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Die Stimme · 1930-04-10 · Heft 121 (10.4.1930) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 121 (10.4.1930)
Date
1930-04-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 DIE STIMME Nf. 121 BLAIM3CHEIN3 "1ED % Unerreicht In Qualität und PreisI Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners S. Fürst Darf ln keinem jüdischen Haushalt fehlen! W nas iso | Ueberall erhältlich! ffl KARL BLAIMSCHE1N3 Vereinigte Margarine- und « Butterfabriken, Wien, XIV., Diefenbachgasse 59 Die Helden von Hebron Von Michael (Jerusalem). Die Haltung der Araber im Land wird trotz — oder vielleicht wegen — der Veibrüderungssclialmeien Professor Magnes’ und der anderen Brith- Schalo;n-Leute und in Mißachtung des eigenmächtigen Konferenzanbotes Professor Einsteins immer kühner und die Sprache ihrer Preßorgane noch ungenierter. Darf man mit der Blütenlese eines einzigen Tages aufwarten? Recht honett zeigt sich noch der «Al Carmel», der mit dem Aufsatz «England respektiert nur den Starken» das Volk von Palästina aufruft, dem Beispiel des Türkenhelden Mustapha Kemal und des Araberkönigs lbn Saud zu folgen, «die England aufs Knie zwangen». Der «Palestin» fordert drohend im Artikel «Enttäuscht», das Mandat englisch so auszulegen, wie Wilson es geplant, «sonst wird das Endergebnis nur Vergeudung von Zeit und Mühe und zweckloses Blutvergießen sein». Der «Sowt Ashaab» wieder spricht heuchlerisch seine Verwunderung aus, daß man in Beer-Tuvia 15 Exsoldaten der jüdischen Legion ansiedeln will. «Sind wir denn in Kampffront? Ruhe herrscht im Land, weil der Araber glaubt, daß Friede ein Zeichen von Fortschritt und Kultur ist, und weil die Regierung darüber wacht, daß keine fremden Hetzer eindringen.» Wohlgemerkt, erst sieben Monate sind es her, daß Beer-Tuvia von den Fellachen der Nachbarschaft niedergebrannt und der Hadassa-Arzt, der den arabischen Verwundeten zu Hilfe geeilt war, meuchlings ermordet worden. Damit kein Zweifel bleibt, wie diese Friedensstimme zu verstehen sei, bringt eben diese Nummer des edleti Blattes eine Notiz «Die Helden von Hebron», die wörtlich wie folgt lautet: «Der Bericht der Shaw-Kommission besagt, daß an den Unruhen die Balfour-Deklaration Schuld trägt. So haben wir Araber den Prozeß gewonnen Vergesset die Sorgen, vergesset die Qual, ffl_ Trinket nur HFllS PALÄSTINA-WEIN-VERTRIEB;■== =~=I! i fi! R 29-7-34 III R 49-7-90 III Der Rabbiner hört sie an, seufzt, wendet den Kopf nach rechts und links, denkt lange nach und antwortet; schließlich, daß Chaim Jonah ein gelehrter und gottes- ' fürchtiger Mann sei, und wenn er Gottvertrauen hat, so hat es seinen Grund . . . Die Leiden haben ihren Höhepunkt erreicht. Nicht einmal Lichter hat Rivvke Beile. Die Pessachnacht ist da. Chaim Jonah verläßt das Bethaus und geht nach Hause. Alle Fenster sind von der Festtagsfreude umstrahlt. Seine Wohnung bloß ist in Finsternis gehüllt, Wie ein Trauernder unter Hochzeitsgästen, wie ein Blinder unter Sehenden steht es da. Cha’m Jonah aber ist nicht entmutigt: So Gott will, wird auch er seinen Pessach haben. Er kommt nach Hause und ruft fröhlich: «Gut Jom-Tow!» Keine Antwort. Er ruft abermals, deutlich lind betont: «Vergnügten Feiertag dir, Riv/ke Beile!» Aus einem finsteren Winkel heraus antwortet ihm Riwke Beile mit einer tränengesättigten Stimme: «Guten Feiertag, gutes Jahr!» Dabei leuchten ihre Augen wie glühende Kohlen aus dem Winkel hervor. Er tritt an sie heran, beugt sich über sie und flüstert ihr liebevoll zu; «Riwke Belle, heute ist Feiertag . . . der Auszug aus Aegypten . . . der Tag der Freiheit. Verstehe doch, man darf heute unbedingt nicht traurig sein! Und worüber trauerst du? Wenn es Gott nicht gefällig war, daß wir unseren eigenen «Seder» haben, so v/olien wir seinem Willen gemäß handeln und zu einem fremden Seder gehen. Alle Türen sind offen. Juden sitzen um die Tische und rufen laut: «Kol 'Üchhn jejthej wejechall», das heißt: «Wer hungrig ist, komme und esse!» Komm also, mein Täubchen, nimm das Tuch um den Kopf, und wir wollen beim nächsten Nachbar anklopfen. Riwke Beile, die immer ihres Mannes Wißen be- und der jüngste Ausbruch war insofern furchtbar, da er die englische Politik in ihrer zionistischen Auffassung als Unrecht erwies. Wir freuen uns über dies Ergebnis und stellen fest: Nicht unseren feigen Führern ist es zu danken, welche es nicht verstehen, abzutreten, noch den fürnelimen Familien, die aus Eigennutz miteinander zanken, noch den Reichen, den Maklern und unseren nationalen Körperschaften. Was erreicht wurde, danken wir den Helden von Hcbrcn und Safed, jenen, die eingekerkert und verurteilt wurden, dem Blut des Awad von Lifta, Hanna Kerker, Dajany und der Aun-Sippe.» Nach solchem Herzenserguß klingt durchaus glaubhaft, was man sich schon vor Wochen von Hebron erzählte. Bekanntlich hat Miß Newton aus Haifa, die seit Jahren der Judenhetze lebt und auch vor der Untersuchungskommission als Kronzeugin agierte, bei Vereinen vom «Roten Kreuz» in England für die arabischen «Opfer» der Augustunruhen Geld gesammelt. Als sie es nun neulich in Hebron verteilte, beklagte sich ein Araberweib auf offenem Platz bitter über Ungerechtigkeit und schrie: «Was, ich krieg’ nicht mehr als Fatme? Ihr Mann hat nur geraubt und der meine hat gemordet und geschändet. Er sitzt doch!» Das jüdische Tagblatt «Palestine Bulletin» widmet der liebenswürdigen Notiz «Helden von Hebron» Feinstes palästinensisches Olivenöl der Palästina - Oel- Industrie «Sfiemen» ist in Wien zum Preise von S 4.50 per kg-Btichse, auch noD bw seit kurzem zu erhalten. Alleinverkauf: WIEN, II.; ZIRKUSGASSE 10/16. Das Palästina-Oel «Shemen» ist mit einem Hechscher 1 des palästinensischen Rabbinats versehen. eine Besprechung «Schaufel bleibt Schaufel», die wir gleichfalls wiedergeben: «Eine Schaufel soll man Schaufel nennen und nicht landwirtschaftliches Gerät. Manchmal ist es geradezu unmoralisch, Dinge beim Unrechten Namen zu nennen, und ein palästinensischer Prophet warnte einst seine Landsleute, Schlimmes gut» und Gutes schlimm zu heißen. Nun, ein arabisches Blatt tut der «Helden von Hebron» Erwähnung. Diese Helden sind jene blutigen Mörder, die ohne Erbarmen und ohne Scham unschuldige Menschen niedergemetzelt und dann ihre Häuser geplündert haben. Mord ist Mord, und Raub ist Raub. Nicht einmal die übelsten Miasmen nationalistischer Politik können einen so umnebeln, um auch nur einen Moment zu glauben, daß Helden, nachdem sie einem höheren Zweck gedient — rauben. — In England pflegt man Mörder als Mörder zu behandeln, und wir wollen nicht auf die kuriosen Piaidoyers achten, die allenfalls vor französischen Gerichtshöfen zu Hause sind, denn die Öffentliche Meinung Englands ist viel weniger krankfolgt, unterdrückt mit aller Kraft das Weinen, zieht mit zitternden Händen das zerrissene Tuch an, und schon wollen sie gehen, als im selben Augenblick sich die Türe öffnet, ein Mann hereinkommt, an der Schwelle stehenbleibt und «Gut Jom-Tow!» grüßt. «Gut Jom-Tow!» antworten die Eheleute. Im Finstern aber erkennen sie niemanden. Der Mann tritt ins Zimmer näher. «Ich möchte mit euch beim Seder sitzen.» «Wir haben selbst keinen Seder. Gott hat es nicht wollen», antwortet Chaim Jonah. «Macht nichts. Ich habe den Seder bei mir.» «ln Finsternis werden wir Seder abhalten?» Riwke Beile konnte sich nicht zurückhalten und seufzte. «Gott bewahre», enfgegnete der Gast, «es wird schon licht sein!» Er stellte sich in die Mitte des Zimmers, rief etwas in der Zauberersprache und in der Luft erschienen zwei Silberleuchter mit brennenden Kerzen. Da erkennen die Eheleute, daß es der Wundermann ist, und sie starren und staunen ihn an und können keinen Laut aus der Kehle hervorbringen. Riwke Beile faßt die Hände ihres Mannes und so stehen beide mit aufgerissenen Augen und offenem Munde. Indessen wendet sich der Wundermann dem Tische zu, der verschämt im Winkel stand, und ruft: «Bedeck’ dich, schöner Junge, und komm’ in die Mitte her!» Sogleich fällt vom Plafond eine schneeweiße Decke herunter, deckt den Tisch und dieser beginnt sich zu bewegen, bis in die Mitte des Zimmers, genau unter den Leuchtern, die in der Luft hängen. Die Leuchter wieder steigen hernieder und stellen sich auf ihn. «Die Seder-Betten fehlen ja noch!», sagt‘der Wundermann, winkt zu den drei Sesseln, die rn drei Zimmerecken standen, und schon rückten sie sich an den Tisch heran. Er befiehlt: «Breiter werden!», und sie werden breiter und verwandeln sich in Großvaterstühle. «Polster!» ruft er, und vom Plafond steigen weiße Polster herunter, die sich auf die Stühle legen. Und abermals Xeopotd fdtisdka Wien, II., Krummbaunigasse 1 Telephon R 47-2-63 offeriert sämtliche Spezerei waren nos bw bestens und billigst. Provinzversand. haft und viel weniger sentimental. Im Falle Hebron kann keine noch so hemmungslose Verteidigung, kein Appell ans Gefühl, wie etwa vor einer Pariser Jury, uns blind machen gegenüber der Tatsache, daß man da scheußlichsten Mord auf scheußlichste Art beging. Viel politisches Wasser floß seither den Jordan hinab, und die primitive Aufpeitschung der Leidenschaft, welche die Mordtaten erst möglich machte, wurde seither mit einer Politur von politischem Gewäsch überschmiert. Doch auch das kann es nicht entschuldigen, wenn eine Zeitung diese Leute, darunter ein paar zum Tod Verurteilte, Helden nennt, da sie doch faktisch Mörder sind. In Hebron war nicht die Rede von zwei kämpfenden Parteien. Dort lebten überhaupt keine Juden, die sich zu verteidigen wußten, sondern absolut harmlose Menschen. Sie verließen sich ganz auf ihre guten Beziehungen zu den arabischen Nachbarn, wie auch zur Polizei. Eine Handvoll waren sie inmitten der Gesamtbevölkerung und die Mörder stießen, als sie ans Werk gingen, auf keinerlei Widerstand. Ein Held — das setzt persönlichen Mut voraus und ein gewisses Risiko. Hier gab es weder dies noch das. Deshalb erinnern wir unser geschätztes Bruderorgan an das Wort des Propheten: «Wehe denen, die Schlechtes gut heißen und Gutes schlecht.» So das jüdische Blatt. Was aber sagt die Palästinaregierung dazu? Sie läßt im Zeichen des Pax Britannica diese und andere bluttriefende Hetzartikel Tag für Tag ungehindert und unbestraft erscheinen. In ihren Aemtern stoßen die mit der Ausführung des Mandats betrauten arabischen Beamten mit schäumendem Bier auf den Tod Balfours an. Die arabische Delegation begab sich nach London, durch Miß Newtons kiloweis ausgerüstet mit Empfehlungen der Engländer in Palästina an ihre Verwandten und Bekannten, Parlamentarier und sonstige Wortführer der öffentlichen Meinung daheim. Und der Kolonialminister der Labour-Regierung, Lord Paßfield, wird sie empfangen und stolz werden sie die Marmorstufen seines Palastes emporsteigen: die Delegierten der «Helden von Hebron». Wir Juden aber sind noch viel traurigere Helden, da wir unser bißchen Kraft in ödem Fraktionsstreit verzehren. MDB b «TlttD mit Hechscher des Herrn Rabbiner Dr. Mayersohn direkt zu beziehen aus der Sodawasserfabrik JAKO!» XBEGHJEBf XX., Wallensteinstraße 29, Tel. A 42-1-75, A 46-6-25. Bei Abnahme von 10 Flaschen kostenfreie Zustellung ins Haus. sagt er seinen Zauberspruch und am Tische erscheint die Seder-Schüssel mit allem Dazugehörigen. Darauf folgen Weinflaschen mit Becher, alles in schönster Ordnung, Hagadoth sogar mit Goldschnitt. «Und Wasser zum Waschen habt Ihr?» fragt der Wunderrnann. «Auch das kann ich besorgen.» Da erst kamen die Eheleute zu sich. Riwke Beile flüstert ihrem Manne zu: «Ist es erlaubt?» Da Chaim Jonah im Zweifel ist und nicht anwortet, rät sie Ihm, zum Rabbiner zu gehen. Chaim Jonah aber meint, daß es gefährlich sei, sie mit dem Zauberkünstler allein zu lassen, darum solle sie lieber gehen. Sie aber glaubt, daß der Rabbiner ihrer Erzählung kein Gehör schenken werde, da sie doch nur ein einfältiges Weib sei. Er wird denken, daß sie von Sinnen ist . Da es keinen Ausweg gibt, schleichen sie sich leise aus dem Zimmer, lassen den Zauberer allein mit dem Seder zurück und gehen zum Rabbiner. Der Rabbiner hört sie an, staunt, sinnt nach, bewegt den Kopf nach rechts und links und entscheidet endlich: «Es ist festgestellt, daß alle Zauberei Blendwerk und gar nicht wirklich ist. Gehet also nach Hause, und wenn sich die Ma%zoth in der Hand brechen, der Wein sich einschenken läßt und die Seder-Betten sich anfühlen lassen, ist es kein Zauberwerk, sondern ein Wunder Gottes, und dann dürfet Ihr alles genießen. Also sprach der Rabbiner und die Eheleute gingen klopfenden Herzens nach Hause, Der Wundermann war verschwunden. Der Seder aber stand wie früher. Sie fühlen die Polster — sie sind greifbar, der Wein ließ sich einschenken und die Mazzoth brechen sich . . . Jetzt erst verstanden sie, daß in der Gestalt des Wundermannes kein Geringerer als der Prophet E'iiah zu ihnen gekommen war. Und sie begingen ihren Festtag fröhlich, zusammen mit ganz Israel. (Aus dem Hebräischen übertragen von S. Drechsler^

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