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Die Stimme · 1930-04-17 · Heft 122 (17.4.1930) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 122 (17.4.1930)
Date
1930-04-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seit« 8 DIE STIMME Nr. 122 ses Mendelssohn mit seinen zwei Töchtern Dorothea und Henriette, und zwei Söhnen Abraham und Josef, und zwei J£nkeln Felix Mendelssohn-Bartholdy und Fanny Hensel, A. Geiger, L. Philippson und dessen Söhne Martin und Alfred, Claude und Moses Montefiore, Cremieux, Emil und Walter Rathenau, Manin, Ballin, Pereire, Fould, Heß, Leon und Simcha Pinsker, Hcrzl, Nordau, Imber (Verfasser der «Hatikwah»), Feld (Verfasser von «Dort, wo die Zeder»), Netter, Smolenskin, Ben Jehtida, Achad Hnant. Adam Hacohen Lebensohn, J. B. Levinson, Mapu, J. L. Gordon, Mendele Mocher Sfarim, Perez, Scholem Alejchem, Zamenhof, Marx, Lassalle, Eisner, Landauer, Rosa Luxemburg, Libermann- Freemann, Karminer, Hermann Cohen, Cassirer, Bergson, Weininger, Einstein, Heinrich Hertz, N. Pringsheim, Sachs, Strasburger, Willstätter, Max Margulies (Schöpfer der theoretischen Meteorologie), Siegfried Marcus (Erfinder des Automobils), Paul Ehrlich, A. Wassermann, Henle, Roniberg, Valentin,. Neißer, Lombroso, Freud, Alfred Adler, Vambery, Paul J. Reuter, Claretie, Mendes, Schnitzler, Beer-Hofmann, Meyerbeer, J. F. Halevy, Rubinstein, Mahler, Offenbach, Schönberg, Sulzer, Joachim, Henry und Josef Wieniawski, Rachel, Sara Bernhardt, Barnay, Sonnenthal, die Schwestern Grisi, Mühlmann, Sontheim, Josef Israels, Moritz Gottlieb, Samuel Hirschenberg, Liebermann, Pissaro, Chagal, Antokolskl usw. Auch enthält die Sammlung, deren Grundcharakter die Autogr'aphie resp. Ikonographie (bildervergleichende Beschreibung) bildet, viele Schriftstücke, die auch inhaltlich für die jüdische Kulturgeschichte in ihren vielen Nuancen in den verschiedensten Ländern während der letzten vier Jahrhunderte von großem Interesse sind. Ebenso darf die d i r e k’t e wissenschaftliche Bedeutung einer solchen Sammlung als Magazin von Handschriftenproben nicht unerwähnt bleiben. Finden sich nämlich Manuskripte ohne Untreschrift und sind deren Verfasser unbekannt, so kann man oft die letzteren durch Vergleich mit ihren Autographen feststellen. Auch könnte die Sammlung ein reiches Material bieten, um Studien zur Graphologie der Schrift von Juden im allgemeinen und der hebräischen Schrift (in diversen zeitlichen und regionalen Varianten) im besonderen vorzunehmen. Es dachten auch verschiedene Interessenten über den Grundtypus des jüdischen Gesichtes und seine Entwicklung nach, ln. dieser Sammlung wäre allenfalls ein bedeutendes Material dafür.#Bei dieser Gelegenheit ist es vielleicht von Interesse, eine besondere Art von Fälschung bei Porträts zu erwähnen. In meiner Sammlung befindet sich z. B. ein Porträt mit dem polnischen Aufdruck «Mendelson filosof», ^während es in Wirklichkeit ein Bildnis von Melanchthon ist. Als ein Ideal — und ein sehr dringend notwendiges — schwebt mir vor: daß an der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek ein Jüdisch-Biographischeslns t i t u t errichtet werde, das eine Allgemeine Jüdische B.io grap hie herausgibt und, mit meiner Sammlung als Grundlage, ein Inventarrum sowie F a k s i m ilariiim aller in der Welt vorhandenen Autographen bedeutender jüdischer Persönlichkeiten veröffentlicht, zusammen mit einer Allgemein e n Jüdischen Ikonographie. ■ ' Ihre Fußsctunerzen quälen Sie gewiß, das ist aber überflüssig, denn wie uns bekannt ist, können Sie durch die seit Jahren'bestehende Firma Bandagen-Mikolasch, Wien, HU ‘Taborstraße 22, Spezialist in Original-«Paradruit»- ‘Strümpfen mit und ohne Gummi (sowohl als Schutz gegen Krampiadern als auch als Abmagerungsstrumpf verwendbar), raschest von Ihren Fußschmerzen befreit werden. Ebenso Balienschmerzen, harte Haut, rasche Ermüdung usw. werden durch die Heilbehelfe obgenannter Spezialiirma bestimmt behoben. Auch hat dieses alte, auf eine 30jährige Erfahrung zurückblickende Unternehmen eigene Spezialmodelle in Bauchbinden mit und ohne Federn, Leibbinden für alle Zwecke, Geradehalter, Monatsbinden und alle .sonstigen Bandagen. Da sich die Firma auf unser Ersuchen erbötig gemacht hat, bei Berufung aui unser Blatt 10 Prozent auf die deutlich angeschriebenen Preise zu gewähren, empfehlen wir unseren Abonnenten im eigenen Interesse von diesem Angebot .recht zahlreichen Gebrauch zu machen. Tradition in. den Bann tat, wenn er nicht revoziere. 1618 wurde der Bann tatsächlich ausgesprochen. Inzwischen war Uriel nach Amsterdam zurüqkgekehrt, wo er trotz des Bannes in der jüdischen Gemeinschaft'blieb. Die junge Amsterdamer Gemeinde zeigte eine ungewöhnliche Zusammensetzung: bedeutende Menschen von hoher Kultur hatten sich hier zusammengefunden, Gelehrte und Künstler, Männer der großen Welt, die in Staat und Heer, auch in der Kirche zu hohen Stellungen gelangt waren. Wohl hatten sie Opfer gebracht, hatten Ehren und Güter von sich geworfen, um den Gewissenszwang der früheren Heimat abzuschütteln, nun aber glaubten sie Sonderstellung, Recht der Kritik und eine Gedankenfreiheit in Anspruch nehmen zu dürfen, wie sie in der damaligen Welt noch nicht üblich und erlaubt waren. Die geistlichen Führer der jungen Gemeinde wiederum mußten ein scharfes Regiment führen, um diese wertvollen Menschen z>u erhalten, die nur zum Teil im Judentume, zum anderen Teile in den Anschauungen einer ganz fremden Gefühlswelt aufgewaohsen waren; andererseits mußte der Zusammenhang mit dem Gesamtjuden tum gefunden und kultiviert werden, bei welchem die Amsterdamer Gemeinde ohnehin als suspekt galt. Hier konnte man drum keine Experimente dulden, die Folge waren dann schwere Spaltungen in der Gemeinde, die erst nach Jahrzehnten zur Einigung führten und bei denen zu konstatieren ist, daß in den führenden Männern vielfach der Geist und die Methoden jener Inquisition fortlebten, der man eben mit Mühe entkommen war. Hatte sich Uriel in seiner Hamburger Schrift nur gegen gewisse Aeußerlichkeiten des Ritus gewendet, so griff er nun in seinem 1623 zu Amsterdam erscheinen- Der Judenmaler Moritz GottHeb Eine Silhouette. Von Hermann Menkes. Man könnte ihn ebensogut als Maler des Polenschmerzes, als einen jüdischen Grotfger bezeichnen. Denn er stand zuerst im Banne jener Stimmung, die die Epoche beherrschte, war ein Romantiker wie aus der Schule des Delacroix und wurzelte mit seinen nationalen Gefühlen in dem Sentiment, das Polens Dichtung wie feine Musik und Malerei damals beherrschte. Er hat die tiefe Melancholie von Grotfger, dem das Leben ein «Tal der Tränen» war; seine bezaubernde Koloristik ist die schimmernde Schwermut eines Lyrikers. Seine Bilder sind gemalter Chopin. Sie haben den bezaubernden Charm eines Frühvollendeten; sind voll Todesahnung. Ein kurzer Frühling: das ist das Werk von Gottlieb. Davon sein unsagbarer, nie verbleichender Reiz. Sein jüdisches Bewußtsein erwachte verhältnismäßig erst spät. Es wurde mehr von außenher geweckt: durch einen Zusammenstoß eines Juden mit einer seinem Volke lieblos gegenüberstehenden Welt. Seine Biographie ist dürftig und wir kennen nur einige Daten seines wenig glücklichen Daseins. Er entstammt, 1856 geboren, dem Drohobyczer Ghetto. Die Landschaft, die seine Kindheit umgibt, ist reizlos. Es ist das berühmte Naphthagebiet. Aber Künstler werden sehnsuchstvolie Romantiker in einer solchen unparadiesischen Landschaft; sie schaffen sich Wunschträume, malen eine Welt, die sie nicht vorfinden. Erst in Italien, inmitten der römischen Triumphe, wird Gottlieb zum Realisten. Er schlägt gleichsam die Augen auf und sieht seine ferne Heimat: das Ghetto von Drohobycz. Auch jetzt wird er kein Elendsmaler, denn er ist ein Schüler des Romantikers Matejko und hat inzwischen Jahre auf der Kra- BUCHERSTUBE M. RATH Buchhandlung, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, II., Taborstraße 20 a, Tel. R-43-1-58 M. RATH’S Moderne Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von N e ne rscheinungen im Original, bzw. geschmackvollen Bibliothekseinband. . Außer den deutschen Büchern auch englische, hebräische, jiddische u. Deutsch-Judaiea in reicher Auswahl. Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet . Monatsgebuhr nur S 3«— Keine. Bapdgebühr kauer Akademie und im München des Piloty verbracht. Auch das Judentum ist ihm ein schimmernder, wenn auch schmerzlicher Traum. Es ist ihm zuerst die Welt vpn. Sh'ylöck und Jessica. Ein Gemälde, das wie aus der italienischen Hochrenaissance anmutet, mit Menschen, die in ihrer stolzen Pracht tizianisch erscheinen. Er hat nie wieder so herrlich, mit so juwelenhaften Farben gemalt. GottHeb ist der Orientale innerhalb der polnisch-jüdischen Malerei. So köstlich und leidenschaftlich ist seine Phantasie, seine in allen Ntiancen leuchtende Farbengebung. Seine Frauen, in deren schwermütigen Augen die Nacht zu träumen scheint, sind echte Kinder des Orients. Das ist die Schönheit, die er in das Ghetto trägt. Die Recha des weisen Natan ist seine imaginäre Geliebte. Er fliegt in die dürstende, wilde Seele des Uriel Akosta. Er malt wie ein Flüchtling aus dem traurigen Ghetto, sucht eine andere Welt. Er ist ein Ahasver, stellt sich selbst als solchen in einem Bildnis dar wie früher schon als einen polnischen Schlachzizen. Diese Selbstbildnisse sind die seelischen Dokumente Gottliebs, ergreifende Elegien seines inneren.Lebens. Er träumt vom nähen Tode, der ihn mit dreiundzwanzig Jahren den Traktat über die Sterblichkeit die Glaubenslehre selbst an, indem er unter Hinweis-auf die biblischen Schriften die Unsterblichkeit der Seele leugnete. Die Antwort der Gemeinde war der Bann, Uriel reagiert mit einer scharfen Gegenschrift, bekämpft darin, wie er sagt, die Unsterblichkeit mit aller Macht und wies im Vorbeigehen auf manches, worin seine Gegner — doppelsinnig Pharisäer genannt — von Moses abweichen. Nun erfolgt eine Anzeige an die weltliche Obrigkeit, da die Unsterblichkeit doch auch Fundamentalsatz der christlichen Anschauung ist, Uriel wird verhaftet, gegen Kaution entlassen, dann zu einer Geldstrafe von 300 fl. und Vernichtung seiner Bücher verurteilt. Neun Jahre bleibt er im Bann, indessen führt ihn sein Weg weiter vom Zweifel an der Autorschaft Mosis und der Göttlichkeit des Gesetzes zu der Ueberzeugung, daß es nur menschliche Erfindung sei. Damit verliert er aber auch den moralischen Halt: ausgestoßen aus der jüdischen Gemeinschaft, ein Fremdling unter den anderen, deren Sprache er kaum versteht, beschließt er gegen seine Ueberzeugung zu widerrufen. Bald aber sieht sich Uriel, da ihn ein Neffe wegen Uefcertretung der Speisevorschriften anzeigt, in einen neuen Kampf gezogen; ein Vetter, der bei seiner Unterwerfung den Vermittler gespielt hatte, fühlt sich desavouiert, bringt die Familie gegen ihn auf, man vereitelt eine beabsichtigte zweite Heirat, bricht die geschäftlichen Beziehungen zu ihm ab und hält sein’Vermögen zurück. Zwei Christen, die er vom beabsichtigten Uebertritt zum Judentum zurtiokhält, verraten ihn, offenbar um einen SUndenlotm, und zum dritten Male wird der Bann gegen ihn verkündet, da er die vorgeschriebene Buße nicht tön will. Sieben Jahre da/uerte der Kampf gegen Gein einem Krakauer Spital erreilt. Er stirbt einsam, wie er es in seinem ganzen kurzen Leben gewesen. «Betet für Moritz Gottlieb», diese Inschrift schreibt er in sein wundervolles Bild von den «betenden Juden». Man sieht ihn da mitten unter den Andachtsvollen an eine Säule gelehnt, den Blick schweifend ins Land seiner Sehnsucht gewendet; mit'tödes' blassem Gesicht, ein Abgeschiedener schon int Leben. * ' Moritz Gottlieb ist das Wunderkind der jüdischen Malerei, an deren Beginn er stand. Er hat in einem kurzen Zeitraum Wunderwerke geschaffen, von denen die Petersburger Eremitage einennicht unerheblichen Teil besitzt. Diese Bilder von Gottlieb sind nur einige lyrisch-romantische Akzente innerhalb der folgenden Judenmalerei. Er ahjit noch nichts von der Wirklichkeitskunst eines Joset Israels, nients von den mystischen Tiefen des Marc Chagall. Er hat den jüdischen Stil, die Note des nationalen Erwachens noch nicht gefunden. Aber er ist in jungen Jahren schon einer der großen Meister des Porträts. Als Geschichtsmaler eilt Romantiker, ist er als Bildniskünstler ein bis in Seelentiefen dringender Realist. Er ist eine der großen tragischen Erscheinungen der jüdischen Kunst — mit dem schwermütigen Glanz eines Abendsterns ... Karin Michaelis über Antisemitismus Karin Michaelis widmet dem vom Paneuropa-Schöpfer Grafen Richard Coudenhove-Kalerghi neu herausgegebenen und eingeleiteten Buche seines Vaters, Grafen Heinrich Coudenhove-Kalerghi, «Wesen des Antisemitismus», einen Aufsatz im «Berliner Tageblatt», der die Ueberschrift trägt «Ein Buch, über das man nicht hinweg kann», und in welchem die Verfasserin u. a. schreibt: «Wir sind erschüttert, daß die ersten Christen.sich lieber vor wilde Tiere werfen ließen, als daß sie ihren Glauben abgeschworen hätten. Der jüdische Widerstand gegen einen aufgezwungenen Glauben ist aber eben noch größer. Der jüdische Widerstand gegen einen aufgezwungenen Glauben ist aber eben noch größer. Der jüdische Mut erscheint so ungeheuerlich, so ergreifend in all seinem Fanatismus, daß man aus der Bewunderung nicht herauskommt. Sie werden im Mittelalter gezwungen, abgesondert zu leben, gebrandmarkt und gezeichnet. Man entzieht ihnen die Erlaubnis die Erde zu bebauen, ein Handwerk auszuüben. Nichts bleibt ihnen übrig, als der Handel. Erwerben sie durch diesen ein Vermögen, so nimmt man ihnen das Geld weg und jagt sie in eine neue Verbannung. So jagt man sie durch alle Länder. Säe leisten passiven Widerstand. Sie lassen sich töten, lassen sich martern, statt ihrem Glauben abzuschwören. Und doch beruht auch die jüdische Lehre auf den Grundsätzen der Nächstenliebe; Ich kenne viele Juden, die den Geboten der Bergpredigt eher nachlebefr als wir Christen. Was liegt schon daran, daß sie auf einen neuen Messias warten, statt Christus anzuerkennen?» Kauft palästinensisches Olivenöl! Die Palästina-Oelindustrie «Shemen» hat in Wien ein Lager feinsten Palästina-OHven-Speiseöles, auch JfDg} errichtet. Preis S 4.50 pro kg-Büchse, auch im Einzelverkauf. Bestellungen sind an den Alleiiwretreter für Oesterreich, Herrn S. Rabbinowitsch, Wien, II., Zirkusgasse 10/16, zu richten. Es erübrigt sich wohl, zu betonen, daß sich kein Jude die Gelegenheit entgehen lassen soll, durch den Bezug dieses Palästina-Produktes die jüdische Arbeit in Palästina zu fördern. Umsomehr, als das «Shemen^-Oel an Qualität die hiesigen Oele überragt. Die Originalpackung bietet die Sicherheit, daß das hier auf den Markt gelangende Olivenöl palästinensischer Provenienz ist. meinde und Familie, Uriel bezeichnet ihn als eine Zeit unglaublichen Leidens, bis er sich endlich selbst überwand und zur Erfüllung der auferlegten Buße bereit war. Vor versammelter Gemeinde betrat er die Estrade der Synagoge, die für die Thoravorlesung bestimmt ist, beichtete se.ne Sünden und versprach Buße. Dann wurde er an eine Säule gebunden, um Malkuth, die traditionelle Prügelstrafe, zu empfangen und mußte schließlich, aut die Schwelle hingestreckt, die Gemeinde über sich schreiten lassen. Die grausame Prozedur, die nur aus dem Geiste der Zeit zu erklären ist, macht auf Uriel einen ganz fürchterlichen Eindruck, zumal, da er ohnehin am Ende seiner Widerstandskraft ange langt ist, besonders schmerzt ihn die «WidernatUrlichkeit», daß auch seine Brüder an der Zeremonie teilhaben, er ergeht sich in furchtbaren Ausfällen gegen seine Richter und das Judentum, bis schließlich seine Einstellung, in der schon pathologische Züge erkennbar werden, zur letzten Konsequenz führt, indem er gleich darauf, also 1640, seinem verfehlten Leben durch Selbstmord ein Ende macht. Abstammung, Milieu und geistige Tendenz weisen den Uriel neben Spinozza, als dessen Vorläufer er oft bezeichnet wird. Es ist jedoch der wesentliche Unterschied der beiden Persönlichkeiten für die jüdische Geistesgeschichte festzuhalten. Uriel erfüllt ein episodenhaftes Einzelschicksal, das natürlich an das allgemeine Schicksal der spanischen Emigranten gebunden ist, in Spinozza erfüllt sich nach einer Richtung das Schicksal der ganzen geistigen Entwicklung des jüdischen Volkes, er bedeutet den Schluß- und Höhepunkt jener aufsteigenden Linie, die in den Tagen beginnt, da die jüdische Philosophie mit Phiilo von Alexandria zum ersten Maie in das Licht der großen Welt trat.

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