Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 120 (3.4.1930)
- Date
- 1930-04-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 120 DIE STIMME Seite 3 HAT DEN WEIZEN AUF DEN JUD1- SCHEN FELDERN PALÄSTINAS GE¬ REIFT. JÜDISCHE HÄNDE HABEN IHN GEERNTET UND MIT DER EHRFURCHT VOR DEM GLAUBEN DER VÄTER ZU MAZZOTH FÜR DIE BRÜDER IN DER GANZEN WELT GEFORMT. PALÄSTINA NAZZOTH AUF DEM PESSACHTISCH SIND EIN LEBENDIGES ZEICHEN FÜR DIE INNIGE VERBUNDENHEIT DES NA¬ TIONAL FÜHLENDEN JUDEN IN ALLER WELT MIT DER JÜDISCHEN HEIMAT. FÜR DEN GROSSHANDEL: GUSTAV WILDER, IV., BLECH TURMGASSE 12, TEL. U-43-8-19. TELEGRAMME: KARMEL, "WIEN. (Fortsetzung des Berichtes der Untersuchungskommission von S. 1.) Der Bericht stellt dann fest, daß der stellvertretende Gouverneur Luke nicht fahrlässig gehandelt habe, weil er vor dem 23. August keine Truppen aus Aegypten angefordert habe. Die Kommission bestätigt dann die Richtigkeit der Entscheidung Lukes, wonach die Bewaffnung der jüdischen Bevölkerung abgelehnt und die 41 jüdischen Hilfspolizisten entwaffnet werden mußten. Die Polizei und die Mannschaft der Panzerwagen hat keinen übermäßigen Gebrauch von der Feuerwaffe gemacht, dagegen hat die Regierung von Palästina zu wenig von dem Recht Gebrauch gemacht, aufhetzende Artikel in der Presse vor den Augustereignissen zu verbieten. Die jüdische Demonstration am 15. August und die mohammedanische Demonstration am 16. August konnten nach Ansicht der Kommission nicht verboten werden. Die Kommission lehnt die Beschuldigung ab, daß die Regierung von Palästina einen Mangel an Sympathie gegenüber der Errichtung der jüdischen Heimatstadt gezeigt hat. Die Regierung habe unter schwierigen Umständen versucht, eine neutrale Haltung zwischen dein Völkern einzunehmen, deren Führer nur wenig Befähigung für Kompromisse gezeigt hätten. Die Kommission ist der Ansicht, daß die jüdische Einwanderung, so lange sie der wirtschaftlichen «Aufsaugungsfähigkeit» des Landes angepaßt war, Palästina zum Segen gereicht habe und auch für die Araber von Nutzen gewesen sei. Die von den Zionisten erhobenen Ansprüche auf Einwanderungsrechte gingen jetzt so weit, daß sie geeignet seien, bei den Arabern die Befürchtung hervorzurufen, daß sie unter jüdische Herrschaft geraten. und ihres Lebensunterhaltes beraubt würden. Die Kommission stellt fest, daß die jüdischen Autoritäten von den Einwanderungsgrundsätzen, die 1922 akzeptiert worden seien, abgewichen seien, da sie neuerdings zu viel Land für die Juden beanspruchten oder ankauften, ohne daß in anderen Landesteilen aus-r reichend Land vorhanden sei, um die landlos gewordenen Araber anzusiedeln. Infolgedessen habe sich eine besitzlose Klasse von Arabern gebildet, die eine Gefahr für das Land sei. Palästina könne eine größere landwirtschaftliche Bevölkerung, als zurzeit dort ansässig sei, nur dann ernähren, wenn die Methoden der Bodenausnützung eine gründliche Reform erführen. Die Kommission empfiehlt die Schaffung einer Vertretung der Araber, da die Araber es als schweres Unrecht empfinden, daß die Juden durch ihre Organisationen ständig über eine direkte Verbindung mit der Regierung verfügten. Als tieferliegende Ursachen der Unruhen bezeichnet die Kommission die feindseligen Gefühle der Araber gegen die Juden infolge der Enttäuschung der nationalen und politischen Aspirationen der Araber, sowie der Befürchtung der Araber bezüglich der wirtschaftlichen Zukunft. Diese tieferliegenden Ursachen hätten mit den folgenden unmittelbaren Anlässen zusammengewirkt, um die Unruhen hervorzurufen. 1. Die Zwischenfälle an der Klagemauer, insbesondere die jüdische Demonstration am 15. August und die Tätigkeit der mohammedanischen Gesellschaften zum Schutze der hl. Stätten. 2. Aufreizende Artikel in arabischen Zeitungen, in einer jüdischen Tageszeitung und einer jüdischen Wochenschrift. 3. Verhetzungspropaganda in der arabischen Bevölkerung. 4. Die unzureichende Garnison und die unverläßliche Polizei. 6.' per Glaube, daß man durch politische Mittel die Entscheidung der Regierung von Palästina beeinflussen könne. Die Kommission fordert die englische Regierung auf, in einer unzweideutigen Erklärung ihre Politik für das Mandatsgebiet darzulegen und insbesondere in der Einwanderungsfrage und in der Frage des Landerwerbes neue Richtlinien bekanntzugeben. Die Einwanderung ist zu regeln. Uebermäßige Einwanderung wie in den Jahren 1925 -bis 1926 müsse verhindert werden und ein Ausschuß von landwirtschaftlichen Sachverständigen soll neue Methoden für die Bodenausnützung erforschen. Bis zur Berichterstattung dieses Ausschusses ist der Aufkauf von Grundbesitz einzustellen. Der Ausschuß begründet dann die Einsetzung einer Kommission, die die Rechtsansprüche an der Klagemauer feststellen soll. Die Garnison in Palästina soll in Zukunft vorläufig nicht weniger als zwei Bataillone betragen ■und es soll eine Reserve aus Schutzleuten in der Zivilbevölkerung gebildet werden. Diese Feststellungen sind von allen vier Mitgliedern der Kommission unterzeichnet. Das Mitglied der Arbeiterpartei Snell stellt jedoch fest, daß nach seiner Ansicht die Schuld den mohammedanischen Autoritäten und der mohammedanischen Exekutive an dem Ausbruch der Un- Die streng orthodox, fefcfiivaren/adrifi Setyan & €©. XX. Klosterneuburgerstr. 60, Tel. A-43-1-59 erlaubt sich darauf aufmerksam zu machen, daß sie zu öhD in ihren Filialen, XX., Gaußplatz 6, und XX., Wallensteinstraße 45, riDDS TO3 fefcA/feiscfi, JVamm u. äTuntfe zum Verkaufe bringt. niJiD und Weine nDDS Selchwaren Die bestrenormnierte, streng orthodoxe koschere Selchwarenfabrik Petyan & Co. bringt zu Pessaeh Selchfleisch und Zunge zum Verkauf. Sie erlaubt sich, darauf aufmerksam zu machen, daß in ihren Filialen, XX., Gaußplatz 6, und XX., Wallen9teinstraße 45, zu obige Waren, den noB Vorschriften entsprechend, verabfolgt werden LLOYD RIESTINO DIREKTE LINIE TRIEST-JAFFA-HAIFA mit den vorzüglichen Salonschiffen «Adria» und «Carnaro». Fahrtdauer 4'/2 Tage. Fahrpreise: I. Kl. Lst. 22.—, II. Kl. Lst. 15.—, III. KI. Lst. 6.— inkl. Bett und Verpflegung. Für Chaluslm und Tourlstengesellschaffen beiondara Ermäßigungen. Für Einzeireisc-ndt kostet die Fahrt: nach Palästina und zurück in der III. Klasse inkl. Kabine und Verpflegung bloß österr. Schilling 416.—. Auskünfte LloydTriestino, Wien I, Kärntnerring 6 ruhen viel größer sei, als von der Regierung anerkannt sei. Die Befürchtung der Araber bezüglich ihrer wirtschaftlichen Zukunft sei von der Kommission überschätzt worden und es käme in erster Linie darauf an, zwischen Arabern und Juden eine bessere Einstellung einzuleiten, indem man die Araber davon überzeugt, ■daß ihre Existenz durch die Juden nicht bedroht sei. Die Bedeutung des Einwanderungsproblems und die Frage des Landankaufes sei gleichfalls nicht von einer so ausschlaggebenden Bedeutung, obwohl auf dem Bodengebiet Reformen notwendig seien-. Snell macht den Vorschlag, daß einige Führer der Juden und Araber in einer gemeinsamen Aussprache den Versuch machen sollen, Richtlinien für die Entwicklung des Landes auszuarbeiten. Denn nur durch die friedliche Zusammenarbeit beider Bevöikerungsteile könne das Land gedeihen. Ohne jüdische Einwanderung und jüdische Landwirtschaft sei eine wirtschaftliche Entwicklung des Landes nicht denkbar. Schadenersatz an die Opfer der Unruhen in Palästina 250 Pfund für einen getöteten Ehemann, 100 Pfund für eine getötete Ehefrau Jerusalem, 27. März. (J. T. A.) Das Amtsblatt veröffentlicht soeben eine offizielle Mitteilung über Entschädigung für Verluste, die während, der Unruhen im August 1929 erlitten worden sind. Laut dieser Mitteilung sind von der. Regierung für zu leistende Entschädigungen insgesamt 100.000 Pfund bewilligt worden. Die Entschädigungsskala ist die folgende: Für Getötete unter 14 Jahren wird eine Entschädigung nicht geleistet, für getötete Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren wird an die Angehörigen eine Maximalentschädigung von 100 Pfund ausgezahlt. Für einen getöteten Ehemann werden 250 Pfund, für eine getötete Ehefrau 100 Pfund, für ein getötetes Ehepaar 350 Pfund geleistet. An Personen, die infolge von Verletzungen, die sie während der Unruhen erlitten haben, vermindert erwerbsfähig; geworden sind, werden Summen zwischen 5 und 100 Pfund ausgezahlt. Personen, die gemäß dieser Skala, entschädigt werden, verzichten auf jeden Anspruch auf Entschädigung gemäß der Verordnung über Kollektivbestrafung. Bialik über Balfour In Tel-Aviv hielt Bialik eine Ansprache über Lord Balfours Bedeutung in der jüdischen Geschichte, in deren Verlaufe er u. a. folgendes sagte: Balfour erfüllte eine hohe historische Aufgabe in engstem geistigen Zusammenhang mit der jetzt bestehenden Mission des jüdischen Volkes, und England. England wird gezwungen sein, sein Versprechen zu erfüllen, weil es den geheimen Willen hat, die historische Verheißung des jüdischen Volkes in Erfüllung zu bringen. Lord Balfour gab unserem Volke die Deklaration, keinesfalls aus politischen Motiven, sondern nur dank dem tiefen psychologischen Zusammenhang zwischen dem englischen Volke und unserer Bibel. Er drang in den Geist unserer heiligen Schriften, die ihn in dem Gedanken der Rückkehr der Juden nach unserem Lande bestärkten. In England und Amerika ist die Zahl der Schriftsteller und Geister, die einen festen Glauben an die Rückkehr der Juden nach Palästina hegen, nicht klein. Ihre fortwährende Vertiefung in die Ideenwelt der Propheten brachte sie in ethischer Hinsicht uns näher. Die Engländer haben ihre Kultur vor allem im Geiste der Bibel geschaffen. Und aus diesem Grunde sind sie von einem geheimnisvollen Willen beherrscht, die Verheißungen der Propheten zu verwirklichen. Diese im Unterbewußtsein Englands wirkenden Gedankengänge fanden mm in der Balfour- Deklaration ihren wirklichen Ausdruck.