die. guten Leistungen der Ersatzleute, von denen besonders Donnenfeld gefallen konnte. Oppenheim spielte gut, ‘ ließ.aber beim zweiten Tore des W. A. C. jede Initiative vermissen. Die Verteidiger Feldmann und S c lie.u e r konnten befriedigen. In dtr Halvesreihe verriet P1 a c z e k großes Stehvermögen und bot nach schwachem Start eine respektable Leistung. Heß spielte sehr gut und A m s t e r entpuppte sich als ausgezeichneter Defensivhalf. Der beste Stürmer war Donnenfeld, der ein ungeheures Arbeitspensum erledigte und nicht nur für den Angriff, sondern auch für die Deckung ungemein Nützliches leistete. H a a r war. bis auf die letzten zehn Minuten sehr matt und ängstlich. Dann zeigte er einige brillante Läufe, die aber leider immer schäblohenmäßig abgeschlossen wurden. Molnar leistete als Zenterstürmer mehr als in den letzten Spielen, womit allerdings nicht viel gesagt ist. Maus her und Fischer fielen diesmal stark ab. Nach offenem Spiel .in der ersten Halbzeit gelangt W. A. C. durch ein Prachttor Hiltls in Führung. Ein krasses Foul Sestas an Molnar im Strafraume ward vom «Unparteiischen» übersehen. Placzek kommt in Schwung und die Hakoah kann eine leichte Ueberlegenheit geltem! machen. Nach der Pause sipd die Blauwejßen stark überlegen und gleichen durch Molnar nach Vorarbeit Donnenfelds aus. Bald darauf erzielt Müller, ohne irgendwie behindert zu werden, durch ein Kopftor den entscheidenden Treffer. Haar vergibt auf der Torliivie stehend. Hakoah bedrängt heftig und die W. A. C.- Lcute greifen häufig zu unerlaubten Mitteln, die vom Schiedsrichter aber nur in der Feldmitte geahndet werden, Vor dem Tore drückte er beide Augen zu. Der berüchtigte Hiden versetzt nach einem Auskick Mausner einen Tritt, der weder vom Schiedsrichter, noch von den Linienrichter bemerkt wird. Ein Foul Sestas an Haar, knapp vor detft Tore, bleibt ungeahndet. Die Aufregung im Publikum wächst, als zv/ei Minuten vor Schluß zwei knapp aufeinanderfolgende grobe Regelverletzungen im W. A. C.-Strafraume von Herrn Beck ignoriert werden. Außerdem soll Hiden einen Ball schon hinter der Linie abgewehrt haben. Unter stürmischen Demonstrationen des aufs äußerste erregten Hakoahanhanges endet der Kampf und Herr Beck kann nur mit größter Mühe von der Wachmannschaft vor ernsten Insulten bewahrt werden. F. C. Hertha vor der Auflösung? In Verbandskreisen wird die Nachricht kolportiert, daß der Sp. C. Hertha zu den restlichen Meisterschaftskämpfeti nicht mehr antreten will und seinen Sportbetrieb aufzulassen beabsichtigt. Nach den Verbandsbestimmungen müßten in diesem Falle alle im Rahmen des diesjährigen Meisterschaftswettbewerbes gegen diesen Klub ausgetragenen Kämpfe annulliert werden. Dem F. C. Hakoah würden also 4 Punkte abgesprochen, womit die Lage dieses Klubs bereits jetzt ganz aussichtslos wäre. Nach unserer Ansicht wäre unter diesen Umständen die ganze Konkurrenz als irregulär zu betrachten und es wird Sache des Verbandsvertreters des jüdischen Klubs sein, im Fußballverbande dahin zu wirken, daß unter diesen außerordentlichen Verhältnissen eine Revision in der Abstiegsfrage vorgenommen werde. Sp. Die jüdischen Boxer entscheiden den Länderkampf. Bei dem jüngst stattgefundenen Box-Länderkampf Oesterreich- Polen in den Sophiensälen gelang es der heimischen Mannschaft, ein ehrenvolles Unentschieden gegen die favorisierenden Polen zu erringen. Hiebei konnten beide antretenden Makkabiboxer Lindenheim und Laub sowie der dritte jüdische Boxer Kuschnner (Vienna) sechs von den acht errungenen Punkten für Oesterreich buchen. Laub, der gegen Komatschewski (Polen) den schönsten Kampf des Abends lieferte, wurde von der jubelnden Menge hinausgetragen. . _ Weit bedeutungsvoller als diese Erfolge ist die Tatsache zu werten, daß diese junge Boxsektion des Makkabi IX. die bestbesuchten Boxtrainingsabende unter den Wiener Klubs besitzt und so die Möglichkeit hat, Massensport unter der Wiener jüdischen Jugend zu betreiben. Der Makkabi wird demnächst mit Klubkämpfen gegen hochklassige Wiener Klubs an die Oeffentlichkeit treten. Umbesetzungen Im Makkabi IX. Die Platzleiterin des modernen Frauenturnens und des Kindertiirnens im Makkabi IX., Frau Dr. Emmi Reich, hat wegen Uebersiedlung nach Triest ihre Stelle niedergelegt. Das moderne Frauenturnen (Dienstag und Freitag, 7—8 Uhr) steht nun unter Leitung der Turnlehrerin Frl. PepiSchalit, das Kinderturnen unter Leitung des Turnlehrers Schalom Leon (PaIä- Im Laufe der nächsten Wochen übersiedelt der Makkabi IX! aus der Halle, IX., Liechtensteinstraße 20, auf den Sommerturnplatz im Augarten (Eingang XX., Rauscherstraße- Lampigasse). 8 Austritte aus dem Judentum Gibian Otto, 19. November 1890, XIX., Peter-Jordan- Straße 61; Torda Elemer, 29. Oktober 1894, XlX., Gebhardgasse 5; Granitzer Karl, 1. November 1908, XX., Bäuerlegasse 17; Schein Frieda, 6. Jänner 1916, XX., Martaraplatz 2; Humburger Rosa, 22. Dezember 1906, XXL, Hausgrundergasse 6; Glücksmann Margarete, 7. Jänner 1905, XIII., Geylinggasse 12; Klein Ferdinand, 2. Februar 1885, I., Kärntnerring 2; Wieser Salamon, 1. Februar 1908, XVII., Wuriitzergasse 89; Lang Albert, 23. November 1907, II., Kleine Stadtgutgasse 11; Flandrek Leo, 28. November 1877, VI., Nelkengasse 8; Gollmann Georg, 4. September .1904, XVII., Neuwaldeggerstraße 46; Fantl Anna geb. Louise Mina Feldmann, 23. November 1891, XII., Koppreitergasse 4; Schwarz Rudolf, 4. August 1900, XVII., Urbangasse 11; Tyroler Grete, 22. Dezember 1905, XV., Aichholzgasse 9; Kraal Etelka, 26. Februar 1906, II., Große Mohrengasse 14; Wilheim geborene Marie Loeb, 9. Mai 1897, IV., Möllwaldplatz 5; Anne Marie Flora, 21. August 1924, IV., Möllwaldplatz 5; Herz Edith, 11. Dezember 1907, V., Gärtnergasse 19; Neurath Gisela geborene Julie Kolb, 30. Mai 1879, II., Schüttelstraße Nr. 15 a; Havas Peter, 29. März 1916, VIII., Florianigasse 57; Kohn Otto, 28. August 1901, IX., Berggasse 17; Schwarz Max, 12. Mai 1880, XV., Sperrgasse 2. iai»ifsi»KöiigtgimtgKgigiaia[giBigisisBiiei Die alleinige VertragegeeeHechaft des Keren Kajemeth Lejlerael für Oesterreich ist die Lebensversicherungs- QUriMIY Gesellschaft 1x1 U IN IA GEGRÜNDET IM JAHRE 1885 Verelcherungsbestand . . . ...'.... Vollelngezahltes Aktienkapital .......... Prämien- und Zineenelnnahman im Jahre 1028 Garantlemittel 1828.. . Auszahlungen an die Versicherten Im Jahre 1928 . 2000 Millionen Schilling . 4 Millionen Sohiiling . 07V, Millionen Sohilling . 242 Millionen Sohilling . 26V, Millionen Sohilling 3 m Die Misrachi Zentrale in Wien ist ähnlich wie der Misrachi in Deutschland dem Keren Kajemeth Vertrag beigetreten. Die Mitglieder des Misrachi erhalten beim Abschluß von Lebensversicherungen wesentliche Begünstigungen. Tätigkeitsgebiet: Oeeterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, Tschechoslowakische Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Aegypten und Palästina. Im Jahre 1929 wurden bei unserer Vertragsgeeellschaft 132.680 neue Versicherungen abgeschlossen. iPPPPPQPPPPPPP i) Anläßlich der bevorstehenden Seelenandacht vergessen Sie nicht, Friedmanns Menorah-Kerzen und Jahrzeitlichter zu verwenden; Sie erfüllen damit gleichzeitig die Pflicht, zum Wiederaufbau des Heiligen Landes ■ beizutragen. Verlangen Sie daher Friedmanns Menorah - Kerzen nur mit der Keren - Kajemeth - Marke. Mendl Friedmann 8c Sohn, Wien, II., Praterstr. 66; Tel. R-40-8-17. Kinderwagen vom einfachsten bis zum feinsten Genre erzeugt FWßFT RPfiß XX., Wallensteinplatz 3 uIiUmhUuIIU Filiale! XX., Klosterneuburgoretra&e 19 Telephon A 41.406 und A 47.497. Bernhard Kohn WIEN, I., HIMMELPFORTGASSE 20 KLAVIERE In allan Preislagen, neu von 81440 an Ekemürner, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband® Oesterreich, Wien. I.. Kärntnerstraße 28. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Sigmund Ftnkelstein, Wien, L. Rauhenstetofafse 1. *» Dreck: «Inva», Wien, VII.. LcichenfeJderstraße L

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