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Die Stimme · 1930-04-17 · Heft 122 (17.4.1930) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 122 (17.4.1930)
Date
1930-04-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE SUMME Nr. m Einsteins Konferenzplan ein Mißgriff Von Dr. E. M. Zweig, Jerusalem Schott im November, als sich Professor Einstein in Paris interviewen ließ und erklärte, daß der Aufbau Palästinas nur jm Frieden mit den Arabern möglich sei, horchte man verblüfft auf; denn es lag ja nahe, daß eine so mutlose Ansicht, welche das Schicksal Erez Israels in das Belieben der anderen stellte, nur geeignet war, störungslustige arabische Elemente zu ermuntern. Damals ließ man sich durch das rasch nachfolgende Dementi, welches den Wortlaut des Interviews abschwächte, beruhigen. Dann aber kam vor ein paar Wochen Einsteins offener Brief an den «Falestin», das Organ* der arabischen Exekutive Palästinas, mit nachdrücklicher Betonung der jüdischen Friedensliebe. Die meisten Juden, wenigstens hierzulande, empfanden das peinlich. Es war schon eine Demütigung für unsere Volksehre, daß ein Jude von der sittlichen Größe und weltweiten Berühmtheit Einsteins sich herabließ, eines der ärgsten arabischen Hetzblätter als Sprachrohr zu benützen. Nun folgt jedoch ein weiterer Brief an das gleiche Blatt nach mit dem Vorschlag eines paritätisch aus Juden und Arabern in Palästina zusammenzusetzenden Geheimrates, der als vorläufig unverbindliche Ausgleichskonferenz fungieren soll. Dieser Vorschlag wurde bisher recht zurückhaltend aufgenommen. Die Meinungen sind geteilt. Die jüdischen Blätter Palästnias beschäftigen sich mit der Frage, ob eine solche Konferenz zweckmäßig sei, und gehen kritisch auf d^e Details ein. Auffallen muß es da, daß nicht vor allem die Frage aufgeworfen wird, ob Einstein überhaupt berechtigt war, einen solchen politischen Schritt zu tun. Als Dr. Magnes, Kanzler der Hebräischen Universität, vor einigen Monaten seine Friedensliebe in die Welt hinausschrie, und als es aussah, er wolle auf eigene Faust in der Araberfrage verhandeln, ging ein Entrüstungssturm durch die jüdische Welt, der noch heute nicht verebbt ist. Am Delegiertentag der deutschen Zionisten in Jena sah sich unser Führer Dr. Weizmann veranlaßt, öffentlich zu erklären, daß solche Sondertänze eine Bloßstellung der Zionistischen Organisation bedeuten; die Leitung halte nach wie vor an dem allen Zionisten gemeinsamen Friedensprogramm unserer Kongresse fest und sei zu Verhandlungen mit den Arabern bereit, «natürlich zur rechten Zeit und im rechten Geist». Und in den Endbeschlüssen des Delegiertentages wurde mit Nachdruck ausgesprochen — hierin bestand volle Einmütigkeit der Fraktionen —, daß diese Verhandlungen — zum Vorteil der Sache — allein der Leitung Vorbehalten bleiben müssen. Und ein paar Wochen danach und gerade zu einer Zeit, da die höchsten Organe der Jewish Agency in London zur Beratung der Sachlage und zwecks Fassung allgemein verbindlicher Beschlüsse versammelt sind, nimmt Professor Einstein sich das Recht, mit seinem Konferenzvorschlag an die Oeffentlichkeit zu treten und sich dabei direkt an die arabische Adresse zu wenden. — Gewiß ist es nur dem großen Respekt vor Einsteins menschlicher Größe und seinem wissenschaftlichen Verdienst zuzuschreiben, daß man diesen Uebergriff, und das ist er, so ruhig hinnahm. In 'dieser Nachsicht der Zionisten und Palästina-Freunde aber liegt eine große Gefahr. Der Vorschlag ward dadurch nicht besser, daß er sich mit den Worten einführt: »Dies ist n\eine private Meinung, die ich mit niemandem besprochen habe.» Einstein, auf dessen Namen wir z. B. erst jüngst einen ganzen Wald in Erez Israel pflanzten, ist eben kein Privatmann, sondern eine repräsentative jüdische Persönlichkeit, deren Ruhm, aber auch dessen Mißgriffe allen Juden angekreidet werden. Weil er über die große Masse hinausragt, obliegt ihm um so größere Vorsicht. Beschwichtigen wir uns doch nicht damit,,es sei ihm eine Ausnahme zu gönnen. Jedermann, der sich in seiner — bei uns weitverbreiteten — Selbstüberschätzung Einstein weit weniger gleich dünkt, wird dann dieses Ausnahmsrecht beanspruchen und sich heue odert morgen mit politischen Vorschlägen an die breite Oeffentlichkert wenden. Dabei ist es recht wahrscheinlich, daß die Vorschläge nicht immer so friedlich sein werden wie jene Einsteins. Denn er wie die anderen Wortführer des Brith Schalom übersehen leider, daß ihre Uebertreibungen lw t •r: iiiiFII wsnsr * Richard Herzog IHLU «., Ki.Piarrg.as Sprecttmasdiliien, Schall« platten u. Rundfunkgeräte «Ile jüdischen und hebräischen Schallplatten sowie afle modernsten Tanz* u. Gesangsschlager in reichster Auswahl au! Lager Auch Teilzahlungen! Provinzversand! Sorten *mi< original-imeriktMisihe Lieferungen eingelangt Okkasieas-Vefkaiif neuer Sehallplatten & S 38C f auf dem entgegengesetzten jüdischen Flügel geradezu provozieren. Jedenfalls aber werden sich bei diesen verschiedenen Vorschlägen vielfach Widersprüche ergben, was die Kritik herausfordern und zu endlosen Polemiken führen muß. * Solche Vorschläge bilden aber nebst dem Mangel an Autorität und Einheitlichkeit eine weitere Gefahr. Wenn nämlich eine Willensmeinung, ein Vorschlag von der gewählten Leitung ausgeht, äst sie der Organisation dafür verantwortlich und hat ihr darüber bei der nächsten Tagung Rede und Antwort zu stehen; besteht sie aber dort nicht gut, muß die Leitung das oft genug mit Tadelsreden, Mißtrauensvoten, ja mit der Abdankung büßen. Ein Privatmann aber kann sich die Verantwortung leicht machen. Wenn es ihm paßt und zumal wenn die Kritik ihn verdrießt, zieht er sich nach dem Ausflug ins Politische einfach wieder in seine Gelehrtenstube oder sonst ins uneingeschränkte Privatleben zurück und läßt den anderen die Bescherung auf dem Hals. Aber die Vorschläge Einsteins sind auch inhaltlich nicht so harmlos. Sie können sogar auf alle drei beteiligten Gruppen dieser großen politischen Auseinandersetzung schädlich wirken, auf die Juden, die Araber und England. Sprechen wir zuerst von den Juden, denn das wichtigste ist und bleibt, was wir selbst tun und lassen. Einstein will seinen Geheimrat nur aus Männern zusammensetzen, «welche nicht von einer politischen Instanz abhängen dürfen . . . und sich verpflichten, nicht Interessenvertreter . . ihrer Nation sein zu wollen, sondern das Gedeihen der ganzen Landesbevölkerung ins Auge zu fassen». Deshalb soll jeder der vier jüdischen und arabischen Geheimräte von ihren Berufskörperschaften oder -gruppen: Aerzten, Rechtsanwälten, Arbeitern und Geistlichen, gewählt werden. Unterdrücken wir die zunächst aufschießenden Einwände, daß es in Palästina keine unpolitischen Menschen gibt, daß die einzelnen Gruppen sich schwer auf ihren Vertreter einigen dürften und daß andere Berufsgruppen, wie z. B. Kaufleute, Ingenieure und Troffnnnbt rinr 7inni?fnn im Cafe „illles Rathaus“ (Cafetier Leo Löwy) Größere, and kleine Klublokale 1. Bez,, Wipplingerstraße 24 Tel. U 27-4-84, U 26-2-74 Lehrer, sich ebenso berufen fühlen werden. Zweifellos war es Einsteins gute Absicht, derart eine Atmosphäre zu schaffen, die von politischen Resentiments möglich frei ist und das Wirtschaftlich-Kulturelle in den Vordergrund treten läßt. Der unmittelbare Effekt des Vorschlages aber ist ebenso zweifellos eine Untergrabung der Autorität unserer Zionistischen Organisation, welche den Großteil dessen, was in Erez Israel blüht und gedeiht, geschaffen hat, und der Autorität unserer selbstgewählten Führer. Bei der politischen Ungeschultheit der Juden und ihrer Disziplinlosigkeit muß ein solcher Rat Einsteins geradezu verheerend wirken. Gewiß, auch Mr. Snells, der Träger des uns wohlwollenden Minderheitsvotums in der Untersuchungskommission, schlägt eine aus wenigen Leuten bestehende Ausgleichskonferenz von Arabern und Juden vor, enthält sich aber betreffs der Zusammensetzung dieser Konferenz ähnlich naiver Vorschläge. Wir Juden können und müssen der Leitung unserer Agency das Vertrauen wahren, daß sie zum Zeitpunkt, den sie für richtig hält, jene Leute, die sie geeignet glaubt, mit entsprechenden Weisungen über Inhalt und Modus der Verhandlungen in die Ausgleichskonferenz entsendet. Betreffs der Araber kann man sich kurz fassen. Wurde ja schon oft gesagt, daß wir die Araber nur kühner und uns verächtlich machen, wenn wir ihnen so nachlaufen. Doch abgesehen davon, begeht Einstein einen grundlegenden Fehler, indem er von seiner ehrlichen Natur auf die anderen schließt. Er hat doch keine Ahnung, mit wem er es bei den Arabern zu tun hat. Auch darf er sich nicht einbiiden, sie durch seine Geradheit zu entwaffnen und so zu gewinnen. Waren denn die vor der Untersuchungskommission und den Kriminalgerichten , gemachten Aussagen der arabischen Zeugen, mit ihrem Wust von Lug, Trug und Heuchelei, noch nicht genug Aufklärung? Die «Jüdische Rundschau» bringt letzthin einen Artikel «Einstein und die Araberfrage» und zitiert im Anhang zu Einsteins Konferenzvorschlag triumphierend in Fettdruck eine herzliche Zustimmungserkläriing des «arabischen Falestin». Das war eine — von der Redaktion gewiß nicht beabsichtigte — Irreführung. Stimmt, daß der Falestin eine solche Erklärung abgab, doch nur in seiner englischen Ausgabe, welche dazu dient, der Außenwelt die Augen auszuwischen und den Antisemiten im britischen Parlament Waffen gegen die jüdischen «Störenfriede» zu liefern. Dahingegen schweigt sich die arabische Ausgabe des Falestin, welche seit Jahr und Tag die Aufhetzung der arabischen Massen besorgt, über Einsteins Herzensregungen gründlich aus. Erst auf brieflichen Vorhalt der Zweideutigkeit durch den «Brith Schalom» bequemte sich jetzt, nach zwei Wochen, der arabische Falestin zu einem nichtssagenden Komplimentan den Gelehrten Einstein mit dem Beifügen, dessen Vorschlag sei so lange nicht praktisch, als bis die Juden konzedieren: a) Parlament, b) Verzicht auf Bodenkauf, c) Einschränkung ihre: Immigration. Und angesichts derart tückischer Gegner, die — bei allen sonstigen Lastern und trotz ihrer inneren Rivalitäten — nach außen hin geschlossene Front zu halten wissen und auch vor den Engländern, deren nationale Solidarität bekanntlich jedes andere Interesse überwiegt, sollen wir — nach Einsteins Rezept — ein Bild der politischen Zerfahrenheit bieten? Und nun noch ein Wort über die Engländer! Einstein verweist Juden und Araber auf den «beider Nationen unwürdigen Zustand, 'daß sie als miteinander streitende Parteien der Mandatarmacht gegenüberstehen». So vorsichtig das gefaßt wurde, fühlt jeder heraus, was gemeint ist, daß nämlich die beiden Landesvölker gemeinsam versuchen sollen, sich dem zersetzenden Einfluß der unklaren englischen Politik zu entwinden. Und die Engländer in der Palästina-Verwaltung sollten das nicht verstehen? Ein solcher Vorschlag kann ihr ohnehin reges Mißtrauen nur schärfen und sie anregen, den von Einstein geträumten Liebesbund der Natives beizeiten zu sprengen (wie seinerzeit nach dem Erdbeben, als die Juden den arabischen Landesgenossen zu Hilfe eilen wollten). Und wie macht man das am besten? Indem man den Juden noch mehr drückt und den Araber noch mehr hofiert. Der Jischuw hat nicht nur hierzulande der Phalanx seiner Bedrücker aller Couleurs gegenüber eine bewundernswürdige Selbstbeherrschung gezeigt, sondern hat auch die Intentionen diverser jüdischer Ratgeber bisher recht geduldig ertragen. Wielange noch? Die böse Wirkung jener politischen Liebhabereien bekommt zunächst der Jischuw zu spüren. Mögen doch alle Juden, die im Ausland sicher und behaglich leben, und voran jene, deren empfindsames Gewissen so zagt, ob nicht vielleicht doch den Arabern irgendein Unrecht geschieht, sich mal fragen, ob es ihr Gewissen erlaubt, die Sicherheit unseres Jischuw immer wieder zu gefährden! Die neugewählte Leitung der Agency aber wird sich ihrer Pflicht besinnen müssen, das politische Wohl und Wehe der Judenschaft in eigener Regie zu waüren und jede unberufene Einmengung zu verbieten, und gälte es selbst einem Mann von der Kapazität Einsteins. (Inzwischen hat der «Falestin» den Vorschlag Professor Einsteins abgelehnt. «Falestin» schreibt, daß Einstein als Mann der Wissenschaft sich mit Politik nicht beschäftigen soll. In meritorischer Hinsicht werden Einsteins Vorschläge abgelehnt, da die «Araber drei Forderungen — Parlament, Nichtverkauf von Böden an Juden und Einschränkung der jüdischen Immigration — aufstellten. Forderungen, ln denen die Juden eine den Arabern entgegensetzte Stellung etnnehmen, aus diesem Grunde eben sind wir Gegner der Juden». Anm. d. Red.) Die arabische Delegation in London London. Der Sekretär der arabischen Delegation in London, Jamal el Husseini, veröffentlicht in der englischen Presse einen Aufruf der arabischen Exekutive und des Obersten moslemitischen Rates, in dem festgestellt wird, daß die Araber keinen Kampf gegen die Juden als Juden führen, sondern lediglich gegen die politische Aggresivität der Zionisten kämpfen. Die arabische Bewegung trage auch keinen antienglischen Charakter. Die arabische Bevölkerung erhebe Beschwerde gegen die Art der Durchführung der Balfour- Deklaration und müsse gegen die überflüssigen Ausgaben für Polizeierhaltung, Beamten und hebräische Dolmetsche, hebräisches Schulwesen und Förderung der Immigration Protest erheben. Die jüdische Immigration und der Bodenkauf durch. Juden schädige die Interessen der Araber. Im Aufruf wird die baldmöglichste Einführung der Selbstverwaltung und Einschränkung der jüdischen Immigration gefordert. Zur Unterstützung der Forderung werden die bekannten Argumente der Araber angeführt. Lord Brandford, der gewesene Innenminister im Baldwin-Kabinett, hat im Unterhaus die arabische Delegation unter Führung des Großmufti empfangen. Die Araber drohen Jerusalem. Das Organ des Großmufti «Mereat el Schak»j droht mit Unruhen, falls die zum Tode verurteilten Araber tatsächlich hingerichtet werden sollten. Die arabische Exekutive übermittelte dem High Commissioner eine Denkschrift, in der die sofortige Befreiung der verhafteten Araber gefordert wird. L Jüdischer iederabend Sonntag, den 20. April 1980, halb 9 Uhr abends, großer Saal im Hotel „Kontinental“, II., Taborstr. 4 Hilda Dullckala Lieder, Volkslieder (hebräisch und jiddisch) chassidische, synagogale und Palastina-Lieder Am FlGjel: Rudolf B*ck. Rezitation; lamiial Schwager Kartenverkauf; Buchhandlung Rath, IL, Taborstr. 20a und in Hotel »Kontinental“«

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