Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 122 (17.4.1930)
- Date
- 1930-04-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 122 me stimme Seite 5 Der Hebräertag (jöifi-Häiwrini) Einer kleinen Gruppe von energischen Menschen ist es gelungen, in wenigen Monaten in Wien eine ansehnliche hebräische Organisation ins Leben zu rufen. Wenn auch Wien vor und nach dem Kriege eine ganze Reihe von hebräischen Organisationszellen zählte, so konnte man doch von keiner ausgebauten hebräischen Organisation sprechen. Diesen Ausbau zu vollführen, setzten sich wenige Leute unter Führung des Professors Gelernter, Lehrer Herzberg, Daniel Perski zum Ziele. Im Winter veranstaltete die Histadruth Iwrith eine Reihe interessanter Vorträge, hielt regelmäßige Kurse über hebräische Grammatik, Mischnah und Literatur ab, die von einer ansehnlichen Anzahl von Hörern besucht wurden. Die Leitung der Histadruth begnügt sich aber damit nicht, ihr Ziel ist eben die Erfassung aller Hebräischsprechenden, um sie als hebräische Organisation der Zionistischen Landesorganisation näher zu bringen. Der von der Histadruth ein-, berufene Hebräertag (Jom-Haiwrim), der Montag abends seine Beratungen begann, ist der Erörterung dieser Probleme gewidmet. Schon das äußerliche Bild der Tagung zeigt, daß die hebräische Bewegung in unserer Jugend bereits starke Wurzel gefaßt hat. Man kann ruhig sagen, daß ein Großteil der Teilnehmer des Hebräertages den Jugendbünden und -vereinen angehört. Leider muß festgestellt werden, daß die Bezirkssektionen, die ebenfalls zur Teilnahme eingeladen worden sind, so gut wie keine Vertreter entsendet haben, obwohl es im Interesse dieser Sektionen, die auch jüdische Kulturarbeit leisten sollen, gelegen wäre, in eine engere Verbindung zur hebräischen Bewegung zu treten. Die Beratungen der Tagung, die nur in hebräischer Sprache geführt werden, stehen auf einem sehr hohen Niveau und beweisen; klar, daß die Teilnehmer die Probleme der jüdischen Ku.ltur-; bewegung mit Ernst und Liebe behandeln. Im nachstehenden |lassen wir einen Bericht über den Verlauf der .Tagung folgen: Montag, den 14. d. M., V<i9 Uhr abends, wurde die Tagung der hebräischen Organisation : eröffnet. Der Vorsitzende der Histadruth, Professor Gelernter, begrüßte die Anwesenden mit einer kurzen Ansprache, in der er die Vertreter der verschiedenen Organisationen begrüßte und auf die Bedeutung der Tagung hinwies. Sodann erfolgte die Wahl des Präsidiums, dem Dr. Tartakower als Vorsitzender, Professor Wiesen und Dr. D u I b e r g als Stellvertreter und A. Sternberg sowie W. E b e n s t e i n als Schriftführer angehören, Nach der Wahl folgten Begrüßungsansprachen der Herren S i n g e r (namens des Linkskartells der Jugendvereine), Aron S t e r n b e r g (Brith Trumpeldor), Fräulein S e i d m a n n (Wizo), Weinstock (akademischer Verein «Z. P. Chajes»), Dr. Samonsky .(Verband demo-. kratischer Zionisten). ' Prof. Moses R a't h' begrüßte die Tagung namens der zionistischen Landesörganisation und ihrer Mandatare und stellte fest, daß die Histadruth'Iwrith es verständen hat, in ihren Arbeitskreis vor allem unsere Jugend hineinzuziehen. Er ist überzeugt, daß es in Wien möglich sei, eine großzügige hebräische Bewegung ins Leben zu rufen, die die Grundlagen der jüdischen Kulturarbeit schaffen soll. Die Tagung könne überzeugt sein, daß die Zionistische Landesörganisation diese! Arbeit aufs wärmste unterstützen werde. Ebenso wird der! Klub der zionistischen Mandatare wie bis nun für eine stärjkere, Heranziehung der jüdischen Gemeinde zur Kultur- und 'Erziehungsarbeit eintreten. Nach den Begrüßungsansprachen erstattete Professor Gelernter einen eingehenden Bericht über die jhebräische Arbeit in ihrer Beziehung zur Zionistischen •Landesörganisation und zu anderen jüdischen Institutionen. [Eingangs seines Referates stellte Prof. Gelernter fest, daß jes in den letzten Monaten zum erstenmal gelungen sei, die | hebräische Kulturarbeit in Wien auf gesunde Grundlagen! zu stellen. Die von der Histadruth Iwrith durchgeführten i Veranstaltungen waren, was besonders erfreulich ist, ’haup't- I sächlich von der Jugend besucht. Diese Arbeit gelang nur! deswegen, weil wenige Leute ihre ganze Energie dieser Arbeit widmeten und bereit waren, die hebräische Bewegung lauszubauen. Die Histadruth kann trotz ihrer kurzen Dauer ibereits auf eine Reihe wertvoller Arbeiten hinweisen. Denn I abgesehen von den Vorträgen wurden seminarartig organisierte Kurse unter Leitung hervorragender Gelehrter abge* halten. Die Herausgabe einer eigenen Monatsschrift «Dewarenu» ist sicherlich eine Tat, auf die die Histadruth stolz sein kann. Leider wurden die Bestrebungen der Histadruth nicht von allen Zionisten unterstützt. Besonders müsse Redner die Förderung und Unterstützung hervorheben, die das Zionistische Wochenblatt «Die Stimme» nicht nur der Histadruth, sondern auch der gesamten hebräischen Kulturbewegung zukommen läßt und in ihren Spalten den Erscheinungen des hebräischen Lebens breitesten Raum widmet. Die Histadruth hat die ersten und größten Schwierigkeiten der hebräischen Kulturarbeit in Wien bereits überwunden. Heute gilt es nun, eine (invernehmliche Zusammenarbeit mit der Zionistischen Lannotei Cafe 4 Continental ■■ Wien, H. Protersfr.? Treffpunkt aller wiener und Fremden i desorganisation, der Trägerin des nationalen Gedankens, herbeizuführen. Es wird daher notwendig sein, daß der Jom Haiwrim diesbezügliche Beschlüsse faßt, denn je stärker die Beeinflussung der hebräischen Kreise auf die Zionistische Ofganisätion werden wird, desto aktiver wird die Teilnahme der Landesorganisation., an der hebräischen Bewegung sein. Es gilt daher, Mittel und Wege zu finden, die hebräischen Kreise zu erfassen und sie in die Zionistische Ländesorganisation einzubeziehen. Dieses Problem ist nur eine Frage orgapisatorischer Maßnahmen, die sicherlich einvernehmlich mit der Zionistischen Landesörganisation getroffen werden können. . Die Arbeit der Histadruth kann nur dann gelingen, wenn sich eine bestimmte Anzahl von Menschen findet, die der hebräischen Arbeit ihre ganze Kraft widmet. Wir verlangen einen unbedingten Zusammenschluß mit der Zionistischen Landesorganisation, weil wir uns davon eine gegenseitige Beeinflussung versprechen. Nicht um das Kulturreferat des Landeskomitees ist es uns zu tun, vielmehr aber um eine konstante, ernst gemeinte Hebraisierung der zionistischen Reihen. Eine große Rolfe spielt in der hebräischen Arbeit die Frage eines «Beth Haam» .(Volkshauses). Nicht minder wichtig sind technische Fragen, die die Arbeit erleichtern sollen. Nebst der Errichtung von Kursen kommt auch die Hebraisierung des gesellschaftlichen Zusammenlebens im Wege von Gesangsvereinen,' Theateraufführungen und Konzerten in Betracht. Redner erörtert sodann eingehend . das nächste Arbeitsprogramm der Histadruth und unterbreitet eine ganze Reihe wertvoller Anregungen und Vorschläge. Der nächste Referent, Herr Jehuda Meilen, spricht über ' «Die hebräische Arbeit bei der Jugend mit besonderer Ber rücksichtigung des Linkskartells» und führte unter anderem aus: Bei der Hebräischarbeit komme es nicht nur auf die zahlenmäßige Stärke der einzelnen Kurse in den Jugendgruppen, vielmehr auf die Qualität und darauf an, wie Hebräisch unterrichtet wird. Zumeist ist die Einstellung der (Palästina-Weine (Palästina- Jllazzotfi (Palästina-Crangen sowie sämtliche Spezereiwaren nDB' b» tod Zu den billigsten Preisen liefert franko Haus, auch Provinzversand GTaSamuctMaipem Wien, H.j Föfstergasse 6 Telephon R 40-4-12 Mitglieder der. Rabattsektion des Keren Kajeraeth erhalten 5 Prozent Rabatt, Lernenden zum 'Hebräischunterricht wie die einer Pflichterfüllung: Es besteht keine tiefere Beziehung zur hebräischen Sprache und keim inneres Bedürfnis, Hebräisch zu lernen. Allerdings spielt dabei die Frage der Lehrer keine geringe Rolle. Der Jugendliche will im .Hebräischlehrer vor allem einen Chawer, Freund und keinen Vorgesetzten sehen. Es ist daher ein anderes Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden nötig als unbedingte Voraussetzung für den Erfolg des Hebräisch Unterrichtes in den Jugendbünden. Der Lehrer muß eben den Geist und die Seele der Jugend verstehen. Nicht minder wichtig ist die Frage der Lehrbücher. Die chaluzische Jugend lernt ungern aus den alten Lehrbüchern. Sie verlangt Lesestoff aus der Wirklichkeit, in der sie lebt, der sie mit döm lebendigen, arbeitenden und schaffenden Erez Israel in Kontakt bringt. Lehrbücher dieser Art sind noch schwer erhältlich. Auch die Finanzierung der Kurse und die ungenügende Unterstützung seitens der zuständigen Institutionen erschwert den Hebräischunterricht in den Jugendbünden. Die Weida sollte1 sich eben mit dem ganzen Problemkreis «Jugend und Hebräischarbeit» gründlich befassen. Herr Aron Sternberg ergänzt das Referat des Herrn Meilen und nimmt hauptsächlich Bezug auf. die hebräische Arbeit im Brith Trumpeldor. Im Verlaufe seines Referats führt er eine Reihe interessanter Tatsachen aus der Hebräischarbeit in diesen Jugendbünden an. * Nach den Referaten wurden über Vorschlag der Herren Herzberg und Dr. Gelber nachstehende Kommissionen gewählt: 1. Waadah Matmedeth (Permanenzausschuß): Vorsitzender: Dr. Gelber; Stellvertreter: Dr. Birnbaum; Mitglieder: Auerbach, Dr. Dulberg, Ebenstein, Prof. Gelernter, Herzberg, Dr. Menazeach, Teitelbaum, Ungarfeld. 2. Waadah Leinjenei-Chinuch wenoar (Jugend- und Kulturkommission): Vorsitzender: Prof. Rath; Stellvertreter: Drechsler; Mitglieder: M. D. Groß, Goelter, Haber-Hellner, Kraus, Meilen, Sternberg, Weinstock. 3. Waadah Leinjenei Kesef, Histadruth wehafazath Hasefer (Organisations- und Finanzkommission): Vorsitzender: Kretschmer; Stellvertreter: Frl. Dr. Kerner; Mitglieder: Groß, Klarmann, Frl, Seidmann, Selzer, Schwarz. Pen Höhepunkt der zweiten Sitzung bildete das Referat des Dr. Schlomo Horowitz über «die hebräische Erziehung». In seinem Vortrage behandelte der Referent das jüdische Erziehungsproblem, das sowohl in Palästina als auch in der Galuth ein brennendes ist. Dort und hier besteht d«e Schwierigkeit darin, daß unser Erziehungssystem dem Zeitgeist nachhinkt Es ist das alte enzyklopädietische Ideal, weiches das meiste an realem Wissen anstrebt, ohne sich am die AufhahnattMgkeit der Jugend za bekümmern. Die letztere hat sich gewandelt, wir müssen daher dieser Wandlung weitgehendst Rechnung tragen, indem wir ein neues Erziehungsmittel aufrichten. Das war zu allen Zeiten so. Jedes Volk und jede Epoche hatten ihr Erziehungsideal. Die alten Griechen sahen es in der «Kalokagathia», wobei diese Begriffe der Schönheit und Güte eine ganz andere Färbung hatten, als sie sie heute haben. Erstaunlich ist es, daß auch die alten Hebräer, bei aller Verschiedenheit der Weltauffassung, ähnlich von dem Idealtypus des Menschen dachten. Saul, der Sohn des Kisch, war «auserwählt und gut», da er «um Haupteslänge das Volk überragte». Freilich, dieses beinahe heidnische Ideal wurde bald verdrängt durch das sozial-ethische der Propheten, denen das menschliche Ideal verkörpert ist in dem, der Recht und Gerechtigkeit übt. Die nachexilische, rabbinische Epoche, die von Jabne bis zum Mendelssohn’- schen Berlin reicht, sieht das Höchste in der Bescheidenheit, Demut und vor allem im Thorastudium. In diesem- Siiine werden in Talmud und Midraschim auch' die althebräischen Helden umgeformt. Mit I. L. Gordön tritt die Säkülarisierungstendenz auf den Plan: Weltliches Wissen und Tun wird Trumpf. Erst mit Achad Haam beginnt ein bedeutsamer Umschwung. In seinem System tritt geläutertes Judentum mit reinstem Menschlichen vereint, in den Vordergrund, aber Achad Haam ist ebenfalls Nachkomme der Enzyklopädisten und sein Ideal ist der Mensch von enzy-. klopädischem Wissen — daher sein Lebenstraum die Schaffung einer hebräischen Enzyklopädie, . aus der die Jugend Kenntnis des gesamten Judentums schöpfen könnte. Dieses Achad Haam’sche Ideal herrscht bis nun in unserem Erziehungssystem — sehr zu dessen Ungunsten. Denn die neue Jugend will weniger lernen, vielmehr aber leben. Der Erzieher kann das unbedingt notwendige Realwissen, der Jugend nur dann beibringen, wenn er ihr ein heues Ideal setzt, das sie in seinen Bann schlägt und das imstande ist, auch das Herz in Mitschwingung zu bringen. Dieses Ideal kann nur der neue «faustische Mensch» sein,, der dem Judentum erwachsen ist: der bauende, schaffende, Wildnis; bezwingende, zugleich aber um neue Formen sozialen Seins ringende C h a I u z. Nur durch das Hineintragen palästinensischer Luft in unsere Schulmauern können wir in die Lage kommen, die Herzen der Jugend zu gewinnen. Und dann, erst dann, wird die Bahn frei werden auch .für die Aufnahme jüdischen Wissens und jüdischer Worte. «Palästina macht klug», sagten unsere Weisen, ja noch mehr, Palästina erhöht, läutert und macht jüdisch. Nach Dr. Horowitz sprach Dr. A. Kaminska, sodann erstatteten die Herren Haber-Hellmer und Herzberg ihre Referate. In unserer nächsten Nummer werden wir über die Referate und die Schlußsitzung einen genauen Bericht bringen. Die Revisionisten für eine Royal Commission London. (J. T. A.) Die Union der Zionisten-Reyisionisten hat in ihr Londoner Bureau zu einer Pressekonferenz geladen, in der Herr Meer Großman ungefähr ausführte: Die Tatsache, daß die Palästinauntersuchungskommission ihren Aufgabemkreis überschritten hat, sollte die Judenbeit nicht dazu verleiten, die Gefahr, die der .Bericht bringen könne, zu unterschätzen. Man muß den Bericht an seinen vielen verwundbaren Stellen angreifen und entkräften. Man muß jetzt die Gelegenheit benutzen, die Ernennung einer Royal Commission durchzusetzen, die nach Palästina gehen soll, um die höhere Politik der Regierung durchzuführen. Ferner muß man es durchsetzen, daß . die Zeugenaussagen vor der Shaw-Kommision, die vertraulich gemacht wurden, voll veröfentlicht werden. Die Revisionisten zum Beispiel haben nichts dagegen, daß die von Jabotins'ky vertraulich gemachten Aussagen veröfentlioht werden. Diese Kleinkapitalisten sind fortschrittliches Element und sie bauen viel Industrien auf. Großmann forderte zum Schluß die Schaffung einer starken Körperschaft zur Durchführung des politischen Zionismus im Sinne des jüdischen Staates. Wenn die durch die Agency gebundene zionistische Exekutive diese Aufgabe nicht durchführen kann, so muß natürlicherweise eine andere Körperschaft in Aktion treten, die in erster Reihe die politische Arbeit führen und sich bestreben soll, bei der britischen Regierung und beim Völkerbund die Verwirklichung der politischen Aufgabe des Zionismus, wie sie durch die Zfonistenkongresse definiert worden ist, durchzusetzen. Jüdischer Kultus im tschechoslowakischen Budget Prag. (J. T. A.) Im Staatsvoranschlag für 1930, der eben im Senat zu Ende beraten wird, sind für die Bedürfnisse des jüdischen Kultus insgesamt 1,800.000 Kc eingesetzt (ungefähr ebensoviel wie im letzten Budgetabschnitt). Von diesem Betrage entfallen auf Böhmen, Mähren und Schlesien 1,050.000, auf die Slowakei 680.000, auf Karpathorußland 130.000 Kc. Dr. Wolfgang von Weist in der Tschechoslowakei Prag. (J. T. A.) Dr. Wolfgang von Weisl hat in Prag Brünn, Olmütz, Proßnitz, Bratislava, Tmava und in anderen Städten Vorträge über die Augustunruhen in Palästina gehalten. Er widmet sich auf seiner Tournee der Reorganisierung der revisionistischen Partei in der Tschechoslowakei, nDB1? SELCHWAREN Die bestrenommierte, streng orthodoxe koschere Selchwarenfabrik Petyan & Co. bringt zu Pessach Selchfleisch und Zunge zum Verkauf.. Sie erlaubt sich, darauf aufmerksam zu machen, daß in ihren Filialen, XX., Gaußplatz 6, und XX., Wallensteinstraße 45, zu ÖT1H ohige .Waren, de» HOB Vorschriften entsprechend, verabfolgt werden.