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Die Stimme · 1930-04-17 · Heft 122 (17.4.1930) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 122 (17.4.1930)
Date
1930-04-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 122 OIE STIMME Sette 3 Bericht der Kommission Von Harry Sacher - London. In der letzten Nummer des „The New Judea" veröffentlicht Harry Sacher, der während der Arbeiten der Shaw-Kommiffion in Jerufalem die Leitung der Ztoniftifdten Exekutive innehatte, folgende intereffante Bemerkungen zum Bericht: Es ift notwendig, uns an die Kompetenzen der Shaw- Kommiffion zu erinnern. Ihre Aufgabe war, „die unmittelbaren Urfachen zu unterfuchen, die zu den Unruhen in Paläftina geführt haben, und Maßnahmen zu empfehlen, die ihre Wiederholung verhindern". Der Staatsfekretär erklärte, als er die KommiiTion anmeldcte, daß die Unterfuchung (ich auf die unmittelbaren Notwendigkeiten zu befchränken habe und ihre Erwägungen nicht in das Gebiet der hohen Politik hinein ausdehnen dürfe. Während die Kommiffion in Paläftina tätig war, erklärte der Premierminifter am 43. Dezember 1949, daß Fragen der Politik, die die künftige Ausführung des Paläftina-Mändates betreffen, „zweifellos außerhalb der Kompetenzen der Shaw- Kommiffion liegen und im Bericht nicht zu verwenden fein dürfen". In bezug auf die der Prüfung der Kommiffion unterliegende Frage. find die Fcftftellungcn der Kömmiffionsmitglieder unzweideutig. Sie (teilen feft, daß „der Ausbruch in Jerufalem am 43. Auguft von Anfang an ein Angriff von Arabern auf Juden war, für den keine Entfchuldigung in etwa früher von den Juden begangenen Mordfällen feftgeflcllt wurde". Sie fagen weiter, daß die Unruhen „in den meiden Fällen die Form von verbrecherifchcn Angriffen von Arabern auf Juden angenommen haben und mit gewaltfamer Zerftörung von jüdifchem Eigentum verbunden waren". Sic fagen: „daß der Mufti (ich von der Erwägung leiten ließ, feine Stellung als Präfident des moslemifdien Oberrates zu fiebern, konnte nicht feftgeftellt werden. Soweit wir fehen, hatte der Mufti keinen Grund anzunehmen, daß feine Stellung irgendwie in Gefahr war.“ Sie finden: „foweit die Bewegung, an deren Entfachung er Anteil hatte, durch die Macht der Umftände ein nicht unwcfentlidher Faktor bei den Gefchehniffen wurde, die zu dem Ausbruch führten, muß der Mufti, wie manche andere, die direkt oder indirekt ihr Spiel mit der öffentlichen Meinung getrieben hatten, feinen Anteil an der Verantwortung der Unruhen tragen. Andercrfeits finden (ie nicht, daß er die Abficht hatte, feine religiöfe Kampagne zur Anftiftung von Unruhen zu gebrauchen, und find der Anficht, daß keine Verbindung zwifchen dem Mufti und der Tätigkeit der Leute feftgeftellt wurde, von denen man weiß oder zu wiffen glaubt, daß fie agitatorifch oder hetzerifeh tätig waren.“ In bezug auf die arabifchc Exekutive find fie der Anficht, daß die Befchuldigungen der Vorfätzlichkeit oder der Organifierung von Unruhen gegen die Exekutive als Körperfchaft nicht bewiefen worden find. Sie fügen hinzu, daß „die Klage gegen die arabifche Exekutive als Körperfchaft wegen überlegter Hetze zu Unruhen nicht fubftantiert wurden, aber wir können kaum daran zweifeln, daß manche Wahlmänner, die die arabifche Exekutive; gewählt haben, unter den unwiffenderen Arabern eine Propai ganda-Kampagne geführt haben mit dem Ziel fie aufzureizen", 'sie fügen hinzu, daß „es wahrfcheinlich, wenn auch jnit einer! Ausnahme, unbewiefen ift, daß einzelne Mitglieder der arabifchen Exekutive auch nach dem Beginn der Unruhen zum Raffenhaß gehetzt haben“. Man wird bemerken, daß die Kommiffion einen reichlichen Gebrauch von Ausdrücken, wie „nicht bewiefen“, „nicht fubftantiert", „nicht feftgeftellt“, macht. Die Kommiffionsraitglicder felbft betonen die Notwendigkeit, daß „fofort Schritte getan werden müffen, urp die zugegebenen Fehler in dem Intelligence Service in Paläftina abzuftellen“. Es ift beftimmt ein fehlerhafter Intelligence Service, der es fo fchwierig, wenn nicht unmöglich macht, die Verbindung zwifchen den Unruhen und den Unruheftiftern zu finden. Man erinnere (ich, daß an zahliofen Stellen die Paläftina-Polizci unfähig war, die Anftifter der während der Unruhen begangenen Mordtaten vor Gericht zu bringen; wenn hierbei die Polizei fidi unfähig erwies, ihre Pflicht zu erfüllen, fo kann fie auch in viel fchwicrigcr gelagerten Fällen nicht deshalb die Schuldlofigkeit von Mcnfchen feftftellcn, weil fie keine Beweife für ihre Schuld beibringen konnte. Die Kommiffion entladet die Paläftinavcrwaltung von jeder Verantwortung, in bezug auf die Unruhen, in der 133 Juden getötet und 339 verwundet wurden, deren Bcfdnitzung elementare Pflicht der Verwaltung fein müßte. Es genügt, diefe kalten Ziffern den Schlußfolgerungen der Kommiffion gegenüber zu (teilen. Die Majorität der kommiffion fagt: „Man klagt einzelne Beamten an, daß fie es an jeder Anteilnahme haben fehlen laffen.“ Hierüber geben fie das Urteil ab: „In keinem Falle konnte durch irgend welche Zeugenausfagc ein Pflichtverfäumnis nachgewiefen werden, und wir bedauern, daß die Klage überhaupt erhoben wurde.“ Die Kömmiffionsmitglieder laffen hier dem ihnen unterbreiteten Argument keine Gerechtigkeit widerfahren. Da* Argument war, daß der Mangel an Sympathie mal der Politik der Jüdifchen Nationalen Heimftätte feitens verfchiedencr Beamter der Paläftina-Vcrwaltung den Arabern ganz genau bekannt ift und eine Atmofphäre fchafft, die eine ftändige Gesunde, schlanke Beine, Behebung von Fußbeschwerden, Schwellungen. Müdigkeit ujw. durch fachkundig angepäfite „Paradruit“- oummlloM Krampfadern- Cg a,|| aam SohUnkformer- #1 fll Ifl RlB angnehm, haltbar, unsichtbar, Stück S 5 bis »5, Knöchelferner S 3 bi» 13. P e d i f r I U-Fußitützen Paar S 3*40 aufw. Maßarbeit und Reparaturen prompt. Fachanstalt f. Fußheilbehelfe, Einlagen u. Bandagen GEGRÜNDET 1S9Ö SPEZIALIST Wien, II. Taborvtr. » 8orgfülti0« fachkundig« Beratung Agitation gegen diefe Politik erzeugt. Man beobachte, daß die Kömmiffionsmitglieder nicht leugnen, daß ein folcher Mangel an Sympathie bei der Verwaltung herrfcht und es wäre feltfam, wenn fie es täten, weil die Tatfadie allgemein bekannt ift und zugegeben wurde. Die Majorität der Kommiffion erhebt zwei Anklagen gegen die Zioniftifche Organifation. Die erfte ift, es fei „unleugbar bewiefen, daß in der Einwanderungsfrage die jüdifchen Führer, die durch die Zioniftifche Organifation im Jahre 1941 angenommenen Grundfätze nicht beachtet haben, nach denen die Einwanderung der wirtfehaftlichen Aufnahmefähigkeit Paläftinas angepaßt werden foll“. Der zweite ift die Unterftellung, daß die Zioniftifche Organifation irgendwie im Gegenfatz zu dem Weißbuch von Churchill den Anfpruch erhoben hat, an der Paläftina- Vcrwaltung beteiligt zu werden. Die erfte diefer Klagen flützt fich auf die Tatfache, daß 1946 bis 1947 zweifellos eine ökonomifche Krife geherrfeht hat, der eine fchr große Einwanderung vorhergegangen war. Es ift notwendig zu betonen, daß damals wie auch heute das letzte Wort bei der Bemeffung der Einwanderung von der Paläftina- Verwaltung gcfprodien wird, und wenn damals ein Fehler in der Berechnung gemacht wurde, fo ift die Verantwortung der Verwaltung nicht kleiner als die der Exekutive. Es ift auch nötig zu betonen, daß feit diefer Zeit die Einwanderung fich verkleinert hat, und jüdifche Arbeitslofigkeit ift zu einer verfchwindend geringen Ziffer gefunken. Tatfache ift, daß in den 10 Jahren von 1940 bis 1930 nur eine und nicht lehr ausgedehnte ökonomifche Krife in Paläftina war, deren die Juden durch ihre eigenen Anftrengungen Herr geworden find; und mit Ausnahme diefer Krife waren die 10 Jahre eine Periode wirtfehaftlichen und fozialen Fortfehrittes in Paläftina, dem vielleicht kein curopäifches Land etwas ähnliches zur Seite (teilen kann. Keine Regierung der Welt kann mit allen Hilfsquellen an Erfahrung und Machtmittel, die einem Staat zur Verfügung flehen, wirtfehaftliche Krifen vermeiden, und die Gefehjehte diefer zehn Jahre beweilt nicht nur nichts gegen die Zioniftifche Organifation, fondern zeigt eine Lciftung, auf die jede Regierung ftolz fein könnte. Unmöglich kann man aus dem Bericht irgend eine Tatfache herausftudieren, die die Kommiffion zu der Anfchuldigung be- LLOYD TRIESTINO DIREKTE LINIE TRIEST-JAFFA-HAIFA mit den vorzüglichen Salonschiffen «Adria» und «Carnaro». Fahrtdauer 41/2 Tage. Fahrpreise: I. Kl. Lst. 22.—, 11. 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SBetra 6djmersen... 2oöoI«2oblettcn! §0gal-§:afcfetten ftttb unübertroffen &ur ‘Sefämpfung rheumatischer, gichtischer und nervöser Schmerzen, Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten» 'Sogal föeibet bie ioarnfaure au$ unb ge$t ba$er birett gut ^Bürget be8 $lebel$l Söenn Saufenbe von 2lergten biefeg Mittel betorbnett, föitnett auch Sie berfrauenä« boU laufen. $?agen Sie 3£ren 2lrgtl 3n allen Slpofyefe» ^rei« S 2.40 rcchtigt, die Zioniftifche Organifation habe ihren Teil an der Ausübung der Verwaltung des Lahdes gefordert. Als ein Mann, der zwei Jahre lang die Aufgabe hatte, die Verbindung zwifchen der Paläftina-Vcrwaltung und der Zioniftifchen Exekutive aufrecht zu erhalten, erkläre ich diefen Vorwurf aus der Luft gegriffen. Die beiden hauptsächlichen Empfehlungen der Kommiffion find eine Einfchränkung der jüdifchen Einwanderung und die Erfdiwerung des Bodenkaufcs feitens der Juden. Das bedeutet eine kaum verhüllte Abficht, die Balföur-Deklaration und das Mandat zu einem Phantom zu verflüchtigen, das Mandat, das bekanntlich der Mandatarmacht^die Pflicht auferlegt, „das Land unter folchc politifche, adminiftrative und wirtfehaftliche Maßnahmen zu ftellcn, daß die Errichtung des Jüdifchen Nationalen Heimes gefiebert wird". Und jetzt können wir betrachten, was Harry Snell die „allgemeine Einftellung feiner Kollegen zu dem Paläftina-Problem“ nennt. Diefe allgemeine Einftellung folgt nicht nur aus dem, was die Majorität der Kommiffion fagt, fondern auch aus dem, Vas fie v e r f ch w c i g t. Sic fchweigt vollkommen über das, was die Jüdifche Nationale Heimftätte für die Juden bedeutet, und welche Rolle fic für die Juden und für die Welt fpielt, Nur eine gelegentliche nachläffige Bemerkung ftreift das denkwürdige Werk, das Juden in den letzten zehn Jahren geleiftet haben. Es fehlt an jedem Verfuch nachzuprüfen, wie weit die jüdifche Kritik an den Methoden der Verwaltung Paläftinas richtig ift. Dagegen geht man mit liebevoller Sorgfalt jeder Befchwerde, wahrhaften und fingierten, nach, die die Araber erheben, und die Hauptforge der Mehrheit der Kommiffion ift darauf gerichtet, zu unterfuchen, durch welche Maßnahmen man diefe Befdiwcrden abftellcn kann, ganz gleichgültig, welchen Preis die Jüdifche Nationale Heimftätte dafür auch zahlen müffe. Ich halte es nicht für ungerecht, die allgemeine Einftellung der Komrniffionsmehrheit fo zufammenzufaffen: Sic ficht weder ein jüdifdies Volk noch eine Judenfrage, und fie lieht nicht, daß eine hiftorifche Verknüpfung zwifchen dem jüdifchen Volk und Paläftina befteht. Sie ficht nicht, daß die Juden als Volk Rechte in bezug auf Paläftina befitzen. Für fie find die Juden in Paläftina ein Mob von Fremden, dje Verlegenheit und Schaden anrichten. Wenn diefe Interpretation ihrer Einftellung richtig ift, dann hat die Majorität der Kommiffion ihre Kompetenzen in dem denkbar weiteften Sinne übcrfchritten. Sie hat ftillfchweigend den ganzen Teil des Mandates überfehen, der die Schaffung eines Jüdifchen Nationalen Heimes in Paläftina fordert. Große K. K. L.-Aktion in Polen Das Direktorium des Keren Kajemeth in Polen hat eine große Keren Kajenieth-Aktion für ganz Polen proklamiert mit dem Ziel, neue 40.000 K, K. L-Büchsen aufzustellen. Ein Vorstoß der Araberfreunde im Unterhaus London, 10. April (J. T. A.) Der Arbeiterparteiler Seymor Cocks richtete an den Unterstaatssekretär für die Kolonien die Frage, ob er nicht im Hinblick auf die bereits erfolgte Veröffentlichung des Berichtes der Palästina-Untersuchungskommission nochmals die Frage der Veröffentlichung der Korrespondenz zwischen Sir Henry Mac Mahon und dem Sheriff Hussein vom Juli 1915 bis zum Jänner 1916 erwägen wolle. Die Antwort auf diese Frage ist negativ, sagte Dr. Shieis. Darauf fragte Cocks weiter, ob im Hinblick auf die unter der arabischen Bevölkerung Palästinas verbreitete Meinung, daß diese Korespondenz den Arabern die Unabhängigkeit verspricht, die Regierung nicht eine Veröffentlichung der Korrespondenz dennoch in Erwägung ziehen wolle, damit man erfährt, was eigentlich an der Sache ist. Dr. Shieis erwiderte, diese Frage habe das Unterhaus schon oft beschäftigt, und verschiedene Regierungen haben mehr als einmal entschieden, daß eine Veröffentlichung dieser Korrespondenz nicht wünschenswert sei. Daran halte auch die gegenwärtige Regierung fest. Der Arbeiterparteiler Thurtle, Schwiegersohn und Sekretär des Arbeitsministers George Lansbury, fragte: Will die Regierung nicht gegenüber den Arabern fair play üben? Howard Bury fragte: Ist es nicht schädigend, daß wir nicht einen klaren Einblick in diese Korrespondenz erhalten; würde es nicht besser sein, sie schwarz auf weiß vor uns zu haben, um genau zu wissen, was ist? Auf diese Fragen wurde keine Antwort erteilt. Kantonsystem in Palästina? N e w Y o r k. (J. T. A.) Der Palästina-Korrespondent der «New York Times» telegraphiert seinem Blatte, es sei ihm von «gut unterrichteter Seite» mitgeteilt worden, daß die Palästina-Regierung einen Plan zur Unterbreitung an die Behörden in London ausgearbeitet hat, in welchem als ein erstes Experiment für die Einrichtung eines Kanfonsystems in Palästina die Bildung eines besonderen jüdischen Distrikts vorgesehen wird. Dieser Distrikt soll die Stadt Tel Aviv und 40 jüdische Kolonien in der Umgebung von PetacH Tikwah, Rischon le Zion und Rechoboth mit einer jüdischen Bevölkerungszahl von etwa 70.000 Seelen umfassen. Der Name dieses ersten jüdischen Kantons, fügte der Korrespondent hinzu, soll «Judäa» sein. Der britische Einwanderungskommissär vor dem Obersten Gericht Jerusalem. (J. T. A.) Der Leiter des Einwanderungsdepartements der Palästina-Regierung, Herr Hyamson, hätte sich vor dem Jerusalemer Obersten Gericht wegen einer von einer Frau Bernstein gegen ihn erhobenen Anklage, daß er sie widerrechtlich verhaften und ausweisen ließ, zu verantworten. Frau Bernstein, die seit neun Jahren in Palästina wohnt, machte vor kurzem eine Reise nach dem Ausland und kehrte, mit einem Einreisevisum des englischen Konsuls in Wien versehen, nach Palästina zurück. Nach Betreten des Landes wurde Frau Bernstein auf Weisung des Eiawanderungsdepartements verhaftet und aufgefordert, sofort das Land zu verlassen. Der Prozeß wurde zwecks Erbringung weiterer Besretemittet vertagt.

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