Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 119 (27.3.1930)
- Date
- 1930-03-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 119 DIE STIMME Seite li Das Zionistische Aktionskomitee erklärt: „HJÜir lenken 3hre besondere Aufmerksamkeit auf die i'Notwendigkeit, die für alle führenden Zionisten besteht, sich der Sache des Meten Majemctft anzunehmen außer den obengenannten Zielen noch die einheitliche Repräsentanz der polnischen W'IZO-Föderationen nach außen bildet. Portugal Die Gruppe in Lissabon, die nach den letzten Ereignissen in Palästina mit gesteigerter Intensität a.n die Arbeit 'herangetreten ist, steht unter dem günstigen Eindrücke des kürzlich erfolgten Besuchs durch ihre Gründerin, Frau Ida Benzion. Rumänien Im April d. J. findet die Landeskonferenz der WIZO- Gruppcn Altrumäniens statt. Mitte Dezember tagte in Timisoara die erste W1ZO- .Kouifercuz der Frauen Transsylvaniens wobei elf Städte mit insgesamt 28 Delegierten vertreten waren. Die bisher getrennt arbeitenden Gruppen schlossen sich zu einer Föderation mit der Landcszcntraic Timisoara und vier Kreiszentren zusammen. Eine Landesleitung wurde gewählt, Statuten ausgearboitet, ein Budget von mindestens 300 Pfund Sterling für diese Arbeitsperiode aufgestellt. Südafrika Es verdient besonderer Erwähnung, daß die ferne und isolierte Frauengruppe in Oudtshorn die einzige in Südafrika ist, die derzeit regelmäßigen und direkten Kontakt mit der Zentrale unterhält und einen kleinen Anteil am Budget auf sich genommen hat. Diese tätige Gruppe wird dier Kern für weitere WIZO-Arbeit in Südafrika werden. Schweiz In der Schweiz ist ein allmählicher Anschluß der bestehenden jüdischen Frauengruppen an den «Schweizer Landesverband für Palästina-Arbeit» zu beobachten. Mitte März findet in Basel die Tagung des Landesverbandes statt, wobei eine neue Leitung gewählt werden soll Tschechoslowakei Die sehr rührige tschechoslowakische Föderation hat ihre Mitgliederzahl bedeutend vermehrt und ihr Budget wesentlich erhöht. Im diesem Winter wurde ein Seminar für Propagandi'stimien von Dr. Mirjam Scheuer mit gutem Erfolge veranstaltet. Am 1. Februar d. J. eröffnete die Ortsgruppe Prag eine Ausstellung jüdischer Künstler. Ungarn. Die kürzlich gegründete WlZO-Gruppc in Budapest entwickelt sich günstig und bringt die Mittel zur Verteilung von Milch und Lebertran in unsern Mütterberatungsstellen in Tel-Aviv auf. Sie wirkt erfolgreich auf dem Gebiete der WilZO-Pröpagarada durch die ungarische Presse. Generalversammlung der Z. M. V. „Mirjam“ Am i. März i930 fand die diesjährige Generalversammlung der Z. M. V. «Mirjam» statt, die einen besonders feierlichen Charakter hatte, wurde doch das zehnte Semester seit Gründung der «Mirjam» gefeiert. Dieser Anlaß brachte einen Ueberblick über die bisherigen Leistungen der «Mirjam». Frau Pollak berichtete über die erste Zeit der «Mirjam». Es war in den Jahren nach dem Umsturz, als eine durchaus materialistische Einstellung sich in den jüdischen Bürgerkreisen, besonders bei den jungen Mädchen bemerkbar machte. Damals entstand der Gedanke, eine zionistische Mädchengruppe zu gründen, der von Frau Pollak aufge-, griffen und in die Tat umgesetzt wurde. Anfangs waren es bloß vier Mädchen, die sich im Hause der Frau Pollak versammelten, um zu lesen und verschiedene Fragen gemeinsam zu besprechen. Später wuchs die Zahl der Mitglieder und es mußte ein Zimmer als Heim gemietet werden. Wie groß die Kraft der Organisation war, zeigt die Tatsache, daß die «Mirjam» heute 5 Gruppen und 2 Kindergruppen mit zusammen zirka 140 Mitgliedern zählt, ein eigenes schönes Heim im jüdischen Zentrum besitzt und in Wien als eine der aktivsten Jugendgruppen bekannt ist. Ein besonderes Erlebnis der jungen «Mirjam» war der 14. Zionistenkongreß in Wien, der auch die Bekanntschaft mit der Breslauer Mädchengruppe «Rahel» vermittelte und die Gründung des Kontinentalbundes Zion. Mädchenvereinigungen anbahnte. Das Gefühl der Gemeinschaft mit Gesinnungsbrüdern und Gesinnungsschwestern in der ganzen Welt, stärkte das jüdische Bewußtsein der Mädchen und erhöhte ihre Arbeitsfreude. Aber nicht nur Kultur- und N. F.-Arbeit sollte in der «Mirjam» geleistet werden, sondern auch soziale Arbeit. In diesem Sinne übernahmen die Mädchen die Leitung der von Frau Anitta Müller gegründeten Kinderstube. Später, als diese Institution einen immer größeren Rahmen einnahm, mußte eine Kindergärtnerei die Führung in die Hand nehmen, doch wurde sie von den Mädchen der «Mirjam» in ihrer Arbeit unterstützt. Zu den sozialen Arbeiten der «Mirjam» gehört die Sorge für das Heim der blinden Mädchen in der Darwingasse. Ein Teil dieser Arbeiten wurde später durch die in großem Rahmen durchgeführten Ausrüstungsaktionen für Chalusim abgelöst. Zu bemerken wäre noch, daß die Wiener «Mirjam» einen freundschaftlichen Kontakt mit der Zic.iistischen Frauenorganisation Oesterreichs aufrecht erhält und daß durch diese Tatsache auch das Verhältnis der Londoner Exekutive der «Wizo» zum Kontinentalbund zionistischer Mädchenorganisationen, dessen Leitung ihren Sitz ln Wien hat, in günstigem Sinne beeinflußt wurden. Hierauf folgten die Berichte der einzelnen Gruppen ifFühreriiiiicn: Marie Pollak, Dorli Klemer, Agate Toller, Dr. Henriette Rappaport, Paula Köhniärkes, Mina Broczyner, Grete Schwarz). Die Berichte zeigten, daß alle Gruppen der «Mirjam» ein einheitliches Programm haben (Vorträge, Kurse, 2. B. jüdische Geschichte und Geschichte des Zionismus, auch Kurse allgemeiner Nabur, N. F.-Arbeit, Chahizaktionen, Feiern und Veranstaltungen, usw.) Dennoch ergibt es sich durch die Person der Führerin und die Eigenart der Mädchen, daß jede Gruppe ihr besonderes Gepräge erhält, das sich ln verschiedenen speziellen Einrichtungen der Gruppe auch ist. Nach einem ausführlichen Bericht über die Chaluzaktionen (Hort Müller) meldete sich eine Vertreterin der ehemaligen «Mirjam»-Mitgiieder zum Wort, die erklärte, daß sie und die anderen Mädchen, die aus irgendwelchen Gründen aus der «Mirjam» ausgetreten waren, durch ihre Anwesenheit bei der Feier ihre Anhänglichkeit an die «Mirjam», die Menschen und die Idee, dokumentieren wollen. Hierauf sprachen Frau Federn-Lipschütz und Frau Paßweg, Unter vielen Veranstaltungen und Abenden, die in der letzten Zeit in Wien stattfanden, verdient dieses Fest ganz 'besonders hervongehoben zu werden. Wir übertreiben wohl nicht, wenn wir behaupten, daß das Schauturnen für jeden, der ihm beiwohnte, ein Erlebnis bedeutete. Fröhliche und freudige Stimmung herrschte im Saale, als die kraftstrotzenden, jugendlichen «Makkabis» vor den Augen des begeisterten Publikums ihre Uebungen vorführten. Wir widmen in unserem Alltag wahrlich viel zu wenig Aufmerksamkeit dieser herrlichen Regenerationsbewegung, die heute schon die ganze jüdische Welt umfaßt. Desto mehr überrascht sind wir, wenn uns Gelegenheit gegeben wird, die Resultate langwieriger und langjähriger Arbeit im Laufe von wenigen Stunden zu beobachten. Das Schauturnen war uns eine derartige willkommene Gelegenheit. Jeder Punkt des Programmes war eine Sehenswürdigkeit für sich. Aber nicht nur die technische Vollkommenheit, die prachtvolle Harmonie, der. Geist des edlen Wettstreites um die Stag .ispalme waren es, die in erster Reihe zu würdigen sind Man cpürte vor allem, daß man hier nicht mit einem Sport, des Sportes wegen zu tun hat, daß nicht snobbistische Eitelkeit den Ansporn zu diesen Leistungen bot, sondern daß die" Makkabi-Bewegung eine wohlduröhdachte, tief schürfende Verwirklichung der Renaissance im wahrsten Sinne des Wortes ist, daß sie eine der schönsten und hoffnungsvollsten Aeußer.ungen unserer nationalen Bewegung und mit dem zionistischen Gedanken aufs engste verbunden ist. Der alte Nordausche Gedanke vom Muskeljudentum findet seine Verwirklichung nicht mehr in einzelnen, keinen Zusammenhang miteinander habenden Sportvereinen: eine die ganze jüdische Welt umfassende Makkabi-Bewegung ist im Gange, mit dem Ziel, eine neue, kräftigere, aufrechtere Generation zu erziehen. Das, was wir Sonntag abends in den Sofiensälen gesehen haben, war ein kleiner, ein Wiener Ausschnitt aus dieser Bewegung. Der tosende Beifall, welcher nach jedem Punkte des Programmes den Saal durdhbrauste, war nicht nur ein Zeichen der Würdigung dessen, was dargeboten wurde, sondern auch ein Ausdruck der Freude, daß wir diese herrliche Jugend haben. Die ausländischen Gäste des Makkabi, die am Schauturnen teilnahmen, trugen ihrerseits dazu bei, daß das Fest noch schöner ausgefallen ist. Man müßte das ganze Programm genau besprechen, wollte man all das, was gesehen wurde, genügend würdigen. Die Freiübungen der Kinder, der. kleinsten Makkabis, bildeten den entzückenden Auftakt zum Fest. Dann folgten die Freiübungen der Damen und der Herren, um vor der Pause mit einem allgemeinen Aufmarsch aller Teilnehmer abzuschließen. Einen herrlichen Anblick bot der Saal, dessen Mitte von Kolonnen der strammen Turner und Turnerinnen in ihren schmucken Uniformen gefüllt war. Hebräische Kommandorufe ertönten und bei den Klängen der Regimentskapelle Nr. 4 marschierten die Jungen und die Mädchen mit Fahnen in den Saal. Die Festrede hielt Herr Hans Friedenthal, Berlin, der an Stelle des erkrankten Präsidenten des Makkabi-Weltverbandes, Dr. Hermann Leiewer im Namen des Präsidiums des Weltverbandes die österreichischen Makkabi-Turner aufs herzlichste begrüßte. Herr Friedenthal hielt auch einen tief empfundenen Nachruf für Lord Balfour. ln diesem Momente senkten sich die Fahnen des Makkabi und das Publikum erhob sich von seinen Plätzen, um in stiller Trauer des großen Verstorbenen zu gedenken. Die von der Kapelle gespielte Hatikwah schloß den ersten Teil der Feier. Nach der Pause wurden die Entscheidungskämpfe um die Makkabi-Meisterschaft von Oesterreich 1930 ausgetragen. Die Uebungen für Damen: Hochbarren, Kür und für Herren: Hochreck, Kür, wie auch Tisch lang, Sonderriege der Herren (Wien) gab vielen der Teilnehmer Gelegenheit, dem begeisterten Publikum ihr die im Namen der «Wizo» hre Anerkennung für die Arbeit ihrer jüngeren Gesinnungsschwestern zum Ausdruck brachten. Schließlich wurde der Führerin, Frau Marie Pollak ein Diphom Über 100 Oelbäume überreicht. Mit der Hatikwah wurde die Versammlung geschlossen. Delegiertentag des Schweizerischen Landesverbandes für Frauenarbeit ln Basel. Der Schweizerische Landesverband für Frauenarbeit in Palästina hielt unter zahlreicher Beteiligung seinen diesjährigen Delegiertentag ab. Frau Nany M a r g u- 1 i es aus Tel Aviv erstattete einen ausführlichen Bericht über die Frauenarbeit in Palästina. Die im Landesverband organisierten Frauen brachten im abgelaufenen Rechnungsjahre 20.000 Francs für palästinensische Zwecke auf. Die Leitung des Verbandes wurde von Zürich nach Basel verlegt. Der Vorsitz wurde Frau J. Kaufmann übertragen. wirkliches Können vorzuführen. Insbesondere entzückte die Turnerin Lott durch ihre graziösen, fast artistischen Leistungen auf dem Hochbarren. Das Keulenschwingen des Makkabi IX bot eine angenehme Abwechslung. Die Fackelschwinger bezauberten im verdunkelten Saale die Zuschauer durch ihre rhythmischen Uebungen, die eine Illusion hervorriefen, als ob Schwärme von Glühwürmchen im Saale umhersohwirrten. Die Stabübungen des Makkabi XV bildeten eine nicht minder interessante Sehenswürdigkeit: In der Mitte die Turner, die akrobatisch rhythmische Uebungen darbrachten, rechts und links Turnerinnen mit ihren kleineren Stäbchen, die eine graziöse Flanke für die mittlere Riege bildeten. In den gymnastischen Uebungen (Damen und Herren) des Makkabi X erreichte das Programm — wenn man in diesem Schauturnen überhaupt von Höhepunkten sprechen kann —: seinen Höhepunkt. Die Vorturnerin, Fräulein Groß, bot mit ihrer Gruppe wahrlich Außergewöhnliches und das Auge Entzückendes. Die Sonderriege der Gäste vom Bar-Kochba BresJau wie auch die Ringeübungen der Sonderriege des Vivo A. C.-Budäp'est riefen einen Beifallssturm hervor. Sodann .wurden die Preise verteilt Die äußerst spannenden Wettkämpfe um die Meisterschaft im Turnen brachten den Sieg den ungarischen Gästen. Der Träger des zweiten Platzes, Sonnenwirt (Brünn), stammt auch aus Budapest. Ansonsten konnte Schwarz den ersten, Farkas den dritten Platz erringen. Ferner fiel an V. A. C. Budapest der vierte und fünfte Platz. Der beste Wiener war Butterklee, der am sechsten Platz landete. In der Damenmeisterschaft fielen die ersten zwei Plätze an die Breslauerinnen Kochmarm und Briegen. Die besten Wienerinnen waren Finni Böhm (Dritte) und Hella Gottesmann (Vierte). . - Rücktritt des Prager Oberrabbiners Dr. Heinricli Brody Prag, 23. März. (J. T. A.) Der Prager Ob$rrabbiner Dr. Heinrich Brody hat der Repräsentanz der Prager jüdischen Gemeinde das Gesuch um Versetzung in den Ruhestand überreicht. Wie die J. T. A. erfährt, wird die Repräsentanz diesem Gesuch in Anbetracht der langjährigen Tätigkeit Dr. Brodys und der zwingenden wissenschaftlichen Arbeiten, denen er sich nach seiner Pensionierung widmen will, stattgeben. Ueber die Nachfolge in der tschechoslowakischen Oberrabbinerschaft ist noch nichts bekannt. Palästina-Produkte. Der Absatz der hervorragenden Palästinaprodukte bildet einen wichtigen Faktor zur Förderung des Aufbaues des jüdischen Heimes in Palästina. In dieser Erkenntnis befaßt sich die Firma S. Halpern, II., Förstergasse 6 (Tel. R 40-4-12), hauptsächlich mit dem Vertrieb dieser Produkte, wie Weine, Mazzoth und Orangen. Lagernd die erstklassigsten Weine aus den palästinensischen Weinkellereien S. Friedmann <S Sohn, Haifa, Petach Tikwah, und aus den Kellereien des Barons Edmonde Rothschild, Rischon le Zion. Die Firma Halpern gewährt den Mitgliedern der Rabattsektion des Keren Kajemeth bei Weinbestelhmgen 5 Prozent, bei anderen Waren 2 Prozent Rabatt. Ueber 5000 Aerzte bestätigen die hervorragende, sclimerzstillende iu>rud heilende Wirkung des Togal bei rheumatischen, gichtischen und nervösen Schmerzen. Auch bei Erkältufligskrankhciteai sind Togal-Tabletten altbewährt. Die Wirkung tritt unmittelbar ein. Togal-Tablotteu sk»d absolut unschädlich und üben weder auf den Magen, die Nieren oder andere Organe einen schädlichen Einfluß aus. Die berühmten amerikanischen Horowltz-Margareten- Mazzoth sind bereits in Wien eingelangt und es herrscht eine lebhafte Nachfrage nach ihnen, da sich bereits viele davon überzeugten, daß diese Mazzoth sowohl qualitativ wie auch bezüglich Kaschruth das beste und bekömmlichste Nahrungsmittel für Pessach ist. In allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Siehe Inserat auch im Innern des Blattes. Das Schauturnen Ein imposantes Fest des Wiener Makkabi