Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 120 (3.4.1930)
- Date
- 1930-04-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 120 DIE STIMME Seite 8 dauernden Bewachung ui*d Kotitrolie des Administrative Committee stehen dürfe. Der Vorsitzende, Herr Felix M. Warburg, ergriff nun das Wort, um sich zu den Ausführungen der Generalredner über den Status der Exekutive innerhalb der Agency-Konstitution zu äußern. Es sei wahr, führte er aus, daß Herr Leonard Stein den ersten Entwurf der Verfassung zustandegebracht hat. Aber Herr Rothenberg arbeitete einige Teile um, so daß dje Konstitution mancherlei Aenderungen erfuhr. Im Jahre 1929 fand eine umfangreiche telegraphische Korrespondenz zwischen London und New York, betreffend die Befugnisse der Exekutive und die Formalitäten bei ihrer Ernennung, statt. Herr Warburg verlas Kopien dieser telegraphischen Korrespondenz und bemerkte, die in derselben gegebenen Erklärungen haben den verstorbenen Herrn Louis Marshai! und ihn dazu bewogen, gegen diesen Teil der Verfassung keinen Einwand zu erheben. Dies geschah aber unter ejer ausdrücklichen •Voraussetzung, daß, wenn sie (Marshai! und Warburg) diese Sache bei der nächsten Gelegenheit wieder zur Sprache bringen, dies nicht als unhöflich oder als ein Mangel an gutem Glauben aufgefaßt werden würde, weil ausdrücklich ausgemacht war, daß der Council hinsichtlich der Ernennung der Exekutive der ausschlaggebende Faktor sein müsse. Nahum Soko 1 o w, Präsident der Exekutive der Jewish Agency, führte aus, es sfci zu wünschen, daß die vorgeschlagenen Aenderungen hinsichtlich der Methoden der Administration nicht als ein zwischen den’ Zionisten und den Nichtzionisten stehende, sondern als eine im Lichte der praktischen Erfahrung zu lösende Frage angesehen werden soll. Dabei wies Sokolow darauf hin, daß die Zionisten über eine 32 Jahre zurückreichende Erfahrung verfügen. Lord Melchett, der von der ersten Jewish Agency-Tagung in Zürich zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden des Council der Agency gewählt wurde, erschien sofort nach seiner Rückkehr aus Südafrika in der Sitzung des Administrative Committee und wurde vom Vorsitzenden, Herrn Felix M. Warburg, sehr warm begrüßt. Lord Melchett hielt in der Sitzung eine von den Mitgliedern des Administrative Committee mit starkem Interesse angehörte Ansprache, in der er ungefähr ausführte: Wir sollten den Ansturm unserer Gpgner nicht unterschätzen und die Unterstützung unserer Sache seitens großer Gruppen treuer und loyaler 'Freunde nicht unterschätzen. Ich zweffle nicht an der Aufrichtikeit des Premierministers und seiner Kollegen; 'die Schwierigkeit bei der Regierung liegt nicht etwa in der Verneinung des gegebenen Versprechens, die Schwierigkeit liegt-vielmehr in der' praktischen Verwirklich trng. Es ist nutzlos, die Tatsache zu verschweigen, daß als Ergebnis der furchtbaren Ausbrüche der Gewalt in Palästina äußere Schwierigkeiten entstanden sind. Wir hatten es schwer, unsere Position aufrecht zu erhalten; dies erforderte größten Takt, Geduld und die Entschlossenheit, vorwärts zu gehen. Lord Reading hat in dieser schweren Zeit unserer Sache unschätzbare t Dienste geleistet. Soweit menschenmöglich, müssen wir auf unseren Rechten bestehen; die Judenheit in der ganzen Welt erwartet es von uns. Wir haben die Sympathie der Bevölkerung in Großbritannien und in anderen Ländern. Wir haben uns als ein praktisch denkendes Volk gezeigt, das bereit ist, sich ergebende Schwierigkeiten zu überwinden und zugleich praktisch so weit vorzubauen, daß das Mandat so durchgeführt werde, wie wir wünschen, daß es durchgeführt wird. Unsere Arbeit macht’ Fortschritte, Palästina entwickelt sich, und es existiert keine Macht auf der Erde, die diesem Fortschritt Einhalt gebieten könnte. Das ist meine große Hoffnung und mein Trost inmitten der Schwierigkeiten, die uns bedrängen. Der Glaube an die Sache ist in uns heute so stark wie nur je. Die Idee derjewfeh Agency ist noejh nicht ganz durchgedrungen, sie vermochte noch nicht jenen Grad von Begeisterung zu wecken, den die Zioninistische Organisation unter jenen, die sich um das alte zionistische Banner scharen, gesichert hat. Ich, der ich mit einem Fuß auf jeder Seite stehe, möchte Nachdruck darauf legen, daß die Agency es sich nicht leisten könne, das große Maß zionistischer demokratischer Unterstützung, die ihrem Werke überall in der Welt geboten wird, irgendwie abzuschwächen oder zurückzuweisen. Ich bin erfreut zu sehen, daß es der Konferenz gelungen Ist, sich zu ernster praktischer Arbeit zu vereinigen, und ich bin überzeugt, daß wir alle aktiv und dauernd uns mit der Arbeit unseres Herrn Präsidenten und anderer Männer vereinigen werden, die für unsere Sache große Opfer bringen. Die Konferenz muß helfen, daß die finanziellen Verlegenheiten überwunden werden. Es darf, kein Schritt ungetan und keine Methode unversucht bleiben, die geeignet wäre, für unser Budget zu werben. Wir können es uns nicht leisten, ln einer Zeit wie der jetzigen irgendwie zu versagen. Ich hoffe, daß die Beratungen zu einem fruchtbaren Ergebnis führen werden, würdig jenes großen Mannes Louis Marshall, dessen weisen Rat und dessen entschlossenen Geist wir jetzt so sehr vermissen, v 3 Lord Melchett sprach über die Keren-Hajewod- Kampagne in Südafrika, an der er eich durch Auftreten Of&iAnuUn/ können Sie ohne Bedenken mit Kunerol zubereiten. Jeder Strenggläubige kann dieses Feit genießen, denn dessen Herstellung steht unter streng ritueller Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Matiersburg. ■dp Kunerol ist reines Kokosnußfett und kann sowohl für Milchspeisen als auch für Fleischspeisen verwendet werden. ÜNEROL 100% REINES KOKOSNUSS FETT in zwei Versammlungen in Kapstadt und in Johannis- ’burg beteiligte, und sagte, daß sowohl die Wirtschaftslage Südafrikas wie in den meisten Ländern der Welt schlecht sei, die dortige Keren-Hajessod-Kampagne sehr gute Resultate gezeitigt hat. Bei dem Diner in Kapstadt wurden etwa 11.000 Pfund, bei der Zusammenkunft ln Johannisburg, über 12.000 Pfund gezeichnet. Die unter den südafrikanischen Juden herrschende Begeisterung für den Zionismus habe ihn erfrischt. Das Administrative Committee widmete eine spezielle Sitzung dem Werke des Jüdischen Nationalfonds und der Kolonisation. Ussischkin wies an Hand von Tatsachen nach, daß der Jüdische Nationalfonds die arabischen Bauern und Pächter, die dem Fonds Boden überließen, voll entschädigt hat. Er legte Ausdruck auf die Notwendigkeit, die Kolonisatiönsarbeit zu steigern und wies darauf hin, daß die Herren Max Warburg und Dr. Cyrus Adler, als sie in Palästina weilten, sich dieser dringenden Notwendigkeit bewußt waren. Er erinnerte daran, daß Louis Marshall in Zürich dem Jüdischen Nationalfonds die größtmögliche Unterstützung seitens der Jewish Agency versprach. Ussischkin schloß seine Rede mit dem Appell, sich in so großen Dingen keinem übertriebenen Rationalismus und Skeptizismus zu ergeben, sondern sich den Glauben und die Vision zu erhalten. Dem Keren Kajemeth gebührt weiteste Unterstützung. Dr. Arthur Ru pp in führte aus: Als man vor 20 Jahren zuerst mit der modernen Kolonisationsarbeit begann, stand man dem Problem gegenüber, ob Palästina exportfähig sein könne. Heute habe Palästina gute Märkte. Ruppin umriß die Entwicklung der Orangenmärkte und besprach die Möglichkeiten für Bananenexport; . für Palästina-Bananen ist Aegypten ein sehr guter Markt, man zahlt dort für Palästina-Bananen höhere Preise als für Bananen aus den kanarischen Inseln. Allein die Kolonie Nahalial hat im Jahre 1929 Erzeugnisse für 10.693 Pfund abgesetzt. Große Möglichkeiten bestehen für die Milchwirtschaft, die in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Etwicklung genommen hat. & Dr. Georg Halpern unterbreitete den Bericht der Organisationskommission und begründete die von dieser Kommission einmütig formulierten Resolutionen. Ussischkin erhob gegen einige der Formulierungen Einwände. Die Resolutionen wurden vom Plenum angenommen. Oscar Wassermann unterbreitete im Namen der Finanzkommission Resolutionen und Vorschläge, die alle einmütig angenommen wurden. Alle diese Beschlüsse sind noch nicht veröffentlicht worden. In der Schlußsitzung des Administrative Committee der Jewish^Vgency am Donnerstag, den 27. März, hielt der Vorsitzende, Herr Felix M. Warburg, eine Ansprache, in der er zum Ausdruck brachte, daß die Tagung gute Arbeit geleistet, daß gegenseitiges Verständnis herrschte und daß die Beschlüsse Ohne Meinungsverschiedenheiten gefaßt wurden. Der Exekutive der Jewish Agency wünsche er, daß sie die Arbeit, an die sie jetzt schreitet, mit frischem Mut und Einigkeit vollführt, daß die Teilung der Arbeit keine Schwierigkeiten bereiten möge. Er habe das Vertrauen, daß unter allen Teilen der Bevölkerung Palästinas ungetrübter Friede und Harmonie herrschen werden. Der Präsident der Jewish Agency, Prof. C h a i m Vf.ei?mann, erhob sich zu einer längeren Ansprache und wies auf den Beschluß des Zionistischen Aktionskomitees hin, einen Sonderband des Goldenen Buches des Jüdischen Nationalfonds der Erinnerung an Balfour zu widmen. Er wünschte, daß das Administrative Committee die erste und der Waad Leumi die «gelte Eintragung macht. Er glaube, daß er die Meinung aller zum Ausdruck bringe, wenn er sage, daß diese Tagung die Position geklärt und viele Hindernisse beseitigt hat. Wir sind zu der Tagung mit größeren Befürchtungen gekommen als gerechtfertigt war. Bei vielen früheren Anlässen hat sich die Geographie als ein großer Feind des jüdischen Volkes erwiesen: sie zwang, zu schreiben und zu telegraphieren. Als wir aber hier in einen persönlichen Kontakt zueinander traten, stellte es sich heraus, daß die Schwierigkeiten nicht gar so groß sind. Wir haben versucht, einig wichtige Arbeit zu vollbringen und haben nun die Hoffnung, daß definitive Resultate-erzielt worden sind. Es war nur ein Anfang, wir fahren mit größter Energie in der Arbeit fort. Im Namen aller Mitglieder des Administrative Committee dankte Weizmann in herzlichen Worten Warburg für die in entgegenkommendem Geiste geführten Verhandlungen, einem Geiste, der sich in den gesamten Beratungen manifestierte. Wir gehen in einem sehr schweren Augenblick auseinander, aber nun wissen wir endgültig, wo wir stehen. Mit erneuter Kraft gehen wir an unser Werk heran. Die Geschichte unseres Volkes ist eine Geschichte vonnntervatien zwischen einer Krise und der anderen. Wir alle hier sind an Krisen gewöhnt, und je mehr Krisen wir durchmachen, um so gestärkter gehen wir aus dem Kampf hervor. Im Verlauf der Schlußsitzung machte Dr. W e i zm’ann den Vorschlag, Lord Melchett an Stelle des verstorbenen Louis Marshall zum Präsidenten des Council der Jewish Agency und Dr. Cyrus Adler an Stelle Melchetts zum stellvertretenden Vorsitzenden des Councils zu wählen. Dr. Weizmann gab der Freudse Ausdruck, daß Dr. Cyrus Adler sich bereit erklärt hat, die wichtige und delikate Mission, das jüdische Interesse in der Angelenheit der Kothel Maarawi vor dem Völkerbund zu vertreten, zu übernehmen. Dr. Cyrus Adler berichtete im Verlauf der Sitzung über die Arbeit der Politischen Kommission und setzte eingehend das Problem der Kothel Maarawi auseinander. Weizmann nominierte die zionistischen, Melchett die nichtzionistischen Mitglieder für die Exekutive der Agency. Warburg bemerkte dabei, daß Herr Julius Simon erst prüfen wolle, ob er seine Position in der Exekutive richtig ausfüllen könne; er werde möglichst bald von den Vereinigten Staaten aus seinen diesbezüglichen Entschluß mitteilen. Es sei ein Glück, daß Pinchas Rutenberg seine Bereitschaft; kundgetan hat, solange er Vorsitzender des Waad Leumi ist, sich mit dem Problem und dem Programm der Exekutive zu befassen, ohne freilich ein fest umrissenes Gebiet übernehmen zu können. Für die Exekutive wird seine Kenntnis der palästinensischen Angelegenheiten von großem Wert sein, vor allem nach der Richtung der Schaffung einer engeren Beziehung zwischen der Exekutive und der Palästinabevölkerung. Der Exekutive der Jewish Agency gehören die Mitglieder der Zionistischen Exekutive Nahum Sokolow, S. Kaplansky, Professor S. B rode t z k y, Dr. Felix Rosenbiüth, Colonel F. H .Kisch, Dr. ArthurRuppin, Joseph Sprinz a k und Rabbi M e i r Berlin, außerdem Professor Maurice B. Hexte r, Dr. Wern e-r/ Senator und Julius Simon. (Von den Mitgliedern der Zionistischen Exekutive gehören Harry Sacher, Louis Lipsky, Lazarus Barth und Miß Henrietta Szold der Agencyexekutvve nicht an.) Das Administrative Comittee setzte zwei ständige Subkomitees, ein politisches und ein Finanzkomitee, ein, ferner sechs beratende Komitees, und zwar für landwirtschaftliche Kolonisation, Industrie, Einwanderung und Arbeit, Unterricht, Gesundheitswesen, soziale Wohlfahrt. In Anerkennung der Bedeutung der Arbeit der jüdischen Frauen für Palästina wurde vorgeschlagen, Wizo und Hadassah zu ersuchen, sich miteinander über ihre Arbeitssphären zu verständigen und durch die Exekutive der Agency der nächsten Tagung des Administrative Committee ein diesbezügliches Memorandum zu unterbreiten. Der Vorsitzende Herr Felix M. W arburg teilte noch mit, daß die nächste Tagung des Administrative Committees im Spätsommer dieses Jahres stattfinden wird, um noch rechtzeitig das Budget für das jüdische Jahr 5691 festzusetzen. Dr. Max Soloweitschik unterbreitete im Namen der Organisationskommission eine Reihe Vorschläge, die auf Schaffung eines engeren Kontakts zwischen den verschiedenen Organen der Agency und den Mitgliedern der Exekutive und des Administrative Committee hinzielen. Er empfahl dre Schaffung eines Informationsdienstes bei der Londoner Exekutive; ferner sott die Exekutive ersucht werden, die Frage der Herausgabe eines offiziellen Organs der Jewish Agency zu erwägen. Das vom Administrative Committee eingesetzte politische Subkomitee setzt sich aus Lord Melchett als Vorsitzendem, Cyrus Adler als Vizevorsitzendem, ferner aus d’Avigdor Goldsmid, Izchak Ben Zwi, Robert Bollack, Dir. Wilhelm Fildermann, Baron Demenasse, Major Nathan, James Roeettoerg, Oscar 3¥«aaainawt