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Die Stimme · 1930-04-10 · Heft 121 (10.4.1930) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 121 (10.4.1930)
Date
1930-04-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 121 DIE STIMME Seite 7 betätigen öie glön&ettbeit Erfolge einer StaMofflerinEut bei 2U>etnberfoIEuTtg utib bereit ^glctterfd)eitmttgen, toie Genommen Ijett, ®obffd}itieräen, ©djtmnMgefüIj’f, ©djlaf* loftgfeit, OOrenfaufen, @tc£)t, SRbeuntiötiSmttä. SRa>bium« IjdlttgeS, fteibetfäufltdjeg Stabiojflerin fretotrft SBerbitrauntg bc.§ 3Hufc;8, förbert bie IBluigirfulaiton in beit $|M3abern, berffinbert ^alfoblagenmgeit, Ij-ebt geizige itnb EötperFufye 2lrBeit3fäf)igfeit. ntabkungeBalt amt* Itd) überprüft. 5Dcpot: SCpotfyefe Söatjer, I., Söotl* jeile 13. $toÜ>efte gratis utib framfo. Ausdruck findet. «Daily Herald» erfährt, daß die arabische Delegation ihre Beschwerden und Vorschläge in einem Memorandum zusammenfassen und der Regierung unterbreiten wird. Jerusalem, 4. April. (J. T. A.) Das Organ der arabischen Exekutive «Falestin» sieht in dem Bericht der Shaw-Kommission einen Sieg der Araber. Die Kommission, erklärt das Blatt, sagt genau das, was ihr die arabischenAnwältewährendderUntersuchung gesagthaben. Ob erricht er Louis D. Brandeis kehrt zu aktiver zionistischer Tätigkeit zurück New York, 6. April. (J. T. A.) Die von der A-dmnistration der zionistischen Organisation Amerikas eingesetze Kommisson, bestehend aus Dr. James Heller, Rabbi Israel Goldstein, Doktor Nathan Ratnoff und David Freiberger, die die Aufgabe übernahm, den einstigen Präsidenten dbr amerikanischen zionistischen Organisation Louis D. Brandeis, Mitglied des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten, zu bewegen, wieder eine aktive Tätigkeit in der zionistischen Bewegung aufzunehmen, teilt nun mit, daß ihre Bestrebungen von einem gewissen Erfolg gekrönt waren; Oberrichter Brandeis hat das Versprechen gegeben, im Hinblick auf die jüngsten Ereignisse in Palästina das Ersuchen der Delegation in ernsteste Erwägung zu ziehen. An der Zusammenkunft mit Oberrichter Brandeis nahmen außer den genannten j Mitgliedern der Kommission noch Richter Julian W. Mack, Robert Szold und Jacob de Haas teil.; Demnächst wird eine zweite Zusammenkunft jbei Brandeis stattfinden. „Falestin“ lehnt nun endgültig Einsteins Friedensvorschlag ab Jerusalem, 4. ApriJ. (J. T. A.) Das Organ der arabischen Exekutive «Falestfn», das vor einigen Wochen den Vorschlag Prof. Alben Einsteins auf Bildung eines geheimen Rates aus Arabern und Juden zur Vorbereitung eines dauernden Verständnisses und eines Zusammenarbeitens von Juden und Arabern sowie einer gemeinsamen Vertretung palästinensischer Interessen gegenüber der Regierung rückhaltlos begrüßt hat, rückt nun — wohl unter dem Eindruck des Berichtes der Shaw-Kommission — vollkommen von dem früheren Standpunkt ab und beklagt es, daß ein Gekehrter vom Range Professor Einsteins sich in politische Anjgelegenheiten einmischt. Die Zeitung nennt Einsteins Vorschlag undurchführbar und behauptet, das Hauptproblem .liegt darin, daß die Juden die Araber hindern, ihre nationalen Ziele zu verwirklichen. Die Araber, schließt «Falestin»,;erstreben drei Dinge: ein Parlament, Aufhören des Bodenverkaufs an Juden und Einschränkung der Einwanderung. Die Agudah lehnt ab... London, 4. April. Cyrus Adler, der Vertreter der Jewish Agency in der Klagemauer-Kommission des Völkerbundes, jhat die Agudas-Jisroel eingeladen, bei der Behandlung der iKlagemauerfrage auf jüdischer Seite mitzuwirken. Die Agudas-Jisroel hat diese Einladung abgelehnt. (Hoffentlich wird sich die Agudas-Jisroel von ihrem Separatismus nicht leiten lassen, bei der Klagemauerangelegenheit auf arabischer oder katholischer Seite mitzuwirken.) Blutlegeuden in Litauen. Kowno, 4. April. (J. T. A.) Auch in Litauen hat die Saison der Blutlegenden begonnen. Aus meh- ,reren Städten traten Nachrichten ein über verschollene christliche Kinder, die angeblich von Juden zu rituellen Zwecken getötet wurden. In allen Fällen hatten sich die verschollenen Kinder wieder eingefunden, aber inzwischen lebte die jüdische Bevölkerung infolge der Ritualmordhetze in Panik. In Kowno ist eine Abordnung der jüdischen Bevölkerung in Darschunischok eingetroffen, die sich über ungeheuren Terror der Bevölkerung durch Huligans beklagt. Kein Jude wagt es, die Gasse zu betreten. Mehrere jüdische Bürger wurden fürchterlich mißhandelt. Die Polizei ist untätig. Anerkennung der Frauenarbeit durch die Jewish Ageney Aus Anlaß der soeben stattgefundenen Tagungen des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation und des Administrative Committee der Jewish Agency in London wurde von der Exekutive der Weltorganisation zionistischer Frauen ein Memorandum überreicht. Eine Resolution, worin die Bedeutung der speziellen Arbeitssphäre der Frauen sowie die Vertretung der Frauen in den Körperschaften der Zionistischen Organisation anerkannt wird, wurde durch die Organisationssekretärin, Dr. Martha Hofmann, dem Aktionskomitee vorgelegt. Die vom Aktionskomitee angenommene Resolution lautet: «Nach Kenntnisnahme des von der Women’s International Zionist Organisation eingereichten Memorandums anerkennt das Aktionskomitee die Bedeutung der speziellen Arbeitssphäre der Frau und empfiehlt die Vertretung von Frauen in denjenigen Körperschaften, welche sich mit dieser speziellen Arbeitssphäre befassen. Das Aktionskomitee fordert die Exekutive zur Prüfung der im Memorandum der W. I. Z. O. niedergelegten Vorschläge sowie zu beschleunigter Beschlußfassung nach Beratung mit den in Betracht kommenden Frauenorganisationen auf.» Bei der Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency wurde vom Präsidialmitglied Frau Paul Goodmann nachstehende Resolution vorgelegt und angenommen: «In Anerkennung der Bedeutung der jüdischen Frauen für das Aufbauwerk in Palästina und der Notwendigkeit, daß die jüdischen Frauen innerhalb der ihrer Eigenart entsprechenden besonderen Arbeitssphäre an dem Aufbauwerk Palästinas in immer stärkerem Maße teilnehmen, fordert das Administrative Committee die zwei zionistischen Frauenorganisationen W. I. Z. O. und Hadassah auf, unter sich zu einer Verständigung über ihre resp. Arbeitsgebiete zu kommen und der Exekutive ein gemeinsames Memorandum für die nächste Sitzung des Administrative Committee vorzulegen.» Kraft der Annahme dieser Resolutionen durch beide Körperschaften hat die W. I. Z. 0. in ihrem Bestreben nach Anerkennung der rechtlichen Stellung der Frauenarbeit innerhalb der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency einen bedeutenden Schritt vorwärts getan. Gleichzeitig ist dies ein beträchtlicher Fortschritt auf die Erreichung ihres Endzieles hin: die Vereinigung der für Palästina arbeitenden Frauen in aller Welt. T ref fpunkt aller Wiener und Fremden Wiener Kundgebung gegen die ReligionsVerfolgung in Rußland Vor kurzem fand in Wien eine interkonfessionelle Protestkundgebung gegen die Religionsverfolgung und die Beschlagnahme von Gotteshäusern in Sowjetrußland statt. In der Resolution wurde den Gläubigen aller Konfessionen in Rußland die innige Anteilnahme ausgedrückt. Von jüdischer Seite sprach der Rabbiner der Wiener Kultusgemeinde Dr. Taglicht, der die Angehörigen aller Religionen zu : einem gemeinsamen Kampf mit geistigen Waffen gegen die Gewalttaten und die Zerstörung der in den Menschenherzen erbauten Heiligtümer aufforderte. Max Ritter v. Gutmann gestorben Der Seniorchef des Hauses Gebrüder Gutmann Max Ritter v. Gutmann ist in diesen Tafen in Wien, im Alter von 72 Jahren verstorben. r war Mitglied des ehemaligen österreichischen Herrenhauses, und zwar als Vertreter der österreichischen Montanindustrie, und Dr. h. c. mehrerer deutscher und österreichischer Hochschu- Kormel - Original und andre edle Sorten Weine Fnedmann, Petaeh Tikwah relerlldie Seder abende sm Anmeldungen erwünscht Restaurant „WIENEA" n. Bezirk, Obere Donuastraße 0J, Tel. R 40-1-75 len für Bergbau. Bergrat Gutmann war mit den Familien Rothschild und Montefiore verschwägert, ebenso mit dem regierenden Fürstenhaus von und zu Lichtenstein. Max Ritter von Gutmann errichtete zahlreiche große Stiftungen für allgemeine sowie jüdische philantropische Zwecke. Er war der Sohn des einstigen Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Wilhelm Ritter v. Gutmann. An der Bestattungsfeier, die auf dem Israelitischen Friedhof stattfand, nahmen Bundeskanzler Dr. Schober und viele andere Persönlichkeiten teil. Von der Israelitischen Kultusgemeinde sprachen am offenen Grabe der Präsident Prof. Alois Pick, Oberrabbiner Doktor Feuchtwang u. a. m. Organisation der Wandcrfiirsorge in Oesterreich Am 30. März 1930 fand im Sitzungssaale der Wiener israelitischen Kultusgemeinde eine Enquete in Angelegenheit der Organisierung der jüdischen Wanderfürsorge statt, an der neben den Vertretern des Wiener Kultusvorstandes, an dessen Spitze Präsident Prof. Dr. Pick steht, die Herren Justizrat Dr. Strauß namens des Verbandes der bayrischen israelitischen Gemeinden (München), Dr. Kreutzberger aus Berlin, Vertreter der Kultusgemeinden Brünn, Graz, Salzburg, Linz, Prag, Lundenburg, Innsbruck und der Israelitischen Allianz teilnahmen. Nach eingehenden Referaten der Herren Justizrat Doktor Strauß und Dr. Kreutzberger und lebhafter Debatte, an welcher sich fast sämtliche der anwesenden Delegierten beteir ligten, wurde seitens des Präsidiums der Wiener israelitischen Kultusgemeinde die Erklärung abgegeben, daß es dem Vorstande der Wiener Kultusgemeinde empfohlen werde, sich unter gewissen Bedingungen der in Deutschland bereits bestehenden Organisation anzuschließen und gemeinsam mit den anderen Kultusgemeinden für Oesterreich eine ähnliche Organisation zu schaffen. Als eine Voraussetzung für die Errichtung der österreichischen Organisation wurde angenommen, daß sich die Tschechoslowakei der Wanderfürsorge-Organisation anschließt und daß auch der ehemöglichste Anschluß Polens, Ungarns und Jugoslawiens in die Wege geleitet werde. Nach prinzipieller Beschlußfassung durch den Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde wird das Einvernehmen mit den österreichischen Gemeinden, der deutschen Wanderfürsorge-Organisation und mit den Kultusgemeinden der benachbarten Staaten gepflogen werden. Ein vergessenes Jubiläum Am 21. d. M. wurden es 40 Jahre, daß das «Gesetz betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse «Ser israelitischen Religionsgesellschaft» in Oesterreich mit Zustimmung des Reichsrates und Herrenhauses erlassen wurde. Dieser Gedenktag, der sicherlich seine historische Bedeutung hat, ist an der jüdischen Oeffentlichkeit sang- und klanglos vorbeigegangen. Wenn auch dieses Gesetz zur Regelung der jüdischen Gemeindeorganisation nicht zur Gänze beigetragen hat, so darf doch nicht vergessen werden, daß mit diesem in der Geschichte des jüdischen Gemeindelebens der alten österreichischen Monarchie ein neuer Abschnitt begonnen hat. Die Gemeindeverhältnisse in den Provinzen der alten Monarchie waren derartig uneinheitlich geordnet, daß um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Notwendigkeit immer klarer wurde, endlich einmal eine Regelung zu treffen. In Galizien waren die jüdischen Gemeinden durch die Theresia nische Judenordnung aus dem Jahre 1776, dann durch das Statut vom 27. Mai 1785, sowie durch die josephinische Judenordnung vom 7. Mai 1789 geregelt, welcher Zustand bis zum Jahre 1848 verblieben ist. Nicht besser war es um Böhmen und Mähren bestellt. Das Jahr 1848 brachte keine wesentliche Aenderung. In Mähren wurden nach dem provisorischen Gemeindegesetz vom Jahre 1849 den Judengemeinden Selbstverwaltung gewährt und 25 Judengemeinden als politische Gemeinden anerkannt. Den eigentlichen Anlaß zur Aufrollung der Frage der endgültigen Vereinheitlichung sämtlicher Judengemeinden in ganz Oesterreich gaben die Judendebatten im Galizischen Landtag. Hier hatte das allgemeine Gemeindegesetz vom 12. August 1866 zeitweise die Selbständigkeit der jüdischen Gemeinden beseitigt. Der Landtag hatte in seiner großen Judendebatte im Jahre 1868 eine endgültige Regelung der jüdischen Gemeindeverhältnisse verlangt, jedoch ohne Erfolg. 1876 beschäftigte sich der Landtag abermals mit dieser Frage anläßlich einer Petition des Bezirksausschusses in Mosciska, der die Aufhebung der jüdischen Gemeinde verlangte. Der Landtag faßte sogar eine Resolution, in der die Regierung aufgefordert wurde, die Regelung der Verhältnisse der jüdischen Religionsgenossenschaft im Sinne des Art. XV des Staatsgrundgesetzes Tocumehtneo, Der fahrende gaUzische Politiker TheophH

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