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Die Stimme · 1930-04-10 · Heft 121 (10.4.1930) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 121 (10.4.1930)
Date
1930-04-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 121 Pberste Rat verwaltet religiöse Angelegenheiten und religiöses Eigentum; der Erziehungsrat schließt Vertreter aller Bevölkerungsschichten ein; die arabischen Handelskammern arbeiten mit dem Handelsdepartement der Regierung zusammen; schließlich gibt cs von der Bevölkerung gewählte Stadt- «m<J Dorfverwaltungcn. Falsch ist auch die'Behauptung, daß den Arabern ein direkter Zutritt zu der britischen Regierung verwehrt ist; die arabische Exekutive und der Moslemitische Oberste Rat stehen in ständigem Kontakt mit der Palästina-Regierung und durch diese mit der britischen Regierung und dem Völkerbund; ihnen.sind demnach die gleichen Möglichkeiten gegeben wie dem Wa.ad Leumi und der Jewish Agency. Das revisionistische Organ «Doar Haymon» schreibt, der Bericht sei der Gipfel des Antizionismus. Vom ersten Augenblick ihrer Ankunft in Palästina bezeigte die Mehrheit der Kommissionsmitglieder Feindschaft gegen die Juden und Sympathie für die Araber. Die Regierung unterstützte aktiv diese Tendenz. Für die Juden gab es nur einen Weg zur Verteidigung der Ehre des Zionismus: offen und ausführlich die Ziele des Zionismus darzulegen; dieser Kurs wurde aber von den jüdischen Zeugen nicht eingehalten. Zionistische Exekutive und der Bericht der Shaw-Kommission In Palästina ist der Wiederaufbau in vollem Gange. — Die Reorganisation der Polizei. — Erklärungen von Colonel F. H. Kisch Jerusalem, 6. April. (J. T. A.) Colonel F. H. Kisch, Mitglied der Zionistischen Exekutive und der Exekutive der Jewish Agency, äußerte sich in einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur über den Bericht der Shaw-Kommission ungefähr wie folgt: Die Zionistische Exekutive hat bereits durch ihren Anwalt vor der Shaw-Kommission, den. Kronanwalt Sir Boyd Merriman, dagegen. Protest erheben lassen, daß die Kommission ihren Aufgabenkreis überschritten hat, indem pie schon währenddes Zeugenverhörs entgegen^ den ihr von der britischen Regierung klar (erteilten Instruktionen Dinge höherer Politik ahfden Kreis ihrer Untersuchung zog. Dieser Protest macht es uns leichter, jetzt unsere Haltung, gegenüber dem Bericht zu fixieren; es ist die Haltung, wie sie sich in der Erklärung des Premierministers Macdonald im - Unterhaus wiedersptegelt. - Die vom Kommissionsmitglied Harry Snell atim Bericht gemachten Vorbehalte, sagte Cor lonel Kisch weiter, sind nicht nur darum wichtig, weil Snell der Regierungspartei angehört, sondern auch darum, weil er vorschlägt, die Herbeiführung einer Verständigung zwischen Arabern* und Juden auf der Basis des Aufbaues des jüdischen Nationalheims zu versuchen. Im weiteren Verlauf dieses Gespräches teilte Colonel Kisch dem J. T. A.-Vertreter mit,, daß die Zionistische Exekutive und der Waad Leumi dem Reorganisator der Palästinapolizei, Herrn Dowbiggin, Vorschläge, betreffend die Reorganisaton der Polizei und die Teilnahme der Juden an derselben, unterbreitet haben; es sei zu hoffen, daß die von Dowbiggin vorgenommenen Aenderungen * eine Verbesserung der Palästinapolizei im allgemeinen und der Lage der Juden innerhalb der Polizei-im besonderen zum Erfolg haben werden. Colonel Kisch berichtete im Verlauf des Gespräches über die Tätigkeit der von David Yellin geleiteten Kommission zur Bearbeitung des Materials über die Rechte der Juden an der Klagemauer. Dieses Material wird Dr. Cyrus Adler übergeben werden, der der Anwalt der jüdischen Sache vor der von, der britischen Regierung gemäß Beschluß des Völkerbundrates zu bildenden internationalen Klagemauerkommission sein wird. Inhaber: llllEll!*» AdlergaM® 5 Richard Herzog WIlH ii., ic7.Pf«rrg. 28 Tel. A-41-6-24 Sprechmasdilnen, Schallplatten u. Rundfunkgeräte alle jüdischen und hebräischen Schallplatten sowie alle modernsten Tanzu. Gesangsschlager in reichster Auswahl aut Lager Auch Teilzahlungen! Provinzversand! Soeben neue original’amerikanische Lieferungen eingelangt Okkasions-Verkauf neuer Schallplatten k S 3'80 Colonel Kisch wies auf den allenthalben vor sich gehenden Wiederaufbau hin und teilte mit, daß die Kolonisten von Moza bereits in ihre Heime zurückzukehren beginnen und daß die Kolonisten von Artuff im Verlauf dieser Woche in ihre Kolonie zurückkehren. Die Wiederherstellung der zerstörten Kolonie Beer Tuvia hat bereits begonnen. In Safed begann man mit dein Bau eines neuen jüdischen Stadtviertels, das Wohnungen und Geschäftsläden enthält. Auch in Haifa werden zum Teil aus Mitteln der Palest ina .Economic Corporation Wohnhäuser erbaut. Ein Brief Weizmanns an die «Times» London, 3. April. (J. T. A.) «Times» vom 3. April veröffentlicht ein Schreiben des Präsidenten der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann, in dem er zu dem Bericht der Shaw-Kommission Stellung nimmt. Das Schreiben lautet: «Die nach Palästina zur Untersuchung der Ursachen der letzten Unruhen entsandte Kommission ist jetzt zurückgekehrt und hat Bericht erstattet. Die Zusammenfassung der Ergebnisse der Untersuchung beginnt mit dem Satz: «Der Ausbruch der Unruhen in Jerusalem am 23. August war von Anfang an ein Angriff von Arabern auf Juden, für den keine Entschuldigung in etwa früher von Juden begangenen Morden festgestellt wurde.» Das ist, was wir immer behauptet haben, und es ist jetzt über jeden Zweifel festgestellt worden. Aber das ist nicht die Frage, die mein Volk hauptsächlich interessiert. Ihre Forderung und ihre Frage besteht weiter. Es ist einfach die Frage: Wird die Politik des Jüdischen Nationalheims in Palästina, die Politik des Mandats, erneut bestätigt, ermutigt BÜCHERSTUBE M. RATH Buchhandlung, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, II., Taborstraße 20 a, Tel. R-43-1-58 M. RATH’S bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. geschmackvollen Bibliothekseinband. Außer den deutschen Büchern auch .englis ch e, hebräische, jiddische u. D e u 18 eh-Ju d a i c a in reicher' Auswahl. .Täglicher Umtausch Deu ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet , Monatsgebühr nur S; 3«— 1 Keine Bandgebühr oder gehemmt werden? Der Premierminister selbst hat gesagt, daß Fragen dieser Art der Verantwortung der Regierung unterliegen. Viele Tage von Darlegungen und Auseinandersetzungen liegen vor uns und es wird unsere Pflicht sein, uns mit vielen der Tatsachen, welche die Kommission zu ihren weitergehenden Schlußfolgerungen geführt haben, auseinanderzusetzen. Aber das erste Wort ist ein Wort der Politik, und dieses Wort liegt jetzt bei England. Auf Englands Führer blicken die Juden der Welt, nicht bloß die Juden Palästinas. Sie blicken auf Großbritannien mit Unruhe, das ist wahr, aber mit einer bleibenden Hoffnung. Chaim Weizmann, Präsident der Jewish Agency.» Dr. Weizmann an die Vertreter der Presse London, 3. April (J. T.-A.) Der Präsident der Jewish Agency, Dr. Chaim Weizmann, empfing im Bureau der Jewish Agency zu London die Vertreter der Presse und gab ihnen Informationen ijber die im Shaw-Bericht aufgeworfenen Fragen. Er wies einleitend darauf hin, daß der Bericht der Palästina-Untersuchungskommissibn zweifelsfrei feststellt, daß die Araber diejenigen waren, die die Juden angegriffen haben, und daß viele ihrer Beschwerden, wie zum Beispiel die über die Tote-Meer-Konzession und den Ruthenbergschen Elektrifizierungsplan, ungerechtfertigt seien. Wir sind, fuhr Dr. Weizmann fort, eip an Enttäuschungen gewöhntes Volk; ist doch die Geschichte der Juden eine Aufeinanderfolge von Enttäuschungen. Wir sind aber auch ein hartnäckiges Volk, und auch jetzt werden wir unsere Arbeit weiter tun. Wir haben den Glauben, daß unsere Sache eine gerechte sei, die zivilisierte Menschheit hat dje Gerechtigkeit unserer Sache anerkannt, wiT werden uns durch zeitweilig auftretende Schwierigkeiten nicht entmutigen lassen. Zur Bodenfrage: Die Küstenebene im Tale Scharon bietet Raum für 20.000 Siedlerfamilien, ohne daß man die Rechte der dort wohnenden Araber irgendwie anzugreifen brauchte. Die Araber haben die Möglichkeit, entweder Boden in der Nähe unserer Kolonien mit dem durch den Bodenverkauf erwobenen Gelde ein Stück Land zu kultivieren oder nordwärts zu ziehen und dort neuen Boden zu erwerben. Die arabischen Dörfer in der Nähe unserer Kolonien legen Orangenpflanzungen an und entwickeln sich im allgemeinen viel besser als die Dörfer im Innern des Landes. Hier kämpft der Fortschritt gegen Stagnation, und alles Fortschrittliche verursacht eine gewisse Reibung, ln den letzten zehn Jahren kamen rund 100.000 neue Menschen nach Palästina. Während dieser Zeit sind im ganzen etwa 750 arabische Pächter von dem Pachtboden entsetzt worden. Von .diesen konnten sich 90 Prozent mit Hilfe der ihnen gewährten Abfindung unter besseren Bedingungen als vorher neu auf dem Boden einrichten. Wir leisten eine Entschädigung von 50 Pfund pro Person und tragen die Kosten für Transport. Wir sehen darum keinen Grund für eine Einschränkung der jüdischen Einwanderung, noch für Begrenzung der Bodcnübertragungen. Der Bericht wendet sich gegen die Zahl und die Art der Auswahl der Immigranten. Ich glaube nicht, daß die Kommission in die Lage kam, diesem Problem ein besonderes Studium zu widmen. Sie behauptet, daß wir die Einwanderer nicht nach ihrer Eignung, sondern nach ihrer politischen Ueberzeugung wählen; wir, die wir in dem Gebäude hier für die Einwanderung die Verantwortung tragen, erklären, daß wir nichts von irgendwelcher Auswahl von Einwanderern nach politischen oder religiösen Gesichtspunkten wissen. In Palästina können 50.000 ackerbautreibende Familien neu angesiedelt werden. W'ir selbst sind ängstlich darauf bedacht — obwohl wir gern so viel Juden als nur möglich nach Palästina kommen sehen —, daß nur qualifizierte Menschen ins Land kommen. Es gibt aber eine zweite Kategorie Einwanderer, für die die Regierung die Verantwortung trägt; es sind jene Einwanderer, die sich über einen Kapitalsbesitz von 1000 Pfund auszuweisen haben. Es ist ungerecht, wenn ln dem Bericht behauptet wird, daß wir die Grenze der wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes nicht beachten. Auch in anderen Ländern kommen schwere Krisen der Arbeitslosigkeit vor. In Palästina herrscht heute keine Arbeitslosigkeit; seit 1927 durften wir etwa 5000 neue Einwanderer auf Grund der Arbeiter-Schedule in das Land bringen. Es ist noch kein Fall vorgekommen, daß ein Immigrant dem Lande zur Last fiel; in Zeiten der Arbeitslosigkeit sorgten wir selbst für unsere Arbeitslosen. Die Klagemauerfrage ist zu einer politischen Affäre aufgebauscht worden; zu einem Hetzmittel gegen die Juden. Und wenn die heiligsten Gefühle der Juden verletzt werden und einige junge Leute protestieren, will man darin die Ursache der Unruhen erblicken. Auf die Frage, ob er irgendwelche spezifische Vorschläge für ein Zusammenarbeiten mit den Arabern habe, erwiderte Weizmann: Ich denke, daß wir bei vielen wirtschaftlichen Unternehmungen mit den Arabern, mehr als dies in der Vergangenheit der Fall war, Zusammenarbeiten könnten; so u. a. in der lokalen Verwaltung und im Gesundheitswesen. Dies könnten Anfangsschritte zur Herbeiführung menschlich-freundlicher Beziehungen sein. Die Vorstellung, daß alle Araber uns feindlich gesinnt sind, ist eine falsche. Der feindliche Teil weiß nur besser seine Stimme zu gebrauchen. Wir lebten viele Jahre in gut nachbarlichen Beziehungen mit den Arabern. Auf die Frage, ob er mit der jetzt in London weilenden arabischen Delegation in irgendeinem Kontakt stehe, erwiderte Weizmann: vorläufig nicht; solange die Araber denken, daß sie uns durch Gewalt hindern können, unser Nationalheim, wie es unser Recht ist, zu erbauen, ist eine Zusammenarbeit nicht möglich. Der Shaw-Bericht, äußerte Dr. Weizmann auf eine weitere Frage hin, wird gewiß den Juden überall in der Welt schwere Enttäuschungen bringen. Der Bericht ist nicht verständnisvoll, und er geht an die Behandlung fundamentaler Probleme mit sehr unzureichendem Material heran. Memorandum der Poale Zion an die Labonr / Party London, 3. April. (J. T.-A.) Die sozialistische Arbeiterpartei Poale Zion hat an die britische Arbeiterpartei ein von Kaplansky' unterzeichnetes Memorandum gerichtet, das eine Stellungnahme zum Bericht der Shaw-Kommission enthält. Die Kommission habe zwar die Meinung ausgedrückt, es handle sich um einen Angriff der Araber gegen die Juden, me Mehrheit der Kommission aber sehe seltsamerweise nur einen Schuldigen, nämlich die Juden selbst. Die Regierung wird von jedem Vorwurf freigesprochen. Obwohl die Kommission zugibt, daß der Nachrichtendienst der Regierung versagt hat, akzeptiert sie doch die Anschauung der Regierung, daß keine Verschwörung und keine vorbereitete Aktion vorliege. Die Mehrheit der Kommission zieht die durch das Mandat der Regierung gegenüber dem jüdischen Volke auferlegten Verpflichtungen überhaupt nicht in Betracht, sondern ihre einzige Sorge ist die Beseitigung arabischer Befürchtungen. Daher verfällt sie auf den einzigen Ausweg, Einschränkungen der jüdischen Immigration und Kolonisation vorzuschlagen, wodurch1 der Hauptbestandteil des Mandates ein toter Buchstabe würde. Die Untersuchung der Probleme der Einwanderung und Ansiedlung lag gar nicht im Aufgabenkreis der Kommission; es handelt sich hier um einen Versuch der arabischen Exekutive, die Kommission von ihrer Aufgabe abzulenken. Die Kommission hat über diese Fragen nur die einseitige Darstellung der argbischen Zeugen gehört. Trotzdem hält sie sich, für befugt, über so schwierige und zum Teil technisch-landwirtschaftliche Fragen ein Urteil abzugeben. Wenn die Krise von 1926/27 als eine der Ursachen der Unzufriedenheit bezeichnet wird, so sei darauf hinzuweisen, daß der einzige Beitrag der Regierung zur Lösung der Arbeitslosenfrage in einer Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten bestand, die weit unter dem OOCXXXX&OOOOOOOOQQOaOOOOOO&XXXIOIXiOOOOt TreffBQolEl der Ziooisfeo im Cafe „Bltes Rathaus“ (Cafetier Leo Löwy) Größere and kleine Klublokale 1. Bez., Wipplmgerstraße 24 Tel. U 27-4-84, U 26-2-74 ooo«xxx»ooooooooooc)oooqoc»ooocxx»oooo

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